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Auf der Grundlage von CVTS4 (für das Jahr 2010) hat Eurostat geschätzt, dass sich im EU-28-Durchschnitt 38 % der Beschäftigten an betrieblicher Weiterbildung beteiligen Schaubild C2.3-1. Dies stellt eine deutliche Steigerung gegenüber 2005 (CVTS3; geschätzter EU-28-Durchschnitt 33 %) dar, der Wert von 1999 (CVTS2; 39 %) ist damit nahezu wieder erreicht. Die Beteiligung an Weiterbildungskursen ist in den einzelnen Staaten sehr unterschiedlich (zwischen 16 % in Griechenland und 61 % in Tschechien), gegenüber 1999 haben sich die Unterschiede leicht verringert. 2010 hat nur in 3 Staaten (Tschechien, Belgien und Luxemburg) mindestens die Hälfte der Beschäftigten an betrieblich finanzierten Weiterbildungskursen teilgenommen. In 10 Staaten (8 osteuropäische Staaten, Griechenland und Vereinigtes Königreich) wurde weniger als ein Drittel der Beschäftigten einbezogen.

In Deutschland haben im Jahr 2010 mit 39 % deutlich mehr Beschäftigte an kursförmiger betrieblicher Weiterbildung teilgenommen (vgl. Kapitel B1.2.2) als 2005 (30 %) und 1999 (32 %). Dennoch liegt Deutschland nach wie vor im Mittelfeld der EU-28, da auch die meisten anderen Länder Zuwächse verzeichneten, die teilweise sehr kräftig ausfielen (z. B. Spanien). In den meisten Staaten Nord- und Westeuropas wurden höhere Teilnahmequoten als in Deutschland erzielt, nur 3 nord- oder westeuropäische Staaten (Dänemark, Österreich, Vereinigtes Königreich) haben niedrigere Teilnahmequoten als Deutschland.

CVTS unterscheidet sich von AES und LFS in der Operationalisierung des lebenslangen Lernens und die Teilnahmequoten beziehen sich auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Für einen Vergleich der Teilnahmequoten aus AES und CVTS müsste die Bezugsbasis der Teilnahmequote für beide Erhebungen einheitlich gewählt werden (Beschäftigte in Unternehmen bestimmter Größe und Branchen).289 In einer ersten, groben Annäherung können Teilnahmequoten für Beschäftigte insgesamt verglichen werden. Das breitere Spektrum der erfassten Lernaktivitäten im AES (betrieblich finanzierte Weiterbildungskurse wie im CVTS, zusätzlich aber betrieblich finanzierte andere Weiterbildungsformen wie vorausgeplantes Lernen am Arbeitsplatz sowie individuell finanzierte Lernaktivitäten mit oder ohne Berufsbezug) lässt erwarten, dass die Teilnahmequoten im AES höher ausfallen als in CVTS. Gleichzeitig führt die Selektion der Unternehmen in CVTS (vor allem der Ausschluss der Mikrounternehmen) wegen des Zusammenhangs von Weiterbildungsaktivitäten mit der Unternehmensgröße zu einer im Vergleich zu allen Beschäftigten höheren Teilnahmequote. Empirisch zeigt der Vergleich der Teilnahmequoten aller Beschäftigten aus CVTS und AES in fast allen Staaten und im geschätzten EU-28-Durchschnitt eine höhere Beteiligung im AES.

Unabhängig von der jeweils gemessenen Höhe der Teilnahmequote der Beschäftigten kann auch die Entwicklung der Beteiligung Beschäftigter am lebenslangen Lernen untersucht werden. Nach den Ergebnissen von CVTS hat sich im EU-28-Durchschnitt und in den meisten EU-Staaten zwischen 2005 und 2010 die Beteiligung der Beschäftigten an betrieblicher Weiterbildung erhöht. Slowenien ist das einzige Land, in dem ein nennenswerter Rückgang zu verzeichnen war. Im Vergleich von AES 2007 mit AES 2011/2012 gibt es insgesamt 9 Länder mit einer allerdings zumeist nur leicht rückläufigen Entwicklung der Beteiligung der Beschäftigten am lebenslangen Lernen (Belgien, Bulgarien, Griechenland, Litauen, Slowenien, Slowakei, Schweden, Tschechien und Vereinigtes Königreich). In der Mehrzahl der Länder, für die Ergebnisse für beide Erhebungen und jeweils zwei Zeitpunkte verglichen werden können, zeigt sich eine gleichgerichtete Entwicklungsrichtung. Gegensätzliche Entwicklungen sind zumeist schwach ausgeprägt. Substanzielle gegenläufige Entwicklungen zeigen sich nur in Belgien, Bulgarien, Litauen und der Slowakei. Sie sollten angesichts der unterschiedlichen Referenzzeiträume, der nicht ganz einheitlichen Bezugsbasis der Teilnahmequote und der unterschiedlichen Einbeziehung der Aktivitäten des lebenslangen Lernens nicht überinterpretiert werden. Genauere Analysen sind derzeit nicht möglich, weil dafür differenziertere Veröffentlichungen von Eurostat oder der Zugang zu den anonymisierten Mikrodaten erforderlich sind.

Schaubild C2.3-1: Anteil der Teilnehmenden an betrieblichen Weiterbildungskursen 2010, 2005 und 1999 (in % der Beschäftigten in allen Unternehmen)

  • 289

    Auf der Grundlage der Mikrodaten aus dem deutschen AES lässt sich die Entwicklung der Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung für die abhängig Beschäftigten in den von CVTS berücksichtigten Branchen und Unternehmensgrößen näherungsweise ermitteln. Auf der Grundlage von AES (Vergleich 2007 und 2012) und CVTS (Vergleich 2005 und 2010) zeigt sich eine Zunahme der Beteiligung an betrieblicher Weiterbildung; das Ausmaß der Veränderungen ist jedoch unterschiedlich, u. a. wegen der nicht ganz identischen Abgrenzung betrieblicher Weiterbildung und der Lage der Referenzzeiträume (vgl. ausführlicher Behringer/Bilger/Schönfeld 2013, S. 148 ff.).