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Beim Verbleib der Jugendlichen in beruflicher Qualifizierung gab es in den 16 Bundesländern auch 2002 sehr unterschiedliche Schwerpunkte

Dies zeigt eine Synopse der Einmündungszahlen in Ausbildung für das Jahr 2002. 

Die Tabelle 1 enthält entsprechende Angaben für 2002, differenziert nach Ost (einschließlich Berlin) und West sowie nach den 16 Ländern. Aufgenommen wurden vollqualifizierende Ausbildungen innerhalb und außerhalb von BBiG/HwO, Bildungsgänge, die auf eine Berufsausbildung bzw. auf ein Fachhochschulstudium vorbereiten sowie die Maßnahmen des Sofortprogramms zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Die Daten beziehen sich in fast allen Fällen auf Ausbildungsverhältnisse, die im Jahr 2002 neu gestartet wurden. Zusätzlich zu diesen Ausbildungszahlen enthält die Synopse Daten zu den am 31. Dezember 2002 noch nicht vermittelten Bewerbern, zu den arbeitslosen Jugendlichen unter 20 Jahren, zu den angehenden Beamten im einfachen bis zum gehobenen Dienst (alle Ausbildungsjahre) und zu den Studienanfängern. Berichtet werden jeweils die absolute Zahlen und ihre relative Bedeutung, bezogen auf jeweils 1.000 Jugendliche eines durchschnittlichen Altersjahrganges zwischen 16 und 19 Lebensjahren.

Interpretationshinweise:

Die relativen Anteile, bezogen auf jeweils 1.000 Jugendliche eines durchschnittlichen Altersjahrganges, wurden in die Tabelle aufgenommen, um den Vergleich zwischen den 16 Ländern, deren Bevölkerungsumfang ja erheblich variiert, zu erleichtern. So lässt sich der Tabelle 1 beispielsweise entnehmen, dass in Hamburg rechnerisch auf jeweils 1.000 dort gemeldete Jugendliche 726 neu abgeschlossene betriebliche Ausbildungsverträge entfielen, während es im gesamten Bundesgebiet nur 552 waren.

Bei der Interpretation der Synopse ist zu berücksichtigen, dass die Erfassungszeitpunkte der verschiedenen Bildungsgänge nicht immer identisch sind - sie variieren in der Regel zwischen Mitte und Ende 2002. Deshalb sind Mehrfacherfassungen möglich. Eine Person, die z.B. eine Berufsausbildung angefangen hatte, diese in der Probezeit abbrach und anschließend eine berufsvorbereitende Maßnahme absolvierte, würde zweimal gezählt. Des Weiteren muss beachtet werden, dass es sich nicht allein um Bildungsströme aus dem Kreis der 16- bis unter 20-jährigen handelt, sondern zum Teil auch ältere Jugendliche auf die Besetzungszahlen der einzelnen Bildungsgänge Einfluss nehmen. Beispielsweise sind viele Studienanfänger bereits zu Beginn ihres Hochschulstudiums älter als 20 Jahre. Die Funktion der hier verwendeten demografischen Bezugsgröße besteht somit allein darin darin, den quantitativen Querschnittsvergleich zwischen den Ländern und zwischen den verschiedenen Bildungsgängen zu erleichtern. Deshalb addieren sich die hier ausgewiesenen rechnerischen Anteile auch nicht auf 1.000, sondern gehen deutlich darüber hinaus.

Die Daten zu den einzelnen Bildungsgängen sind trotz des hier vorgenommenen Bezugs zur Demografie vor allem von der Angebotsseite her zu interpretieren. Wenn beispielsweise in der Hansestadt Hamburg rechnerisch 726 neu abgeschlossene betriebliche Ausbildungsverträge auf je 1.000 16- bis unter 20-jährige Hamburger entfallen, so heißt dies nicht, dass es sich bei den Ausbildungsanfängern ausschließlich um Hamburger Jugendliche handelt. Denn der jeweilige Einfluss von Bildungspendlerbewegungen konnte in den hier ausgewiesenen Daten nicht ausgeschaltet werden. Die rechnerische Größe von 726 besagt lediglich, dass in Hamburg in Relation zur dort lebenden Bevölkerung vergleichsweise viele betriebliche Ausbildungsangebote realisiert wurden. Diese Angebote können aber auch von Einpendlern aus anderen Ländern genutzt worden sein. Dass in diesem Zusammenhang tatsächlich mit solchen Mobilitätseffekten zu rechnen ist, lässt sich aus der Bewerberstatistik der Berufsberatung ableiten.

Demnach begannen rd. 2.000 Ausbildungsstellenbewerber aus anderen Ländern eine Lehre in Hamburg, während nur 38 Hamburger Bewerber in eine Ausbildungsstelle außerhalb der Hansestadt einmündeten. Diese Wanderungsbewegungen über Ländergrenzen hinweg tragen zum einen dazu bei, dass auch Länder mit einem unterdurchschnittlichen Ausbildungsangebot die Zahl der noch nicht vermittelten Bewerber bzw. der arbeitslosen Jugendlichen relativ begrenzt halten können. Zum anderen führen sie dazu, dass auch Länder, in denen für die einheimischen Schulabgänger rechnerisch genügend Ausbildungsangebote vorhanden sind, zu den Problemregionen des Ausbildungsmarktes werden können. Informationen zu Pendelbewegungen im Rahmen der schulischen und sonstigen Bildungsangebote liegen nicht vor; jedoch sollte insbesondere auch bei den vollqualifizierenden Bildungsgängen mit entsprechenden Effekten gerechnet werden. Dies gilt etwa für die Studienanfänger. So bilden insbesondere die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg in einem Ausmaß Studierende aus, das weit über die Versorgung der eigenen Studienanfänger hinausgeht.

Ergebnisse:

Trotz des starken Rückgangs der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge von 2001 bis 2002 war die Ausbildung in BBiG/HwO-Berufen immer noch dominierend. Gleichwohl nahm die Bedeutung alternativer Bildungsgänge zu. Bundesweit standen im Jahr 2002 1.000 Jugendlichen 617 neu begonnene Ausbildungen nach BBiG/HwO gegenüber (2001: 664). Alle schulisch-vollqualifizierenden Bildungsangebote zusammen erreichten rechnerisch 172 von 1.000 Jugendlichen (2001: 160). Relativ stark besetzt waren auch Bildungsangebote, die auf eine Ausbildung vorbereiten: Einschließlich der Fachoberschüler der 11. Klasse addieren sich die relativen Anteile in den verschiedenen Formen (Berufsgrundbildungsjahr schulisch, Berufsfachschulen, Berufsvorbereitungsjahr) auf 361 je 1.000 Jugendliche (2001: 341)

Für alle hier aufgeführten Bildungsgänge gilt, dass die Bedeutung in den 16 Ländern stark variiert. Einige Beispiele: Während in Brandenburg rechnerisch 64 berufsfachschulische BBiG/HwO-Ausbildungen je 1.000 Jugendliche gestartet wurden, sind es in den alten Ländern nur sieben. Befanden sich in Baden-Württemberg gerade einmal 88 von 1.000 Jugendlichen in berufsvorbereitenden Maßnahmen der Arbeitsverwaltung, waren es in Mecklenburg-Vorpommern 236. Viele der Unterschiede hängen mit den jeweiligen bildungspolitischen Zielsetzungen der Länder zusammen. Oft bietet ein Land bestimmte Bildungsangebote überhaupt nicht an, oder es bildet gezielt Schwerpunkte. Starken Einfluss nimmt jeweils die jeweilige Stellung der betrieblichen Ausbildung. Je höher der Anteil der betrieblichen Ausbildung in den Ländern ausfällt, desto bedeutungsloser sind naturgemäß die kompensatorischen Ausbildungsgänge wie die außerbetriebliche Ausbildung oder die Maßnahmen aus dem Sofortprogramm der Bundesregierung zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Aber auch die vollqualifizierenden schulischen Ausbildungsgänge besitzen nicht die selbe Bedeutung wie in Ländern mit vergleichsweise wenigen betrieblichen Angeboten. Dagegen gibt es tendenziell eher mehr berufsfachschulische Angebote, die eine berufliche Grundbildung vermitteln.

Manche Länderunterschiede sind auch auf Uneinheitlichkeiten in der statistischen Zuordnung zurückzuführen; davon betroffen ist die Aufteilung der vollqualifizierenden Bildungsangebote auf das Gesundheitswesen und auf die Berufsfachschulen. Es lassen sich zudem Abhängigkeiten von der aktuellen Lage im Beschäftigungssektor erkennen: In Ländern mit überdurchschnittlich schwieriger Arbeitsmarktsituation gab es häufiger vollqualifizierende Bildungsangebote im außerbetrieblichen bzw. schulischen Bereich. Besonders oft wurden hier auch berufsvorbereitende Maßnahmen der Bundesanstalt für Arbeit und Angebote aus dem Sofortprogramm zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit umgesetzt.

Trotz der zusätzlichen Bildungsangebote im Berufsvorbereitungsbereich wurden in diesen Ländern tendenziell mehr Jugendliche registriert, die am Ende des Jahres zu den noch nicht vermittelten Bewerbern zählten bzw. als arbeitslos registriert waren. Bei der Interpretation des in Tabelle 1 ausgewiesenen relativen Anteils arbeitsloser Jugendlicher ist zu berücksichtigen, dass es sich hierbei nicht um Arbeitslosenquoten handelt. Denn es wird in diesem Fall nicht auf die abhängig Beschäftigten prozentuiert, sondern, wie oben ausgeführt, auf die durchschnittliche Jahrgangsstärke der 16- bis unter 20-jährigen

Vergleich mit den Vorjahresergebnissen 2001

In Tabelle 2 sind die Vorjahresergebnisse für 2001 enthalten. Oben wurde bereits darauf hingewiesen, dass 2002 die relative Bedeutung der betrieblichen BBiG/HWO-Ausbildung gegenüber 2001 abnahm (um -50 von 602 auf nunmehr rechnerisch 552 Ausbildungen je 1.000 Jugendliche). Dagegen stiegen die Anteile

  • der berufsvorbereitenden Maßnahmen (+17),
  • der berufsfachschulischen Ausbildungsgänge, die eine Grundbildung vermitteln (+10),
  • der vollqualifizierenden berufsfachschulischen Ausbildungen außerhalb BBiG/HwO (+10) und
  • die der Studienanfänger (+13). 

Der Anteil der am 31.12. arbeitslosen Jugendlichen unter 20 Jahren ging leicht zurück (-7). Wie für die Einmündungszahlen insgesamt, so gilt auch für die Veränderungsraten, dass die Unterschiede zwischen den Ländern beträchtlich waren.

 Vergleiche auch die Vorjahresmeldung 02/2003 im Archiv u.a. mit weiteren Daten für das Jahr 2000.
Bei der Interpretation der dort ausgewiesenen Daten für 2001 ist zu berücksichtigen, dass zwischenzeitlich Korrekturen für die neu abgeschlossenen Lehrverträge vorgenommen werden mussten.

Tabellen

  • Tabelle 1
    Tabelle 1
    Einmünder, Ausbildungsanfänger im Jahr 2002, absolut und relativ (d. h. bezogen auf jeweils 1.000 Jugendliche im Alter zwischen 16 bis unter 20 Jahren)
  • Tabelle 2
    Tabelle 2
    Einmünder, Ausbildungsanfänger im Jahr 2001, absolut und relativ (d. h. bezogen auf jeweils 1.000 Jugendliche im Alter zwischen 16 bis unter 20 Jahren)

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