Sie befinden sich hier:

Sprachversion:

 

Wachsende Schulabgängerzahlen in den nächsten drei Jahren führen zu einer weiteren Belastung des Ausbildungsmarktes

Dies ist das Ergebnis aktualisierter Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes.

Schulabgänger aus allgemein bildenden Schulen in 2004

Nach den aktualisierten Vorausschätzungen des Statistischen Bundesamtes ist im Jahr 2004 mit 942.027 Schulentlassenen aus allgemein bildenden Schulen zu rechnen. Dies sind 8.392 bzw. + 0,9 % mehr als 2003; vgl. Tabelle 1. Zuwächse wird es jedoch im Wesentlichen nur im westlichen Bundesgebiet geben; hier steigt die Zahl der Absolventen um 12.634 bzw. + 1,8 % auf nunmehr 724.785. Rückgänge sind von den zehn alten Ländern lediglich in Hessen und im Saarland zu erwarten, die allerdings mit -0,8 % bzw. -1,0 % noch relativ gemäßigt ausfallen. Im östlichen Bundesgebiet sinkt insgesamt die Zahl um 4.242 bzw. - 1,9 % auf 217.242. Dies ist bereits Folge der demographischen Veränderungen bei den um die "Wendezeit" geborenen Jugendlichen, und dementsprechend beschränken sich die Rückgänge noch auf die jüngeren Schulabsolventen ohne Abschluss (-1.254 bzw. - 5,1 %), mit Hauptschul- (-930 bzw. - 2,8 %) und mit mittlerem Abschluss (- 2.070 bzw. -1,9 %). Die Abiturientenzahl bleibt noch nahezu konstant. Von den einsetzenden Rückgängen sind alle neuen Länder mit Ausnahme von Sachsen-Anhalt betroffen, aber auch in Berlin bleibt die Zahl im Wesentlichen unverändert

Weitere Entwicklung bis 2010

In den alten Ländern wird die Zahl der Schulabgänger aus allgemein bildenden Schulen bis 2007 auf 761.554 ansteigen und anschließend bis 2010 wieder auf 733.255 fallen; vgl. Schaubild 1. Trotz des stetigen Rückgangs ab 2007/2008 wird es somit 2010 immer noch rund 8.500 Absolventen mehr geben als in 2004. Der Ausbildungsstellenmarkt der alten Länder steht damit auch in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen, was die Bereitstellung eines ausreichenden Lehrstellenangebots betrifft, auch wenn wegen der zurückgehenden Pendlerzahlen aus dem Osten Deutschlands mit einer gewissen Entlastung zu rechnen ist.

In den neuen Ländern und Berlin hat der Rückgang der Absolventen aus allgemein bildenden Schulen bereits eingesetzt. Er verläuft aber bis 2006 noch in relativ moderaten Schritten, um ab 2006/2007 ein recht drastisches Ausmaß anzunehmen; vgl. Schaubild 2. 2010 werden mit 124.268 Abgängern 93.000 Jugendliche (42,8 %) weniger die Schulen verlassen als noch 2004.

Vorausschätzung der Ausbildungsplatznachfrage 2004

Nach den BIBB-Schätzungen steigt die Ausbildungsplatznachfrage im Jahr 2004 auf insgesamt 604.500 (West: 454.500 ohne Einpendler aus dem Osten; Ost: 150.000 inklusive Auspendler in den Westen). Dies wären rund 9.400 Nachfrager bzw. 1,6 % mehr als im Vorjahr 2003. Das Ergebnis beruht auf der Annahme, dass es im nächsten Jahr im selben Maße wie 2003 gelingt, ausbildungsinteressierte Jugendlichen mit Ausbildungsplätzen zu versorgen - also vergleichbar hohen Anteilen unter den verschiedenen Nachfragegruppen Lehrstellen zur Verfügung zu stellen. Da die absolute Zahl der Jugendlichen aber insgesamt steigt, heißt dies, es müsste 2004 auch die Zahl der Ausbildungsplatzangebote zunehmen, wenn 604.500 Ausbildungsstellennachfrager erreicht werden sollen.

  • Sollte jedoch das Angebot gegenüber dem Vorjahr unverändert bleiben, würde die Nachfrage trotz eines deutlichen Plus bei den Schulabgängerzahlen nicht um 9.400, sondern nur um 3.600 auf 598.700 steigen. Die gegenüber der oben genannten Prognose "fehlenden" 5.800 Jugendlichen (9.400 - 3.600) würden nicht mehr als Nachfrager gezählt, weil sie aufgrund erfolgloser Bewerbungen auf Alternativen ausweichen. Bei den zusätzlichen 3.600 Nachfragern würde es sich ausschließlich um Jugendliche handeln, die am Ende des Jahres zu den noch nicht vermittelten Bewerbern zählen.
  • Käme es dagegen zu einem gleich großen Angebotsrückgang wie im Jahr 2003 (dieser lag bei -15.400), so würde die Nachfrage trotz wachsender Schulabsolventen­zahlen ebenfalls sinken - und zwar um 9.800 auf nur noch 585.300.
  • Könnte eine Angebotssteigerung um 25.000 Plätze erzielt werden (so dass die Gesamtzahl aller Angebote bei 600.000 erreichen würde), würde die Nachfrage um 25.400 ebenfalls mitziehen und bei 620.500 liegen. In diesem Fall würde es wahrscheinlich auch zu einem Abbau der Zahl der noch nicht vermittelten Bewerber kommen.
 Die Nachfrage wird hier im traditionellen Sinne definiert als Summe der Jugendlichen, deren Bewerbungsbemühungen erfolgreich waren und die einen Ausbildungsvertrag abschließen (2003: 560.086), und der Ausbildungsplatzbewerber, die am Ende des Vermittlungsjahres zu den noch nicht Vermittelten zählten (2003: 35.015). Es gibt darüber hinaus in beträchtlichem Ausmaß Jugendliche, die sich um eine Lehrstelle bemühen, aber mit der bisherigen Definition nicht erfasst werden. Dazu zählten 2003 z.B. 46.703 Ausbildungsplatzbewerber, die wegen fehlenden Bewerbungserfolgs eine Alternative zu einer Lehre einschlugen (z.B. Jobben, Arbeit, Schule, berufsvorbereitende Maßnahme, Praktikum), ihren Vermittlungswunsch nach einer Lehre gleichwohl aufrecht erhielten.

Bei diesen Vorausschätzungen handelt es sich um über Regressionsgleichungen gewonnene Daten, die auf der Ist-Entwicklung der Ausbildungsplatznachfrage seit der Wiedervereinigung basieren. Als wichtigste Einflussgrößen auf die Nachfrage erwiesen sich in der Vergangenheit die demographische Entwicklung und die Veränderung des Ausbildungsplatzangebots. Da es weitere, quantitativ nicht immer eindeutig zu fassende Einflussgrößen auf die Entwicklung der Ausbildungsplatznachfrage gibt, ist mit entsprechenden Schätzfehlern zu rechnen.

Anhang

  • Tabelle 1
    Tabelle 1
    Schulentlassene aus allgemein bildenden Schulen (Hauptschulen, Schularten mit mehreren Bildungsgängen, Realschulen, Gymnasien, Integrierten Gesamtschulen, Freien Waldorfschulen und Sonderschulen)
  • Schaubild 1
    Schaubild 1
    Abgänger aus allgemein bildenden Schulen in den alten Ländern 2000 bis 2010
  • Schaubild 2
    Schaubild 2
    Abgänger aus allgemein bildenden Schulen in den neuen Ländern und Berlin 2000 bis 2010

Tools:


Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

Copyright: Die veröffentlichten Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar.