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Umbenennung des "Radio- und Fernsehtechnikers" in "Informationselektroniker" war ein gelungener Schachzug

Wie sich bei einer kürzlich durchgeführten Studie gezeigt hat, hat sie zu einer deutlichen Image-Verbesserung beigetragen. So werden "Informationselektroniker" als angesehner, gebildeter, reicher und intelligenter bewertet als der "Radio- und Fernsehtechniker"; vgl. Grafik 1. Diese Attribute sind exakt jene, die für die Berufswahl der Jugendlichen von besonderer Relevanz sind.

Untersuchungsansatz

Das BIBB ist zusammen mit der Universität Bonn der Frage nachgegangen, ob die bloßen Namen von Berufen die berufliche Orientierung von Jugendlichen beeinflussen. Rund 900 Schülerinnen und Schüler aus Haupt-, Realschulen und Gymnasien wurden nach ihren beruflichen Zielen und nach den De- bzw. Konnotationen gefragt, die sie mit bestimmten Berufsbezeichnungen verbinden. Der zuletzt genannte Bereich wurde über Semantische Differentiale operationalisiert. Dabei handelt es sich um Zusammenstellungen von bipolaren Adjektivpaaren (z.B. sauber - schmutzig; eintönig - abwechslungsreich), die zur Beschreibung einer Tätigkeit bzw. zur Charakterisierung der Berufsinhaber genutzt werden können. Jeder Befragungsteilnehmer wurde mit jeweils zwei konkreten Berufsbezeichnungen konfrontiert. Dabei gab er nicht nur an, wie er selbst Rollenträger und Tätigkeit des jeweiligen Berufs einschätzt, sondern auch, wie aus seiner Sicht "die meisten anderen Leute" urteilen würden. Unter anderem wurde anhand vier konkreter Beispiele überprüft, welche Auswirkungen mit der Modifikation von Berufszeichnungen in Folge der Neuordnung bereits bestehender Berufe verbunden sein können.

Status und Prestige sind weiterhin wichtige Berufswahlkriterien

Fragt man die Jugendlichen unmittelbar danach, ob für sie Status und Prestige wichtige Berufswahlkriterien sind, äußern sich viele Jugendliche eher zurückhaltend, insbesondere Gymnasiasten. Gleichwohl zeigen korrelative Analysen: Je stärker die Jugendlichen davon überzeugt sind, dass die Inhaber eines bestimmten Berufs hohe gesellschaftliche Anerkennung finden, desto eher sind sie geneigt, diesen Beruf auch selbst in Betracht zu ziehen. Das Gefühl, als Träger einer bestimmten Berufsrolle viel Anerkennung zu finden, fördert die wahrgenommene Attraktivität des Berufs  - ganz unabhängig davon, ob man zugleich glaubt, in diesem Beruf als besonders intelligent, gebildet oder reich wahrgenommen zu werden.

Umbenennung von Berufen führen nicht immer zu einer Image-Verbesserung

Ein Wechsel der Berufsbezeichnungen im Zuge von Neuordnungen führt aber nicht immer zu einer Imageverbesserung. Ein Beispiel ist die Umbenennung des "Ver- und Entsorgers" in "Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft ". Zwar wird der Fachkraft etwas seltener ein geringer Bildungsgrad attestiert als dem Ver- und Entsorger, aber durch die Umbenennung gelang es offenbar nicht, das dezidiert negative Image aufzuweichen. Die meisten Jugendlichen vermuten, dass sowohl der "Ver- und Entsorger" als auch die "Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft" in der Bevölkerung als eher ungebildet, arm, anspruchslos und nur wenig geachtet wahrgenommen werden.

Fazit

Umbenennungen sind nicht die Lösung aller Probleme. Denn zum einen muss die Forderung prioritär bleiben, dass die Bezeichnungen ein möglichst treffsicheres Bild von der Berufsrolle vermitteln sollen. Und zum anderen wird sich auch durch noch so geschickte Etikettierungen niemals verhindern lassen, dass sich Berufsrollen und ihre Träger immer auch in ihrem Ansehen unterscheiden. Gleichwohl sollte aber der verbleibende Spielraum bei der Benennung eines Berufes so genutzt werden, dass stigmatisierende Effekte auf ein Minimum reduziert werden.

Dies geht allerdings nicht ohne eine standardmäßige empirische Überprüfung alternativ vorgesehener Berufsbezeichnungen bei den Jugendlichen. In eine solche Ex-ante-Evaluierung sind vor allem jene Personenkreise einzubeziehen, aus denen später der Nachwuchs für diese Berufsrollen angeworben werden soll. Denn die Assoziationen der betreffenden Jugendlichen auf die zur Disposition stehenden Berufsbezeichnungen müssen keinesfalls mit den klar definierten Denotationen übereinstimmen, die Expertinnen und Experten mit bestimmten Begrifflichkeiten wie beispielsweise "Fachkraft", "Fachfrau", "Industrie", "Kreislauf- und Abfallwirtschaft" verbinden. Das BIBB setzt die Untersuchungen in einem neuen Forschungsprojekt fort.

Literaturhinweis: 

  • Krewerth, A., Leppelmeier, I. und Ulrich, J. G. (2004):
    Der Einfluss von Berufsbezeichnungen auf die Berufswahl von Jugendlichen
    In Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis. Jg. 33 (1).

Anhang

  • Grafik 1
    Grafik 1
    Der Informationselektroniker - Imageförderung durch neue Berufsbezeichnung

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Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
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