Um die Mobilitätsbereitschaft Jugendlicher zur Aufnahme einer dualen Ausbildung richtig einschätzen zu können, müssen einige Aspekte beachtet werden
Dann zeigt sich, dass die Mobilitätsbereitschaft unter den Jugendlichen entgegen häufiger zu hörenden Vermutungen sehr hoch ist.
Die Mobilität von Ausbildungsplatznachfragern zählt nicht zu den in § 5 Berufsbildungsförderungsgesetz (BerBiFG) definierten Erhebungsmerkmalen der Bildungsstatistik. Deshalb liegen hierzu keine regelmäßig erhobenen Daten vor. Allerdings weist die Berufsberatungsstatistik der Bundesanstalt für Arbeit aus, wie viele ihrer Bewerber einen Ausbildungsplatz in einem jeweils anderen Bundesland antreten; vgl. Tabelle1. Bei der Interpretation dieser Statistik sind folgende Punkte zu beachten:
Die Statistik erfasst nur die gemeldeten Bewerber. Jugendliche, die ihre Lehrstelle ohne Unterstützung der Bundesanstalt für Arbeit suchen, werden nicht berücksichtigt.
Es kann nicht differenziert werden zwischen Tagespendlern und solchen Jugendlichen, die zur Aufnahme ihrer Ausbildung den Wohnort wechseln.
Die Statistik bildet nicht die Mobilitätsbereitschaft als solche ab, sondern nur die erfolgreich realisierte Mobilität. Jugendliche, deren Bewerbungsbemühungen außerhalb des eigenen Landes erfolglos waren, werden nicht mitgezählt.
Nach den Ergebnissen einer aktuellen BIBB/BA-Bewerberbefragung (
vgl. hierzu Meldung 03/2003) haben sich im vergangenen Jahr hochgerechnet 107.600 (15,1 %) der insgesamt 711.393 gemeldeten Bewerber auch außerhalb der Heimatregion (mehr als 100 km vom Wohnort entfernt) beworben.
Dieser Anteil von 15,1 % darf jedoch nicht als "Mobilitätsbereitschaftsquote" schlechthin interpretiert werden, da es sich nur um die sichtbar gewordene Mobilitätsbereitschaft handelt. Der Anteil aller Mobilitätsbereiten dürfte mit Abstand höher liegen, da sich die Aufgabe der überregionalen Bewerbung ja nur für diejenigen stellt, die sich in der Heimatregion erfolglos beworben haben. Mit anderen Worten: Die Quote von 15,1 % lässt die latente Mobilitätsbereitschaft jener Bewerber unberücksichtigt, die in ihrer unmittelbaren Umgebung eine Lehrstelle fanden.
Deshalb fällt die gemessene Mobilität der Jugendlichen in Regionen mit überdurchschnittlich guter Ausbildungsplatzsituation stets deutlich niedriger aus als in den Problemregionen. So bewarben sich in Baden-Württemberg nur 7,8 % aller gemeldeten Bewerber für Lehrstellen in einem Umkreis von mehr 100 km, aber 39,8 % in Brandenburg (vgl. erneut Tabelle 1).
Weiterhin ist zu berücksichtigen: Nicht alle 711.393 gemeldeten Bewerber des Jahres 2002 hatten sich in den letzten Monaten aktiv um eine Lehrstelle bemüht. Manche Bewerber entschieden sich wieder um und entschlossen sich von sich aus, etwas anderes zu machen. Bezieht man die Zahl der bundesweit 107.600 Bewerber, die sich auch außerhalb der Heimatregion beworben hatten, allein auf die insgesamt 572.700 Bewerber, die wirklich aktiv auf Lehrstellensuche waren, so steigt der rechnerische Anteil der sichtbar gewordenen Mobilitätsbereitschaft von 15,1 % auf 18,8 %; vgl. hierzu Tabelle 2.
Die Mobilitätsbereitschaft und -fähigkeit ist letztlich abhängig von der allgemeinen Arbeitsmarktlage vor Ort, dem Alter der Bewerber und auch dem Geschlecht. Sehr junge Bewerber bis zu 16 Jahren ziehen deutlich seltener Lehrstellen außerhalb der Heimatregion in Betracht als etwa 19-20-jährige Bewerber. Außerdem zeigen sich junge Frauen im Schnitt wesentlich mobiler als junge Männer.
Kombiniert man alle drei Aspekte, Geschlecht, Alter und die regionale Ausbildungslage, erreicht die sichtbare Mobilitätsbereitschaft Spitzenwerte von über 50 %. Dies gilt für junge Frauen im Alter zwischen 19 und 20 Jahren, die in Regionen mit einer Arbeitslosenquote von mindestens 15 Prozent leben (vgl. erneut Tabelle 2).
Vergleiche auch Meldung 03/2003 mit ausführlichen Ergebnissen zur Ausbildungsstellenbewerberbefragung 2002.




