Betriebliche Ausbildungsquoten im Osten Deutschlands seit 1999 um 0,2 Prozentpunkte gesunken; im Westen um 0,1 Prozentpunkte gestiegen
Dies ist das Resultat einer aktuellen BIBB-Berechnung länderspezifischer Ausbildungsquoten von 1999 bis 2002 (vgl. Tabelle 1). In die Berechnungen gingen nur betriebliche Ausbildungsplätze ein, die von den Unternehmen und vom öffentlichen Dienst finanziert wurden. Außerbetriebliche Plätze, die von Bund, Ländern und Arbeitsverwaltung zusätzlich bereitgestellt wurden, blieben unberücksichtigt.
Zum Hintergrund der hier vorgenommenen Berechnungen:
Im Berufsbildungsbericht wird regelmäßig über die Entwicklung der Ausbildungsquote in Ost und West berichtet. Unter der Ausbildungsquote versteht man den Anteil der Auszubildenden an der Gesamtzahl aller Beschäftigten. Basis der Berechnung ist die Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Das Dilemma ist dabei: In den Zahlen zu den Auszubildenden sind auch außerbetriebliche Lehrlinge enthalten, ohne dass diese gesondert identifiziert werden könnten. Dies führt dazu, dass die errechneten Ausbildungsquoten die genuine Ausbildungsleistung der Wirtschaft überschätzen. Denn die außerbetriebliche Ausbildung wird nicht von der Wirtschaft, sondern vom Staat und von der Arbeitsverwaltung bezahlt.
Außerbetriebliche Auszubildende sind per definitionem solche, deren Lehre überwiegend über staatliche Programme und über die Bundesagentur für Arbeit finanziert wird. Dazu zählen Jugendliche, die einer besonderen pädagogischen Unterstützung bedürfen, aber auch rein "marktbenachteiligte" Jugendliche, die wegen des allgemeinen Lehrstellenmangels keinen betrieblichen Ausbildungsplatz fanden. Jugendliche, die an außerbetrieblich finanzierten Ausbildungsprogrammen teilnehmen, haben dennoch in vielen Fällen rege Kontakte zu Betrieben. Oft werden sie sogar vollständig von Betrieben ausgebildet. Dies gilt insbesondere für marktbenachteiligte Jugendliche. Der Unterschied zu den betrieblichen Auszubildenden besteht allein darin, dass ihre Ausbildung nicht vom Betrieb, sondern vom Staat bzw. der Arbeitsverwaltung bezahlt wird. Der Begriff "außerbetrieblich" bezieht sich also auf die Finanzierungsform und nicht etwa auf den Lernort der Ausbildung.
Zum Berechnungsverfahren:
Um nun rein betriebliche Ausbildungsquoten zu ermitteln, wurde wie folgt vorgegangen:
- Berechnung des Zählers (betriebliche Auszubildende): Von der Gesamtzahl aller Auszubildenden, wie sie die Sozialversicherungsstatistik ausweist, wird die Zahl der außerbetrieblichen Auszubildenden gemäß BIBB-Umfrage bei Bund, Ländern und Arbeitsverwaltung abgezogen.
- Berechnung des Nenners (Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten): Von der Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wird die Zahl der außerbetrieblichen Auszubildenden (siehe Schritt 1) subtrahiert.
- Berechnung des Quotienten, differenziert nach den 16 Ländern und nach den Jahren 1999 bis 2002.
Ergebnisse:
Wie der Tabelle 1 entnommen werden kann, sank die betriebliche Ausbildungsquote in den neuen Ländern und Berlin von 1999 bis 2002 um 0,2 Prozentpunkte von 5,5 % auf nunmehr 5,3 %. Sie fiel damit im Jahr 2002 um 0,7 Prozentpunkte niedriger aus als in den alten Ländern. Im Westen Deutschlands ist die Quote seit 1999 leicht gestiegen und liegt mit 6,0 % im Jahr 2002 um 0,1 Prozentpunkte höher als zu Beginn des hier berechneten Zeitraums.
Von allen 16 Bundesländern wiesen im Jahr 2002 Rheinland-Pfalz (7,0 %), Schleswig-Holstein (6,7 %), Mecklenburg-Vorpommern (6,6 %) und Niedersachse (6,5 %) die höchsten betrieblichen Ausbildungsquoten auf. Zu den Ländern mit den niedrigsten Quoten zählten Hamburg (4,4 %) und Berlin (4,5 %).
Die betrieblichen Ausbildungsquoten signalisieren, zu welchen Anteilen sich Wirtschaft und Verwaltung eines Landes dem Thema Ausbildung widmen. Sie sagen aber nicht unbedingt etwas darüber aus, wie groß die Erfolgschancen der Lehrstellenbewerber in den jeweiligen Ländern sind. Denn wenn in einem Land die Zahl der Betriebe bzw. der Beschäftigten insgesamt niedrig ist, resultieren daraus selbst bei überdurchschnittlich hoher Ausbildungsquote nur relativ wenig betriebliche Ausbildungsplatzangebote. Mecklenburg-Vorpommern ist hierfür ein Beispiel.
Zudem nimmt die unterschiedliche Wirtschaftsstruktur Einfluss auf die Ausbildungsquoten: Länder mit einem überproportionalen Anteil an großen Betrieben weisen oft auch niedrigere Ausbildungsquoten auf. Denn weil die großen Unternehmen besonders viel Geld in die Ausbildung eines einzelnen Lehrlings stecken, ist der Anteil ihrer Auszubildenden an der Gesamtzahl aller Beschäftigten zumeist nicht so hoch wie in den kleineren Betrieben. Die kleineren Betriebe verfügen zwar im Durchschnitt über einen deutlich höheren Lehrlingsanteil, dafür ist ihre Ausbildung in der Regel aber auch nicht so teuer. Insofern lässt sich aus den betrieblichen Ausbildungsquoten in Tabelle 1 auch nicht unmittelbar ableiten, wie viel die Wirtschaft eines Landes in die Ausbildung investiert.
Vgl. zum Thema "außerbetriebliche und betriebliche Ausbildung" auch die folgenden Meldung zu den Neuabschlüssen:




