Meldung 5/2002
Um zu Schätzungen des Anteils außerbetrieblicher Ausbildung in Einzelberufen zu gelangen, werden die Ergebnisse der Berufsberatungsstatistik zum 30. September 2001 mit den Berechnungen der BIBB-eigenen Erhebung zum selben Stichtag zusammengeführt. Berechnet wird jeweils das Angebot an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen im Verhältnis zu den neuen Ausbildungsverträgen.
Das außerbetriebliche Angebot wird in den Übersichten aufgeschlüsselt in die außerbetriebliche Ausbildung nach §241(2) SGB III für sozial benachteiligte oder lernbeeinträchtigte Jugendliche, für Rehabilitanden und für sogenannte marktbenachteiligte Jugendliche. Diese sind wiederum in den Kategorien Sofortprogramm zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit und Aufbauprogramm Ost 2000 und 2001 erfasst. Die Programme dienen der Vermittlung eben solcher Jugendlicher, die zwar ausbildungsreif sind, aber aufgrund eines unausgeglichenen Marktes nicht in eine betriebliche Lehrstelle eingemündet sind.
Die Übersichten (im Anhang) enthalten eine exemplarische Auswahl an "klassischen" Berufen, deren Anteile an außerbetrieblicher Ausbildung teilweise stark variieren. So ist der Hauswirtschafter bzw. die Hauswirtschafterin ein Ausbildungsberuf mit typischerweise hohem Anteil an außerbetrieblichen Lehrstellen (44,9% BRD gesamt), wohingegen der Arzthelfer/die Arzthelferin nahezu immer betrieblich ausgebildet wird (nur 1,3% außerbetriebliches Angebot). Diese Angaben betreffen zunächst nur das Gesamtbild in der Bundesrepublik. Besonders auffällig hingegen sind die Unterschiede der außerbetrieblichen Ausbildungsanteile im Vergleich zwischen neuen und alten Bundesländern. Hier lässt sich feststellen, dass die Quoten in den neuen Ländern durchweg um ein Vielfaches größer sind als in den alten Ländern. Während z.B. im Osten rund ein Viertel (25,3%) der Neuabschlüsse bei den Kraftfahrzeugmechanikern auf außerbetriebliche Angebote zurückzuführen ist, machen diese im Westen nur 1,1 Prozent der Gesamtabschlüsse aus.
Da die Quoten zur außerbetrieblichen Ausbildung das jeweilige Angebot erfassen, kommen bei einigen Berufen wie Tischler/-in, Bauzeichner/-in und Maler/-in und Lackierer/-in Prozentangaben über dem Wert 100 zustande. In solchen Fällen ist also das Angebot an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen größer als die Gesamtheit der Neuabschlüsse von Ausbildungsverträgen. Ein Beispiel ist der Tischlerberuf, für den die Quote für die neuen Länder und Berlin bei 101,7% liegt. Zum Vergleich: Im alten Bundesgebiet wurden nur 11,2% der Jugendlichen in diesem Beruf außerbetrieblich ausgebildet.
Betrachtet man die außerbetrieblichen Angebote in ihren Varianten, fällt auf, dass überaus viele außerbetriebliche Ausbildungsplatzangebote in Zusammenhang mit § 242 (2) Sozialgesetzbuch III entstehen, der die Vermittlung sozial benachteiligter bzw. lernbeeinträchtigter Jugendlichen regelt. Aber auch hier gibt es beträchtliche regionale Unterschiede. Dadurch wird deutlich, dass auch diese spezielle Ausbildungsform für sozial Benachteiligte/Lernbeeinträchtigte genutzt wird, um allgemeine Angebotsdefizite auf dem Ausbildungsstellenmarkt auszugleichen. Dies gilt für das gesamte Bundesgebiet, manifestiert sich im Osten aber besonders deutlich.
Wichtiger Interpretationshinweis:
Wiedergegeben werden die außerbetrieblichen Angebote in Relation zur Gesamtzahl aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Dieses Verfahren führt zwangsläufig zu einer rechnerischen Überhöhung der Anteilswerte außerbetrieblicher Ausbildung. Denn natürlich wird nicht in jedem Fall ein Ausbildungsstellenangebot auch tatsächlich besetzt. Zudem sind in den außerbetrieblichen Angeboten z.T. auch rein schulische Plätze enthalten, die selbst bei einer Besetzung zu keinem Ausbildungsvertrag führen. Dies ist bei der Interpretation der Anteilswerte unbedingt zu berücksichtigen. Eine alternative Berechnung, die dieses Problem vermeidet, ist jedoch nicht möglich, weil zur Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge keine berufsspezifischen Informationen vorliegen.
Um einen Eindruck von der rechnerischen Überhöhung zu vermitteln: Der rechnerische Anteil der 60.780 außerbetrieblichen Angebote an der Gesamtzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag 2001 bundesweit bei 9,9 %. Der Anteil der 56.818 abgeschlossenen außerbetrieblichen Ausbildungsverträge an der Gesamtsumme der neuen Lehrverträge beträgt dagegen lediglich 9,3 %.




