Sie befinden sich hier:

Sprachversion:

 

8/2001: Außerbetriebliche Ausbildung: in vielen Regionen immer noch unverzichtbar

Die Zahl der neu abgeschlossenen außerbetrieblichen Lehrverträge ist im Jahr 2000 zurückgegangen. ( vgl. auch Mitteilung 01/2001).
Dennoch kommt der außerbetrieblichen Ausbildung in vielen Regionen Deutschlands immer noch eine große Bedeutung zu. In anderen Regionen wiederum spielt sie so gut wie keine Rolle.

Die BIBB-Erhebung zum 30.09. liefert selbst keine unmittelbaren Informationen zu den Anteilen der außerbetrieblichen Neuabschlüsse in den rund 180 Arbeitsamtsbezirken. Relativ genaue Daten, wie hoch die Anteile der vertragswirksamen außerbetrieblichen Ausbildung ausfallen, liegen nur auf Länderebene und bezogen auf die Gesamtzahl aller Auszubildenden vor. Sie sind der Mitteilung 11/2001 zu entnehmen. Will man auch auf der Ebene der Arbeitsamtsbezirke die relative Bedeutung der außerbetrieblichen Ausbildung einschätzen, muss man wiederum auf Statistiken der Arbeitsämter zurückgreifen und diese mit der BIBB-Erhebung zum 30.09. in Verbindung setzen. So kann man die bei den Arbeitsämtern gemeldeten, neu zu besetzenden außerbetrieblichen Ausbildungsstellen mit dem Gesamtangebot an neu zu besetzenden Ausbildungsplätzen vergleichen, das das BIBB errechnet hat.

Allerdings führt dies in einigen Regionen  (so z.B. in den Arbeitsamtsbezirken Brandenburgs) zu rechnerisch überhöhten Anteilen an außerbetrieblichen Ausbildungsverträgen. Denn in den Angebotsstatistiken der Arbeitsämter zu den Bund-Länder-Programmen Ost sind auch rein schulische Ausbildungen in BBiG-Berufen enthalten. Diese sind mit keinem Lehrvertrag verbunden und bleiben deshalb in der BIBB-Berechnung des Gesamtangebots an neu zu besetzenden Ausbildungsplätzen unberücksichtigt. Die auf diesem Wege ermittelten rechnerischen Anteile am Gesamtangebot sind also zum Teil überhöht. Dennoch sind sie nicht unbrauchbar. Denn sie vermitteln einen Eindruck darüber, welch unterschiedliche Bedeutung der außerbetrieblichen Ausbildung in den verschiedenen Regionen Deutschlands zukommt und welche Faktoren auf die Höhe der außerbetrieblichen Ausbildung in den rund 180 Arbeitsamtsbezirken Einfluss nehmen.

Die Unterschiede sind groß: Während in Regionen Süddeutschlands die Anteile gegen Null tendieren, erreichen sie in vielen ostdeutschen Arbeitsamtsbezirken 30 % und mehr; vgl. Abbildung 1. Die Spitzenwerte liegen sogar bei 50 %. Zwar sind diese Werte, wie oben ausgeführt, rechnerisch überhöht; gleichwohl dürften die tatsächlichen Spitzenwerte um die 40 %-Marke oszillieren.

Korrelationsstatistische Analysen zeigen die Ursachen: Außerbetriebliche Ausbildung kommt überall dort besonders häufig vor, wo die wirtschaftliche Situation schwierig (hohe Arbeitslosenquote, geringe Betriebsdichte) und die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellenangebote niedrig ist; vgl. Tabelle 1. Das gilt auch für die klassische Variante der außerbetrieblichen Ausbildung von sozial benachteiligten und lernbeeinträchtigten Jugendlichen. Aber auch die geographische Lage ist von Bedeutung. So gibt es in den neuen Ländern insbesondere in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien viel außerbetriebliche Ausbildung, während sie entlang der ehemals innerdeutschen Grenze seltener vorkommt; vgl. Tabelle 2.

Dementsprechend stark variiert die betriebliche Angebots-Nachfrage-Relation. Das ist die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellenangebote je 100 Lehrstellennachfrager; vgl. Abbildung 2. Während in Süddeutschland Werte über 105 keine Seltenheit sind, gibt es in den neuen Ländern Regionen, in denen weniger als 60 betriebliche Ausbildungsstellen je 100 Nachfrager zur Verfügung stehen. Zwar muss auch in diesem Punkt einschränkend auf die besonderen rechnerischen Probleme verwiesen werden, die bei der Verknüpfung der Statistiken der Arbeitsämter und des BIBB entstehen. Doch selbst bei vorsichtiger Interpretation dürfte die Spannweite der Unterschiede zwischen den Regionen mit der ungünstigsten und der günstigsten Angebotssituation groß sein und mehr als 50 betriebliche Ausbildungsstellen je 100 Nachfrager umfassen.

Anhang

  • Abbildung 1
    Abbildung 1
    Anteil der gemeldeten außerbetrieblichen Ausbildungsstellenangebote am Gesamtangebot gemäß BerBiFG nach Arbeitsamtsbezirken (Stand 30.09.00)
  • Tabelle 1
    Tabelle 1
    Einflussgrößen auf den Anteil außerbetrieblicher Ausbildung.
  • Tabelle 2
    Tabelle 2
    Durchschnittlicher rechnerischer Anteil der gemeldeten außerbetrieblichen Ausbildungsstellen am Gesamtangebot gemäß BerBiFG (Stichtag: 30.09.2000)
  • Abbildung 2
    Abbildung 2
    Betriebliche Angebots-Nachfrage-Relationen nach Arbeitsamtsbezirken
    (Anteil betrieblicher Ausbildungsstellenangebote je 100 Nachfrager; Stand 30.09.00)

Tools:


Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

Copyright: Die veröffentlichten Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar.