15/2001: "Erste" und "zweite Schwelle" hängen eng miteinander zusammen.
Wie den Jugendlichen nach Abschluss der Lehre der Übergang in eine Erwerbstätigkeit gelingt ("zweite Schwelle"), hängt entscheidend davon ab, was beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung ("erste Schwelle") passiert ist. Dies zeigen Ergebnisse einer Befragung von rund 4.000 Ausbildungsabsolventen. Die Untersuchungsteilnehmer hatten ihre Lehre zwischen dem Sommer 1999 und Frühjahr 2000 abgeschlossen. Themen der Befragung waren der Rückblick auf die Lehre, die Erfahrungen in der Abschlussprüfung sowie die unmittelbaren Geschehnisse nach Beendigung der Ausbildung.
Zu den wichtigsten Faktoren für einen reibungslosen Übergang an der zweiten Schwelle zählt die Art der Ausbildung. Wem nach Beendigung der Schulzeit der Übergang in eine betriebliche Ausbildung gelungen ist, hat weiterhin gute Chancen auf ein Übernahmeangebot seines Lehrbetriebes. 44 % der befragten Fachkräfte mit entsprechender Lehre erhielten das Angebot für eine unbefristetes, weitere 30 % für ein befristetes Beschäftigungsverhältnis. Jugendliche, die in eine außerbetriebliche Lehre einmünden, müssen dagegen mit Schwierigkeiten rechnen, unmittelbar nach der Ausbildung eine Beschäftigung zu finden. Mehr als die Hälfte wird zunächst einmal arbeitslos. Die Chancen auf einen relativ reibungslosen Übergang hängen allerdings auch von der Branche des Ausbildungsbetriebes und seiner Größe ab. Besonders gute Karten hat, wer im privaten Dienstleistungsbereich bzw. in der Industrie ausgebildet wurde und wer in einem Betrieb gelernt hat, der Teil eines größeren Unternehmens ist (siehe Tabelle 1). Aber auch der Ausbildungsberuf als solcher spielt eine wichtige Rolle: Äußerst optimistisch können angehende Bankkaufleute sein, von denen nach Beendigung der Lehre fast alle im erlernten Beruf arbeiten (siehe Tabelle 2). Insgesamt gesehen sind die Chancen für diejenigen besser, die mit einem höheren Schulabschluss in die Lehre einmündeten. Allerdings spielen auch die in der Abschlussprüfung gezeigten Leistungen eine Rolle: Wer mit "sehr gut" abschneidet, kann deutlich häufiger (76 %) mit einer unmittelbaren Anschlussbeschäftigung im erlernten Beruf rechnen als z.B. derjenige, der mit "befriedigend" (62 %) oder "ausreichend" (53 %) seine Prüfung besteht (siehe Tabelle 3). Es lohnt sich also, auf ein möglichst gutes Ergebnis in der Ausbildungsabschlussprüfung hinzuarbeiten.
Die in den Tabellen aufgeführten Befragungsergebnisse enthalten auch Informationen darüber, wie die jungen Fachkräfte rückblickend die Ausbildungsleistung ihrer Betriebe und Berufsschulen bewerten. Besonders oft loben die jungen Fachkräfte Ausbildungsbetriebe aus der Industrie. Insgesamt schneiden große Ausbildungsbetriebe deutlich besser ab als kleine Betriebe. Was die Berufsschulen angeht, so hängen Lob und Kritik zum Teil davon ab, ob es sich beim anderen Lernort um einen großen oder kleinen Betrieb handelte. Ausbildungsabsolventen aus großen Betrieben stufen die Ausbildungsqualität der Berufsschulen mit Abstand kritischer ein als Absolventen aus kleinen Betrieben (siehe erneut Tabelle 1). Kritischer äußern sich auch junge Fachkräfte, die über das Abitur oder die Fachhochschulreife verfügen.
Zwischen der eigenen Ausbildungsleistung in der Abschlussprüfung und der Bewertung der Ausbildungsqualität des Lehrbetriebes gibt es einen recht engen Zusammenhang. Wer seine Lehre mit "sehr gut" beendet, nennt deutlich häufiger (73 %) die Ausbildungsqualität in seinem Lehrbetrieb "gut oder besser" als derjenige, der die Prüfung mit "befriedigend" (53 %) oder "ausreichend" (44 %) bewertet (siehe erneut Tabelle 3). Wo hier Ursache und Wirkung zu suchen sind, ist nicht ganz eindeutig. Natürlich ist zu erwarten, dass Jugendliche, die in ihren Betrieben besonders gut ausgebildet wurden, im Durchschnitt auch bessere Leistungen in der Prüfung erbringen. Andererseits weiß man aus der Sozialpsychologie, dass Individuen aus Gründen des Selbstwertschutzes dazu neigen, Erklärungen für Misserfolge verstärkt in den äußeren Umständen und weniger in der eigenen Personen zu suchen. Dies kann hier und da dazu führen, die Ausbildungsqualität des Ausbildungsbetriebes ungünstiger darzustellen, als sie tatsächlich war.




