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16/2001: Berufsvorbereitungsjahr: Den meisten Teilnehmern gelingt später der Einstieg in die Lehre

Im Schuljahr 2000/2001 besuchten bundesweit rd. 72.800 Jugendliche das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Damit ist die Zahl der Schüler, die das Statistische Bundesamt errechnet hat, erneut gestiegen. Im Jahr zuvor waren es knapp rd. 68.600, fünf Jahre zuvor rd. 65.200 Schüler (vgl. Abbildung 1, mit Daten für die alten und neuen Länder). Für die recht deutliche Zunahme der letzten fünf Jahre gibt es auch rein statistische Gründe. So werden seit dem Schuljahr 1999/2000 auch die Teilnehmer am dualisierten Hamburger Berufsvorbereitungsprogramm QUAS (Qualifizierung und Arbeit für Schulabgängerinnen und Schulabgänger) und an TIP (Testen - Informieren - Probieren) mitgezählt.

Dem Berufsvorbereitungsjahr kommt in den sechzehn Bundesländern eine sehr unterschiedliche Bedeutung zu. Dies hängt zum einen mit den unterschiedlichen bildungspolitischen Strategien der Länder zusammen. In Brandenburg existiert das Berufsvorbereitungsjahr als Schulform überhaupt nicht. In den übrigen fünf östlichen Bundesländern gibt es dagegen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt relativ viele BVJ-ler. Unter den westlichen Bundesländern steht neben den beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen auch das Flächenland Baden-Württemberg an der Spitze. Im südwestlichsten Bundesland ist allerdings der Besuch des BVJ für Jugendliche unter 18 Jahren verpflichtend - falls die Jugendlichen in keiner anderen Schule angemeldet sind.

Neben den bildungspolitischen Grundsatzentscheidungen der Länder sind zum Teil auch Einflüsse der regionalen Lehrstellensituation vor Ort erkennbar. So gibt es in den neuen Ländern tendenziell überall dort relativ viele BVJ-ler, wo die AN-Relation (Zahl der Ausbildungsstellenangebote je 100 Nachfrager) weniger günstig ist. Zugleich fällt in diesen Regionen mit schwierigerer Lehrstellensituation auch der Anteil der Mädchen im Berufsvorbereitungsjahr etwas höher aus. In den alten Ländern ist es allerdings genau umgekehrt: Hier sind relativ mehr Mädchen in Regionen mit günstiger AN-Relation zu finden (vgl. Tabelle 1). Insgesamt ist es schwierig zu entscheiden, welche der Zusammenhänge kausal zu interpretieren und welche über dritte Faktoren vermittelt sind.

Insgesamt gesehen besuchen in Deutschland mehr Jungen (Schuljahr 1999/2000: 45.000 bzw. 61,8 %) als Mädchen (27.800 bzw. 38,2 %) das BVJ. Das Durchschnittsalter aller (männlichen und weiblichen) Schüler lag 1999/2000 bei 16,6 Jahren. Mindestens 44.700 bzw. 65,1 % der BVJ-Teilnehmer verfügten bei Eintritt in das BVJ über keinen allgemeinbildenden Schulabschluss, weitere 14.200 Teilnehmern bzw. 20,6 % hatten zuvor maximal den Hauptschulabschluss erworben.

Die Erfolgsquote des Berufsvorbereitungsjahres kann nur grob beschrieben werden. So wurden im Schuljahr 1997/1998 66.800 BVJ-ler registriert; nach Beendigung dieses Schuljahres wies das Statistische Bundesamt 36.200 Absolventen aus, die das BVJ mit bestandener Abschlussprüfung beendet hatten. Von diesen 36.200 Absolventen hatten 15.400 bzw. 42,3 % zusätzlich den Hauptschulabschluss erworben, weitere 200 bzw. 0,6 % den Realschulabschluss.

Wie Analysen auf Basis der BIBB/EMNID-Untersuchung von 1998 zeigen, schien in den neunziger Jahren den meisten BVJ-lern der Übergang in eine Lehre zu gelingen. Von den 20- bis 29jährigen Jugendlichen, die nach ihrer regulären Schulzeit unmittelbar in das BVJ eingemündet waren, hatten 54 % gleich im Anschluss mit einer Lehre begonnen. Weiteren 19 % gelang der Einstieg zwar nicht sofort, aber mit zeitlicher Verzögerung. Zwischen dem Ende des BVJ und dem Beginn der dualen Ausbildung lagen in diesen Fällen durchschnittlich etwa 17 Monate. Kam es nach Beendigung des BVJ zu einer Lehre, wurde diese in rund drei von vier Fällen auch erfolgreich abgeschlossen.

Anhang

  • Abbildung 1
    Abbildung 1
    Schüler im Berufsvorbereitungsjahr
  • Tabelle 1
    Tabelle 1
    Die regionale Bedeutung des schulischen Berufsvorbereitungsjahrs in Abhängigkeit vom Arbeits- und Lehrstellenmarkt

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Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
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