So meinen 88 % (1997: 71 %), dass die Bildungsberatung im Jahr 2020 eine der zentralen Aufgaben der Bildungsträger sein wird. 73 % (1997: 62 %) sehen die zukünftige Rolle beruflicher Ausbilder und Trainer vor allem darin, offene Lernarrangements zu organisieren und zu moderieren. Und immerhin 68 % (1997: 53 %) vermuten, dass spätestens 2020 der klassische Berufsschulunterricht durch Projektunterricht und andere praxisbezogene Lernformen abgelöst worden ist.
Besonders fest sind von diesen Entwicklungen diejenigen Experten überzeugt, die in Betrieben, Kammern, überbetrieblichen Bildungseinrichtungen, Schulen und staatlichen Forschungseinrichtungen arbeiten. Die Fachleute aus den Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien zeigen sich, was die Aufhebung der Trennung von Arbeiten und Lernen angeht, pessimistischer. Auch glauben sie weniger an die Ablösung des klassischen Berufsschulunterrichts durch praxisbezogene Lernformen und an die vollzogene Gleichwertigkeit von betrieblicher Bildung mit anderen Bildungsgängen (vgl. Tabelle 1 ). Alles in allem aber sind die Unterschiede zwischen den Fachleuten relativ gering. Dies betrifft insbesondere auch die deutlich positivere Einschätzung gegenüber 1997. Sie ist bei allen hier unterscheidbaren Gruppen zu beobachten (vgl. Tabelle 2 ).
Zum Hintergrund der Expertenbefragungen
Um die Auswirkungen der Wissensgesellschaft auf die Bildungsprozesse und -strukturen zu untersuchen, gab das damalige Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie 1997 eine Delphi-Studie in Auftrag. Im Rahmen dieses "Bildungs-Delphi" wurden 669 Fachleute danach gefragt, was die Bildungssysteme leisten sollten und wie sie sich ihrer Meinung nach bis 2020 entwickeln werden. Die Fragen bezogen sich auch auf den allgemein bildenden und auf den Hochschulbereich. An der Studie beteiligten sich 457 Experten bzw. 68 %.
Die Wiederholungsbefragung vom Frühjahr 2004 beschränkte sich auf elf Aspekte des beruflichen Bildungssystems. Bevorzugt wurden dabei jene Aspekte ausgewählt, welche die Fachleute im Jahr 1997 als zwar wünschenswert, aber als nicht sehr wahrscheinlich erachteten. Diesmal wurden 1.200 Expertinnen und Experten gebeten, die Fragen zu beantworten; 939 Fachleute bzw. 78 % kamen dieser Bitte nach.
Die 2004-er Erhebung wurde im Zusammenhang mit dem im Aufbau befindlichen Expertenmonitor Berufliche Bildung durchgeführt. Mit dem Expertenmonitor sollen Fachleute in Zukunft regelmäßig zu aktuellen Entwicklungen und Problemen befragt werden. Er ist in das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Kommunikations- und Informationssystem Berufliche Bildung für Expertinnen und Experten (KIBB) eingebunden und wird in Zusammenarbeit mit dem BIBB-Arbeitsbereich 2.1 "Qualifizierungsbedarf, Bildungsangebot und -nachfrage" realisiert.
Literaturhinweise zu Delphi-Studien im Bereich der beruflichen Bildung