Jugendliche mögen kein Denglisch in den Berufsbezeichnungen
Joachim Gerd Ulrich, Verena Eberhard, Andreas Krewerth
URN: urn:nbn:de:0035-0101-5
Die meisten Berufswähler in Deutschland mögen keine "verenglischten" Berufsbezeichnungen wie z.B. "Sales Manager" anstelle von "Verkaufsleiter". Dies ist das erste Ergebnis einer aktuellen Befragung von rund 2.400 Jugendlichen. Alle Befragten waren im Jahr 2004 bei der Bundesagentur für Arbeit als Ausbildungsplatzbewerber gemeldet.
Die Jugendlichen führen gegen den Gebrauch englischer Namen in Deutschland folgende Argumente an:
- die deutsche Sprache verkümmert;
- die englischsprachigen Bezeichnungen wirken fremd, verwirren und tragen eher zur Verunsicherung bei;
- insbesondere ältere Leuten können die fremdsprachlichen Bezeichnungen nicht einordnen;
- die in Englisch formulierten Bezeichnungen klingen wichtigtuerisch, anbiedernd und wirken deshalb eher platt und albern.
Nur 18 % der weiblichen und 9 % der männlichen Jugendlichen finden englischsprachige Berufsbezeichnungen oft attraktiver als die deutschen Namen. Die jungen Männer zeigen sich in ihrer ablehnenden Haltung also noch kritischer als die Frauen. Den Jugendlichen ist es aber wichtig zu betonen, dass ihre Ablehnung englischsprachiger Namen nichts mit Deutschtümelei oder gar überzogenem Nationalismus zu tun hat.
Stimmen zum Thema "verenglischte" Berufsbezeichnungen:
- "Ich finde englische Bezeichnungen für Berufe nicht passend, da wir in Deutschland leben und meiner Meinung nach die deutsche Sprache dabei nicht unterstützt wird"
(16-jährige Berufsfachschülerin). - "Ich bin mit den Berufbezeichnungen eigentlich zufrieden. Aber ich finde, englische Berufsbezeichnungen müssen nicht sein. Nicht weil ich Englisch nicht kann, sondern weil die ein falsches Bild vermitteln"
(Auszubildender zum Elektroniker für Betriebstechnik, 17 Jahre). - "Ich finde die heutige Berufsnennung durch englische Worte schwachsinnig. Denn gerade meist dadurch verunsichert es einen Bewerber und man hat Scheu davor"
(19-jähriger Wehrdienstleistender). - "Die Berufsbezeichnungen sollten deutsch bleiben und nicht amerikanisiert werden. Die älteren Leute sollten sich in ihrem Land mit den Bezeichnungen noch auskennen"
(Angehender Diplomverwaltungswirt, 19 Jahre). - "Ich bin für klare deutsche Berufsbezeichnungen. Man weiß besser, womit man es zu tun hat! Außerdem wohnen wir in Deutschland und nicht in England und nicht in Frankreich usw. (Bin nicht für die NPD)"
(Auszubildender zum Beikoch, 17 Jahre). - "Berufe, die eine beschönigende Bezeichnung erhalten, um attraktiver zu klingen als sie sind, und englische Berufsbezeichnungen finde ich nicht o.k. Sie sagen zu wenig aus und lenken ab. Außerdem sollte man meiner Meinung nach deutsche Begriffe und Wörter erhalten und nicht so vieles durch englische ersetzen"
(18-jährige Studentin). - "Ich bin flexibel, Hauptsache, die Namen sind deutsch"
(Auszubildender zum Schreiner, 15 Jahre alt).
Berufsbezeichnungen werden oft als nichtssagend empfunden
Die Heranwachsenden wünschen sich Berufsbezeichnungen, die möglichst prägnant sind. Dies erleichtert erheblich ihre Orientierung. Allerdings berichten 52 % der jungen Frauen und 43 % der jungen Männer, oft auf Namen gestoßen zu sein, unter denen sie sich überhaupt nichts vorstellen konnten. Dies ist insofern schade, als immerhin ein Fünftel der jugendlichen Berufswähler dies zum Anlass nimmt, sich mit dem entsprechenden Beruf nicht näher zu beschäftigen. Berufe leiden also möglicherweise auch deshalb unter einem Bewerbermangel, weil ihre Bezeichnungen als nichtssagend empfunden werden und die Jugendlichen sich nicht mehr die Mühe machen, sich über den unbekannten Namen näher zu informieren.






