Lernortkooperation in der beruflichen Bildung
Die Entwicklung und Erprobung neuer Konzepte in der Zusammenarbeit der Lernorte in der Berufsbildung stand im Mittelpunkt der sechs Modellversuche. Diese als Zwillingsmodellversuche konzipierten Vorhaben wurden im Rahmen des Programms KOLIBRI ("Kooperation der Lernorte in der beruflichen Bildung") der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung in enger Kooperation mit entsprechenden schulischen Modellvorhaben durchgeführt. Sie befassten sich unter anderem mit der Intensivierung der Lernortkooperation durch inhaltlich, methodisch und konzeptionell innovative Formen der Zusammenarbeit.
Konkrete Potenziale zur Weiterentwicklung der Lernortkooperation wurden vor allem gesehen
- in der Entwicklung kooperativer curricularer Konzepte
- in der Entwicklung kooperativer Ansätze
- in der beruflichen Weiterbildung des Bildungspersonals
- in der lernortinternen Organisationsentwicklung
- in der Vernetzung der Lernorte in und mit der Region sowie
- in Maßnahmen zur Intensivierung und Verstetigung der Lernortkooperation.
Des weiteren zielten die Vorhaben darauf ab, die Ausbildungsqualität nachhaltig zu verbessern, die Ausbildungsbereitschaft zu erhöhen und den Modernisierungstransfer zwischen Betrieben und Schulen und anderen Lernorten zu verbessern.
Die Ergebnisse beinhalten vor allem eine Reihe konkreter Vorschläge zur inhaltlich-curricularen, zur institutionellen und zur personellen Weiterentwicklung der Lernortkooperation. Der Schwerpunkt liegt auf inhaltlich-didaktischer Ebene, da insbesondere durch die verstärkte Einführung neuer Ausbildungsberufe und -inhalte erhebliche Anforderungen an die Lernorte und an das Bildungspersonal gestellt werden. Eine wichtige Rolle spielten aber auch die Erarbeitung konkreter Empfehlungen zur Verbesserung der institutionellen und personellen Rahmenbedingungen der Lernorte, da hierdurch ein wesentlicher Beitrag zur Intensivierung und Verstetigung der Lernortkooperation geleistet werden kann.
Modellversuchsübergreifend kann man die Ergebnisse der Vorhaben wie folgt zusammenfassen:
Die inhaltlich-curricularen Kooperationsansätze zielten in erster Linie auf die kooperative Entwicklung und Erprobung aktueller innovativer Ausbildungskonzepte und -medien (Stichworte: dual-kooperativ, lernort- und gewerkeübergreifend, auftragsorientiert; selbstgesteuertes und virtuelles Lernen). Zugleich wurden bereits erprobte didaktische Konzepte zu neuen Kooperationsansätzen weiter entwickelt (Stichwort: dual-kooperative virtuelle Juniorenfirma).
Zur Verbesserung der institutionellen und personellen Rahmenbedingungen der Lernortkooperation wurden zum einen konsequent weitere Lernorte und Partner der beruflichen Bildung in die Kooperation einbezogen (Stichworte: allgemeinbildende Schulen, Hochschulen, aber auch regionale Partner wie Kammern, Kreishandwerkerschaften, Innungen, zuständige Stellen, Verbände, Arbeitsverwaltung u.a.). Daneben spielten aber auch Aktivitäten zur regionalen Vernetzung und zur Errichtung regionaler Dienstleistungszentren eine bildungspolitisch immer wichtigere Rolle (Stichworte: regionaler Berufsbildungsdialog, Aufbau von Netzwerken und "Kompetenzzentren").
Die Entwicklung entsprechender Konzepte bzw. die Schaffung dafür erforderlicher Voraussetzungen (Stichworte: Ermittlung des Bildungsbedarfs und -angebots, "gemeinsame Geschäftsstelle", "Ort der Begegnung") wurde als neue Schwerpunkte in der Lernortkooperation gesehen. Schließlich erfahren personelle Maßnahmen zur Intensivierung der Lernortkooperation eine Renaissance und Neubewertung (Stichworte: wechselseitige Teilnahme an Betriebspraktika bzw. am Unterricht, verstärkte Nutzung vorhandener bzw. Initiierung neuer Arbeitskreise, gemeinsame Durchführung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, intensivere Nutzung der Erfahrungen und sozialen Kompetenzen kooperationserfahrener Kollegen und Kolleginnen).




