Sie befinden sich hier:

Sprachversion:

 

BIBB-Stellenanzeigenanalyse 1999

Überfachliche Qualifikationen

Nachfrage nach überfachlichen Qualifikationen

  • In Anzeigen, die der Berufssystematik der BA nicht zuzuordnen sind, in denen also möglicherweise neue Qualifikationen nachgefragt werden, wird in höherem Maße als bei den Anzeigen insgesamt nach anderen als "nur" fachlichen Qualifikationen gefragt (siehe Tabelle). (Zur Kategorisierung der Anzeigen lesen Sie die Ausführungen zur Methode).
  • Am höchsten ist mit 46% bzw. 60% die Nachfrage nach Qualifikationen wie Leistungsbereitschaft, Motivation, Engagement, Eigeninitiative, Selbständigkeit und Belastbarkeit. Entscheidend für die Besetzung von Stellen sind auch bestimmte emotionale Grundhaltungen ("freundlich", "gewinnend") sowie Aussehen und Attraktion von Bewerbern.
  • An zweiter Stelle der Qualifikationsanforderungen stehen die Bereitschaft zu Gruppen- und Teamarbeit (33% bzw. 42%) und die damit verbundenen Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten.
  • Werden in 16,5% aller Anzeigen Fremdsprachenkenntnisse - meist Englisch - gefordert, so steigt dieser Wert bei den nicht klassifizierbaren Annoncen auf 27,7%
Überfachliche Qualifikationen in Stellenanzeigen
in Prozent
Qualifikationsdimension

Anzeigen
insgesamt

nicht
klassifizierbar

Leistung, Motivation und persönliche Disposition
Team, Kooperation und Kommunikation
Erfahrung und Professionalität
Kognitive Fähigkeiten und
Problemlösungskompetenzen
Mitwirkung und Gestaltung
Kunden- und Dienstleistungsorientierung
Wandel, Innovation und Lernen
Unternehmerisches Denken und Handeln
Persönlichkeit


46,4     
33,4     
27,8     

22,7     
20,9     
14,3     
13,5     
3,8     
2,9     


60,1       
42,3       
29,4       

34,4       
32,8       
19,2       
22,1       
9,1       
5,5       

Zum Seitenanfang


Überfachliche Qualifikationen und Geschlechtszugehörigkeit

  • In Anzeigen , die ausdrücklich entweder Männer oder Frauen ansprechen, werden deutlich unterschiedliche Anforderungen an die überfachlichen Kompetenzen gestellt (siehe Tabelle). Die Nachfrage folgt hier weitgehend gängigen geschlechtsspezifischen Stereotypen.
  • Frauen müssen im Vergleich zu Männern häufiger leistungsbereit, motiviert und belastbar sein und die oben erwähnten persönlichen Merkmale wie Freundlichkeit, Attraktivität etc. aufweisen. Außerdem sollen sie über Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten verfügen. Auch kognitive Fähigkeiten und Problemlösungskompetenzen (Methodenkompetenz) werden häufiger von Frauen verlangt.
  • Erfahrung, Professionalität, unternehmerisches Denken und Handeln sowie Kunden- und Dienstleistungsorientierung finden sich dagegen häufiger in Anzeigen, die sich nur an männliche Bewerber wenden.
Überfachliche Qualifikationen und Geschlecht
in Prozent
Qualifikation

Tätigkeits- bzw. Berufsbezeichnung

 

männlich
(6.319 Anzeigen)

weiblich
(2.621 Anzeigen)

Leistung, Motivation
und persönliche Disposition
Erfahrung und Professionalität
Team, Kooperation
und Kommunikation
Kognitive Fähigkeiten und
Problemlösungskompetenzen
Mitwirkung und Gestaltung
Kunden- und
Dienstleistungsorientierung
Wandel, Innovation und Lernen
Unternehmerisches Denken
und Handeln
Persönlichkeit


27,4     
21,1     

15,7     

10,2     
8,8     

6,9     
5,9     

2,1     
1,5     


39,8       
17,4       

21,4       

12,8       
9,8       

5,6       
3,7       

0,2       
0,9       

Zum Seitenanfang


Abschlussniveau

Nachgefragtes Abschlussniveau

  • In über 42% aller Anzeigen wird nicht ausdrücklich ein spezieller Schul- oder Berufsabschluss genannt (siehe Tabelle).
  • In Anzeigen, die der Berufssystematik der BA nicht zuzuordnen sind, in denen also möglicherweise neue Qualifikationen nachgefragt werden, erhöht sich dieser Anteil auf über 49%. (Zur Kategorisierung der Anzeigen lesen Sie die Ausführungen zur Methode).
  • In rund 32% aller Stellenanzeigen wird eine abgeschlossene Lehre gefordert.
  • In den Anzeigen, in denen nicht klassifizierbare Tätigkeiten nachgefragt werden, ergibt sich eine deutliche Verschiebung des geforderten Qualifikationsniveaus in Richtung auf Hochschul- und Fachhochschulabschlüsse. 
In Stellenanzeigen gefordertes Abschlussniveau
in Prozent
 

Anzeigen
insgesamt

nicht
klassifizierbar

Lehrabschluss
Meister, Techniker
Fachschulabschluss
Fachhochschulabschluss
Hochschulabschluss
Spezieller Weiterbildungsabschluss
Keine Angabe

31,6     
4,0     
6,5     
16,3     
19,6     
3,3     
42,5     

20,2       
1,8       
1,6       
22,5       
32,6       
1,4       
49,4       

Zum Seitenanfang


Abschlussniveau und Geschlechtszugehörigkeit

  • In bezug auf das Abschlussniveau werden an Positionen, die ausschließlich für Frauen oder Männer ausgeschrieben wurden, signifikant unterschiedliche Anforderungen gestellt (siehe Tabelle).
  • In mehr als der Hälfte der sich nur an Frauen wendenden Anzeigen wird überhaupt kein spezieller Abschluss verlangt.
  • Eine abgeschlossene Ausbildung im dualen System wird für Männer in diesen Anzeigen deutlich häufiger gefordert als für Frauen. Das gilt auch für Abschlüsse als Meister oder Techniker und für die Hochschulausbildung.
  • Wird eine weibliche Tätigkeitsbezeichnung gewählt, so wird häufiger ein Fachschulabschluss verlangt als bei Männern.
Abschlussniveau und Geschlecht
in Prozent
Abschluss

Tätigkeits- bzw. Berufsbezeichnung

 

männlich
(6.319 Anzeigen)

weiblich
(2.621 Anzeigen)

Lehrabschluss
Meister, Techniker
Fachschulabschluss
Fachhochschulabschluss
Hochschulabschluss
Spezieller Weiterbildungsabschluss
Keine Angabe

44,5     
6,5     
1,3     
8,4     
8,8     
2,6     
42,0     

34,6       
0,5       
9,8       
1,5       
1,4       
2,7       
54,4       

Zum Seitenanfang


Untersuchungskonzept

Die Grundgesamtheit bilden Stellenangebote aus fünf überregionalen und 26 regionalen Zeitungen mit einer Auflagenhöhe von mindestens 50.000 Exemplaren des ersten Juli- und Oktoberwochenendes 1999. Nach einem Zufallsverfahren wurden 23.444 Stellenangebote aus 14.438 Anzeigen erfasst. Nicht berücksichtigt wurden Ausbildungs- und Praktikantenstellen, Nebenjobs, Anzeigen für Nichtarbeitnehmer und von Privathaushalten, wobei sichergestellt wurde, dass Dubletten in anderen Zeitungen nicht mehrfach erfasst werden.

Eine 10%-Zufallsstichprobe dieser Anzeigen wurde im Volltext erfasst (3.656 Stellenangebote). Damit werden weiterführende Auswertungen mit Hilfe textanalytischer Verfahren ermöglicht, womit die Ebene der konkreten einzelnen Qualifikationen und Qualifikationskombinationen erschlossen werden kann.

Quelle

Bundesinstitut für Berufsbildung

BIBB-Vorhaben 2.0501
Früherkennungssystem Qualifikationsentwicklung
Stellenanzeigenanalyse

Mai 2000

Ansprechpartner: Dr. Peter Bott
Tel.: (0228) 107 - 1128
Email: bott@bibb.de

Zum Seitenanfang


Zur Methode der Stellenanzeigenanalyse

Kategorienbildung

Die Anlage der Untersuchung basiert auf einem methodischen Vorgehen, das sowohl eine quantitative Auswertung entsprechend den Qualitätskriterien der empirischen Sozialforschung als auch qualitativ-hermeneutische Analysen der Stellenanzeigen erlaubt. Es wurde eine Datenbankstruktur entwickelt, die

  • einerseits auf strukturierten Merkmalen und Kategorien entsprechend herkömmlicher Verfahren der Codierung und Auswertung beruht
  • andererseits durch die Erfassung des gesamten Anzeigentextes die Anwendung von Verfahren der Text- und Inhaltsanalyse möglich macht.

Das Erfassungsschema der Datenbank wurde entsprechend der üblichen Inhalte von Stellenanzeigen entwickelt. Auch die einzelnen Merkmale wurden meist deduktiv aus vorangegangenen Analysen von Stellenanzeigen gebildet. Teilweise konnte auf existierende Systematiken - z.B. bei der Erfassung informations- und kommunikationstechnischer Qualifikationen - zurückgegriffen werden.

Datenstruktur

Die Erfassung der Stellenangebote erfolgt nach folgenden Merkmalen:

  • Tätigkeits- bzw. Berufsbezeichnung
  • Ausbildungsfachrichtung bzw. Ausbildungsberuf
  • Ausbildungsniveau
    (Lehre, FH- oder Uni-Abschluss etc.)
  • Überfachliche Qualifikationen
    • Leistung, Motivation und persönliche Disposition
    • Team, Kooperation und Kommunikation
    • Mitwirkung und Gestaltung
    • Kognitive Fähigkeiten und Problemlösungskompetenzen
    • Kunden- und Dienstleistungsorientierung
    • Unternehmerisches Denken und Handeln
    • Wandel, Innovation und Lernen
    • Erfahrung und Professionalität
    • Persönlichkeit
  • EDV-Kenntnisse
  • (Zuordnung zu Erfassungsschemata für Anwender und Spezialisten)
  • Branche
  • Einsatzbereich bzw. Abteilung im Unternehmen
  • Unternehmensgröße
  • Postleitzahl des Inserenten oder der Zeitung
  • geschlechts- und altersspezifische Formulierungen
  • Fremdsprachenkenntnisse
  • geforderte Berufserfahrung.

Zum Seitenanfang


Datenerhebung

Die Grundgesamtheit bilden Stellenangebote aus fünf überregionalen und 26 regionalen Zeitungen mit einer Auflagenhöhe von mindestens 50.000 Exemplaren des ersten Juli- und Oktoberwochenendes. Nach einem Zufallsverfahren wurden 23.444 Stellenangebote aus 14.438 Anzeigen erfasst. Nicht berücksichtigt wurden Ausbildungs- und Praktikantenstellen, Nebenjobs, Anzeigen für Nichtarbeitnehmer und von Privathaushalten, wobei sichergestellt wurde, dass Dubletten in anderen Zeitungen nicht mehrfach erfasst werden.

Eine 10%-Zufallsstichprobe dieser Anzeigen wurde im Volltext erfaßt (3.656 Stellenangebote). Damit werden weiterführende Auswertungen mit Hilfe textanalytischer Verfahren ermöglicht, womit die Ebene der konkreten einzelnen Qualifikationen und Qualifikationskombinationen erschlossen werden kann.

Wie wird nach neuen Qualifikationen gesucht?

Zunächst wurde die in den Anzeigen enthaltene Tätigkeits- bzw. Berufsbezeichnung über das amtliche Klassifikationssystem der Bundesanstalt für Arbeit (BA) codiert, sofern dies nach dem Ausschreibungstext möglich war.

Berufsbezeichnungen sind jedoch nur in den seltensten Fällen geeignet zur Identifizierung neuer Qualifikationen oder neuer Tätigkeitsfelder. Diese können in der Regel nur aus dem Zusammenhang aller in der Anzeige enthaltenen Aussagen erschlossen werden.

  • Als Indikator für mögliche neue Qualifikationen wurde daher zunächst gewertet, wenn eine nachträgliche Zuordnung zur BA-Systematik garnicht oder nur aufgrund des Gesamtkontextes der Anzeige - z.B. Hinweise auf Qualifikationen - vorgenommen werden konnte (3.519 Anzeigen).
  • Getrennt ausgewertet wurde dann die Untergruppe der Anzeigen, bei denen weder die Berufsbezeichnung noch der Anzeigenkontext eine Zuordnung der Anzeige zum Klassifikationssystem der BA möglich machte (506 Anzeigen).

In einem weiteren Schritt wurden diese Anzeigen wo möglich einem von zwölf vorgegebenen Tätigkeitsfeldern zugeordnet (z.B. Multimedia, Freizeit/Touristik/Sport).

Zum Seitenanfang


Text- und Inhaltsanalyse

Mit Hilfe der Verfahren der Text- und Inhaltsanalyse können Stellenanzeigen untersucht werden, ohne daß ein Kategorienschema vorgegeben werden muss. Auf der Grundlage von Worthäufigkeiten und Wortzusammenhängen kann die Struktur des Wortschatzes dargestellt werden. "Wörterbücher" enthalten den Wortschatz des betreffenden Textes mit Synonymen, typischen Verbindungen etc., die inhaltsanalytisch untersucht werden können. Auf diese Weise wurden die oben dargestellten neun Dimensionen zur Nachfrage nach überfachlichen Qualifikationen und Kompetenzen gewonnen.

Das Verfahren ermöglicht wichtige Hinweise auf zugrundeliegende qualitative Strukturen und kann helfen, Tendenzen, die sich erst vage abzeichnen zu entdecken. Außerdem ist es geeignet, die Validität der für die vorangegangene statistische Erhebung entwickelten Kategorien zu überprüfen und zu deren Modifikation oder Neufassung beizutragen.

Literaturhinweis

Ausführliche Darstellungen zur Methode der Untersuchung von Stellenanzeigen sowie zur Text- und Inhaltsanalyse finden Sie im Qualifikationsreport 1:

Laszlo Alex, Henning Bau (Hrsg.)
Wandel beruflicher Anforderungen. Der Beitrag des BIBB zum Aufbau eines Früherkennungssystems Qualifikationsentwicklung.
Qualifikationsreport 1, Bielefeld 1999

Der Band enthält Berichte über die sechs Vorstudien, die das BIBB im Rahmen der Entwicklung eines Instrumentariums zur Früherkennung von Qualifikationsentwicklungen seit Herbst 1997 durchgeführt hat.

Inhalt:

Laszlo Alex
Stand der Überlegungen zur Früherkennung der Qualifikationsentwicklung

Agnes Dietzen, Peter-Werner Kloas
Stellenanzeigenanalyse - eine effektive Methode zur Früherkennung des Qualifikationsbedarfs

Agnes Dietzen
Zur Nachfrage nach überfachlichen Qualifikationen und Kompetenzen in Stellenanzeigen

Rudolf Werner
Untersuchung der Stellenanzeigen mit Methoden der Text- und Inhaltsanalyse

Richard von Bardeleben, Gustav Höcke, Klaus Troltsch
Unternehmensbefragungen als Instrument zur Früherkennung von Qualifikationsentwicklungen

Laszlo Alex, Gustav Höcke
Modernisierung der Ausbildung - Ergebnisse aus dem Referenz-Betriebs-System

Christel Alt, Anka Borutta, Heinrich Tillmann
Analyse von Weiterbildungsangeboten in ausgewählten Regionen - Vorstudie im Rahmen des Früherkennungssystems Qualifikationsentwicklung

Barbara Meifort
Entwicklung des Qualifikationsbedarfs für innovative und beschäftigungswirksame Tätigkeitsfelder in personenbezogenen Dienstleistungsbereichen

Stephan Marek, Ingrid Stiller, Tibor Adler, Dagmar Lennartz
Ergebnisse aus der Studie "Qualifikationsangebote über Berufsakademien"

Tibor Adler, Dagmar Lennartz, Ingrid Stiller
"Expertensystem Qualifikationsentwicklung" - ein Instrument im Rahmen des Früherkennungssystems Qualifikationsentwicklung

Henning Bau, Bernd Selle
Aufbau eines "Informationssystems Qualifikationsentwicklung"

Martin Baethge
Qualitative Sozialforschung und Früherkennung von Qualifikationsentwicklungen - kritische Anmerkungen zur Analyse der Qualifikationsentwicklung aus soziologischer Sicht

Glossar

 

Bezugsmöglichkeit:
W. Bertelsmann Verlag, Postfach 100633, 33506 Bielefeld
Telefax (0521) 91101-19
Bestellnummer 110.362


 


Tools:


Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

Copyright: Die veröffentlichten Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers dar.