Hermann-Schmidt-Preis 2005
Wettbewerb 2005: Innovative Ansätze zur Förderung von regionalen Kooperationen in der Berufsausbildung
Vier Auszeichnungen für besondere Leistungen vergeben
Der Wettbewerb richtete sich in diesem Jahr an regionale Initiativen und Projekte sowie Ausbildungskooperationen, die dazu beitragen, neue Ausbildungsplätze zu schaffen, die Berufswahl der Jugendlichen zu verbessern und Fördermaßnahmen zu unterstützen. Mit diesem Preisthema will der Verein für Innovative Berufsbildung den öffentlichen Blick auf die Akteure in der Berufspraxis lenken, die gemeinsam aktiv sind, um die angespannte Ausbildungsplatzsituation regional zu verbessern und den Jugendlichen eine beru0iche Perspektive zu geben.
Betriebliche Ausbildungsplätze sind Mangelware: Seit 1998 hat sich die Anzahl neu abgeschlossener betrieblicher Ausbildungsverträge um 11,6 % verringert. Gleichzeitig wird die Zahl der Schulabsolventen bis 2007 um 30 000 höher liegen als 2004. Angesichts dieser Situation bedarf es der Anstrengung aller verantwortlichen Akteure, das betriebliche Ausbildungsplatzangebot in Deutschland zu sichern und zu erhöhen. In vielen Regionen Deutschlands existieren bereits zahlreiche Ausbildungsinitiativen und vielfältige Formen von Kooperationsstrukturen - z. B. als Ausbildungsverbünde oder Netzwerke -, deren Ziel es ist, ungenutzte Ausbildungsressourcen zu identi0 zieren. Ihre Förderung und Unterstützung sind eine wichtige Voraussetzung für die Verbesserung der Ausbildungsplatzsituation in Deutschland.
Aus den zum Wettbewerb eingereichten Initiativen wurden ausgezeichnet:
- 1. PREIS (€ 2 000,-)
RegionalVerbund für Ausbildung e. V. (RVA) , Wolfsburg
für seine Aktivitäten in der Ausbildung markt- und sozialbenachteiligter Jugendlicher auf zusätzliche oder erstmalige Ausbildungsplätze.
Ziel des RVA ist es, markt- und sozialbenachteiligten Jugendlichen in Wolfsburg sowie den Landkreisen Gifhorn und Helmstedt eine quali0 zierte Berufsausbildung zu ermöglichen. Dabei agiert der RVA als Ausbildungsbetrieb, der die Ausbildungsverträge abschließt und für die Jugendlichen in kleinen und mittleren Betrieben der Region neue oder zusätzliche Ausbildungsplätze akquiriert. Der RVA übernimmt das gesamte Ausbildungsmanagement, betreut und stützt die Jugendlichen während des Ausbildungsprozesses und berät die Ausbildungsbetriebe. Für diese Aufgaben kooperiert der RVA mit allen am Ausbildungsmarkt und Ausbildungsgeschehen beteiligten Partnern (Kammern, Berufsschule, Arbeitsagentur, Partnerbetrieb, Eltern etc.). Seit Gründung des RVA im Jahr 1998 konnten so 850 zusätzliche bzw. neue Ausbildungsverhältnisse bei insgesamt 540 Partnerbetrieben in 102 verschiedenen Berufen abgeschlossen werden.
Kontakt: Peter Johann, RegionalVerbund für Ausbildung e.V. (RVA), Sudammsbreite 40, 38448 Wolfsburg, E-Mail: rva@wolfsburg.de - 2. PREIS (€ 1000,-) Ausbildung im Verbund pro regio e. V., Uetze
für seine Initiativen zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze, zur Optimierung der Berufsausbildung und zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen.
Für dieses Ziel hat pro regio u. a. Kammern, Branchenverbände, Kommunen, Arbeitsagenturen, Eltern, Schulen, Unternehmen zu einem in allen Bereichen der Berufsausbildung tätigen Netzwerk zusammengeschlossen. Durch regelmäßige Netzwerktreffen der Akteure sind alle, die vor und während der Ausbildung Ansprechpartner sind, in die Ermittlung und Lösung von Problemen der Betriebe wie der Auszubildenden eingebunden. Der im Dezember 1999 gegründete gemeinnützige Verein konnte bis 2005 über die Netzwerkarbeit 106 neue bzw. zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen und die Abbrecherquote in den im Netzwerk mitarbeitenden Unternehmen auf unter 3 % senken.
Kontakt: Jürgen Hansen, Ausbildung im Verbund pro regio e.V., Praklastraße 1, 31311 Uetze, E-Mail: proregio@web.de - 3. PREIS (€ 500,-) das IHK-Bildungszentrum Schwerin gGmbH, Schwerin
für das "Innovationsnetzwerk Mechatronik" und das Ausbildungsnetzwerk "Fachkraft für Schutz und Sicherheit".
Ziel beider Netzwerke ist u. a. die Etablierung der Ausbildung in zwei Berufen, die für die regionale Wirtschaftsentwicklung von Bedeutung sind: der 1998 erlassene Ausbildungsberuf "Mechatroniker/in" und der seit 2002 bestehende Beruf "Fachkraft für Schutz und Sicherheit". Für die Betriebe wird in beiden Berufen eine Bildungsdienstleistungskette aufgebaut, die von der Berufsfrühorientierung über die Berufausbildung bis hin zur Aufstiegsfortbildung reicht und die Entwicklung von Zusatzquali0kationen und Weiterbildungsstrategien mit einschließt. Neue Lehrstellen konnten geschaffen werden, weil das IHK-Bildungszentrum in einer Verbundausbildung Partner der Ausbildungsbetriebe ist und die Ausbildungsteile übernimmt, die von den Betrieben nicht abgedeckt werden können. Workshops, Fachberatungen sowie regionaler und nationaler Erfahrungsaustausch (im "Innovationsnetzwerk Mechatronik" auch mit Polen) dienen dazu, alle an der Entwicklung des Fachgebiets und an der Ausbildung Beteiligten mit aktuellen Innovationen vertraut zu machen, anstehende Fragen und Probleme zu klären und Entwicklungsperspektiven zu diskutieren. Über die jeweiligen Netzwerke konnten für die "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" bisher 35 Ausbildungsplätze geschaffen werden und 135 für den Beruf "Mechatroniker/
in".
Kontakt: Wulf Westphal, IHK-Bildungszentrum Schwerin gGmbH, Werkstraße 114, 19061 Schwerin, E-Mail: info@ihk-bz-sn.de - Einen mit 500,- € dotierten SONDERPREIS erhielt außerdem die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V., Kiel,
für ihr Projekt "Ausbildung und Integration für Migranten".
Die im Verein vorhandene sprachliche und interkulturelle Kompetenz wird bewusst eingesetzt, um zum einen bei Migrantenbetrieben für zusätzliche Ausbildungsplätze zu werben. Betriebe, die in die Berufsausbildung einsteigen, ebenso wie die von ihnen ausgebildeten Jugendlichen werden während des gesamten Ausbildungsablaufs beraten und unterstützt. Zusätzlich wird über das Projekt die Kommunikation zwischen allen am Ausbildungsprozess Beteiligten - Betriebe, Jugendliche und ihre Familien, Schulen und Behörden - moderiert. Zum anderen engagiert sich das Projekt in der Jugendarbeit, informiert über schulische und betriebliche Ausbildungsmöglichkeiten, bietet Quali0zierungsmaßnahmen an und führt Bewerbungs-, Vorstellungsgesprächs- und Einstellungstrainings durch. Auf diese Weise konnten seit Gründung des Vereins im Jahr 1988 auf Landesebene 459 Migrantenbetriebe akquiriert und 292 Ausbildungsplätze geschaffen werden.
Kontakt: Atilla Kocer, Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Diedrichstraße 2, 24143 Kiel, E-Mail: info@tgsh.de
Kurzdarstellungen sowohl der prämierten wie auch aller weiteren zum Wettbewerb um den Hermann-Schmidt-Preis 2005 eingereichten Projekte enthält die Beilage BWPspezial Nr. 10 zum Heft 5/2005 der Zeitschrift Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) des Bundesinstituts für Berufsbildung.




