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Förderung der Weiterentwicklung von ÜBS zu Kompetenzzentren

Seit Mitte der 90er Jahre hat sich in Deutschland die Diskussion um die bildungspolitischen Konsequenzen aus den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen erheblich verstärkt. Zu den entscheidenden Faktoren der Veränderung zählen der Wandel in strategisch bedeutsamen Technologien, der Übergang von der Industrie- zur Informations- und Wissensgesellschaft, von der Produktions- zur Dienstleistungswirtschaft, die Globalisierung des Wirtschaftens und die damit verbundene Umgestaltung der Arbeitsorganisation sowie die Vorschläge der Europäischen Kommission zur Flexibilisierung, Modularisierung und Akkreditierung von Teilkompetenzen.
Um unter diesen veränderten Bedingungen auch in Zukunft erfolgreich aus- und weiterbilden zu können, müssen bestehende Ausbildungsberufe den neuen Herausforderungen angepasst, neue Betätigungsfelder stärker berücksichtigt und das Spektrum der Ausbildungsberufe insgesamt erweitert werden.

Vieles ist in dieser Hinsicht bereits geschehen. So wurden innerhalb der vergangenen drei Jahre im Rahmen des größten Modernisierungsschubs in der Entwicklung von Ausbildungsberufen seit Verabschiedung des Berufsbildungsgesetzes 1969 zahlreiche Neuerungen in Angriff genommen.

Hierzu einige Beispiele:

  • Die Erweiterung bestehender Berufe um Dienstleistungsfunktionen (z.B. Kundenorientierung, Beratung, Service und Betreuung),

  • die Flexibilisierung von Ausbildungsgängen,

  • die partielle Auflösung der alten Berufsgrenzen durch Umschichtung und Konzentrationsprozesse innerhalb der einzelnen Wirtschaftszweige,

  • die Gestaltung neuerer Aufgabenfelder mit sich dynamisch verändernden Anforderungen an die Kompetenz der Beschäftigten,

  • die Veränderung betrieblicher Ausbildungsformen und -möglichkeiten (z.B. prozessorientierte Ausbildung und kundenorientierte Ausbildung im Dienst am Kunden) durch die Umgestaltung von Produktions-, Dienstleistungs- und Marktstrukturen,

  • die Neugestaltung von Prüfungen durch stärkere Betonung der Handlungskompetenz an Stelle von Wissensnachweis.

In der Weiterbildung gewinnen Zusatzqualifikationen an Bedeutung, das Tele-Lernen verzeichnet einen deutlichen Aufwärtstrend und die Aus- und Weiterbildung wird zunehmend stärker verzahnt.

Zwangsläufig sind auch die ÜBS in den Sog der Veränderungsprozesse geraten. Sie müssen zu Bildungsdienstleistern werden und lernen, in bisher nicht vertrauten Marktsegmenten zu agieren.

Die Wandlung von der Angebots- zur Nachfrageorientierung, von der raumgebundenen zur raumungebundenen Bildungsdienstleistung, die zugleich eine stärkere Berücksichtigung individueller betrieblicher Interessen erfordert, wird völlig neue Bedürfnisse nach Kommunikation und Kooperation entstehen lassen und neue Perspektiven eröffnen.
Veränderungen sind aber auch aus einem anderen Grund erforderlich. Auf die bekannte absehbare, dramatische Entwicklung der Schulabgängerzahlen wird hingewiesen.

Diese Entwicklung wird eine zweite wesentliche Herausforderung für die ÜBS darstellen. Der zu erwartende Rückgang an Lehrgängen im Rahmen der überbetrieblichen Berufsausbildung und mit entsprechender zeitlicher Verschiebung der Rückgang an Fort- und Weiterbildungslehrgängen wird zu finanziellen Einbußen bei den ÜBS führen.

Daher sind die Träger von ÜBS gefordert, auf die skizzierten Entwicklungstendenzen zu reagieren. Es erscheint unerlässlich, dieser Situation durch organisatorische wie auch inhaltliche Veränderungen und Ausweitung des Dienstleistungsangebots zu begegnen.

Die Ergebnisse des 1998/1999 vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) bundesweit durchgeführten Ideenwettbewerbs "Entwicklung überbetrieblicher Berufsbildungsstätten und Technologietransferzentren zu Kompetenzzentren" zeigen, dass den Trägern der ÜBS wie auch den ihnen nahestehenden Fachkreisen die Problematik der künftigen Rolle und Aufgaben durchaus bewusst ist.

Der Trend ist eindeutig: Originäre Aufgabe der ÜBS als Kompetenzzentren soll weiterhin die Durchführung intensiver Ausbildung, Fort- und Weiterbildung bleiben. Darüber hinaus sollen sie Informationen und Beratungen anbieten und diese enger als bisher mit ihrem Bildungsauftrag verbinden. Hierzu gehört auch die Vermittlung von Kenntnissen zu neuen Technologien und Verfahren einschließlich deren Anwendung und Vermarktung.

Dabei gilt es, die vorhandenen Infrastrukturen zu nutzen und entsprechend den neuen Anforderungen weiterzuentwickeln. Kompetenzzentren sollen aufeinander abgestimmte, aber unterschiedliche Schwerpunkte bilden und sich zu diesem Zweck mit Kooperationspartnern vernetzen.

Diese Erkenntnisse zur Neuausrichtung der ÜBS zu Kompetenzzentren waren auch das Ergebnis der Fachtagung "ÜBS - Partner für moderne Berufsbildung", die das BIBB mit dem Land Nordrhein-Westfalen am 3. und 4. November 1999 in Münster veranstaltete. Einzelheiten dazu können Sie in der Dokumentation der Fachtagung nachlesen, die durch das BIBB und das Land Nordrhein-Westfalen veröffentlicht wurde.

Nach der Errichtung eines flächendeckenden Netzes von ÜBS auch in den neuen Bundesländern wird ein Schwerpunkt der Bundesförderung die Modernisierung der bestehenden ÜBS sein. Ein neuer Schwerpunkt wird hinzu kommen: die Förderung geeigneter ÜBS bei ihrer Weiterentwicklung zu Kompetenzzentren.

Unter maßgeblicher Mitwirkung des BIBB hat das BMBF ein neues Konzept für die künftige Förderung von ÜBS erarbeitet. Die Konzeption, die sich insbesondere mit den künftigen Entwicklungsnotwendigkeiten und Aufgaben der ÜBS als Kompetenzzentren befasst, ist - sozusagen - die "Philosophie" der neuen Förderung. Sie ist die Grundlage für die neuen Fördergrundsätze, die die konkreten Fördervoraussetzungen beschreiben.

Letzte Änderung: 06.10.2006


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