In Westdeutschland gibt es dagegen weiterhin einige Regionen, in denen die Zahl der gemeldeten betrieblichen Lehrstellen immer noch den Umfang der gemeldeten Bewerber übertrifft. Die allgemein günstigere Lage in den alten Ländern ist jedoch auch Folge der niedrigeren Einschaltquote des Arbeitsamtes durch Lehrstellensucher. Rein rechnerisch ließen sich in den westlichen Regionen durchschnittlich 75 von 100 Schulabgängern als Lehrstellenbewerber registrieren, im Osten waren es dagegen 98.
Gemeldete Berufsausbildungsstellen, die unbesetzt blieben
Nicht besetzt werden konnten bis zum Ende des Vermittlungsjahres 12.600 Plätze, 700 oder 5,5 % weniger als im Vorjahr. Damit wurde das der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Ausbildungsplatzangebot durch die Jugendlichen so intensiv ausgeschöpft wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland. In Westdeutschland waren nur noch 11.800 Stellen offen (-6,0 %), während sich die Anzahl der unbesetzten Stellen in Ostdeutschland mit exakt 850 im Vergleich zum Vorjahr (845) praktisch kaum veränderte.
Wie in den Jahren zuvor blieben Ausbildungsstellen in den Berufen des Handwerks häufiger unbesetzt (3,4 % offene Stellen) als in den Berufen von Industrie/Handel (2,5 %) und in den Berufen des öffentlichen Dienstes (0,6 %). Den noch offenen Lehrstellen stand jedoch in fast allen Berufsbereichen eine größere Zahl von noch nicht vermittelten Bewerbern gegenüber. Mehr unbesetzte Stellen als noch nicht vermittelte Bewerber gab es im Wesentlichen nur im Fleischerhandwerk und bei den Gebäudereinigern.
Gemeldete Ausbildungsstellenbewerber
Die Zahl der Jugendlichen, die bei den Arbeitsagenturen als Ausbildungsstellenbewerber registriert wurden, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4.600 oder 0,6 % an und lag nun bei 740.700. Diese Entwicklung ist allein auf Westdeutschland zurückzuführen. In den alten Ländern wurden 15.200 (+ 2,9 %) mehr Bewerber gezählt als 2004. Hauptursachen dürften die weiterhin steigende Zahl der Schulabgänger (+ 8.700) und eine wachsende Zahl von erfolglosen Bewerbern aus den Vorjahren sein. In Ostdeutschland nahm die Bewerberzahl dagegen recht deutlich ab (-10.400 auf 202.500) - und zwar in einem Maße, das die sinkende Schulabgängerzahl (-6.100 gegenüber 2004) noch übertrifft.
Die Bewerber konzentrierten ihren primären Berufswunsch weiterhin auf nur wenige Berufsgruppen: 119.200 wollten sich zu Warenkaufleuten (z.B. Einzelhandelskaufmann/-frau), 104.200 zu Bürofachkräften (z.B. Kaufmann/-frau für Bürokommunikation), 49.600 zu Mechanikern/-innen (z.B. KFZ-Mechatroniker/-in), 44.300 zu Fachkräften in Arztpraxen (z.B. Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r) und 30.100 zu Friseuren/-innen ausbilden lassen. Das sind in der Summe 347.400 bzw. 47 % aller 740.700 gemeldeten Bewerber.
Durch die starke Konzentration wird das Vermittlungsgeschäft der Arbeitsagenturen erheblich erschwert. So standen den 347.400 Bewerbern in den hier genannten Berufen nur 193.700 entsprechende Stellenmeldungen gegenüber, die Differenz zur Zahl der Bewerber beträgt 153.600. Allerdings zeigen sich die Jugendlichen durchaus flexibel: Nach den Ergebnissen der Ende 2004 durchgeführten BA/BIBB-Lehrstellenbewerberbefragung hatten sich 70 % derer, die auf Ausbildungsplatzsuche waren, letztlich auf mehr als nur einen Beruf beworben, 44 % sogar auf vier Berufe und mehr.
Bewerber, die am Ende des Geschäftjahres weiterhin ein Lehrstelle suchen
Die offizielle Zahl der Lehrstellenbewerber, die am 30. September 2005 weiterhin nach einer Lehrstelle suchten, lag bei 88.100.
Darunter befanden sich 40.900, die als "noch nicht vermittelt" galten, und 47.200, die ersatzweise in eine Alternative zu einer Lehrstelle eingemündet waren, ihren Vermittlungswunsch aber weiterhin aufrechterhielten.
Gegenüber 2004 ist damit die Zahl der Bewerber, die auch noch am Ende des Geschäftsjahres entgegen ihren Wünschen nicht mit einer Berufsausbildung beginnen konnten, etwas gesunken (-4.400). Gleichwohl fällt sie im Vergleich zum Umfang früherer Jahre immer noch hoch aus. Dies gilt für beide Größen: die Zahl der noch nicht vermittelten Bewerber und die Zahl der Bewerber, die weiterhin die Vermittlung in eine Lehrstelle wünschen.