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Nutzung von berufsbezogenen (PC- bzw. netzgestützten) Medien im Elektrohandwerk

Ergebnisse einer Befragung von Auszubildenden und ÜBS-Ausbildungspersonal - Zusammenfassung

Angela Fogolin, Dr. Gert Zinke

Anlass und Kontext der durchgeführten Befragung01


Im Rahmen des BIBB-Forschungsprojektes "Gestaltung und Evaluation auftragsorientierter, netzgestützter und community-basierter Lerninfrastrukturen im Elektrohandwerk"  wurde Anfang 2005 eine schriftliche Befragung von Auszubildenden und Ausbildungspersonal in überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) des Elektrohandwerks durchgeführt.


Vorrangiges Ziel war eine Bestandsaufnahme der Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten von Medien, insbesondere von PC- und netzgestützten Medien, an den drei Lernorten (Betrieb, Schule, ÜBS) und privat. Auch die didaktische Einbindung der Medien in eine auftrags- und prozessorientierte Ausbildung und deren Ausgestaltung waren von Interesse. Ferner sollte geprüft werden, inwieweit Voraussetzungen und Bedarf für die Entwicklung einer berufsfeldorientierten, netzgestützten Lerninfrastruktur gegeben sind.


Einbezogen wurden 19 überbetriebliche Ausbildungsstätten aus elf Bundesländern. Im einzelnen waren dies: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen.


Die Rücklaufquote betrug beim Ausbildungspersonal 35% (160 versandte Fragebögen, 56 verwertbare Rückläufe), bei den Auszubildenden 57,8% (1100 versandte Fragebögen, 636 verwertbare Antworten).


 


Wichtigste Ergebnisse


Wesentliche Voraussetzungen für die Nutzung PC- bzw. netzgestützter Lehr/Lernmedien sind vorhanden.
  • Sowohl die Auszubildenden als auch das ÜBS-Ausbildungspersonal verfügen über die notwendigen Kompetenzen zur Nutzung von PC- und netzgestützten Medien.
     
    In der Selbsteinschätzung ihrer PC- bzw. Internetkompetenzen unterscheiden sich die beiden befragten Gruppen kaum voneinander. Die selbsteingeschätzte PC- und Internetkompetenz der Auszubildenden ist dabei umso höher, je häufiger der private PC bzw. Internetzugang genutzt wird.
     
    In der Fremdeinschätzung durch das Ausbildungspersonal werden die PC-Grundlagenkenntnisse der Auszubildenden bzw. ihr Umgang mit Standardanwendungen hingegen schlechter eingeschätzt als in deren Selbsteinschätzung. Andererseits beurteilen die befragten ÜBS-Ausbilder/innen die speziellen PC-Kenntnisse bzw. die Internetkompetenz ihrer Auszubildenden höher als diese selbst (und bei der Internetkompetenz auch beträchtlich höher als die eigene Kompetenz).

    In der privaten Ausstattung unterscheiden sich Auszubildende und ÜBS-Ausbildungspersonal kaum voneinander: die jeweils deutlich überwiegende Mehrheit verfügt über einen privaten PC bzw. Internetzugang. Demgegenüber gibt es beim privaten Nutzungsverhalten (hinsichtlich Dauer und Einsatzschwerpunkten) Unterschiede.
     
    Privat verfügen 88,5% der Auszubildenden über einen PC, 83,3% von ihnen auch über einen Internetzugang. Beim ÜBS-Ausbildungspersonal besitzen 85,7% einen privaten PC, 71,4% zusätzlich einen Internetzugang.
     
    Die Nutzungsdauer beträgt beim größten Teil des Ausbildungspersonals durchschnittlich jeweils ca. zehn wöchentlich; bei den Auszubildenden divergiert die durchschnittliche wöchentliche Nutzung demgegenüber wesentlich stärker und von deutlich mehr Auszubildenden wird länger als zwanzig Stunden wöchentlich auf PC und Internet zugegriffen als dies bei den befragten Ausbilder/innen der Fall ist.

    Die Auszubildenden nutzen den PC bzw. Internetzugang in der Tendenz eher freizeitorientiert, beim ÜBS-Ausbildungspersonal hingegen erfolgt ein eher berufsbezogener Einsatz. 
     
    Bei der Nutzung des Internet unterscheiden sich die beiden befragten Gruppen tendenziell dahingehend, dass das befragte ÜBS-Ausbildungspersonal hier zu einem eher "konservativen" Verhalten neigt (Beschränkung auf das Aufsuchen von (bestimmten) Websites, Versenden von Emails), während Auszubildende die Möglichkeiten des Internet für ihre Freizeitgestaltung in einer vielfältigeren Weise nutzen, z.B. für Downloads, Kommunikation in Chats und Foren etc.

  • Eine Zugangsmöglichkeit zu PC und Internet am Arbeitsplatz ist für das ÜBS-Ausbildungspersonal selbstverständlich.
     
    Nahezu alle der befragten ÜBS-Ausbilder/innen (94,6%) verfügen über einen PC am Arbeitsplatz; davon drei Viertel über einen "eigenen" PC. 87,5% verfügen darüber hinaus auch über einen Internetzugang; 81,6% von ihnen besitzen auch eine eigene dienstliche Emailadresse.
     
    Längst nicht für alle Auszubildenden sind Zugangsmöglichkeiten zu PC und Internet an den drei Lernorten gegeben und werden sie dort, wo sie gegeben sind, von vielen als zeitlich nicht ausreichend erachtet.
     
    Fast jede/r Sechste (14,8%) hat an keinem der drei Lernorte Zugang zu PC- und fast jede/r Vierte (23,6%) keinen Internetzugang.
     
    Im Ausbildungsbetrieb gibt es für 42% der Befragten eine Zugangsmöglichkeit zum PC, die für 55,1% von ihnen als zeitlich ausreichend erachtet wird. Ein gutes Drittel der Befragten (35,4%) kann einen betrieblichen Internetzugang nutzen; davon halten 52% die zeitlichen Zugriffsmöglichkeiten für ausreichend. Dabei gibt es zwischen dem betrieblichen Zugang zu PC und Internet und der Unternehmensgröße oder der Dauer der Ausbildung keine Zusammenhänge. Die beiden zahlenmäßig am stärksten vertretenen Ausbildungsberufe "Elektroinstallateur/in" (41,2% der Befragten) und "Elektroniker/in, Fachrichtung Gebäude- und Energietechnik" (42,5%) haben mit 31,9% bzw. 25,9% (Elektroinstallateur/in) und 35,5% bzw. 29,4% (Elektroniker/in, FR Gebäude- und Energietechnik) die prozentual niedrigsten Zugangswerte zum betrieblichen PC bzw. Internet.

    In der ÜBS können 45,4% der befragten Auszubildenden einen PC nutzen; die zeitlichen Zugangsmöglichkeiten werden dabei von 63% als ausreichend erachtet. 28,9% können in der ÜBS auch ins Internet; hier halten 58,7% die zeitlichen Zugriffsmöglichkeiten für ausreichend.
     
    In der Berufsschule haben knapp drei Viertel der Befragten (71,7%) einen PC-Zugang, der für 48,9% zeitlich ausreicht. Einen Internetzugang können an der Berufsschule 63,2% der Befragten nutzen, von denen 41,3% mit dem dafür eingeräumten zeitlichen Kontingent zufrieden sind.
     
    Bezieht man jedoch die privaten Zugangsmöglichkeiten mit ein, ändert sich das Bild: 96,7% der befragten Auszubildenden haben an mindestens einem der drei Lernorte oder privat Zugang zu einem PC (an allen vier Orten 20,8%); Zugang zum Internet an mindestens einem dieser Orte haben 92,6% (an allen vier Orten 9,9%).


 


Die Nutzung von PC- und netzgestützten Lehr-/Lernmedien zu Ausbildungszwecken ist noch nicht selbstverständlich.
  • PC- und netzgestützte Lehr-/Lernmedien werden an allen drei Lernorten eher sporadisch eingesetzt. 
     
    Knapp zwei Drittel (64,3%) der befragten ÜBS-Ausbilder/innen geben an, PC- bzw. netzgestützte Medien in der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) einzusetzen; allerdings setzen sie diese Medien tendenziell eher sporadisch und im Vergleich zu anderen Medien seltener ein. 
     
    Auch an den anderen Lernorten werden PC- und netzgestützte Lehr-/Lernmedien eher gelegentlich eingesetzt; am relativ seltensten in den Ausbildungsbetrieben (hier kommen insbesondere Informationsmedien wie Herstellerunterlagen (sowohl als Katalog als auch in digitaler Form) zum Einsatz).

  • PC- bzw. netzgestützte Lehr-/Lernmedien und Herstellerinformationen sind - im Gegensatz zum ÜBS-Ausbildungspersonal - einem großen Teil der Auszubildenden nicht bekannt.
     
    Knapp drei Viertel (71,4%) der befragten ÜBS-Ausbilder/innen kennen CD-ROMs (Lehr-/Lernmedien) für das Elektrohandwerk, gut der Hälfte (51,8%) sind auch netzgestützte Angebote in Form von Lernmodulen und -plattformen bzw. PC- und netzgestützte Herstellerinformationen (55,4%) bekannt. 
     
    Demgegenüber kennen lediglich 16,8% der Auszubildenden berufsbezogene CD-ROMs (Lehr-/Lernmedien), 13,7% netzgestützte Lernangebote und 11,6% PC- oder netzgestützte Herstellerinformationen. Die Bekanntheit von Lehr-/Lernangeboten auf CD-ROM ist dabei insbesondere von einem zeitlich ausreichenden betrieblichen PC-Zugang abhängig, während bei netzgestützten Angeboten (wie Lernmodulen und -plattformen) in erster Linie ein zeitlich ausreichender Internetzugang in der ÜBS relevant ist.

  • Als Informationsquellen für PC- und netzgestützte Lehr-/Lernangebote und Herstellerinformationen dienen primär informelle Kontakte. 
     
    Entsprechende Informationen erhalten die Ausbilder/innen informell durch andere Kolleg/innen, Fachzeitschriften und Linktipps.
     
    Auszubildende erfahren von diesen Medien eher gelegentlich und beinahe ebenso häufig durch andere Auszubildende oder Fachzeitschriften wie durch das Ausbildungs- und Lehrpersonal an den drei Lernorten. Einige wenige Auszubildende erhalten die entsprechenden Hinweise auch durch Verwandte oder Bekannte, die in Elektroberufen tätig sind.

  • PC- und netzgestützte Lehr-/Lernmedien haben für Auszubildende für die Prüfungsvorbereitung einen höheren Stellenwert als für das ÜBS-Ausbildungspersonal.
     
    PC- und netzgestützte Lehr-/Lernmedien werden von den Auszubildenden eher "explorativ" zur Erschließung neuen Wissens bzw. zur Suche nach Problemlösungen und für Prüfungsvorbereitungen genutzt (in der Reihenfolge der häufigsten Nennungen).
     
    Vom ÜBS-Ausbildungspersonal werden PC- und netzgestützte Lehr-/Lernmedien vor allem zur Veranschaulichung, zur Vertiefung bereits behandelter und zur Erarbeitung neuer Inhalte, um selbstständiges Üben zu ermöglichen und als Informationsquelle zu (neuen) Produkten eingesetzt. Die Verwendung dieser Medien zur Prüfungsvorbereitung findet beim ÜBS-Bildungspersonal erst an letzter Stelle Erwähnung.

  • Die Nutzung von PC- und netzgestützten Lehr-/Lernmedien erfolgt durch die Auszubildenden durchaus auch eigeninitiativ und intrinsisch motiviert.
     
    Auf die Frage, wer denn zur Nutzung von PC- und netzgestützten Medien letztendlich anregt (also nicht nur informiert), lässt sich bei den Auszubildenden "Eigeninitiative" als wichtige Triebfeder ausmachen.

  • Die große Mehrheit, sowohl der Auszubildenden als auch des ÜBS-Ausbildungspersonals, zeigt ein deutliches Interesse an PC- und netzgestützten Lehr-/Lernmedien.
     
    Die Mehrheit der beiden befragten Gruppen äußert ein deutliches Interesse an PC- bzw. netzgestützen Medien, z.B. an der Entwicklung einer netzgestützten Lernplattform mit wichtigen berufsrelevanten Informationen und Features (67,9% der ÜBS-Ausbilder/innen, von denen 94,7% diese auch einsetzen würden und 59,1% der Auszubildenden, von denen 85,6% diese nutzen würden).
     
    Auch wünscht die Mehrheit der befragten Auszubildenden, unabhängig vom erlernten Beruf, an allen Lernorten einen häufigeren Einsatz von PC- bzw. netzgestützten Lehr-/Lernmedien, besonders an den Berufsschulen (Betrieb: 54,7%, ÜBS: 55,2%, Berufsschule: 67,8%).


 


Ansätze zur Prozessorientierung sind in der Ausbildung im Elektrohandwerk erkennbar.
  • In der betrieblichen Ausbildung im Elektrohandwerk ist die Mitarbeit an und in Kundenaufträgen typisch. 
     
    Die Ausbildungsgestaltung hat jedoch noch häufig den Charakter einer Beistelllehre: So begleiten im Rahmen von Kundenaufträgen regelmäßig 63,9% der betrieblichen Auszubildenden (n = 505) den/die Gesellin, 48,9% erhalten Arbeitsaufträge zur selbstständigen Bearbeitung. Nur noch 34% geben an, dass sie dabei häufig Einblick in den gesamten Auftragsablauf (Kundengespräch, Auftragsplanung, Kalkulation) erhalten (die prozentualen Angaben beziehen sich jeweils auf die im Rahmen einer 5er-Skalierung vorgegebenen "sehr häufig" und "häufig" Antworten).
     
    Bei der außerbetrieblichen Ausbildung (n = 117) begleiten immerhin 20,5% der Auszubildenden im Rahmen von Kundenaufträgen regelmäßig eine/n Gesellin/Gesellen und erhalten 31,6% Arbeitsaufträge zur selbstständigen Bearbeitung. Häufigen Einblick in den kompletten Kundenauftrag erhalten lediglich 14,5%. Offen bleibt, ob sich diese Aussagen auf die Ausbildungsphasen, die beim Bildungsträger absolviert werden, oder auf die im Rahmen einer außerbetrieblichen Ausbildung zu absolvierenden betrieblichen Praktika beziehen. 
     
    Zusätzliche Lernaufträge im Kontext von Kundenaufträgen bearbeiten bei den betrieblichen Auszubildenden nur 18,5%, bei den außerbetrieblichen 12,9%.

  • Die überbetriebliche Ausbildung trägt zur Sensibilisierung für betriebliche Abläufe und Prozesse bei.
     
    "Die überbetriebliche Unterweisung fördert das Verständnis für betriebliche Abläufe und Prozesse". Dieser Aussage stimmen 44,5% der befragten Auszubildenden mit "sehr häufig" oder "häufig" zu.

  • Beim überbetrieblichen Ausbildungspersonal zeichnet sich ein verändertes Rollenverständnis ab.
     
    Im Vergleich zu einer 2001 im Auftrag des BIBB durchgeführten Befragung von ÜBS-Ausbildungspersonal im Elektrohandwerk lässt sich aus der vorliegenden Befragung eine Tendenz hin zu einem eher moderierenden, organisierenden und beratenden Rollenverständnis ausmachen.

  • In der Berufsschule wird noch immer eher selten an betriebliche Aufträge und Arbeitsprozesse angeknüpft.
     
    An den Berufsschulen hat das Anknüpfen an betriebliche Aufgaben und Aufträge hingegen einen geringeren Stellenwert. Die Aussage "in der Berufsschule wird an betriebliche Aufgaben und Aufträge angeknüpft" findet bei 25,3% der befragten Auszubildenden eine "sehr häufige" oder "häufige" Zustimmung. Ein weiteres Viertel beurteilt dies mit "teils/teils". Nahezu 40% der Auszubildenden geben an, dass dies kaum oder überhaupt nicht zutrifft.

Fußnoten:

01 Durchgeführt von Angela Fogolin und Dr. Gert Zinke im Rahmen des Forschungsprojekts 3.4.108 "Gestaltung und Evaluation auftragsorientierter, netzgestützter und community-basierter Lerninfrastrukturen im Elektrohandwerk". Weitere Informationen zum Projekt können unter www.bibb.de/de/wlk15520.htm abgerufen werden.

Letzte Änderung: 22.05.2007

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