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BIBB-Stellenanzeigenanalyse 1997

Berufsabschluß als Anforderungskriterium in Stellenanzeigen

Ergebnisse

In jeder zweiten Anzeige (51%), die sich einem Wirtschaftszweig, einer betrieblichen Abteilung oder einem Tätigkeitsfeld zuordnen läßt, wird ein formal anerkannter Berufsabschluß gefordert, in jeder fünften ein Lehrabschluß (21%).

Neue Ausbildungschancen für Jugendliche können sich durch die Einrichtung bzw. Regelung von dualen Ausbildungsberufen in solchen Tätigkeitsfeldern eröffnen, die bisher noch wenig durch Ausbildungsberufe erschlossen sind. In den folgenden Übersichten werden einige Wirtschaftszweige (Übersicht 1), betriebliche Abteilungen (Übersicht 2) und Tätigkeitsfelder (Übersicht 3) als solche "regelungsbedürftigen" Bereiche identifiziert.

Aus den Übersichten ist aber auch ablesbar, daß mit Ausnahme des Tätigkeitsbereichs "Sicherheit von Objekten und Personen" alle diese Bereiche einen durchschnittlichen (=) oder sogar höheren (+) Gesamt-Regelungsgrad aufweisen, wenn man die unterschiedlichen Abschlußarten im Zusammenhang betrachtet.

Zusätzliche duale Berufsbilder in diesen Bereichen müssen sich in besonderer Weise gegen die Konkurrenz von Fachschul- und Fachhochschulabschlüssen (z.B. in den Tätigkeitsbereichen "Gesundheit, Pflege" und "Soziales") oder von Fachhochschul- und Hochschulabschlüssen durchsetzen (z.B. in den Bereichen "Informations- und Kommunikationstechnik" oder "Medien, Multimedia").
Neue Lehrberufe in diesen Feldern würden - dies als These - eher zu den qualifikatorisch anspruchsvolleren gehören, zumindest wenn es darum geht "akademische" Tätigkeitsfelder zu erschließen.

Natürlich lassen sich neben dem Tätigkeitsfeld "Sicherheit" auch andere Wirtschaftszweige, betriebliche Einsatzfelder (Abteilungen) oder Tätigkeitsbereiche identifizieren, in denen relativ wenig Gewicht auf formal anerkannte Berufsabschlüsse gelegt wird (z.B. "Einzelhandel", "Gastgewerbe", "Materialwirtschaft, Lager, Transport", "interne Dienstleistungen" wie Hausdienst, Pförtner etc. oder "Schreibdienste"). Diese Bereiche weisen durchgängig aber bereits einen überdurchschnittlich hohen Anteil an geforderten Lehrabschlüssen auf. Wollte man dort zusätzliche duale Berufsbilder implementieren, so würden diese - auch das als These - eher zu den qualifikatorisch weniger anspruchsvollen gehören. Vorrangig ginge es dabei um die Anreicherung klassischer "Anlerntätigkeiten" durch eine systematische Ausbildung.

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Übersicht 1:
Wirtschaftszweige, in denen Lehrabschlüsse unterdurchschnittlich häufig gefordert werden
Wirtschaftszweige Lehrabschluss gefordert Regelungs-
grad
Konkurrenz
zu ...
  (Anzeigen in %) FS FHS HS
Gesundheits-, Veterinär-
und Sozialwesen

7       

+

+

-

-
Datenverarbeitung
und Datenbanken

11       

=

-

+

+
Medizin-/Meßtechnik,
Steuer-/Regeltechnik, Optik

14       

+

-

+

+
Herstellung von Büromöbeln
und DV-Geräten

15       

+

-

+

+
Dienstleistungen
für Unternehmen

16       

=

-

=

+
Forschung
und Entwicklung

17       

+

-

+

+
Nachrichtenübermittlung 19        + - + +
Insgesamt (alle Anzeigen) 21        51 12 11 18

REGELUNGSGRAD:
der Regelungsgrad gibt an, ob - verglichen mit dem Wert in der letzten Tabellenzeile - im jeweiligen Wirtschaftszweig (formale) Berufsabschlüsse jedweder Art überdurchschnittlich (+), durchschnittlich (=) oder unterdurchschnittlich (-)gefordert werden.

KONKURRENZ ZU ... :
der Anteil geforderter Fachschulabschlüsse (FS), Fachhochschulabschlüsse (FHS) und Hochschulabschlüsse (HS) ist - verglichen mit den Werten in der letzten Tabellenzeile - überdurchschnittlich (+), durchschnittlich (=) oder unterdurchschnittlich (-).

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Übersicht 2:
Betriebliche Abteilungen, in denen Lehrabschlüsse unterdurchschnittlich häufig gefordert werden
Abteilungen Lehrabschluss gefordert Regelungs-
grad
Konkurrenz
zu ...
  (Anzeigen in %)   FS FHS HS
Informations- und
Kommunikationstechnik

8       

=

-

+

+
F & E, Labor,
Konstruktion

11       

+

-

+

+
Marktforschung,
Unternehmensplanung

15       

+

-

+

+
Geschäftsleitung 16        + = + +
Qualitätskontrolle,
Endabnahme

18       

+

-

+

+
Insgesamt (alle Anzeigen) 21        51 12 11 18

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Übersicht 3:
Tätigkeitsfelder, in denen Lehrabschlüsse unterdurchschnittlich häufig gefordert werden
Tätigkeitsfelder Lehrabschluss gefordert Regelungs-
grad
Konkurrenz
zu ...
  (Anzeigen in %)   FS FHS HS
Soziales
(inklusive Erziehung)

6       

+

+

+

=
Gesundheit, Pflege 7        + + - -
Informations- und
Kommunikationstechnik

9       

=

-

+

+
Sicherheit von
Objekten, Personen

12       

-

-

+

-
Medien, Multimedia 15        = - + +
Beratung 19        = - + +
Insgesamt (alle Anzeigen) 21        51 12 11 18

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Berufspraxis als Anforderungskriterium in Stellenanzeigen

Ergebnisse

In 47% aller Stellenanzeigen wird Berufspraxis verlangt, d.h. die erwünschten Kenntnisse und Fertigkeiten sind durch entsprechende Tätigkeitsnachweise zu belegen. Praktische Relevanz hat die Forderung von Praxisnachweisen für Berufsanfänger. Je häufiger solche Nachweise verlangt werden, um so geringer ist die Erfolgschance der Stellensuchenden. So erstaunt es nicht, daß in Stellenanzeigen, in denen explizit ältere Bewerber (ab 40 Jahre) angesprochen werden, zu 69% Berufserfahrung gewünscht wird, während dies bei Anzeigen für Jüngere (bis 30 Jahre) nur in 40% der Fälle vorkommt.

Formal anerkannte Berufsabschlüsse (Lehre, Fachschule etc.) machen den Nachweis von Berufserfahrung nicht überflüssig. Im Gegenteil: Je höher das geforderte berufliche Abschlußniveau ist, um so häufiger wird der Nachweis von Berufspraxis verlangt (Übersicht 4).

Auch andere Befunde zeigen, daß höhere Qualifikationsanforderungen häufig mit der Forderung einhergehen, dies durch Berufspraxis nachzuweisen. Berufserfahrung wird beispielsweise überdurchschnittlich häufig verlangt

  • von Unternehmen, die sich als innovativ (68% der Anzeigen solcher Unternehmen)
  • ...bzw. expandierend charakterisieren (58%)
  • bei Aufgaben, die Führungsverantwortung (71%)
  • ...bzw. Organisations- und Koordinierungsfähigkeit voraussetzen (66%)
  • bei Tätigkeiten mit internationalem Bezug (62%)
  • bei Beratungstätigkeiten (60%)
  • im Medien und Multimediabereich (60%) sowie
  • im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik (55%).


Ein ähnlicher Zusammenhang ist bei der Aufschlüsselung der Wünsche nach Berufspraxis in Abhängigkeit von betrieblichen Einsatzbereichen/Abteilungen erkennbar (Übersicht 5).

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Übersicht 4:
Anzeigen, in denen Berufserfahrung verlangt wird
(Anteil in % nach Art des beruflichen Abschlusses)

Verlangter Berufsabschluss %
Dualer Ausbildungsabschluss
Fachschulabschluss
Fachhochschulabschluss
Hochschulabschluss
Weiterbildungsabschluss
Berufsabschluß insgesamt
Kein formaler Berufsabschluss verlangt
54
46
68
69
62
56
36
Anzeigen insgesamt 47

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Übersicht 5:
Anzeigen, in denen Berufserfahrung verlangt wird
(Anteil in % nach betrieblichen Einsatzbereichen/Abteilungen)
Betriebliche Einsatzbereiche/Abteilungen %
Marktforschung, Unternehmensplanung
Geschäftsleitung
Personalwesen
Qualitätskontrolle, Endabnahme
Controlling, interne Revision
Forschung und Entwicklung, Labor, Konstruktion
.....
.....
Materialwirtschaft, Lager, Transport
Schreibdienste, zentrales Sekretariat
Pförtner, Hausmeister u. a. interne Dienstleistungen
81
71
70
70
67
66
.....
.....
44
37
31
Alle betrieblichen Einsatzbereiche 51

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Untersuchungskonzept

Im Rahmen einer Vorstudie zur Tauglichkeit von Stellenanzeigenanalysen für Zwecke der Qualifikationsforschung - besonders zur Früherkennung der Qualifikationsentwicklung - wurden rund 4000 Stellenanzeigen aus dem letzten Quartal des Jahres 1997 ausgewertet. Rund 85% der Anzeigen wurden bundesweit und repräsentativ aus Tages,- Wochen- und Fachzeitschriften sowie aus Jobbörsen des Internet ausgewählt. Die übrigen 15% stammen aus Fachzeitschriften, die für einige Sonderbereiche - wie Informations- und Kommunikationstechnik, Multimedia, Pflege- und Gesundheitsberufe - zusätzlich einbezogen wurden.

Quelle

Bundesinstitut für Berufsbildung

BIBB-Vorhaben 1/3/4.0009
Früherkennungssystem Qualifikationsentwicklung
Vorstudie 1: Stellenanzeigenanalyse

Verfasser: Dr. Peter-Werner Kloas
Juni 1998

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Internationale Qualifikationen

Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen

Insgesamt werden in 19% der knapp 4000 analysierten Stellenanzeigen Fremdsprachenkenntnisse erwähnt. Damit liegt der Wert deutlich über den letzten zur Verfügung stehenden Ergebnissen der BIBB-IAB Erhebung von 1991/92, bei der 12% der Erwerbstätigen Fremdsprachenkenntnisse an ihrem Arbeitsplatz benötigten.

In 92% der Anzeigen mit Fremdsprachenanforderungen werden Englischkenntnisse verlangt und zwar überwiegend qualifizierte Englischkenntnisse:

  • 15% erwähnen Englischkenntnisse nur allgemein
  • 48% fordern gute bis sehr gute Kenntnisse und
  • 37% verlangen Sicherheit in Wort und Schrift bzw. Verhandlungssicherheit.

In 28% der "Fremdsprachenanzeigen" werden (auch) andere Sprachkenntnisse gewünscht, und zwar (in der Reihenfolge der Häufigkeit in den Anzeigen) bei 

  • 11% französisch
  • 4% EU-Sprachkenntnisse (unspezifisch)
  • 3% spanisch
  • 2% italienisch
  • 2% osteuropäische/slawische Sprachen 

In den "Fremdsprachenanzeigen" werden nahezu doppelt so häufig wie bei den Anzeigen insgesamt soziale Kompetenzen bzw. persönlichkeitsbezogene Eigenschaften verlangt. Besonders hervorzuheben sind 

  • Teamfähigkeit (43%)
  • Handlungsfähigkeit (35%)
  • Belastungsfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit (24%)
  • Flexibilität (22%) sowie
  • die "innere" Mobilität (Lernbereitschaft) mit 15% und
  • die "äußere" Mobilität (Bereitschaft zum Wohnortwechsel/Außendienst) mit 12%.

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Interkulturelle Kompetenzen

In 3% der Stellenanzeigen werden über die Fremdsprachenkenntnisse hinausgehende, zusätzliche internationale Qualifikationen verlangt. Zu den wichtigsten gehören (in der Reihenfolge der Häufigkeit): 

  • Marketing und Vertrieb im Ausland
  • Planung und Koordination mit ausländischen Gesellschaften
  • Betreuung von Auslandsgeschäften
  • Auslandserfahrung (allg.)
  • internationaler Handel (Import/Export)
  • Erfahrungen mit internationalen Organisationen/Firmen
  • Inbetriebnahme/Wartung/Service im Ausland 

Auslandseinsatz

In 1,4% der knapp 4000 Stellenanzeigen wurde explizit ein Auslandseinsatz genannt. In einem Drittel davon ist der Arbeitsort im Ausland, ansonsten wechselt der Arbeitsort zwischen In- und Ausland. Wichtigste Tätigkeit ist der Verkauf im Außendienst.

Die Stellenanzeigen mit Auslandseinsatz werden von Unternehmen geschaltet, die zu über 90% europa- bzw. weltweit tätig sind. Wichtigste Branchen sind der Maschinenbau, Datenverarbeitung und Datenbanken sowie Dienstleistungen für Unternehmen.

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Internationale Unternehmen

19% aller Stellen werden von Unternehmen ausgeschrieben, die europa- bzw. weltweit agieren. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind 

  • Datenverarbeitung und Datenbanken (22%)
  • Erbringung von Dienstleistungen (20%)
  • Maschinenbau (8%)
  • Rundfunk-, Fernseh- und Nachrichtentechnik (7%)
  • Handelsvermittlung und Großhandel (6%) sowie
  • Chemische Industrie (5%).

Die wichtigsten Berufsgruppen in den europa- bzw. weltweit agierenden Unternehmen sind

  • Berufe in der Unternehmensleitung (17%)
  • Ingenieure (12%)
  • Groß- und Einzelhandelskaufleute (7%)
  • Warenkaufleute (7%) sowie
  • Techniker (3%).

In nahezu der Hälfte dieser Anzeigen werden explizit Fremdsprachenkenntnisse und in 12% zusätzliche internationale Qualifikationen verlangt. Häufige Zusatzqualifikationen sind dabei 

  • Planung/Koordination mit ausländischen Gesellschaften
  • Marketing und Vertrieb im Ausland
  • Betreuung von Auslandsgeschäften
  • Inbetriebnahme, Wartung/Service im Ausland
  • internationaler Handel/Import/Export sowie
  • Auslandserfahrung allgemein.

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Untersuchungskonzept

Im Rahmen einer Vorstudie zur Tauglichkeit von Stellenanzeigenanalysen für Zwecke der Qualifikationsforschung - besonders zur Früherkennung der Qualifikationsentwicklung - wurden rund 4000 Stellenanzeigen aus dem letzten Quartal des Jahres 1997 ausgewertet. Rund 85% der Anzeigen wurden bundesweit und repräsentativ aus Tages,- Wochen- und Fachzeitschriften sowie aus Jobbörsen des Internet ausgewählt. Die übrigen 15% stammen aus Fachzeitschriften, die für einige Sonderbereiche - wie Informations- und Kommunikationstechnik, Multimedia, Pflege- und Gesundheitsberufe - zusätzlich einbezogen wurden.

Als Strukturierungsprinzip für die Erfassung internationaler Qualifikationen wird das in einem vorangegangenen Forschungsprojekt entwickelte Konzept der "internationalen Qualifikationen" zugrunde gelegt. Es enthält die drei Dimensionen "Fremdsprachenkenntnisse", "interkulturelle Kompetenz" und "hervorragende Fachkenntnisse".

Quelle

Bundesinstitut für Berufsbildung

BIBB-Vorhaben 1/3/4.0009
Früherkennungssystem Qualifikationsentwicklung
Vorstudie 1: Stellenanzeigenanalyse

Verfasser: Dr. Peter Wordelmann
April 1998
Tel.: (0228) 107 - 1102, Fax: (0228) 107 - 2955
E-Mail: wordelmann@bibb.de


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