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Partnertreffen mit 16 nationalen europäischen Berufsbildungsinstitutionen

Veröffentlicht: 27.04.2006

Der Austausch über die Entwicklung eines europäischen Qualifikationsrahmens (European Qualifications Framework, EQF) für die Bewertung beruflicher Kompetenzen war Thema eines Treffens, zu dem das Bundesinstitut für Berufsbildung Vertreter von 16 Berufsbildungsinstitutionen aus verschiedenen europäischen Staaten am 20. und 21. März 2006 nach Bonn eingeladen hatte. Dieses erste "Partnertreffen" bot ferner Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und künftige Kooperationsfelder zu identifizieren.

Der europäische Qualifikationsrahmen ist ein Instrument, das die Bildungssysteme und die vermittelten Kompetenzen transparenter machen und die Durchlässigkeit zwischen unterschiedlichen Bildungswegen und -systemen fördern soll. Es stellen sich für Deutschland, aber auch die anderen europäischen Staaten, Fragen nach den Folgewirkungen auf die nationalen Berufsbildungssysteme. In Verbindung mit einem nationalen Qualifikationsrahmen könnte die Mobilität im Bildungs- und Beschäftigungssystem wirksam verbessert werden. Aufgrund der Heterogenität der Bildungssysteme in Europa werden die einzelnen Staaten unterschiedlich auf den europäischen Rahmen reagieren. Ein frühzeitiger Informationsaustausch über die Ländergrenzen hinweg ist wichtig und nützlich für die Entwicklung eines nationalen Qualifikationsrahmens in Deutschland.

Vier Länder mit unterschiedlichen Berufsbildungssystemen stellten ihre bisherigen Erfahrungen vor: England, Spanien, Ungarn und Deutschland. Während Spanien und England bereits über einen nationalen Qualifikationsrahmen verfügen, haben Ungarn und Deutschland erst vor dem Hintergrund der Beratung über den Europäischen Qualifikationsrahmen damit begonnen, einen nationalen Rahmen zu entwickeln.


Tom Leney, QCA

England hat, wie die angelsächsischen Länder im allgemeinen, eine lange Tradition mit outcome-basierten Qualifikationsrahmen. Die englische Qualifications and Curriculum Authority (QCA), eine staatliche Einrichtung, war bereits am Entwurf des Europäischen Qualifikationsrahmens beteiligt. Festgestellt wurde, dass die Qualifikationssysteme der angelsächsischen Länder nicht nur sehr unterschiedlich sind, sondern sich sogar noch weiter auseinander entwickeln. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die verschiedenen britischen Regionen (Wales, Schottland, Nordirland, England) über unterschiedliche Rahmenwerke verfügen. Sie sind offensichtlich ein Medium, Differenzen zu demonstrieren.
Der Beitrag der QCA befasste sich vor allem mit der Frage, wie die europäische Politik die nationalen Systeme beeinflusst.
Obwohl der Bologna-Prozess von den Hochschulen bottom-up gestartet worden ist, habe sich daraus ein mächtiges Instrument der Harmonisierung von Abschlüssen entwickelt. Der Europäische Qualifikationsrahmen sei hingegen von der Kommission auf die Tagesordnung gesetzt worden. Aufgrund der großen Unterschiede in den Berufsbildungssystemen sei aber davon auszugehen, dass der Prozess hier anders verlaufen werde und nicht normierend wirke. Der Europäische Qualifikationsrahmen könne aber als Orientierungsrahmen für Entwicklungen auf sektoraler und nationaler Ebene genutzt werden.


Paula Greciet, INCUAL

Spanien hat bereits vor drei Jahren ein nationales Rahmenwerk für Qualifikationen etabliert. Die wesentlichen Elemente und die begleitenden Maßnahmen des Europäischen Qualifikationsrahmens wurden hier auf nationaler Ebene vorweggenommen. Allerdings umfasst der spanische Rahmen allein berufliche Qualifikationen und ist daher auf fünf Niveaustufen beschränkt. Diese können auf den Europäischen Qualifikationsrahmen bezogen werden, allerdings gibt es im spanischen Rahmen kein Pendant für das unterste und oberste Niveau des Europäischen Qualifikationsrahmens. Die Zuordnung der anderen Niveaus bereitet insofern Probleme, als im Europäischen Qualifikationsrahmen manche Niveaus nicht präzise genug beschrieben bzw. von einander abgegrenzt sind. Hier sei Nachbesserung erforderlich. Dies wurde auch in der deutschen Stellungnahme zum Europäischen Qualifikationsrahmen kritisch angemerkt.
 


Zsolt Bartus, NIVE

Für Ungarn ist der Europäische Qualifikationsrahmen von großer Bedeutung. Er wird als Herausforderung begriffen, an der sich das nationale Qualifikationssystem auszurichten hat. Es wird aber kein grundsätzlicher Gegensatz von nationalem System und Europäischem Qualifikationsrahmen gesehen. Es bestehen auch keinerlei Zweifel bezüglich seiner Anwendbarkeit. Die volle Anwendung Schritt für Schritt ist vorgesehen. Dies soll geschehen im Zusammenhang mit einer grundlegenden Modernisierung und Neu-Strukturierung des ungarischen Bildungssystems (Nationaler Entwicklungsplan). Dabei geht es vor allem um:

  • eine engere Beziehung von Bildungs- und Beschäftigungssystem;
  • die Neubestimmung des Verhältnisses von Aus- und Weiterbildung;
  • eine Reduktion der Zahl von beruflichen Qualifikationen;
  • die Modernisierung der Inhalte sowie
  • kompetenzbasierte Modularisierung.

Dr. Volker Rein, BIBB

In Deutschland hat die Diskussion um den Europäischen Qualifikationsrahmen als Katalysator gewirkt. Regierung und Wirtschaft haben gesonderte Stellungnahmen abgegeben. Eine gemeinsame Plattform wurde im Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung formuliert. Für die Entwicklung eines Nationalen Qualifikationsrahmens wurde eine "Roadmap" entworfen und eine Steuerungsgruppe eingesetzt.
Es sind allerdings noch zahlreiche Fragen zu klären, um in Deutschland einen Nationalen Qualifikationsrahmen zu etablieren, wie z.B. ob Berufs- oder Allgemeinbildung unter ein Dach gehen, oder welche Kompetenzdimensionen zu unterscheiden sind (etwa fachliche, methodische, soziale oder personale Kompetenzen).
Zu entwickeln sind ferner Standards für Qualifikationen und Kompetenzmessverfahren, Kriterien und Verfahren zur Anerkennung bzw. Anrechnung von äquivalenten (inkl. erfahrungsbasiert erworbenen) Kompetenzen sowie Verfahren für die Zertifizierung von non- und informell erworbenen Lernergebnissen.
Voraussetzungen für einen Qualifikationsrahmen ist vor allem die Bereitschaft aller Akteure zur Zusammenarbeit. Darüber hinaus sind eine zentrale Steuerung und begleitende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten erforderlich. Ein möglicher Zeitrahmen für Entwicklung und Implementation des Nationalen Qualifikationsrahmens wären die Jahre 2006-2010.

Die am Partnertreffen beteiligten Berufsbildungsinstitutionen, die zumeist von ihren Leitern vertreten wurden, kamen aus Dänemark, Estland, Frankreich, Italien, Lettland, Litauen, den Niederlanden, Polen, Russland, Serbien, Spanien, Tschechien, Türkei, Ungarn und dem Vereinigten Königreich. Mit der Veranstaltung dieses hochkarätig besetzten internationalen Treffens europäischer Berufsbildungsinstitutionen in Bonn hat das Bundesinstitut für Berufsbildung ein Forum initiiert, um internationale Kontakte und Kooperationsmöglichkeiten zu intensivieren. Es war Auftakt für einen regelmäßigen Austausch. Ein Folgetreffen soll 2007 in Madrid stattfinden.
 

Gruppenfoto aller Teilnehmer

Gruppenfoto aller Teilnehmer

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Erscheinungsdatum und Hinweis Deutsche Nationalbibliothek

Veröffentlichung im Internet: 27.04.2006

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Letzte Änderung: 03.11.2006

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