1. Die Literaturdatenbank Berufliche Bildung (LDBB) als Dokumentationssystem
Sonderstellung der LDBB in der deutschen Fachinformationslandschaft
Die Literaturdatenbank Berufliche Bildung (LDBB) nimmt in der deutschen Fachinformationslandschaft derzeit eine Sonderstellung ein:
- Die LDBB ist die einzige Literaturdatenbank zur Berufsbildungsforschung in Deutschland.
- Die LDBB ist kostenfrei und ohne Zugangsbeschränkungen im Internet recherchierbar.
- Die LDBB verbindet Aktualität der Nachweise mit hochwertiger Auswertung überwiegend unselbständiger Literatur wie Zeitschriftenaufsätze, die in Bibliothekskatalogen und im Internet nur schwer zu recherchieren sind.
Die LDBB umfasst zur Zeit ca. 48 000 Literaturnachweise ab dem Erscheinungsjahr 1988. Sie weist Fachliteratur zu allen Aspekten der Themenbereiche "Berufsbildung" und "Berufsbildungsforschung" nach. Die Datensätze enthalten bibliografische Angaben und sind mit Schlagwörtern, Abstracts (Kurzreferate) und einer Klassifikation02 inhaltlich erschlossen.
Die LDBB wird seit Anfang der 1990er Jahre vom BIBB in Kooperation mit der AG BFN herausgegeben und ist seit Februar 2005 kostenfrei im Internet recherchierbar. Damit wurden die bisher erschienenen Versionen in gedruckter Fassung und als CD-ROM abgelöst. Mit der Online-Präsenz wird den Nutzerinnen und Nutzern der zeit- und ortsunabhängige Zugriff auf die Datenbank ermöglicht. Der Online-Auftritt der LDBB wurde aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für das Projekt KIBB gefördert.
Welche thematischen Hauptfelder hat die LDBB?
Der inhaltliche Schwerpunkt der Literaturdatenbank liegt auf den folgenden zehn thematischen Hauptfeldern:
- Berufsbildungssystem, duales System
- Ausbildungsstellenmarkt und Beschäftigungssystem
- Berufsbildungsforschung
- Berufs- und Qualifikationsforschung
- Sozialwissenschaftliche und ökonomische Grundlagen der Berufsbildung
- Gestaltung und Ordnung der beruflichen Aus- und Weiterbildung
- betriebliches und schulisches Lernen
- Lernorte in der Berufsbildung
- Personengruppen in der beruflichen Bildung (Zielgruppen, Bildungspersonal)
- Internationale Berufsbildung, internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung.
Das Themenspektrum der LDBB wird durch Literaturnachweise der Kooperationspartner zu den Forschungsfeldern Arbeitsmarkt/Beruf und Erwachsenenbildung erweitert. Die Zulieferung erfolgt durch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE).
Welche Quellen werden ausgewertet und wie sind sie recherchierbar?
Ausgewertet werden Zeitschriftenaufsätze, Sammelbandbeiträge, Monografien, graue Literatur und zunehmend Internet-Publikationen, die den Kriterien der Dokumentationswürdigkeit03 entsprechen. Für die Recherche in der LDBB gibt es drei Suchmodi:
- die an den großen Suchmaschinen angelehnte Quick Search (ein Suchfeld),
- die Einfache Suche mit drei Suchfeldern (Titel, Autor, Schlagwort) sowie
- die Erweiterte Suche mit insgesamt 12 bibliografischen Feldern.
Wie erfolgt die inhaltliche Erschließung in der LDBB ?
Als Instrumente zur inhaltlichen Erschließung der LDBB dienen Schlagwörter, Abstracts sowie das Klassifizierungssystem der beruflichen Bildung, die im folgenden näher erläutert werden.

Abb. 1: Dokumentationsprozess für die LDBB
1. Schlagwörter
Das wesentliche Instrument zur inhaltlichen Erschließung und folglich auch für die Recherche ist die gemeinsame Schlagwortliste von IAB und BIBB zu Arbeitsmarkt, Beruf und Berufsbildung04. Das durch diese Liste abgedeckte Spektrum ist multidisziplinär geprägt und berücksichtigt insbesondere Termini der Berufsbildungsforschung, der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.
Für die Nutzerinnen und Nutzer der LDBB bietet die terminologisch kontrollierte Schlagwortliste den Vorteil, dass zu einem Suchwort automatisch das semantische Umfeld aufgezeigt und Synonyme, Quasi-Synonyme und Abkürzungen mitgesucht werden können (Beispiel: Suche nach dem Schlagwort "europäischer Qualifikationsrahmen" impliziert die Suche nach EQF und EQR). Darüber hinaus werden Verweisungen in Form von Ober-/ Unterbegriffen oder verwandten Schlagwörtern angezeigt, die Nutzerinnen und Nutzer wie mit einem Navigationssystem durch die Datenbank führen (in diesem Beispiel: Verweisung auf "Anrechnung von Bildungsleistungen", das wiederum die Recherche nach ECTS und ECVET mit einschließt). In der Vollanzeige des Nachweises können mit einem Klick alle Publikationen des Autors, alle Beiträge aus der aufgeführten Quelle, alle Nachweise zu einem der indexierten Schlagwörter oder vergebenen Klassifizierungsbezeichnungen (Notationen) des Klassifizierungssystems angezeigt werden.05
Schlagwort "E-Learning"
Benutzt für: Electronic Learning; computerunterstütztes Lernen; computerunterstützter Unterricht; internetgestütztes Lernen; multimediales Lernen; Online-Lernen; virtuelles Lernen
Verwandter Begriff: Bildungstechnologie; neue Medien; blended learning; CBT; WBT; Internet; Lernplattform; Lernprogramm; Medieneinsatz; Teleteaching; Teletutor
Oberbegriff: Lernen
Abb. 2: Semantisches Umfeld des Schlagwortes "E-Learning"
2. Abstracts
Neben der Sacherschließung mit Schlagwörtern werden die Literaturnachweise mit einem Abstract (Kurzreferat) versehen. Der Inhalt des Abstracts ist für Informationssuchende ein wesentliches Kriterium zur persönlichen Beurteilung der Relevanz einer Publikation. Es gibt eine kurze Zusammenfassung der Publikation wieder, deren Stichwörter über die Freitextsuche wiederum recherchierbar sind. Dies bietet sich beispielsweise bei Eigennamen von Projekten, Modellversuchen oder Planspielen wie SIMBA, VISUBA, SENEKA, GEFLEX, DILO oder LANF an. Gleiches gilt für sehr spezifische Termini wie Heterotopiekonzept, Wissensarchitektur oder Diderot-Effekt, die nicht in der kontrollierten Schlagwortliste (Thesaurus) verzeichnet sind.
3. Klassifizierungssystem
Klassifikationen06 wie die international am weitesten verbreitete Universalklassifikation DDC (Dewey Decimal Classification)07 sind in einer Reihe von Datenbanken und online zugänglichen Bibliothekskatalogen (OPACs) als Grundlage zur inhaltlichen Erschließung und somit auch zur Infomationsrecherche implementiert worden.
Ein Beispiel zur Sacherschließung mithilfe von Klassifikationen ist das von KIBB gemeinsam mit der TU Darmstadt entwickelte "Klassifizierungssystem der beruflichen Bildung"08, welches eine automatisierte Vernetzung von Wissensbeständen ermöglicht und im konkreten Anbindungsprozess der LDBB auf den einzelnen Projektseiten in der Wissenslandkarte Anwendung findet.

Abb. 3: Anzeige eines Literaturnachweises in der LDBB
Was hat inhaltliche Erschließung mit guten Rechercheergebnissen zu tun?
Durch die oben beschriebenen Instrumente der inhaltlichen Erschließung werden Dokumente genauer beschrieben und können somit in der Suche besser aufgefunden werden. Prinzipiell zeichnet sich ein adäquates Suchergebnis durch hohe Präzision und Vollständigkeit aus. Diese in den Informationswissenschaften wichtigen Messgrößen geben Auskunft darüber, wie hoch der Anteil relevanter Treffer an der Gesamtmenge ist und wie hoch der Anteil der gefundenen relevanten Dokumente in Relation zu allen in der Datenbank vorhandenen relevanten Dokumenten ist.
Bei Informationsrecherchen im Web mit Hilfe von Suchmaschinen wie Google, Yahoo und MSN von Microsoft offenbaren sich - zumindest im Vergleich zur klassischen Datenbankrecherche - einige Defizite. Schätzungen und Untersuchungen zufolge ist der Teil des Internets wie themenspezifische Datenbanken oder Bibliothekskataloge, der nicht mit Hilfe von Suchmaschinen recherchierbar ist (invisible web), 40 bis 500 mal größer als der sichtbare Teil des Web (visible web).09 Art, Umfang, Struktur und Qualität der Datenmenge im Internet sind dem Nutzer ebenso weitgehend unbekannt wie die linktopologischen Rankingverfahren, die für die vermeintliche Sortierung der Trefferliste nach Relevanz verantwortlich sind. Im Normalfall orientiert sich das Suchergebnis an Häufigkeit und Stellung des Suchwortes im jeweiligen gefundenen Dokument und an der Häufigkeit von Verweisungen anderer Dokumente auf das im Suchergebnis enthaltene Dokument. Durch dieses Verfahren und dem in letzter Zeit oftmals vorkommenden Index Spamming, bei dem sogenannte Suchmaschinenoptimierer eine Webseite so verändern, dass diese in der Trefferliste eine vordere Platzierung erzielt, wird dem Internetnutzer nicht selten eine Relevanz der gefundenen Dokumente vorgetäuscht, die einer näheren Prüfung in Bezug auf Inhalt und Authentizität nicht immer standhalten kann.10