Hermann-Schmidt-Preis 2007
Thema: Attraktivität und Internationalisierung beruflicher Bildung durch Auslandsaufenthalte steigern
Vier Projekte für herausragende Leistungen ausgezeichnet

Preisträger der Hermann-Schmidt-Preisverleihung 2007
Nur ein bis zwei Prozent aller Auszubildenden absolvieren zurzeit einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland. Viel zu wenig - wenn man berücksichtigt, dass die Mobilität der Beschäftigten sowie die Anforderungen an ihre Fachqualifikationen im Zuge einer zunehmenden Internationalisierung von Wirtschaft und Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewinnen. Auslandserfahrungen und der Erwerb interkultureller Kompetenzen sind inzwischen nicht nur bei Führungs-, sondern auch bei Fachkräften ein wichtiger, teilweise sogar notwendiger Bestandteil ihres Qualifikationsprofils.
Thema des bereits zum elften Mal verliehenen Hermann-Schmidt-Preises war es daher, die Attraktivität und Internationalisierung berufl icher Bildung durch längerfristige Auslandsaufenthalte zu steigern. Ausgezeichnet wurden Projekte und Initiativen, die in innovativer und wirksamer Form mit ausländischen Partnern zusammenarbeiten, um Auszubildenden einen längerfristigen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen und deren interkulturelle Kompetenz zu fördern. Der Verein "Innovative Berufsbildung e.V." hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem jährlich von ihm verliehenen Hermann-Schmidt-Preis auf innovative Ansätze in der Berufsbildungspraxis aufmerksam zu machen, diese zu fördern und als gute Beispiele zur Nachahmung zu empfehlen.
Aus den zum Wettbewerb eingereichten 32 Initiativen gingen als Sieger hervor:
1. Preis (2.000 Euro): Steinmetzzentrum Königslutter der Handwerkskammer (HWK) Braunschweig für das Projekt "Die Europäisierung im regional orientierten Handwerk"
Das Steinmetzzentrum Königslutter, eine Bildungsstätte der HWK Braunschweig, ist das bundesweit einzige anerkannte Kompetenzzentrum im Steinmetzhandwerk. Seit 2003 besteht im Rahmen eines europäischen LEONARDO-Projekts eine Kooperation mit dem weltweit führenden Zentrum für Marmorbearbeitung im italienischen Carrara. Zielgruppe sind Auszubildende im Steinmetz- und Bildhauerhandwerk am Ende ihres zweiten und dritten Lehrjahres, die in Gruppen von jeweils zwölf Personen 13 Wochen lang in Carrara ausgebildet werden. Sie erweitern dort ihre Kenntnisse und Fertigkeiten und erlernen spezielle Techniken, die ihnen in Deutschland nicht vermittelt werden können. Der Auslandsaufenthalt wird nachgewiesen im Europass Berufsbildung und voll auf die Ausbildungszeit angerechnet. Das Projekt erfüllt den Qualifi kationsbedarf handwerklicher Klein- und Mittelbetriebe, eröffnet den Auszubildenden Qualifizierungschancen und verdeutlicht ihnen die Vorteile von im Ausland erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten.
Kontakt: Sandra Jutsch, HWK Braunschweig, Burgplatz 2+2a, 38100 Braunschweig, E-Mail: jutsch@hwk-bs.de; Internet: http://www.steinmetzzentrum.de/
2. Preis (1.000 Euro): Bebo-Wager-Schule/Gewerbliche Berufsschule II der Stadt Augsburg für das Projekt "Classe Européenne"
Die Bebo-Wager-Berufsschule bietet Konditoren, Köchen und Hotelfachleuten mit bestandener Gesellenprüfung die Möglichkeit einer einjährigen Zweitausbildung in Frankreich. Zielgruppe sind vor allem sozial benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 18 bis 26 Jahren aus strukturschwachen Regionen, die überwiegend über einen Hauptschulabschluss und keine Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Grundlage der Zusatzausbildung sind Verträge mit den Betrieben vor Ort. Die jungen Leute erwerben typisch französische, in Deutschland nicht vermittelte, aber sehr nachgefragte Kenntnisse und Fertigkeiten. Die Ausbildung endet mit einer staatlich anerkannten Prüfung, die es ermöglicht, weitere höhere französische Abschlüsse zu erwerben. Das Projekt steigert die beruflichen und sozialen Kompetenzen der Beteiligten und erhöht so ihre Arbeitsmarktchancen. Es hat insbesondere Vorbildcharakter für die Organisation von Angeboten für nach dem Berufsbildungsgesetz anzurechnende Qalifizierungsphasen im Ausland.
Kontakt: Stefanie Engels, Bebo-Wager-Schule/Gewerbliche Berufsschule II, Haunstetter Str. 66, 86161 Augsburg, E-Mail: info@bs2-augsburg.de; Internet: http://www.bs2-augsburg.de/
3. Preis (500 Euro): Ausbildungsverbund "Moderne Berufe für Europa/Südthüringen e.V." für das Projekt "Grenzüberschreitende Verbundausbildung"
Der Ausbildungsverbund umfasst 48 Mitgliedsunternehmen, in denen 187 Jugendliche in betrieblichen Ausbildungsverhältnissen ausgebildet werden. Die Tätigkeitsschwerpunkte liegen in der Organisation von Ergänzungslehrgängen und Zusatzqualifikationen, der Qualifizierung des Ausbildungspersonals sowie der Planung und Durchführung von Ausbildungsabschnitten im Ausland. Das Angebot erstreckt sich mittlerweile auf 16 verschiedene Ausbildungsberufe in kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen. Die Anerkennung erfolgt durch die Ausstellung des Europasses Mobilität. Der Ausbildungsverbund kooperiert im Rahmen eines europäischen LEONARDO-Projekts mit Partnern in Norwegen, Polen, Frankreich und Italien. Alle am Ausbildungsprozess Beteiligten, insbesondere die Berufsschulen, Kammern und das Ausbildungspersonal, sind in die Vorbereitung und Durchführung der Ausbildungsabschnitte im Ausland eingebunden.
Kontakt: Jörg Teschner, Ausbildungsverbund "Moderne Berufe für Europa/Südthüringen", Pfütschbergstr. 10, 98527 Suhl, E-Mail: moderneberufe@t-online.de ; Internet: http://www.moderneberufe.de/
Den mit 500 Euro dotierten Hermann-Schmidt-Sonderpreis erhält:
Das "Auslandsprogramm" der Rittal GmbH & Co. KG aus Herborn
Die Rittal GmbH & Co. KG ist ein weltweit führendes Unternehmen auf dem Gebiet der Gehäuse- und Schaltschranktechnik, Systemklimatisierung und IT-Infrastruktur. Die Integration sorgfältig konzipierter, bis zu dreimonatiger Auslandspraktika in den Ausbildungsprozess zum Beispiel in USA, Kanada, England, Indien oder China ist daher für die Qualifizierung der Rittal-Auszubildenden von großer Bedeutung. Zielgruppe sind Jugendliche verschiedener Berufsgruppen, die sich durch überdurchschnittliche Leistungen und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung ausgezeichnet haben und für das internationale Geschäft fit gemacht werden sollen. Die Maßnahmen sind mit der Berufsschule und der Industrie- und Handelskammer (IHK) abgestimmt. Den ausgefallenen Unterrichtsstoff der Berufsschule holen die Auszubildenden in Eigenarbeit nach. Das Konzept kann jederzeit auch in ähnlich strukturierten Unternehmen eingesetzt werden.
Kontakt: Martin Kandziora, Rittal GmbH & Co. KG, Auf dem Stützelberg, 35745 Herborn, E-Mail: kandziora.m@rittal.de; Internet: http://www.rittal.de/
Kurzdarstellungen der prämierten und weiterer zum Wettbewerb eingereichten Projekte enthält die Beilage
BWPspezial Nr. 12 zum Heft 5/2007 der Zeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP)" des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).
Die Zeitschrift ist zum Preis von 7,90 Euro zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag, Fax: 0521 / 9 11 01 19, E-Mail: service@wbv.de.
Infos zum Verein und Chronologie der bisher verliehenen Preise




