Arbeitstreffen von TTnet Deutschland am 12. und 13. Juni 2007 in Bonn
Das berufliche Bildungspersonal als europäische Priorität
Im Arbeitsprogramm 2010 der EU spielt die Förderung des Bildungspersonals eine größere Rolle als in vielen Einzelstaaten, und es wird über unterschiedliche Programme und Maßnahmen versucht, diese heterogene Gruppe in ihrer Schlüsselfunktion zu unterstützen. Da über die Situation des schulischen Lehrpersonals schon einige Studien vorliegen, hat die EU-Kommission (Generaldirektion Bildung und Kultur) zwei Studien in Auftrag gegeben, die das nicht-schulische berufliche Bildungspersonal in 32 europäischen Staaten in den Blick nehmen. Die Ergebnisse sollen Ansatzpunkte bieten, um nötige Unterstützungskonzepte sinnvoll und Erfolg versprechend anzulegen.
Die dem betrieblichen Bildungspersonal gewidmete Studie "Eurotrainer" wird vom ITB der Uni Bremen koordiniert und verantwortet und der deutsche Teil wird vom BIBB betreut. Dr. Roland Tutschner vom ITB Bremen stellte Ergebnisse des Zwischenberichts vor, der in erster Linie auf der statistischen Auswertung eines europaweit verteilten Fragebogens beruhte.
In der Gesamtschau für Europa zeigen sich bereits einige interessante Ergebnisse:
- Ausbilder und Trainer in Europa fühlen sich im allgemeinen gut qualifiziert in Bezug auf ihre Aufgaben. Trotzdem sind sie eher pessimistisch im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit ihrer jeweiligen Systeme der beruflichen Bildung.
- Auffällig ist die große Bedeutung, die Ausbilder und Trainer den sozialen Kompetenzen in Bezug auf ihr Anforderungsprofil beimessen. Die Aneignung sozialer Kompetenzen hat in ihrer beruflichen Weiterbildung ebenfalls Priorität.
- Etwa 25% der Ausbilder sind keine betrieblichen, sondern externe Ausbilder. Sie finden sich insbesondere in Italien und in Griechenland. Bei dieser Gruppe spielten dabei Karriere und finanzielle Anreize als Motivation für die Tätigkeit eine größere Rolle als in anderen Systemen.
- Mit steigendem Qualifikationsniveau der Ausbilder und Trainer nimmt auch die Breite der von ihnen übernommenen betrieblichen Funktionen zu.
- Ausbildungs- und Lehrmethoden der Ausbilder und Trainer sind eher klassisch bzw. traditionell. Lehrformen wie die Anleitung zum selbstgesteuertem Lernen oder projektorientiertes Lernen sind eher unterentwickelt, ebenso das E-Learning, und entsprechen nicht den Anforderungen der Prinzipien des lebenslangen Lernens.
Die spezifische Auswertung des deutschen Datensatzes wurde in der Runde lebhaft diskutiert. In dem kleinen Sample überwiegen beispielsweise hauptamtliche Experten und Ausbilder mit AEVO, während das Gros des ausbildenden betrieblichen Personals nebenberuflich tätig ist. Auch das Zusammenspiel mit den außer- und überbetrieblichen Ausbildern und Trainern fällt so aus dem Blick. Die deutsche Situation (mindestens drei verschiedene Ausbilder- und Trainertypen allein in den Betrieben) muss durch die Gegenüberstellung mit qualitativen Daten und den nationalen Länderbericht des BIBB ausbalanciert werden. Die Ergebnisse werden im Oktober vorliegen.
Roland Tutschner/Simone Kirpal/Martin Fischer/Eileen Lübcke "EUROTRAINER -Zwischenergebnisse"
Einen Fallstudienansatz zur näheren Erfassung der verschiedenen Rollen und Beteiligten in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung verfolgt das parallele Leonardo-Projekt "TTplus", dessen Federführung in Wales (Pontydysgu) liegt. Auch hier ist das ITB als Partner beteiligt und Eileen Lübcke erläuterte die Vorgehensweise auf Basis verschiedener qualitativer Methoden und berichtete aus englischen Betriebsbeispielen. Ziel ist die Erfassung typischer Szenarien, an denen sich charakteristische Problemlagen der Trainer aufzeigen lassen
Eileen Lübcke,"TTPlus - A framework for continous professional development of trainers"
Aus der "Focus Group on Teachers and Trainers in VET" berichtete Anke Bahl (BIBB), die das BMBF dort vertritt.
Es handelt sich dabei um eine Untergruppe der Thematischen Arbeitsgruppe zur "Verbesserung der allgemeinen und beruflichen Bildung von Lehrkräften und Ausbildern/Weiterbildnern", die sich spezifisch für die Belange des beruflichen Bildungspersonals einsetzt. Als eine Maßnahme wurden die eingangs erwähnten Studien ausgeschrieben. Außerdem werden "Peer Learning Activities" (PLA) in den Mitgliedsländern durchgeführt. Dabei handelt es sich um mehrtägige Arbeitstreffen zu einem Schlüsselthema, in denen durch Kontrast und Vergleich von guten systemischen Elementen anderer Länder gelernt werden kann.
Albert Heinen (RWE) als Betriebsvertreter berichtete von seinen positiven Erfahrungen auf einer PLA im März im Wien mit dem Thema "Partnership between VET Schools and Companies -The Role of Teachers and Trainers". Weitere PLAs sind in Vorbereitung.
In der Hauptgruppe wird zur Zeit diskutiert, ob die Kommission eine Empfehlung ("Recommendation") bezüglich der Qualität der Lehrerausbildung herausgeben soll. Diese würde auch für die Berufsschullehrer gelten, nicht jedoch für die Ausbilder und Trainer. Je nach Ergebnis wird sich für die Focus Group die Frage stellen, ob eine gesonderte Stellungnahme das berufliche Bildungspersonal als Ganzes oder nur die Ausbilder und Trainer betreffend sinnvoll wäre.
Anke Bahl, Focus group "Teachers and Trainers in Vocational Education and Training" - Bericht aus der Arbeitsgruppe der EU-Kommission
Lehrer gut ausbilden - in Kooperation für Kooperation
Prof. Georg Rothe führte in Grundprobleme der Ausbildung und Tätigkeit von Lehrpersonal an beruflichen Schulen in Deutschland ein. Dabei wurde u. a. angesprochen:
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- die Problematik der deutschen Berufsschule als Fortbildungsschule,
- die Rekrutierung großer Teile des Nachwuchses über nicht grundständige Studiengänge,
- die Notwendigkeit Länder übergreifender Maßnahmen bei der Qualifizierung und
- die Problematik des "Übergangssystem", durch das u.a. auch viele Lehrkräfte nicht in den Bereichen unterrichten, für die sie ausgebildet sind.
Abschließend stellte Prof. Rothe knapp seine Empfehlungen zur Reform der Hochschulausbildung der Lehrkräfte vor, die er im Auftrag der Bosch-Stiftung entwickelt hatte. Siehe dazu die Publikation "Lehrerbildung für gewerblich-technische Berufe im europäischen Vergleich - Vorschläge für eine Umstrukturierung der Studiengänge samt Konsequenzen für das nationale Berufsbildungssystem"
Zum Ansatz kooperativer und kompetenzorientierter Lehrerbildung und den damit gemachten Erfahrungen referierte Heidi Hagelüken vom Studienseminar Kassel aus dem Modellversuch LunA (Hessen) im Rahmen des BLK Programms "Skola".
Die Strukturen (BA/MA) des "Kooperativen Studiums für das Lehramt an Berufskollegs" an der Universität und der Fachhochschule Münster und ihre Entwicklung über die Modellvorhaben "Kooperative Lehramtsausbildung für die Sekundarstufe II mit beruflichem Schwerpunkt" und "Gestufte Studiengänge in der Lehrerausbildung" bis zur dauerhaften Regelung stellte Petra Seyfferth von der FH Münster vor.
Prof. Dr. Uwe Faßhauer von der PH Schwäbisch-Gmünd erläuterte die Kooperative Lehrerbildung mit der HTW Aaalen, den Beruflichen Schulen der Region, dem Staatlichen Seminar für Lehrerbildung Stuttgart und der Industrie beim Modell Bachelor eng. / Master sc. Ingenieurpädagogik und beschrieb Zielgruppen, Curricula, Kooperationsstruktur und Qualitätssicherung. In der anschließenden Diskussion wurden auch erste Möglichkeiten des Durchstiegs an die Hochschulen für Fachkräfte des betrieblichen Bildungspersonals erwogen.
Prof. Dr. Uwe Faßhauer, "Kooperative Lehrerbildung -Bachelor eng. / Master sc." IngenieurpädagogikWeiter Informationen in bwp@ Ausgabe nr. 12 Juni 2007: http://www.bwpat.de/
Zum Thema sei weiter auf die Fachtagung zu kooperativen BA/MA Studiengängen am 27. Februar 2008 in Schwäbisch Gmünd verwiesen.
Neue Erkenntnisse und "good practice" in die Lernortkooperation einbringen
- Innovative Projekte - Modellversuche und TransferÜber moderne Konzepte von Lernortkooperation und innovativen Transfer in den nationalen und europäischen Bereich berichtete Gisela Westhoff (BIBB) aus dem Modellversuchsprogramm "Flexibilitätsspielräume für die Aus- und Weiterbildung". Dessen allgemeine Ziele, die Entwicklung von Bildungskonzepten zur Modernisierung der beruflichen Bildung in KMU und nationaler und internationaler Transfer durch Anregung von Praxis, Wissenschaft und Politik, könnten im TTnet Netzwerk einen hervorragenden Resonanzboden finden.
Die praktischen Beispiele erläuterte Prof. Dr. H. Ernst vom Schweriner Ausbildungszentrum e.V.(SAZ) anhand neuer didaktisch-methodische Ansätze zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen in der Aus- und Weiterbildung aus dem BIBB-Modellversuch EPOS bei der Integration von Auslandmodulen in die Ausbildung (mit Unterstützung des Leonardo-Programms).
Die professionelle, kompetenzorientierte und anrechenbare Gestaltung von Auslandsmodulen in der Ausbildung ist eine Aufgabe für den Service- Aus- und Weiterbildner. Sie umfasst bei der Vorbereitung und Durchführung der Auslandsmodule 5 Phasen:- Beratungsphase (Beratung der Geschäftsleitung über arbeitsplatzbezogene Aus- und Weiterbildungsprozesse und über den Nutzen der Auslandsmodule)
- Analysephase
- Vorbereitungs- und Planungsphase
- Ausbildungsphase in Verknüpfung der Lernorte,
- Nachbetreuung und nachhaltige, sich selbst tragende Etablierung der Auslandsmodule.
Dabei wird nach dem Multiplikatoren- und dem Coaching-Modell gearbeitet.
Externes Ausbildungsmanagement des Aus- und Weiterbildungsverbundes bildet die Basis für die Auslandsmodule. Durch den Service-Ausbilder des SAZ werden ausbildende Fachkräfte im Unternehmen qualifiziert und angeleitet, um die Auslandsmodule vorzubereiten und in den Ausbildungsprozess zu integrieren. Das Verhältnis von betrieblichem und überbetrieblichem Lernen wird im Sinne der stärkeren Orientierung auf den betrieblichen Arbeitsplatz neu bestimmt. Ausbildungsgerechte Betriebsaufgaben bilden die Basis für die Verknüpfung der einzelnen Lernorte. Exkursionen, Erkundungsaufträge, Erprobungen und Präsentationen im eigenen Betrieb und im Betrieb des Auslandes sind wichtige Elemente bei diesem Vorgehen.
Prof. Dr. Günter Albrecht von der GEBIFO-Berlin erläuterte die Potenziale von Netzwerkkonzepten im Rahmen der europäischen Initiativen "Aus- und Weiterbildung Mechatroniker". Zu seiner Philosophie der Netzwerke gehört neben der Identifizierung von ,best practice' und deren Transfer u.a. auch ein Trainer-Konzept (IAQ-Projekt: Integrierte Ausbilderqualifizierung in den neuen Bundesländern/Good-Practice in den Grenzregionen) und ein Handlungskonzept. Die Basis für die Verbreitung in Deutschland spielte das Netzwerk "Regio-Kompetenz-Ausbildung".
Datei: (Datei Nr. 8)
Elisabeth Portz-Schmitt berichtete über die Kooperation der Handwerkskammer Rheinhessen mit dem ,Zukunftszentrum Tirol' im Projekt "flexkom", in dem Lehrlinge lernen, ihre Lernprozesse und ihren Berufsweg eigenständig zu gestalten . Dabei wird von der Ausgangsposition unselbständiger schulischer Lernstile systematisch über die Entwicklung von eigenständiger Lernkompetenz bis zur berufsberufbiografischen Gestaltungsfähigkeit geführt. Unter anderem wurden 26 Coaches für Kompetenzbilanz und über 200 Multiplikatoren für die Kompetenzwerkstatt ausgebildet und die Ausbilderinnen und Ausbilder des Berufsbildungszentrums der HWK für die neue Kompetenz orientierte Ausbildung qualifiziert. Die Arbeit schließt regelmäßige Werkstatt-Treffen mit AusbilderInnen der Betriebe ein. Link: Modellversuch Flexkom, HWK Rheinhessen, Projektbüro Elisabeth Portz
Flexrom und ZZT,"Die Kooperation der Handwerkskammer Rheinhessen mit dem Zukunftszentrum Tirol"
EU und Kompetenzen
Stand und Prinzipien der Entwicklung eines deutschen nationalen Qualifikationsrahmens (NQR/EQF) erläuterte Gerald Thiel (DEKRA)
Über die Arbeiten für die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Kompetenzrahmens für Ausbilder-Berufe im TTnet/Cedefop-Projekt "Defining VET Professions" berichtete Herold Gross (BIBB).
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- Herold Gross, Arbeitsprogramm Allgemeine und berufliche Bildung 2010: Zentrale Rolle der Lehr- und Ausbildungskräfte
- Rasmus Frimodt, "DefiningVET professions -methodologyand outcomes"
- Arduino Salatin, TTnet Annual Conference, Thessaloniki, 7 December 2006", "Defining VET professions"outcomes and conclusionCVETprofilesbyArduino
- Rasmus Frimodt, Kristina Volmari, Arduino Salatin, Daniela Carlini, Cristina di Giambattista, TTNET PILOT PROJECT "DEFINING VET PROFESSIONS IN LINE WITH THE EUROPEAN QUALIFICATIONS FRAMEWORK" FINAL RESULTS -Working document, December 2006
Projektgenerierung und TTnet
Ulrike Engels (NA-BIBB) gab einen Überblick über den Start des neuen Leonardo-Programms und die geänderten Schwerpunkte und Förderbedingungen. Wie die Prioritäten für den Beginn der nächsten Antragsrunde im Herbst aussehen werden, wird zur Zeit noch verhandelt.
Ulrike Engels, Leonardo da Vinci - Mobilität -Innovationstransfer - Partnerschaften 2007-2013
Gunnar Binda (Handelsschule Schlankreye, HH) berichtete aus der aktuellen Konzeption eines künftigen Leonardo-Projektes, das spezielle Qualifikationen für Ausbilder und Lehrer entwickeln will, um Mobilitäten in Europa zu fördern. Der methodische Kern umfasst das Job-Profiling und eine spezielle Art der Kompetenzmodellierung auf Basis von Referenzprozessen. Dieser methodische Kern ermöglicht auch eine systematische Zuordnung von Credits zu den Kompetenzen.
Gunnar Binda, ZMT-Promotor / EU-Lernprozessbegleiter - Entwicklung einer arbeitsprozessbegleitenden Qualifizierung zur Förderung von Mobilitäten in Europa - Prüfung der Zertifizierbarkeit
Nägel mit Köpfen machen - TTnet Workshop zu Leonardo- und anderen Projekten im November 2007
TTnetDE wird versuchen, noch im November 2007 unter Ausnutzung des Partner-Potenzials des Netzwerks einen besonderen Workshop zur Entwicklung von relevanten und nachhaltigen europäischen Projekten im Bereich innovativer Ansätze beruflicher Ausbildung und Ausbilderqualifizierung durchführen.
Bitte beachten Sie auch den gesonderten Bericht über die internen Diskussion zur Entwicklung von TTnetDE ( "Brainstorming"): http://www.bibb.de/ttnet
und die Einladung zum TTnetDE- Arbeitstreffen am 12.09. in Düsseldorf von 19.00 - 22.00 Uhr im" Meckenstocks", Elisabethstr. 82 / Ecke Bilker Allee, 40217 Düsseldorf (Anmeldung erforderlich)
Kontakt:
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- Herold Gross
Bundesinstitut für Berufsbildung
Nationale Koordination TTNet DE
Tel: 0228/107 1631
Fax: 0228/107 2963 / E-Mail: gross@bibb.de
- Herold Gross





