Altbewerber bilden keinen homogenen Personenkreis, sondern setzen sich aus unterschiedlichen Gruppen mit unterschiedlichen Ausbildungschancen zusammen. Der Bogen spannt sich von Personen, die schwache Schulabschlüsse haben, über Bewerber, die mit der Beendigung einer Einstiegsqualifizierung ihre Chancen deutlich verbessern konnten, bis hin zu Personen, die in Fachoberschulen einen höheren Schulabschluss erwarben und damit ebenfalls über gute Zukunftsperspektiven verfügen.
Besondere Probleme haben allerdings Altbewerber, die sich bereits vor mehr als zwei Jahren erstmalig um eine Berufsausbildung bemüht hatten. Gelingt ihnen erneut nicht der Einstieg in eine Berufsausbildung, verbleiben sie verstärkt außerhalb des Bildungssystems, beginnen bestenfalls zu arbeiten, in wenigen Fällen lediglich zu jobben, oder sie bleiben ohne Beschäftigung. Die drei zuletzt genannten Verbleibsformen außerhalb des Bildungs- und Qualifizierungssystems (Arbeiten, Jobben, ohne Beschäftigung) werden von den Altbewerbern mit Abstand am häufigsten negativ bewertet.
Mit der Altbewerberproblematik verbindet sich auch ein statistisches Problem. Denn angesichts der Tatsache, dass die Zahl der offiziell erfolglosen Ausbildungsplatznachfrager in den letzten vier Jahren im Schnitt gerade einmal gut 42.000 Personen umfasste, stellt sich die Frage, weshalb sich der Umfang der Altbewerber überhaupt auf mehrere Hunderttausend anstauen konnte. Beides passt rechnerisch nicht zusammen. Die Lösung liegt darin begründet, dass die meisten Altbewerber in der offiziellen Ausbildungsmarktstatistik nicht sichtbar werden. Denn mit ihrem Entschluss, sich aufgrund ihrer erfolglosen Bewerbungen um eine Alternative zu bemühen (erneuter Schulbesuch, berufsvorbereitende Maßnahme, Jobben, Praktikum), galten und gelten sie als "versorgt". Sie werden damit auch nicht als "Ausbildungsplatznachfrager" gezählt -selbst dann nicht, wenn sie sich intensiv weiter bewerben. Dabei spielt die Art des Verbleibs keine Rolle. Endgültig Abstand von ihrem Lehrstellenwunsch nehmen aber vor allem nur diejenigen Jugendlichen, die eine voll qualifizierende Schulberufsausbildung beginnen. Jugendliche, die jobben oder sich lediglich teilqualifizieren, halten ihren Ausbildungswunsch jedoch in den meisten Fällen aufrecht.
Die Gesamtzahl der Lehrstellenbewerber, die in Alternativen zu einer Ausbildungsstelle (erneuter Schulbesuch, berufsvorbereitende Maßnahme, Jobben, Praktikum) einmünden, ist hoch. 2006 betrug sie 348.000. Das war fast jeder zweite gemeldete Bewerber. Ihr offizieller Status als "versorgt" darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie oft weiterhin an einem Ausbildungsplatz interessiert sind. Die Bundesagentur für Arbeit hat mit der Modernisierung ihres Vermittlungssystems und dem Umstieg von COMPAS auf VerBIS dafür gesorgt, dass in Zukunft wichtige ergänzende Informationen zur offiziellen Ausbildungsmarktstatistik vorliegen. Denn fortan können die alternativ verbliebenen Bewerber danach unterschieden werden, ob sie mit dem alternativen Verbleib ihre Bitte um weitere Vermittlungsbemühungen fallen lassen oder nicht.
Um die Chancen von Altbewerbern auf eine qualifizierte Ausbildung zu erhöhen und einen Ausstieg aus dem Bildungs- und Qualifizierungssystem zu verhindern, wird von Seiten der Politik ein Förderprogramm für Jugendliche entwickelt, die sich mehrfach erfolglos um eine Ausbildung bemüht und währenddessen Alternativen besucht und erfolgreich beendet haben. Ziel ist es, dass die Bemühungen der Jugendlichen letztlich auch zu einem erfolgreichen qualifizierenden Berufsabschluss führen. Inwieweit dies erreicht werden kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Denn die positive Entwicklung im Beschäftigungssektor dürfte auch auf dem Ausbildungsmarkt für einen kräftigen Rückenwind sorgen.
Dennoch: Selbst bei günstigsten Marktvoraussetzungen wird sich die Zahl der Altbewerber niemals auf Null hin bewegen. Denn ein nicht ungewichtiger Anteil der Altbewerber rekrutiert sich aus Jugendlichen, die bereits einmal eine Berufsausbildung begonnen hatten, diese aber wieder abbrachen oder abbrechen mussten (weil ihnen gekündigt wurde). Auch wenn einem großen Teil von ihnen wieder der Einstieg in eine Berufsausbildung gelingt, haben es viele von ihnen oft besonders schwer, erneut einen Ausbildungsplatz zu finden. Gerade diese Jugendlichen sind auf die Vermittlungshilfe der Bundesagentur für Arbeit angewiesen.