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Diagnostik und Forschung in der beruflichen Bildung (SS 2008)

Übung (K 6) an der Universität Bonn, Fachbereich Psychologie

Das in Bonn ansässige Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) führt umfangreiche Forschungsarbeiten in der beruflichen Bildung durch. Im Rahmen von Praktika, Ab-schlussarbeiten und Promotionsvorhaben eröffnen sie für Studierende eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Beteiligung. In der Übung werden ausgewählte Forschungs-ansätze vorgestellt und mit den Studierenden in inhaltlicher und methodischer Hin-sicht diskutiert. Themen sind u.a. die "Ausbildungsreife" der Jugendlichen, ihr Frei-zeit- und Berufswahlverhalten, ihre berufliche Flexibilität und Mobilitätsbereitschaft sowie der Übergang von der Schule in die Berufsausbildung. Die Studierenden sollen anhand der Übungsreihe einen Einblick in die Tätigkeiten von Psychologen /innen in der praxisorientierten, angewandten empirischen Sozialforschung erhalten.


Leitung der Übung:

Übung, 2-stündig, Blockveranstaltung

Scheinerwerb ist möglich durch Referat oder Hausarbeit

Kriterien Referat:

  • Datensatzgestützte Untersuchung einer Fragestellung mittels SPSS (die Daten werden gestellt) 
  • Foliengestütztes, frei gehaltenes Referat 
  • Mindestens vierseitiges Thesenpapier


Kriterien Hausarbeit:

  • Datensatzgestützte Untersuchung einer Fragestellung mittels SPSS (die Daten werden gestellt) und Erstellung eines mindestens 12-seitigen Berichts
  • Alternativ: Literaturanalyse zu einer ausgewählten Fragestellung und Erstellung eines mindestens 12-seitigen Berichts

Ablauf

  1. Einführungsveranstaltung
    Freitag, den 18. April 2008
    , Institut für Psychologie, 14:15 bis 15:45 Uhr
    Folien zur Einführungsveranstaltung (pdf-Format)
  2. Block I
    Montag, den 30. Juni 2008
    , Bundesinstitut für Berufsbildung, 13:30 bis 18:00 Uhr (Raum: 5.232)
  3. Block II
    Freitag, den 04. Juli 2008,
    Bundesinstitut für Berufsbildung, 13:30 bis 18:00 Uhr (Raum: 5.232)

I. Mangelnde "Ausbildungsreife" von Lehrstellenbewerbern?

Spätestens seit der Veröffentlichung der PISA-Studie wird heftig über die "Ausbildungsreife" von Jugendlichen diskutiert. Insbesondere die Arbeitgeber beklagen massive Mängel, während Gewerkschaftsvertreter darin ein Manöver sehen, um vom Lehrstellenmangel abzulenken. Die Diskussion wird dadurch erschwert, dass es sich bei der "Ausbildungsreife" keinesfalls um ein wissenschaftlich geklärtes Konstrukt handelt. In der Veranstaltung wird dargestellt, wie sich das BIBB über eine internetgestützte Befragung von 500 Fachleuten dem Thema zu nähern versucht hat.

Literatur:

  • Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (2003). Option für die Jugend. Schulbildung verbessern, Ausbildungsfähigkeit fördern, Berufsorientierung intensivieren. Berlin: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände.
  • Eberhard, V. (2006). Ausbildungsreife - ein Konstrukt im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen (Wissenschaftliche Diskussionspapiere des Bundesinstituts für Berufsbildung, Heft 83). Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung.
  • Ehrenthal, B. & Ulrich, J. G. (2007): Grundsätzliche Thesen zum Thema Ausbildungsreife vor dem Hintergrund attributionstheoretischer Überlegungen. In R. Hilke, L. Müller-Kohlenberg & K. Schober (Hrsg.), Ausbildungsreife und Berufseignung. Psychologische und pädagogische Konzepte und Anforderungen der Praxis (14. Hochschultage Berufliche Bildung 2006, Workshop 21: Berufs-eignung) (S. 138-154). Bielefeld: W. Bertelsmann.
  • Ehrenthal, B.; Eberhard, V. & Ulrich, J. G. (2006). Ausbildungsreife aus Sicht der Ausbilder und sonstiger Experten. In G. Cramer; H. Schmidt & W. Wittwer (Hrsg.), Ausbilder-Handbuch (83. Erg.-Lfg., März 2006) (S. 1-35). Neuwied: Wolters Kluwer.
  • Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (2005). Dokumentation der Fachtagung "Geprüft und für zu schwach befunden?! Sind Jugendliche trotz vieler neuer Kompetenzen nicht ausbildungsfähig? Berlin: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
  • Hilke, R. (2007). Wissenschaftliche Ansätze zur Vorhersage von Ausbildungsreife und Berufseignung. In R. Hilke, L. Müller-Kohlenberg & K. Schober (Hrsg.), Ausbildungsreife und Berufseignung. Psychologische und pädagogische Konzepte und Anforderungen der Praxis (14. Hochschultage Berufliche Bildung 2006, Workshop 21: Berufseignung) (S. 31-47). Bielefeld: W. Bertelsmann.
  • Müller-Kohlenberg, L.; Schober, K. & Hilke, R. (2005). Ausbildungsreife - Numerus Clausus für Azubis? Ein Diskussionsbeitrag zur Klärung von begriffen und Sachverhalten. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 34 (3), 19-23.
  • Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland (2006). Kriterienkatalog zur Ausbildungsreife. Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit.

II. Der Einfluss der Berufsbezeichnung auf die Berufswahl von Jugendlichen

Eine zentrale Aufgabe des BIBB ist die Modernisierung von Ausbildungsberufen. Manche Berufe erhalten dabei auch neue Bezeichnungen. Dabei wurde beobachtet, dass sich damit auch die Nachfrage der Jugendlichen veränderte. In den herkömmlichen Berufswahltheorien spielen Berufsbezeichnungen jedoch als erklärende Größen keine Rolle. Das BIBB hat eine Befragung von mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern durchgeführt, um die Rolle der Berufsbezeichnungen bei der Berufswahl näher zu klären. Zugleich ging es darum, wie "geeignete" Namen für neue Berufe identifiziert werden können.

Literatur:

  • Eberhard, V. & Krewerth, A. (2006). Berufsbezeichnungen und ihre Rolle bei der Berufswahl. In V. Eberhard, A. Krewerth & J. G. Ulrich (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland. (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Eberhard, V. & Ulrich, J. G. (2006). Berufsbezeichnungen und ihre Bedeutung im Kontext der Berufswahl von Jugendlichen. In N. Bley & M. Rullmann (Hrsg.), Übergang Schule und Beruf. Aus der Praxis für die Praxis - Region Emscher-Lippe. Wissenswertes für Lehrkräfte und Eltern (S. 295-304). Recklinghausen: FIAB.
  • Krewerth, A.; Leppelmeier, I. & Ulrich, J. G. (2004): Der Einfluss von Berufsbezeichnungen auf die Berufswahl von Jugendlichen. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 33 (1), 43-47.
  • Krewerth, A.; Tschöpe, T.; Ulrich, J. G. & Witzki, A. (2004.). Berufsbezeichnungen und ihr Einfluss auf die Berufswahl von Jugendlichen. Theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse (Berichte zur beruflichen Bildung, Heft 270) . Bielefeld: Bertelsmann.
  • Ulrich, J. G. (2006): Berufskonzepte von Mädchen und Jungen. In M. Granato & U. Degen (Hrsg.), Berufliche Bildung von Frauen (Berichte zur beruflichen Bildung, H. 278) (S. 37-60). Bielefeld: Bertelsmann.

III. Der Einfluss von Hobbys auf die berufliche Orientierung von Jugendlichen

In Bewerbungsratgebern wird immer wieder darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die "richtigen" Hobbys im Lebenslauf zu nennen. Diese Informationen würden Personalverantwortlichen dazu dienen, Näheres über die Persönlichkeit und die beruflichen Interessen des Bewerbers zu erfahren. Doch besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen den Freizeitaktivitäten und den beruflichen Affinitäten von Bewerbern? Das BIBB hat in einer Studie bei mehreren Tausend Schülerinnen und Schülern untersucht, in welcher Weise das Freizeitverhalten von Jungen und Mädchen die schulischen und beruflichen Orientierungen prägt.


Literatur:

  • Holland, J. L. (1985). Making vocational choices (2nd edition). Englewood Cliffs: Prentice Hall.
  • Super, D. E. (1953). A theory of vocational development. American Psychologist, 8, 185-190.
  • Super, D. E. (1957). Psychology and careers. New York: Harper & Row.
  • Super, D. E. (1974). Measering vocational maturity for counseling and evaluation. Washington: National Vocational Guidance Association.

IV. Regionale Mobilitätsbereitschaft von Jugendlichen

Die aktuelle Arbeitsmarktlage verlangt eine hohe Flexibilität. Viele Haupt- und Realschüler sind davon bereits in einem Alter betroffen, in dem sie noch nicht einmal volljährig sind. Sie sind aufgefordert, auch Lehrstellen außerhalb der Heimatregion in Betracht zu ziehen, eventuell sogar von zu Hause fortzuziehen und auch Abstriche zu machen, was ihren Wunschberuf betrifft. Wie reagieren nun die Jugendlichen? Wovon hängt die Mobilitätsbereitschaft ab, und machen die Jugendlichen eher Kompromisse beim Ausbildungsberuf oder bei der Frage eines möglichen Umzugs? Es werden die Untersuchungsansätze und Ergebnisse einer Ende 2006 durchgeführten Befragung bei mehreren Tausend Ausbildungsplatzbewerbern vorgestellt.

Literatur:

  • Krewerth, A. & Eberhard, V. (2006). Berufliche Mobilität der Ausbildungsstellenbewerber. In V. Eberhard; A. Krewerth & J.G. Ulrich (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung) (S.121-132). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Ulrich, J. G.; Ehrenthal, B. & Häfner, E. (2006). Regionale Mobilitätsbereitschaft und Mobilität der Ausbildungsstellenbewerber. In V. Eberhard; A. Krewerth & J.G. Ulrich (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung) (S.99-120). Bielefeld: Bertelsmann.

V. Jugendliche mit Migrationshintergrund: Wie verhalten sie sich auf einem stark angespannten Ausbildungsstellenmarkt, und welche Ausbildungschancen haben sie?

Rund 40 Prozent aller türkischstämmigen Jugendlichen in Deutschland erlernen niemals einen Beruf. Die Quote bei den deutschen Jugendlichen liegt bei unter 10 Prozent. Welche Ursachen sind hierfür maßgeblich? Unterscheiden sich die Ausbildungsziele und Bewerbungsstrategien von Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, und welche Hinweise ergeben sich auf eine mögliche Diskriminierung? Das BIBB hat die Bewerbungsstrategien und den Erfolg von rd. 4.500 Ausbildungsplatzbewerbern mit und ohne Migrationshintergrund untersucht.  

Literatur:

  • Boos-Nünning, U. (2006). Berufliche Bildung von Migrantinnen und Migranten. Ein vernachlässigtes Potential für Wirtschaft und Gesellschaft. In Wirtschafts- und sozialpolitisches Forschungs- und Beratungszentrum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Arbeit und Sozialpolitik (Hrsg.), Kompetenzen stärken, Qualifikationen verbessern, Potenziale nutzen. Berufliche Bildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit Migrationshintergrund (S. 6-29). Bonn: Friedrich Ebert Stiftung.
  • Konsortium Bildungsberichterstattung (2006). Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Bielefeld: Bertelsmann [insb. S. 137-180].
  • Troltsch, K.; Alex; L.; Bardeleben, v., R & Ulrich J. G. (1999). Jugendliche ohne Berufsausbildung. Eine BIBB-EMNID-Untersuchung. Bonn. Bundesministerium für Bildung und Forschung.
  • Uhly, A. & Granato, M. (2006). Werden ausländische Jugendliche aus dem dualen System der Berufsausbildung verdrängt? Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 35 (3), 51-55.
  • Ulrich, J. G.; Eberhard, V.; Granato, M. & Krewerth, A. (2006). Bewerber mit Migrationshintergrund: Bewerbungserfolg und Suchstrategien. In V. Eberhard, A. Krewerth & J. G. Ulrich (Hrsg.), Mangelware Lehrstelle. Zur aktuellen Lage der Ausbildungsplatzbewerber in Deutschland (Berichte zur beruflichen Bildung). Bielefeld: Bertelsmann.

VI. Übergangsprozesse von Jugendlichen in die Ausbildung

Während die Zahl der Schulabsolventen aus demographischen Gründen bis zuletzt stetig zunahm, verringerte sich bis Mitte dieses Jahrzehnts das von der Wirtschaft bereitgestellte Ausbildungsplatzangebot deutlich. Für die ausbildungsinteressierten Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen wurde damit der Weg in eine Berufsausbildung immer schwieriger und länger. Im Rahmen der Veranstaltung soll untersucht werden, wie viel Zeit Jugendliche im Einzelnen benötigen, bis sie mit einer vollqualifizierenden Berufsausbildung beginnen können, wie sich der Weg dorthin gestaltet und ob sie es überhaupt schaffen. Zudem werden wichtige Einflussgrößen identifiziert: Welche Rolle spielen das Geschlecht, die schulischen Leistungen, der familiale Hintergrund und die Arbeitsmarktsituation vor Ort? 

Literatur:

  • Beicht, U.; Friedrich, M. & Ulrich, J.G. (2007). Schulabsolventen auf Lehrstellensuche:  Deutlich längere Dauer bis zum Ausbildungseinstieg (BIBB REPORT, Heft 2/2007). Bielefeld: Bertelsmann.
  • Beicht, U. & Ulrich, J. G. (2008). Den Einstieg in die Berufsausbildung geschafft - doch wie geht es weiter? Ausbildungsverlauf und Übergang in Beschäftigung bei betrieblicher und schulischer Berufsausbildung. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 37 (3).
  • Eberhard, V.; Krewerth, A.; Ulrich, J. G. (2005). "Man muss geradezu perfekt sein, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen". Die Situation aus Sicht der Lehrstellenbewerber. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 34 ( 3), 10-13.
  • Friedrich, M. (2006). Jugendliche in Ausbildung: Wunsch und Wirklichkeit. Chancen der Jugendlichen 2005 erneut verschlechtert. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 35 (3), 7-11.

Letzte Änderung: 23.10.2008


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