Arbeitstreffen 2008 TTnet Deutschland vom 20./21.02.08
Im Block 1: Nationale Politik - Ausbildereignungsverordnung (AEVO)
präsentierte Phillip Ulmer (BIBB) die Untersuchung zur befristeten Aussetzung der AEVO im Hinblick auf die geplante Novellierung.
In der Diskussion wurde auf Anforderungen der Qualitätssicherung in der betrieblichen Ausbildung verwiesen, für welche die AEVO Orientierung gab und geben sollte.
Auch für die entsprechenden Lehrgänge stellen sich Fragen nach Struktur, Inhalt und Qualität der Durchführung.
An möglichen neuen Kompetenzfeldern führt die Untersuchung in dieser Rangfolge auf:
- Orientierung der Ausbildung an Arbeits- /Geschäftsprozessen
- Kooperation mit der Berufsschule
- Motivation zu lebenslangem Lernen
- Verknüpfung von Ausbildung und Weiterbildung
- Auswahl von geeigneten Bewerbern/Bewerberinnen
- Konfliktbewältigung
- Qualifizierung ausgebildeter Fachkräfte (Weiterbildung)
- Qualitätsentwicklung/-management in der Ausbildung
- Moderne Prüfungsformen
- Bildungscontrolling
- Berufsausbildungsvorbereitung (EQJ)
- Organisation der Ausbildung im Verbund
- Interkulturelle Kompetenz
- Betriebl. Einsatz von Qualifizierungsbausteinen/-modulen
- Medienkompetenz /E-Learning/Teletutoring
- Organisation von Teilen der Ausbildung im Ausland
- Gezielte Förderung von weiblichen Auszubildenden
- Geschlechtsspezifische Ausrichtung der Ausbildung
Es zeichnet sich ab, dass eine novellierte AEVO ab 2010 wieder verpflichtend gelten soll.
Bis dahin werden Übergangsregelungen geschaffen.
Es ist zu überlegen, ob TTnet DE zu den Änderungen und Gesamtkomplex AEVO und Ausbilderqualifizierung eine Arbeitsgruppe einrichtet. Interessenten können sich beim Koordinator melden.
Block II: Qualifizierungen oberhalb der AEVO
Ein wichtiges didaktisch-methodisches Weiterbildungskonzept "Geprüfte/r Fortbildungstrainer/in HWK" für Dozenten, stellte Dr. Beate Kramer von der Zentralstelle für Weiterbildung im Handwerk vor. Ziel dieses Lehrgangs ist die Qualifizierung und Professionalisierung des Weiterbildungspersonals im didaktisch-methodischen Bereich zur Durchführung handlungsorientierter Lehrgänge in der Fort- und Weiterbildung. Von neuen Verordnungen für Fortbildungs- und Meisterprüfungen, durch Qualitätsmanagementsysteme in Bildungsstätten und heterogene Teilnehmerstrukturen ergeben sich neue Anforderungen an Dozenten und Dozentinnen der Weiterbildung:
Die Lernziele für die Teilnehmer/innen sind:
- Lehrgänge handlungssystematisch planen (Makroplanung),
- mit heterogenen Teilnehmerstrukturen adäquat umgehen,
- ihre bisherige Rolle als Lehrkraft überdenken und sich zum Lernprozess-Begleiter weiter entwickeln
- Unterricht handlungsorientiert gestalten und dazu komplexe Arbeitsaufgaben,
- Projekte, Kundenaufträge aus der Praxis der Teilnehmer/innen entwickeln,
- erforderliche Medien funktionsgerecht gestalten und zielgerichtet
einsetzen, - richtig in den Lehrgang einsteigen, Lerntechniken erarbeiten, die Teilnehmer motivieren und Lernerfolgskontrollen erwachsenengerecht
durchführen, - eigenes Lehrverhalten reflektieren, erwachsenengerecht kommunizieren und Konflikte vermeiden bzw. kompetent bewältigen,
- den Umgang mit neuen Medien und die Nutzung einer Lernplattform fördern
Die 5 Module des Lehrgangs sind:
- "Didaktische Planung handlungsorientierter Lehrgänge" (Makroplanung);
- Lernende durch den Lehrgang begleiten ;
- Methodische Ansätze für eine handlungsorientierte Unterrichtsgestaltung;
- Handlungsorientierte Mediengestaltung und Medieneinsatz;
- Verhaltensreflexion, Kommunikation u. Konfliktbewältigung im Lehrgang.
Der Lehrgang wird als Blended-Learning Maßnahme durchgeführt, d. h. Selbstlernphasen mit Skripten, Medien und Aufgaben/ Projekten werden auf der Lernplattform in Online-Konferenzen betreut und mit Präsenzseminaren verzahnt. Die Online-Kooperation der Teilnehmer/innen wird unterstützt.
Der Umfang beträgt 200 Stunden, davon Präsenzseminare 90 Stunden, Online Konferenzen 20 Stunden und Selbstlernen ca. 90 Stunden. Pro Modul werden, inklusive einer Einführung ca. 40 Stunden angesetzt.
Zum Ende des Lehrgangs ist eine Fortbildungs-Prüfung mit dem Abschluss "Geprüfte/r Fortbildungstrainer/in (HWK)" vorgesehen.
Trialer Studiengang Berufspädagoge
Ein Anschluss- bzw. Kombinationsmodell im universitären Bereich für den Berufspädagogen IHK erläuterte Bruno Reibstein (Haus der Wirtschaft Stralsund GmbH IHK-Bildungszentrum). In diesem Modell wird der Kammerabschluss der beruflichen Weiterbildung "Berufspädagoge IHK" mit einem universitären Bachelor (VET Pädagoge/in) verbunden. Kerngedanke ist ein berufsbegleitender Weiterbildungslehrgang, in dem an den drei Lernorten, Betrieb, Bildungseinrichtung und Universität in einem verzahnten Curriculum gelernt wird und der deshalb auch als "trialer " Studiengang" bezeichnet wird. Module des beruflichen Weiterbildungsmodells "Berufspädagoge IHK" werden über ein Punktesystem (ECVET/ECTS) für den Bachelor "VET-Pädagoge/in" angerechnet und nach der - internationalen- Maßgabe mit vier weiteren Kompetenzbereichen ,Internationale Berufsbildung, Bildungsmanagement, Kompetenzerwerb und neue Technologien verbunden. Wesentlich ist die Verbindung von Betriebs- und Praxisnähe mit wissenschaftlicher Fundierung.
Tilman Krogoll von GALA e.V. stellte das berufpädagogische Netzwerk http://www.berufspädagogen.net/ vor, das von ihm koordiniert wird und sich als Interessengemeinschaft zur Professionalisierung des Berufsbildungspersonals im Sinne von Berufsbildungsexperten und als Gesamtvertreter des Labels "Berufspädagoge" versteht.
Die Bemühungen um die Verabschiedung der bundeseinheitliche Fortbildungsregelung "Berufspädagoge " gehen weiter.
TTnet DE beabsichtigt einen speziellen Experten- Workshop zum Thema "Berufspädagoge" im Juni 2008 abzuhalten.
Interessenten können sich beim Koordinator melden.
Block IV: EU-Politik
Mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen EQF stellt sich erneut die Frage die Zuordnung der deutschen dualen Berufe. Am Bespiel des "Deutschen Meisters" erläuterte Dr. Georg Hanf (BIBB) Struktur und Funktion wichtiger internationaler bzw. europäischer Klassifikationen, wobei zwischen Aspekten der Bildungsmobilität und der Beschäftigungsmobilität zu unterscheiden ist.
Zu dem Thema Anerkennung siehe auch "Neues aus Europa"
Anke Bahl (BIBB) berichtete aus der Arbeitsgruppe der EU-Kommission, "Focus Group Teachers and Trainers in VET" im Kontext der Ziele des Arbeitsprogramms von Lissabon.
Aktuell soll eine Erarbeitung "Roadmap" für die Unterstützung des beruflichen Bildungspersonals erarbeitet werden. Ein wichtiges Instrument sind "Peer Learning Activities" d.h .Arbeitsreffen zur Förderung gegenseitigen Lernens an Hand von Beispielen anderer Länder. Interessenten für PLA's können sich wenden an < A>
Herold Gross (BIBB) berichtete über die Ergebnisse des Projekts "Defining VET Professions" und die bis dahin vorliegenden Entwürfe für einen gemeinsamen Kompetenzrahmen für das Lehr- und Ausbildungspersonal in der EU. Für die Entwürfe wurden auf der nachfolgenden Sitzung des Netzwerks in Dublin noch einmal Änderungen vorgeschlagen. Eine endgültige Fassung steht noch nicht fest.
Im Block V. aus laufenden und geplanten (Leonardo-) Projekten gab Tilmann Krogoll eine Übersicht aus dem Projekt "Bildungspersonal für produktionsintegriertes Lernen mit Lernaufgabensystemen". Das Projekt 006 aus der Reihe "Transfer von Innovationen" (Leonardo da Vinci) zielt auf Unterstützung von Lernen in KMU und Generierung von "Berufsbildungspersonal für KMU aus eigener Kraft durch Moderation und Coaching von Lernaufgabensystemen in United Kingdom, Ungarn, Litauen und Deutschland.
Herold Gross berichtete vom geplanten Leonardo-Projekt "Trainerguide", das vom dänischen berufspädagogischen Institut DEL als Konsortialführer eine praxisnahe Lernplattform für Ausbildungsbeteiligte in KMU entwickeln will. Ein gemeinsames europäisches Modell dient als Vorbild für nationale Anpassungen. Beteiligt sind Dänemark, Deutschland, Finnland, Slowenien und die Türkei. Deutschland wird durch die DIHK- Bildungsgesellschaft vertreten.
Block III: Ziele und Potenziale von TTnet DE
Es wurden noch einmal Vorschläge zu Inhalten und Arbeitsweisen im Netzwerk gesammelt.
Der bisherige Turnus von zwei regelmäßigen jährlichen Treffen im 12-12 Zeitrahmen fand weitgehend Zustimmung. Neben dem Informationsaustausch sollte vermehrt die Erarbeitung von Ergebnissen bezüglich bestimmter Probleme hinsichtlich Zielgruppen, Handlungsbedarf, eventueller Rolle des Netzwerks etc. berücksichtigt werden. Projektideen sollten klar in Hinsicht auf avisierte Förderprogramme strukturiert sein. Eine Mailing-List von Mitgliedern mit Angabe der Expertisebereiche könnte die innere Vernetzung fördern.
Als generelle Ziele wurden noch einmal vorgeschlagen:
- Beiträge zur Professionalisierung des beruflichen Bildungspersonals
- Impulse für Qualitätssicherung in der Berufsbildung zu liefern (Erwartung des BMBF)
Im Einzelnen wurden als Themengebiete genannt:
Mit europäischen Bezug:
- Entwicklung von Qualifikationen im Bereich des Berufsbildungspersonals
- Entwicklung von Tätigkeitsfeldern von (Berufs-)Ausbildern
- Vergleich von Kompetenzprofilen des Bildungspersonals
- Vergleich des Konzepts "Berufspädagoge" mit entsprechenden Angeboten/Initiativen in EU
- Vergleich der Qualifizierungsangebote für Berufsbildungspersonal
- Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen bei Ausbildungspersonal
- Konsequenzen der Orientierung an EQF und ECVET
- Wie könnte man eine duale Perspektive in der EU stärken?
In mehr nationaler Blickrichtung:
- Zielgruppe der "Freien" Trainer und Berater /Markt u. Bedarfsentwicklung
- Umsetzung neuer Ausbildungsordnungen
- Qualifizierung nebenberuflicher Ausbilder/innen
- Aus- und Weiterbildner
- Gemeinsame / kooperative Ausbildung von Lehr- und Ausbildungspersonal
(Gemeinsame und kooperative Kompetenzen) - Qualifizierungen, Lernangebote und Serviceleistungen zwischen AEVO und
Berufspädagoge - E-Learning-Kompetenzen und Bildungspersonal
Das nächste TTnet Arbeitstreffen ist im Herbst 2008 geplant.
Es sind zwei spezielle Workshops für Juni 2008 geplant:
- "Berufspädagoge als nationales Konzept mit europaweiter Perspektive" und
- "Kompetenzrahmen für europäisches Bildungspersonal" Validierung der
TTnet/Cedefop Entwürfe aus deutscher Sicht."





