Hermann-Schmidt-Preis 2003
Frauen-Power in den neuen Berufen
Auszeichnung für besondere Leistungen bei der Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung von Frauen insbesondere in den IT-Berufen
Im Rahmen des Christiani-Ausbildertages fand am 25. September 2003 die Verleihung des Hermann-Schmidt-Preises durch den Verein "Innovative Berufsbildung e.V. statt. Der jährlich ausgeschriebene Preis wurde dieses Jahr für besondere Leistungen bei der Förderung der beruflichen Aus- und Weiterbildung von Frauen in Betrieben, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, insbesondere in den IT-Berufen, vergeben.
Auch wenn gesellschaftlicher Konsens darüber besteht, die Ausbildungschancen junger Frauen gerade auch in den zukunftsorientierten Berufen der Informationsgesellschaft zu verbessern und sie teilhaben zu lassen an den damit verbundenen Arbeitsplatzchancen und beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, muss festgestellt werden: Die bereits in der Schule zu beobachtende Technik- und Computerabstinenz der Mädchen setzt sich bei der Berufswahl weiter fort. Besonders deutlich wird dies bei den 1997 neu eingeführten IT-Berufen: Der Ausbildungsanteil der Mädchen blieb hier über die Jahre beinahe konstant bei 14%. Das heißt: Frauen-Power entfaltet sich in den neuen Berufen, die in Naturwissenschaft und Technik angesiedelt sind, nicht von selbst.
Die Ausschreibung richtete sich an Schulen, Betriebe und andere Bildungseinrichtungen sowie Ausbildungsinitiativen, die die Aus- und Weiterbildung von Frauen in den neuen Berufen, insbesondere in den IT-Berufen, besonders fördern.
Preisträger:
Aus den zum Wettbewerb eingereichten 33 Initiativen wurden insgesammt sechs Initiativen für ihr Engagement ausgezeichnet:
- 1. Preis (2000,- €):
das FrauenTechnikZentrum, Rostok - für das Projekt "femiNet - Teleworking Management - mobiles Weiterbildungsangebot zur Unterstützung der beruflichen Wiedereingliederung für Frauen im ländlichen Raum"
Zielgruppe von femiNet sind arbeitslose Frauen in Mecklenburg-Vorpommern, die sich im IT-Bereich qualifizieren möchten. Um den Frauen Gelegenheit zu geben, in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern mit schlechter Infrastruktur an dem 11monatigen Kurs teilnehmen zu können, ist das FrauenTechnikZentrum mobil und fährt mit Technik und Seminarausstattung dort hin, wo sich jeweils 10 Frauen zu einem Kurs zusammenfinden. Der Kurs besteht aus Präsenzunterricht in einem am jeweiligen Ort zur Verfügung gestellten Raum, aus Lernphasen im "virtuellen Klassenzimmer" über das Internet und aus Praktika.
Kontakt: Frau Dr. Sabine Kesting, FrauenTechnikZentrum Rostock, Ernst-Haeckel-Str. 1, 18055 Rostock, Tel. 0381/4000414, E-Mail: ftz-rostock@t-online.de, http://www.frauentechnikzentrum-rostock.de/
- 2. Preis (1000,- €)
der Verein Ford Aus- und Weiterbildung e.V. - für das Projekt "FiT - Frauen in technischen Berufen"
Im Projekt FiT werden Schülerinnen der 7.-13. Jahrgangsstufe in einer von Klassenstufe zu Klassenstufe erweiterten Veranstaltungsreihe gewerblich-technische Ausbildungsberufe sowie der Beruf der Ingenieurin in der Praxis vorgestellt. Dazu gehören u.a. Besichtigungen und praktisches Arbeiten in der Lehrwerkstatt, Ferienpraktika, Berufsinfotage und Gespräche mit weiblichen Auszubildenden und Ingenieurinnen bei den Ford-Werken. Lehrer/-innen, Berufsberater/-innen und Eltern werden durch verschiedene Maßnahmen (Lehrkräftebetriebspraktika, Lehrerinfotage, Eltern-Infos) ebenfalls in die Aufklärungsarbeit einbezogen.
Kontakt: Frau Dagmar Vorholt, Ford Aus- und Weiterbildung e.V., Projekt Frauen in technischen Berufen - FiT, L/AB-S-2, Geestemünder Str. 36-38, 50725 Köln, Tel.: 0221/9019592, E-Mail: dvorholt@ford.com - 3. Preis (500,- €)
die Zentrale Koordinierungsstelle des Mentorinnen-Netzwerks für Frauen in Technik und Naturwissenschaft an der Universität Koblenz Landau, Koblenz - mit dem Titel "ADA-LOVELACE-PROJEKT"
Ada Lovelace, eine englische Aristokratin, die vor 150 Jahren Programme zur Bedienung einer ersten Rechenmaschine geschrieben hat, ist Vorbild für das Projekt, in dem Frauen als Vorbilder für "untypische" Frauenberufe werben. Frauen in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen und Studiengängen gehen vor allem in Schulen, aber auch auf Messen und in Berufs-Informations-Zentren, stellen sich den Schülerinnen vor, begründen ihre Berufswahl und erläutern u.a. den erlernten bzw. studierten Beruf. Als Vorbild stellen sie sich allen Fragen und ermutigen die Mädchen, den eigenen naturwissenschaftlichen und technischen Interessen zu folgen und einen entsprechenden beruflichen Qualifizierungsweg einzuschlagen.
Kontakt: Frau Judith Ebach,Universität Koblenz Landau, Fachbereich I: Bildungswissenschaften Institut für Psychologie, Universitätsstr. 1, 56070 Koblenz, Tel. 0261/287-1938, E-Mail: ebach@uni-koblenz.de
http://www.ada-lovelace.com/
Außerdem erhielten drei Projekte einen mit jeweils 500,- EUR dotierten Sonderpreis. Mit den Sonderpreisen wurden ausgezeichnet:
- 1. Sonderpreis
der Verein "Paulines Töchter", Detmold - für seine Aktivitäten mit dem Ziel, das Ungleichgewicht zwischen Mädchen und Jungen in IT-Berufen aufzuheben
Dazu bietet der Verein in kostenlosen Nachmittagskursen 12-18jährigen Mädchen an, Aufbau, Funktion und Einsatzmöglichkeiten des Computers kennen zu lernen. Angeleitet werden sie dabei von "großen Mädchen", die bei "Paulines Töchtern" bereits ausgebildet wurden. Sie helfen den "kleinen Mädchen", einen Computer zu zerlegen, ihn wieder funktionstüchtig zu machen und danach den Umgang mit Hardware, Software, Internet und Power Point zu erlernen.
Kontakt:Frau Sabine Gräf, Paulines Töchter e.V., Bahnhofstr. 3, 32756 Detmold, Tel.: 05231/303667, E-Mail: paulines.toechter@t-online.de - 2. Sonderpreis
die Forschungsstelle des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft e.V., Frankfurt am Main, - für das Projekt "JOBLAB"
JOBLAB ist ein Computerplanspiel, das speziell für die Berufsentscheidung von 14-17jährigen Mädchen in der Phase der Berufsorientierung entwickelt wurde. Das Spiel präsentiert ein Unterwasserlabor (das JOB LABor) mit fünf Modulen, in denen die Mädchen Berufe kreieren können, das eigene Persönlichkeitsprofil erfahren werden kann, Einblick in fast 100 Berufe gegeben wird, das eigene Persönlichkeitsprofil verglichen werden kann mit den selbst kreierten und vorhandenen Berufen und Gelegenheit gegeben wird, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durchzuspielen.
Kontakt: Frau Carola Busch, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V., Forschungsstelle, Emil-von-Behring-Str. 4, 60439 Frankfurt am Main, Tel. 069/95808-273, E-Mail: busch.calchera.bwhw@t-online.de, http://www.joblab.de/ - 3. Sonderpreis
der Verein LIFE e.V., Berlin - für sein Projekt "TASTE", das steht für: Technik Ausprobieren, STärken Erkennen. "
TASTE ist ein Assessmentverfahren, mit dem junge Frauen vor der Berufsentscheidung ihre mögliche Eignung für ein IT-, ein technisches oder handwerkliches Berufsfeld und ihre Eignung für eine Minderheitensituation in diesem Berufsfeld testen können. Schülerinnen in Real- und Gesamtschulen bearbeiten an fünf Tagen einen jeweils einstündigen Assessment-Auftrag, bei dem es weniger um die Ermittlung von fachlichen Vorkenntnissen sondern um Schlüsselqualifikationen geht, die im beruflichen Alltag entscheidend sind (u.a. Problemlösungskompetenz, Teamfähigkeit, Belastbarkeit und persönliche Stärke). Nach dem Test können die Schülerinnen sich beruflich beraten lassen und erhalten Unterstützung bei der Suche nach adäquaten Praktikumsplätzen.
Kontakt: Frau Annemarie Cordes, TASTE-for-girls, LIFE e.V., Dircksenstr. 47, 10178 Berlin, Tel. 030/308798-15, E-Mail: cordes@life-online.de, http://www.taste-for-girls.de/
Kurzdarstellungen sowohl der prämierten Projekte wie auch aller weiteren zum Wettbewerb um den Hermann-Schmidt-Preis 2003 eingereichten Projekte enthält die Beilage BWPspezial Nr. 8 zum Heft 5/2003 der Zeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP)" des Bundesinstituts für Berufsbildung.
Die Zeitschrift ist zum Preis von € 7,60 zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19 E-mail: service@wbv.de




