Seiler/Seilerin
Am 1. 08. 2008 trat die neue Ausbildungsordnung zum/zur Seiler/Seilerin in Kraft.
Seile, Taue und Trossen spielen in unserem Leben eine größere Rolle als man denkt. Von ihrer Tragfähigkeit hängen oft genug Menschenleben ab. Gleit- und Fallschirmspringer z. B. vertrauen auf Stricke und Taue, wenn sie sich in die Tiefe stürzen. Und Ausflügler, die sich per Seilbahn auf den Berggipfel fahren lassen, liefern ihr Schicksal den Fähigkeiten dieses Berufsstandes aus. Strapazierfähige Netze in Toren kommen bei jedem Fußballspiel zum Einsatz oder schützen unsere Fahrbahnen vor Steinschlägen. Die Beispiele lassen sich beliebig fortführen - vom Mikrofaserseil über das Abschleppseil bis hin zum Schiffstau. Damit die Menschen auf die verschlungenen und verknoteten Fasern und Drähte vertrauen können, verarbeiten die Seiler diese zu Produkten, die höchsten Sicherheitsstandards entsprechen müssen. Ihren Einsatz finden diese Produkte in den verschiedensten Bereichen: z.B. Freizeit und Sport, Transport, Hebetechnik, Schifffahrt/Fischerei, Luft- und Raumfahrttechnik, Medizintechnik, Bauindustrie.
Seiler und Seilerinnen stellen während ihrer dreijährigen Ausbildung Seile und Netze aus Naturfasern, Chemiefasern und Draht her. Zum einen geschieht dies auf modernsten Anlagen, zum anderen kommen jedoch nach wie vor die handwerklichen Techniken wie das Spleißen zum Einsatz. Weitere Ausbildungsinhalte sind das Anwenden verschiedener Seilverbindungstechniken, das Herstellen und Einsetzen von Anschlagmitteln, das Montieren von Seilen und Netzen sowie die Prüfung der Produkte unter Einhaltung der hohen Qualitäts- und Sicherheitsvorschriften.
Neu ist, dass aufgrund der unterschiedlichen Spezialisierungsbereiche der Betriebe im dritten Ausbildungsjahr zwischen den Schwerpunkten Seilherstellung, Seilkonfektion und Netzkonfektion gewählt werden kann. Der erste Schwerpunkt beinhaltet die Herstellung von Natur -und Chemiefaserseilen sowie Drahtseilen. Im zweiten Schwerpunkt stehen das Herstellen und Einsetzen von Seilverbindungen und Anschlagmitteln (= Einrichtungen, die die Verbindung zwischen einem Tragmittel und einer Last herstellen wie z. B. Seile, Ketten oder Hebebänder) im Vordergrund und im dritten Schwerpunkt das Herstellen und Konfektionieren von Netzen. Unter "Konfektion" versteht man das Zusammenführen von einzelnen Seil- oder Netzelementen und Zubehörteilen zu einem Gesamtprodukt, z. B, der "Affenschaukel" auf dem Spielplatz oder ein Schleppnetz. Allgemeine, grundlegende Ausbildungsinhalte der Seil- und Netzherstellung werden in den ersten eineinhalb Ausbildungsjahren allen Auszubildenden vermittelt.
Die Steigerung der Ausbildungszahlen in den vergangenen Jahren zeigt, dass die Branche gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt. Der Beruf Seiler/Seilerin bietet daher gute Zukunftsperspektiven.
Berufliche Qualifikationen
Seiler und Seilerinnen:
- wählen Materialien und Zubehör nach Eigenschaften, Einsatzgebiet und Kundenanforderungen aus,
- planen die Arbeitsschritte zur Herstellung von Seilen und Netzen, legen Konstruktionstechniken fest und dokumentieren sie,
- bedienen Werkzeuge, Geräte, Maschinen und technische Einrichtungen und richten diese ein,
- stellen Anschlagmittel her und setzen diese ein,
- wenden verschiedene Seilverbindungstechniken an,
- stellen Seile und Netze aus Naturfasern, Chemiefasern und Draht her,
- konfektionieren Seile und Netze,
- führen Messungen und Prüfungen an Seilen und Netzen durch, bewerten und dokumentieren sie,
- montieren Seile und Netze vor Ort,
- machen Seile und Netze verkaufsfertig,
- führen qualitätssichernde Maßnahmen durch,
- beachten Grundsätze der Sicherheit, des Gesundheits- und Umweltschutzes.
Hinweis: zur Zeit wird im BiBB eine Umsetzungshilfe zu dem neuen Berufsbild erarbeitet. Diese wird voraussichtlich im Frühjahr des nächsten Jahres beim W. Bertelsmann Verlag erscheinen.
Weiterführende Informationen:
http://www.ichmachs.com
http://www.bv-seiler.de/
http://www.berufenet.de/
Weitere Informationen zum/zur Seiler/-in




