Öffentliche Ausbildungsförderungen in Ostdeutschland unter der Lupe
Ergebnisse aktueller Evaluationsstudien
In den neuen Bundesländern wurden nach der Wiedervereinigung völlig neue Strukturen in der beruflichen Bildung aufgebaut. Aufgrund der demographischen Entwicklung waren quantitative Probleme auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu bewältigen, die bis heute nicht vollständig gelöst sind.
Durch den Einsatz erheblicher öffentlicher Mittel mussten zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Es stellt sich die Frage, wie erfolgreich einzelne Programme gewesen sind und welcher weiterer Handlungsbedarf besteht.
Der ostdeutsche Ausbildungsmarkt wird auch in den kommenden Jahren auf eine staatliche Förderung angewiesen sein. Nach den Prognosen zur Entwicklung der Schulabgängerzahlen in Ostdeutschland ist mindestens noch bis Mitte des Jahrzehnts mit einer hohen Ausbildungsplatznachfrage zu rechnen. Gleichzeitig ist bereits heute aufgrund des Geburtenrückgangs zu Beginn der 90er-Jahre und der Altersstruktur der Belegschaften in den ostdeutschen Betrieben ein künftiger Fachkräftemangel absehbar. Sowohl der Staat als auch die Unternehmen müssen hierauf eine Antwort finden.
Vor diesem Hintergrund ist geplant, die staatlichen Ausbildungsprogramme bis Mitte des Jahrzehnts fortzuführen. Für den Erfolg dieser Ausbildungsförderung ist nicht allein ausschlaggebend, in welchem Maße sie dazu beiträgt, die "Lücke" im Ausbildungsplatzangebot zu schließen. Entscheidend ist auch, welche Ausbildungsqualität sie bietet, inwieweit es den geförderten Auszubildenden später gelingt, im Beschäftigungssystem Fuß zu fassen, und ob die staatliche Förderung die Ausbildungsfähigkeit und -bereitschaft der Unternehmen erhöht.
Unterschiedliche Evaluationsstudien zu den Ausbildungsförderprogrammen in Ostdeutschland haben in den letzten Jahren die Transparenz des Fördergeschehens verbessert, Qualität und Wirksamkeit sowie Defizite und nicht beabsichtigte Nebenwirkungen einzelner Förderprogramme aufgezeigt und dabei wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung der Förderung gegeben. Neben den länderspezifischen Förderaktivitäten und dem Jugendsofortprogramm nehmen die Bund-Länder-Ausbildungsplatzprogramme Ost einen bedeutenden Stellenwert in der Ausbildungsplatzförderung Ostdeutschlands ein. Unabhängig voneinander wurde die Evaluation der Bund-Länder--Förderung bzw. die Evaluation einzelner landesspezifischer Programmkomponenten zu Beginn dieses Jahrzehnts in Auftrag gegeben. So hat das Bundesinstitut für Berufsbildung auf Wunsch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Oktober 2001 einen Evaluierungsbericht zur Ausgestaltung und Wirksamkeit der Bund-Länder-Ausbildungsplatzprogramme Ost 1996 - 1999 vorgelegt. Das Land Brandenburg gab ungefähr zur gleichen Zeit eine Evaluation des Kooperativen Modells Brandenburg und damit der schulischen Komponente des Bund-Länder-Programms in Brandenburg in Auftrag. Ebenso wird mit der geförderten Verbundausbildung in Berlin eine landesspezifische Komponente der Bund-Länder-Förderung evaluiert.
Zur wissenschaftlichen Diskussion der jeweiligen Evaluierungsergebnisse führte das Bundesinstitut für Berufsbildung im Mai 2002 ein Kolloquium zum Thema "Evaluierung von Ausbildungsprogrammen" durch. Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Evaluatorinnen und Evaluatoren von ostdeutschen Ausbildungsprogrammen, Programmverantwortliche der zuständigen Bundes- und Landesressorts sowie Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen. Im Mittelpunkt des Kolloquiums standen zum einen die Aktivitäten zurr Ausbildungsförderung in den neuen Bundesländern und aktuelle Evaluationsergebnisse zu deren Wirksamkeit. Zum anderen wurden die künftigen Ziele der öffentlichen Ausbildungsförderung und der Stellenwert der Programmevaluation diskutiert. Anforderungen an Evaluationsstudien, Nutzenerwartungen der Programmverantwortlichen und die Umsetzung der Evaluationsergebnisse in die Programmgestaltung wurden dabei thematisiert. Die besondere Chance des Kolloquiums bestand darin, dass ein wissenschaftlicher Austausch nicht nur unter den Evaluatorinnen und Evaluatoren, sondern auch zwischen Evaluatoren und Programmverantwortlichen unter Beteiligung von Vertretern der Sozialparteien ermöglicht wurde. Der soeben erschienene Ergebnisband enthält die ausgearbeiteten Vorträge der Referentinnen und Referenten sowie Beiträge von Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kolloquiums.






