Welche Lernformen fördern welche Kompetenzen?
Das Verhältnis von Lernen in Unternehmen und den beruflichen Kompetenzen der Beschäftigten ist der zweite Schwerpunkt der Zusatzerhebung. Die CVTS3-Haupterhebung (EUROSTAT 2007) zeigt im Vergleich zur CVTS2-Haupterhebung gewisse Verschiebungen bei den genutzten Lerninhalten der externen Lehrveranstaltungen. Da sich bei der Erfassung der einzelnen Kategorien zwischen CVTS2 und CVTS3 einiges geändert hat, sind die erfassten Weiterbildungsthemen nicht eindeutig vergleichbar (z. B. wurde Qualitätsmanagement nun der Persönlichkeitsentwicklung zugeschlagen). Aber die Ergebnisse zeigen dennoch einige wichtige Verschiebungen bei den Lerninhalten. Wie die CVTS3-Haupterhebung zeigt, kam es bei den genutzten Lerninhalten der externen Lehrveranstaltungen im Vergleich zu 1999 zu einer Verschiebung. Im Bereich "EDV, Informationstechnik, Computerbedienung" ist der Anteil an den gesamten Teilnahmestunden von 21% in 1999 auf 14% in 2005 gesunken. Im Gegensatz dazu ist der Anteil der gesamten Teilnahmestunden im Bereich "Persönlichkeitsentwicklung, Qualitätsmanagement, Arbeitstechniken, Kooperationstraining und Gesprächsführung, Arbeitswelt" von 9% in 1999 auf 16% in 2005 angestiegen. Die CVTS2- und CVTS3-Haupterhebungen zeigen ebenfalls, dass diese Verschiebung in allen nord-westeuropäischen Ländern zu beobachten ist.
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse der CVTS2- und CVTS3-Haupterhebungen wird vermutet, dass sich die Verschiebung der Themeninhalte auch auf der Ebene von Kompetenzen der Beschäftigten nachvollziehen lässt. Um die Frage nach der Wichtigkeit und Wertigkeit von Kompetenzen in der betrieblichen Weiterbildung zu beantworten, wurde in der Zusatzerhebung daher ermittelt, welche Kompetenzen durch die betriebliche Weiterbildung gefördert werden und es wurde eine Verknüpfung der betrieblichen Lernformen mit dem beruflichen Kompetenzkonzept vorgenommen.
Als Grundlage der Befragung wurde auf das in der beruflichen Bildung gängige Kompetenzkonzept zurückgegriffen, welches an die berufs- und wirtschaftspädagogische Tradition anschließt (vgl. REETZ 1999; ROTH 1971; ACHTENHAGEN 2004). Die Kompetenzdimensionen bilden im Zusammenhang die berufliche Handlungskompetenz ab und sind nicht als isolierte Größen zu betrachten (vgl. HENSGE/LORIG/SCHREIBER 2008).
Berufliche Handlungskompetenz wurde in der Befragung in die vier folgenden Dimensionen unterteilt:
- Sozialkompetenz (z. B. Zusammenarbeit mit Kollegen, kompetenter Umgang mit Kunden)
- Personale Kompetenz (z. B. selbstständiges Arbeiten, Übernahme von Verantwortung)
- Methodenkompetenz (z. B. Lösen von Problemen, bessere Zeiteinteilung, Organisationsfähigkeit)
- Fachkompetenz (z. B. Aufgaben- und tätigkeitsspezifisches Fachwissen und Fachkönnen)
Mit dieser Operationalisierung wurde untersucht, ob so genannte überfachliche Kompetenzen wie Sozial-, Methoden- und personale Kompetenz neben Fachkompetenz an Bedeutung gewonnen haben.
In der CVTS3-Zusatzerhebung wurde zunächst gefragt, welche Kompetenzen der Beschäftigten für die Unternehmen aktuell wichtig sind (siehe Abbildung 1)2
Abbildung 1: Bedeutung der Kompetenzdimensionen gegenwärtig und zukünftig
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Quelle: CVTS3-Zusatzerhebung
Aktuell hat Fachkompetenz für die Unternehmen die höchste Bedeutung; Fachkompetenz wurde im Durchschnitt mit einem Wert von 1,4 eingeschätzt, was einem "stark" bis "sehr stark" entspricht. Als "stark" wurde die Sozialkompetenz eingeschätzt. Sie liegt von der Bedeutung her mit einem Wert von 2 an zweiter Stelle hinter der Fachkompetenz. Personale Kompetenz, an Stelle drei liegend, hat mit einem Wert von 2,4 ebenfalls eine hohe Bedeutung. Weniger wichtig ist für die Unternehmen die Methodenkompetenz; mit einem Wert von 2,8 wird ihr aktuell die geringste Bedeutung der insgesamt vier Kompetenzdimensionen zugeschrieben.
Nach diesen Ergebnissen ist Fachkompetenz für die Unternehmen immer noch die wichtigste Kompetenzdimension. Allerdings zeigt sich, dass auch die fachübergreifenden Kompetenzen, insbesondere die Sozialkompetenz, eine bedeutende Rolle in den Unternehmen spielen.
Des Weiteren wurde nach der zukünftigen Bedeutung der Kompetenzen für die Unternehmen gefragt. Fachkompetenz wird auch zukünftig derselbe hohe Stellenwert zugesprochen. Die Reihenfolge der fachübergreifenden Kompetenzen bleibt ebenfalls gleich. Allerdings ist bei diesen ein Bedeutungszuwachs zu erkennen. Insbesondere die Methodenkompetenz scheint den Einschätzungen der Unternehmen nach wichtiger zu werden.
Ein genauerer Blick in die einzelnen Lernformen gibt darüber Aufschluss, welche Kompetenzen durch welche Lernformen nach Meinung der befragten Unternehmen gefördert werden.
Abbildung 2: Förderung der einzelnen Kompetenzdimensionen durch die Lernformen

Quelle: CVTS3-Zusatzerhebung
Die externen Lehrveranstaltungen, d. h. Seminare, Kurse und Lehrgänge, vermitteln nach Einschätzung der befragten Unternehmen, die diese Lernform anbieten, vor allem Fachkompetenz. Mit großem Abstand folgen Methodenkompetenz, personale und soziale Kompetenz, die als weniger wichtig bei dieser Lernform anzusehen sind. Dahingegen haben die fachübergreifenden Kompetenzen bei den internen Lehrveranstaltungen im Vergleich zu den externen Lehrveranstaltungen mehr Relevanz. Auch die Informationsveranstaltungen zielen vorwiegend auf Fachkompetenz; fachübergreifende Kompetenzen spielen hier die geringste Rolle.
Das Bild wandelt sich, wenn man die so genannten "anderen Formen" der betrieblichen Weiterbildung, also die arbeitsintegrierten/arbeitsplatznahen Formen des Lernens, betrachtet. Auch hier nimmt Fachkompetenz die dominierende Rolle ein; allerdings steigt die Bedeutung der fachübergreifenden Kompetenzen. Vor allem Job-Rotation und/oder Austauschprogramme, Lern- und/oder Qualitätszirkel sowie Selbstgesteuertes Lernen sind nach Ansicht der befragten Unternehmen besonders dafür geeignet, Methodenkompetenz zu fördern. Lern- und/oder Qualitätszirkel und Selbstgesteuertes Lernen fördern Methodenkompetenz sogar gleich stark wie die in den anderen Lernformen dominierende Fachkompetenz. Jobrotation und/oder Austauschprogramme unterstützen nach Meinung der befragten Unternehmen insbesondere die Entwicklung personaler Kompetenz.
Die Förderung von Sozialkompetenz in den einzelnen Lernformen spielt nach Meinung der befragten Unternehmen eine weniger bedeutende Rolle. Interessanter Weise werden den internen Lehrveranstaltungen das höchste Potential bei der Förderung von Sozialkompetenz zugesprochen.