Der Einfluss der Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf das Ausbildungsplatzangebot
Zwischen dem voraussichtlichen Ausbildungsplatzangebot 2009 und der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Betriebe ist ein eindeutiger Zusammenhang festzustellen.

Unternehmen in einer guten wirtschaftlichen Lage zeichneten insbesondere zwei Merkmale aus. Erstens: zu einem hohen Anteil (55%) wollen sie auch im kommenden Ausbildungsjahr mehr oder gleich viele Auszubildende einstellen. Zweitens waren sie weit überwiegend in der Lage, ihre Planungen für das kommende Ausbildungsjahr zu benennen.
Betriebe, die eine mittelmäßige wirtschaftliche Lage nannten, zeigten sich hingegen deutlich zurückhaltender in der Quantifizierung ihrer Einstellungsabsichten. Jeder vierte Betrieb konnte sich nicht zu einer Aussage durchringen und es überwiegen per Saldo die Betriebe, die im Herbst 2009 weniger Ausbildungsplätze anbieten werden.
Betriebe in einer schlechten wirtschaftlichen Situation wollten nahezu zur Hälfte ihre Ausbildung zurückfahren. Jeder fünfte antwortete, dass das Angebot für das kommende Ausbildungsjahr noch nicht feststehe,
Viele Betriebe sind über die Auswirkungen der Finanz- bzw. Wirtschaftskrise noch unsicher. Insofern sind die Planungen für das kommende Ausbildungsjahr mit Unsicherheiten behaftet. Es ist durchaus das Bemühen zu erkennen, die Ausbildung auf hohem Stand zu halten und nicht von einer kurzfristig schwierigeren Geschäftslage abhängig zu machen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass es noch zu weiteren Verschärfungen der wirtschaftlichen Krise kommt und viele Betriebe ihr Ausmaß noch gar nicht spüren. Deshalb ist die jetzt vom BIBB vorgelegte Prognose nur ein Zwischenergebnis und steht unter dem Vorbehalt, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht noch stärker als bisher vorherzusehen abschwächt.
Die prognostizierte Lücke - rund 18.000 Ausbildungsplätze, die 2009 fehlen, um die Versorgungssituation des Vorjahres zu erreichen - ist nicht so groß, als dass sie nicht durch bereits vorliegende Programme geschlossen werden könnte. Viele Betriebe zeigten in der Befragung ihr Bemühen, die Ausbildung auf einem hohen Stand zu halten. Kammern, Verbände und Arbeitsagenturen sind gefordert, diese Bemühungen zur Gewinnung zusätzlicher betrieblicher Ausbildungsplätze durch geeignete Informations- und Werbeaktionen zu unterstützen. Vorhandene Förderinstrumente (z.B. Ausbildungsbonus für Altbewerber) sind intensiver zu nutzen. Der öffentliche Dienst (Bund, Länder und Gemeinden) ist gefordert, Ausbildungsplätze bereitzustellen, um die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu stabilisieren. Es gilt aber nicht nur, zusätzliche Ausbildungsplätze zu gewinnen. Angesichts der Wirtschaftskrise wird sich weiterer Handlungsbedarf durch eine ansteigende Zahl von ,Konkurslehrlingen' ergeben, die ihren Ausbildungsplatz durch Insolvenz ihres Betriebs verloren haben oder noch verlieren werden.