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Rückläufiges Ausbildungsplatzangebot im kommenden Ausbildungsjahr zu erwarten

Werner Friedrich, Klaus Schöngen, Günter Walden

Abbildung 1: Werden Sie 2009 Auszubildende einstellen?
Veröffentlicht: 09.06.2009
URN: urn:nbn:de:0035-0370-2

In diesem Jahr ist mit einem rückläufigen Angebot an Ausbildungsplätzen zu rechnen. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Telefonumfrage bei rund 1.000 Betrieben, die das Bundesinstitut für Berufsbildung im April 2009 in Kooperation mit der WSF Wirtschafts- und Sozialforschung, Kerpen durchgeführt hat. Welche Gründe hierfür maßgebend sind, welche Wirtschaftsbereiche und Regionen hiervon besonders betroffen sind  und ob das Angebot noch ausreicht, eine hinreichende Versorgung des aktuellen Schulabgängerjahrgangs sicherzustellen, zeigen weitere Befragungsergebnisse, die im nachfolgenden Bericht vorgestellt werden.

 

 

 

Inhalt

Einstellungsverhalten der Betriebe

Entwicklung der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft

Ausbildungsplatzangebot 2009

Ausbildungsplanungen der Betriebe in den kommenden drei Jahren

Der Einfluss der Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf das Ausbildungsplatzangebot

Einstellungsverhalten der Betriebe

Im Dezember 2008 diskutierte der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über die aktuelle, aber auch im kommenden Jahr zu erwartende Versorgungslage bei Ausbildungsplätzen. Angesichts der bereits vorhersehbaren Finanz- und Wirtschaftskrise wurden Befürchtungen hinsichtlich eines erheblichen Rückgangs des betrieblichen Ausbildungsangebots im Herbst 2009 geäußert. Zur besseren Einschätzung der Ausbildungsplatzsituation wurde das Bundesinstitut für Berufsbildung gebeten, das bereits realisierte oder geplante Einstellungsverhalten der Betriebe für das kommende Ausbildungsjahr zu erfragen.
Im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung führte die WSF Wirtschafts- und Sozialforschung, Kerpen, im März / April 2009 eine telefonische CATI-Befragung bei Betrieben zu ihrem Ausbildungsplatzangebot im kommenden Ausbildungsjahr 2009 / 2010 durch. Es wurden insgesamt 4.779  Betriebe kontaktiert, von denen 1.971 in den letzten fünf Jahren ausgebildet hatten. 907 Betriebe haben im Jahr 2008 Auszubildende eingestellt und/oder planen 2009 eine Einstellung. Mit diesen 907 Betrieben, die aktuell ausbilden oder in den vergangenen fünf Jahren ausgebildet hatten, wurden ausführliche Interviews zur Entwicklung der Ausbildungsplatzsituation durchgeführt. Neun von zehn befragten Unternehmen bildeten zum Befragungszeitpunkt aus.

Die dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf diese Betriebe. Es handelt sich um gewichtete Ergebnisse auf Basis der Auszubildendenzahlen der Betriebs- und Beschäftigtenstatistik 2007 der Bundesagentur für Arbeit und der Informationen zur Berufsausbildung im Datenreport des BIBB zum Berufsbildungsbericht 2009. Die Gewichtung wurde somit nicht anhand des Betriebs- und Beschäftigtenkonzepts, sondern des ,Ausbildungsplatzkonzepts' vorgenommen. Das bedeutet, dass jedes Unternehmen das Gewicht erhält, das ihm aufgrund seiner Bedeutung für das Gesamtangebot an Ausbildungsplätzen zukommt. Sie erfolgte

  • nach vier Betriebsgrößenklassen
  • sechs Wirtschaftszweigen (Verarbeitendes Gewerbe, Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, öffentliche Verwaltung und Bildung, Sonstige)
  • nach West- und Ostdeutschland
  • sowie nach den Zuständigkeitsbereichen Industrie und Handel, Handwerk und sonstige zuständige Stellen.

Zur Ermittlung des zukünftigen Angebots an Ausbildungsplätzen wurden die Betriebe gefragt, ob und wie viele Ausbildungsplätze sie 2009 anbieten werden. Waren sie sich dabei nicht sicher, wurden sie um eine Schätzung gebeten. Zur Berechnung des wahrscheinlichen Ausbildungsplatzangebots wurden sichere Angaben vollständig und Schätzungen mit zwei Dritteln des geschätzten Werts berücksichtigt.

Abbildung 1: Werden Sie 2009 Auszubildende einstellen?

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Entwicklung der betrieblichen Ausbildungsbereitschaft

Rund sechs von zehn befragten Unternehmen wollen im kommenden Ausbildungsjahr Auszubildende einstellen, darüber unschlüssig ist sich noch jedes fünfte (vgl. Abbildung 1). Insbesondere hatten viele ostdeutsche Betriebe noch keine abschließende Entscheidung getroffen.

22% der Betriebe wollen im kommenden Ausbildungsjahr ihr Angebot steigern, 32% wollen es auf gleicher Höhe wie im Vorjahr halten (vgl. Abbildung 2). Auf der anderen Seite beabsichtigen 25% der Betriebe, weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr anzubieten und weitere 20% wollten sich noch nicht abschließend äußern. Damit zeigt sich, dass der Anteil der Betriebe, die ihr Angebot reduzieren wollen, den Anteil der Betriebe übersteigt, die ihr Angebot ausweiten möchten. Diese Tendenz tritt verstärkt bei Betrieben aus Industrie und Handel auf - nur 15% wollen hier ihr Angebot steigern, doppelt so viele (31%) reduzieren. Ganz andere Einschätzungen ergeben sich dagegen bei Handwerksbetrieben. Hier wollen nur 21% der Betriebe die Ausbildung einschränken, 29% dagegen ausweiten. Vergleicht man West- und Ostdeutschland, so zeigt sich, dass es überwiegend Betriebe aus Westdeutschland sind, die ihr Ausbildungsplatzangebot für 2009 reduzieren wollen.

Abbildung 2: Einstellung von Auszubildenden im Vergleich zum Vorjahr

Bei der Angabe von Gründen für ein gegenüber dem Vorjahr reduziertes Ausbildungsangebot zeigen sich deutliche Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise. Fast  jeder dritte Betrieb (28%) begründet seine Zurückhaltung direkt mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und auch die beiden am häufigsten genannten Gründe - ,Übernahme nach der Ausbildung nicht möglich' mit 36% und ,kein Fachkräftebedarf' mit 34% - sind ebenfalls in diesem Kontext anzusiedeln (Abbildung 3).

Abbildung 3: Warum Betriebe ihr Ausbildungsangebot 2009 reduzieren wollen

 

Betriebe, die ihr Angebot gegenüber dem Vorjahr beibehalten oder steigern wollen, sehen mehrheitlich in der Ausweitung ihrer Ausbildungsaktivitäten die Chance zu einer besseren Stellenbesetzung, eine kostengünstige Alternative zur Gewinnung von Fachkräften und die Sicherstellung einer ausgewogenen Altersverteilung. Häufig begründen sie ihr Engagement für eine Berufsausbildung auch mit Tradition bzw. gesellschaftlicher Verantwortung.

Abbildung 4: Gründe, mehr oder gleich viele Ausbildungsplätze anzubieten

Abbildung 4 zeigt die Gründe der Betriebe für eine Ausweitung oder Beibehaltung ihres vorjährigen Ausbildungsplatzangebots auf - zusammen 54% der befragten Betriebe

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Ausbildungsplatzangebot 2009

Die Hochrechnung zu dem zu erwartenden Ausbildungsplatzangebot für das kommende Ausbildungsjahr 2009 / 2010 wurde differenziert für einzelne Zellen (sechs Wirtschaftszweige X vier Betriebsgrößenklassen) durchgeführt. In der Summe ergibt sich als wahrscheinlichste Größe eine Zahl von 566.000 neuen Ausbildungsverträgen. Damit würde die Zahl gegenüber dem letzten Ausbildungsjahr (616.000 neue Ausbildungsverträge) voraussichtlich um rund 50.000 Ausbildungsplätze sinken (-8%). Die bereits vorliegende Angebotsprognose des BIBB auf der Grundlage eines ökonometrischen Modells (neu abgeschlossene Ausbildungsverträge + unbesetzte Plätze) bewegte sich zwischen 580.000 und 600.000 Plätzen (näheres zur angewendeten Methode im Datenreport des BIBB zum Berufsbildungsbericht 2009, S. 67-69). Da in der Betriebsumfrage auf die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hochgerechnet wurde und unbesetzte Plätze (2008: 19.500) hinzugezählt werden müssen, kommen die beiden Prognoseverfahren zu weitgehend ähnlichen Ergebnissen. Rückgänge in einer vergleichbaren Größenordnung (fünf bis zehn Prozent) sagt auch die DIHK-Umfrage voraus (Quelle: DIHK, Ausbildung 2009 - Ergebnisse einer Online-Unternehmensbefragung). 

Abbildung 5: Wahrscheinliche Veränderungsraten des Ausbildungsplatzangebots 2009/2008 in v.H.

Der Rückgang trifft vor allem den Bereich Industrie und Handel, wo ein Minus von rund 10% zu erwarten ist (Abbildung 5). Demgegenüber hält sich das Handwerk nahezu auf dem Vorjahresniveau (-1%). Der Rückgang wird die westlichen Länder (- 9%) stärker als die östlichen (- 4%) treffen. Die Ausbildungsangebote der Großbetriebe mit über 500 Beschäftigten (-1%) halten weitgehend den Stand des Vorjahres. Besonders deutlich wird das Ausbildungsplatzangebot im Bereich von Klein- und Mittelbetrieben aus Industrie- und Handel  einbrechen.

Unter Berücksichtigung des Nachfragepotenzials (in der engeren Definition: Schulabgänger aus allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie Altbewerberinnen und Altbewerber) ermittelte das Bundesinstitut für Berufsbildung Zielgrößen, die die Ausbildungschancen der Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Niveau von 2008 absichern würden (vgl. BIBB, Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2009, S. 64 ff.). Um ein ähnliches Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsstellenmarkt wie 2008 zu erreichen, wäre im kommenden Ausbildungsjahr ein bundesweites Angebot von 604.000 Ausbildungsplätzen erforderlich. Dieses Ziel wird nach der Prognose der Betriebsumfrage des BIBB um rund 18.000 Ausbildungsplätze verfehlt.

Ausbildungsplanungen der Betriebe in den kommenden drei Jahren

Verhalten äußerten sich die Unternehmen hinsichtlich ihres Angebots an Ausbildungsplätzen in den kommenden drei Jahren (vgl. Abbildung 6). So erwarteten drei von vier Betrieben einen Gleichstand, jeweils sechs Prozent wollten ihr derzeitiges Angebot ausweiten beziehungsweise reduzieren. Jeder sechste Betrieb wollte in den nächsten drei Jahren keine Auszubildenden einstellen.

In den alten Ländern wird das Ausbildungsplatzangebot in den kommenden drei Jahren voraussichtlich stagnieren. Jeweils 6% der Unternehmen erwarten nach eigener Aussage eine Zunahme bzw. Abnahme. In den neuen Ländern ist eher mit einer leichten Steigerung zu rechnen, da 14% der Betriebe ihr Angebot ausweiten und lediglich 7% reduzieren wollten. Hier könnte auch der höhere Druck eines dort bereits jetzt sichtbaren Fachkäftemangels zu dieser Haltung geführt haben.

Aus vermutlich ähnlichen Gründen planen auch Großbetriebe ihr künftiges Angebot an Ausbildungsplätzen. So wollten 14% der befragten Unternehmen ihr Angebot ausweiten und nur 8% reduzieren. Bei Klein- und Mittelbetrieben ist eher ein leichter Rückgang ihres Ausbildungsplatzangebots anzunehmen.

Differenziert man nach Wirtschaftszweigen, so zeigt sich, dass in nächsten drei Jahren, dann  vor allem im Dienstleistungsbereich, mit stabilen, vielleicht auch steigenden Ausbildungsaktivitäten gerechnet werden kann. Im Handel deutet sich eher das Gegenteil an.

Abbildung 6: Veränderung des Ausbildungsangebots in den kommenden drei Jahren

Im Ausbildungsbereich Industrie und Handel beabsichtigten 8% eine Reduktion und 10% eine Ausweitung ihres Angebots. Im Bereich des Handwerks sind ebenfalls keine größeren Veränderungen zu erwarten, allerdings übersteigt der Anteil der Betriebe, die ihr Angebot in Zukunft ausweiten wollen (6%) denjenigen der Betriebe, die reduzieren wollen (3%).

Differenziert man zwischen gewerblich-technischen und kaufmännischen Ausbildungsberufen, so zeigt sich bei den gewerblich-technischen eher ein leichter Rückgang an Ausbildungsangeboten. In kaufmännischen und Dienstleistungsberufen wird sich vermutlich bei den Angeboten wenig ändern. Es bleibt jedoch anzumerken, dass die Befragungsergebnissen hier mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet sind. Viele Betriebe (bei gewerblich-technischen Berufen 27%, bei kaufmännischen und Dienstleistungsberufen 37%) sahen sich nicht in der Lage, sich auf einen Entwicklungspfad festzulegen.

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Der Einfluss der Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage auf das Ausbildungsplatzangebot

Zwischen dem voraussichtlichen Ausbildungsplatzangebot 2009 und der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Betriebe ist ein eindeutiger Zusammenhang festzustellen.

Abbildung 7: Änderungen des Ausbildungsplatzangebots 2009 in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Lage

Unternehmen in einer guten wirtschaftlichen Lage zeichneten insbesondere zwei Merkmale aus. Erstens: zu einem hohen Anteil (55%) wollen sie auch im kommenden Ausbildungsjahr mehr oder gleich viele Auszubildende einstellen. Zweitens waren sie weit überwiegend in der Lage, ihre Planungen für das kommende Ausbildungsjahr zu benennen.

Betriebe, die eine mittelmäßige wirtschaftliche Lage nannten, zeigten sich hingegen deutlich zurückhaltender in der Quantifizierung ihrer Einstellungsabsichten. Jeder vierte Betrieb konnte sich nicht zu einer Aussage durchringen und es überwiegen per Saldo die Betriebe, die im Herbst 2009 weniger Ausbildungsplätze anbieten werden.
Betriebe in einer schlechten wirtschaftlichen Situation wollten nahezu zur Hälfte ihre Ausbildung zurückfahren. Jeder fünfte antwortete, dass das Angebot für das kommende Ausbildungsjahr noch nicht feststehe,

Viele Betriebe sind über die Auswirkungen der Finanz- bzw. Wirtschaftskrise noch unsicher. Insofern sind die Planungen für das kommende Ausbildungsjahr mit Unsicherheiten behaftet. Es ist durchaus das Bemühen zu erkennen, die Ausbildung auf hohem Stand zu halten und nicht von einer kurzfristig schwierigeren Geschäftslage abhängig zu machen. Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass es noch zu weiteren Verschärfungen der wirtschaftlichen Krise kommt und viele Betriebe ihr Ausmaß noch gar nicht spüren. Deshalb ist die jetzt vom BIBB vorgelegte Prognose nur ein Zwischenergebnis und steht unter dem Vorbehalt, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht noch stärker als bisher vorherzusehen abschwächt.

Die prognostizierte Lücke - rund 18.000 Ausbildungsplätze, die 2009 fehlen, um die Versorgungssituation des Vorjahres zu erreichen - ist nicht so groß, als dass sie nicht durch bereits vorliegende Programme geschlossen werden könnte. Viele Betriebe zeigten in der Befragung ihr Bemühen, die Ausbildung auf einem hohen Stand zu halten. Kammern, Verbände und Arbeitsagenturen sind gefordert, diese Bemühungen zur Gewinnung zusätzlicher betrieblicher Ausbildungsplätze durch geeignete Informations- und Werbeaktionen zu unterstützen. Vorhandene Förderinstrumente (z.B. Ausbildungsbonus für Altbewerber) sind intensiver zu nutzen. Der öffentliche Dienst (Bund, Länder und Gemeinden) ist gefordert, Ausbildungsplätze bereitzustellen, um die Lage auf dem Ausbildungsstellenmarkt zu stabilisieren. Es gilt aber nicht nur, zusätzliche Ausbildungsplätze zu gewinnen. Angesichts der Wirtschaftskrise wird sich weiterer Handlungsbedarf durch eine ansteigende Zahl von ,Konkurslehrlingen' ergeben, die ihren Ausbildungsplatz durch Insolvenz ihres Betriebs verloren haben oder noch verlieren werden.

Erscheinungsdatum und Hinweis Deutsche Nationalbibliothek

Veröffentlichung im Internet: 09.06.2009

URN: urn:nbn:de:0035-0370-2

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Letzte Änderung: 03.11.2009

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