Häufige Fragen (FAQ)
Qualifikation und Beruf Projektion
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Bei den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufshauptfeldprojektionen (Helmrich, Zika 2010) handelt es sich um eine koordinierte Angebots- und Bedarfsprojektion auf der Grundlage gemeinsam definierter Berufsfelder und Datengenerierungen. Berufsbezogene Projektionen waren in der Vergangenheit immer singuläre Ereignisse, andere Projektionen z.B. vom IAB und der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) beschäftigten sich nur sehr eingeschränkt mit Berufen.
Auf der Grundlage der Daten der Mikrozensen mehrerer Jahre sind sowohl der Bestand an Erwerbstätigen nach ausgeübtem Beruf und Branchenzugehörigkeit als auch die Erwerbspersonen nach Qualifikationsniveau, Alter und Geschlecht aufbereitet worden. Für das Erhebungsjahr 2005 steht sogar der erlernte Beruf der Erwerbspersonen zur Verfügung. Bislang wurde nur mit dem ausgeübten Beruf gerechnet.
Auf der Qualifikationsebene wurde nach vier Stufen im Rahmen der ISCED-Klassifikation unterschieden und zwar: Personen ohne eine formale berufliche Qualifikation (ISCED 1,2,3a); Personen mit einer Berufsausbildung (ISCED 3b, 4); Personen mit einer Meister, Techniker, Fachschulqualifikation (ISCED 5b); Personen mit einem akademischen Abschluss (ISCED 5a, 6)
Auf der Ebene der Berufe wurden die Abgrenzungen der BIBB-Berufsfelder (Tiemann et al 2008) sowohl auf der Bedarfs- als auch auf der Angebotsseite angewandt. Hierbei handelt es sich um 54 Berufsfelder, die zusammengefasst auf der Ebene der Berufsordnungen (3 Steller der Klassifikation der Berufe 1992 (KldB 92)) jeweils gleiche Tätigkeitsmerkmale und Branchendominanz aufweisen.
Bisherige Projektionen, wie IAB-Prognos 1999; BLK 1995, 2002; Bonin 2007; Prognos 2007, haben auf der Angebotsseite ausschließlich den ausgeübten Beruf und nicht wie in der vorliegenden Projektion den erlernten Beruf verwendet. Zudem wurden bislang keine systematisch berufsbezogene Projektionen erstellt. Bonin 2007 (33 Berufsgruppen) als auch Prognos 2007 haben zwar auch nach Berufen eine Differenzierung vorgenommen, jedoch dabei sich ausschließlich an den existierenden Berufssystematiken orientiert und Berufswechsel nicht systematisch mit einbezogen.
Daher sind in den bisherigen Projektionen i.d.R. keine Saldierungen zwischen Angebots- und Bedarfsseite vorgenommen worden. Dies wird mit dieser Studie erstmals vorgenommen.
Durch die Verwendung der ISCED-Klassifikation für die Qualifikationsstufen ist ein Vergleich mit den Ergebnissen der CEDFOP-Studie 2010 möglich. Dabei ist aber zu beachten, dass CEDFOP nicht so stark differenziert und auch hier nicht der erlernte Beruf einbezogen wird.
Es gibt zahlreiche Arbeitskontakte mit den internationalen Akteuren; das BIBB ist als nationaler Experte bei Cedefop benannt.
Die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit erfasst keine Beamte, Selbstständige und mithelfende Familienangehörigen sowie geringfügig Beschäftigte (ROTHE 2009:71). Zudem existiert keine Vollerhebung, die die Ausbildungsfachrichtung der Erwerbspersonen abbildet. So weist diese Statistik lediglich das Niveau des beruflichen Abschlusses (Lehr-/Berufsfachschul-, Fachschul-, Hochschulabschluss) aber nicht die Ausbildungs-/Studienfachrichtung aus. Lediglich über die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die eine Ausbildung im dualen System absolviert haben, liegen Informationen zum erlernten Beruf auf der Ebene der Berufsordnungen (Dreisteller der KdB) vor.
Die Bildungsdaten aus der amtlichen Statistik (Hochschule, berufliche Bildung) weisen zwar als Vollerhebungen die Bildungsteilnehmer und die -absolventen und damit den Neuzugang aus dem Bildungssystem in die Erwerbsfähigkeit aus, aber sie sagen nichts über die Erwerbsbeteiligung und Erwerbstätigkeit sowie die Personen ohne formale berufliche Qualifikation.
Die einzige amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland ist der Mikrozensus. Er liefert u.a. Informationen über die Bevölkerungsstruktur, die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung sowie die Erwerbstätigkeit, die Arbeitssuche sowie für alle Erwerbspersonen in Deutschland bildungsbereichsübergreifend repräsentative Angaben zur Fachrichtung des höchsten absolvierten beruflichen Abschlusses.
Problematisch ist die Untererfassung der Erwerbstätigen im Mikrozensus um etwa 2 Mio. Personen im Jahr 2005 im Vergleich zur Erwerbstätigenrechnung des Statistischen Bundesamtes (vgl. KÖHNE-FINSTER und LINGNAU 2008). Diese nicht vernachlässigbare Differenz gab Anlass dazu, die Daten mittels eines iterativen Randsummenanpassungs-verfahren (RAS)1 anzugleichen. Dabei wurden die Erwerbstätigenzahlen des Mikrozensus auf die Erwerbstätigenzahlen der VGR unterteilt nach 59 Wirtschaftszweigen neu hochgerechnet, wobei die jeweiligen Randsummen der Gesamtbevölkerung nach den Merkmalen Alter, Geschlecht, Bildungsniveau (ISCED) und erlernter Beruf im Mikrozensus konstant gehalten wurden. Dieses restriktive Vorgehen gewährleistet, dass die für die Projektionen zentrale Struktur des Mikrozensus erhalten bleibt.
Bezüglich des Wirtschaftswachstums und der Produktivitätsentwicklung wurden keine expliziten Annahmen getroffen, vielmehr wurde wegen der Vielzahl relevanter Bestimmungsgrößen für die Erfassung der volkswirtschaftlichen Komplexität ein modellbasiertes Projektionssystem, das so genannte IAB/INFORGE-Modell zur Vorausschau verwendet.
Datenbasis des Modells ist zwar 2006, die modellendogenen Werte für die Jahre 2007 bis 2010 wurden jedoch an die tatsächliche Entwicklung angepasst, um auf diese Weise die Weltwirtschaftskrise zu berücksichtigen.
Das IAB/INFORGE-Modell unterscheidet nach 59 Wirtschaftssektoren, basierend auf der Wirtschaftszweigsystematik 2003.
Beim IAB/INFORGE-Modell handelt es sich um ein nach Produktionsbereichen und Gütergruppen tief disaggregiertes ökonometrisches Prognose- und Simulationsmodell für die Bundesrepublik Deutschland, das von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS mbH) entwickelt worden ist (Meyer et al. 2007 und Schnur et al. 2009). Seine besondere Leistungsfähigkeit beruht auf der Integration in einen internationalen Modellverbund. Das Modell beruht auf dem Konstruktionsprinzip "bottom-up" und "vollständige Integration". "Bottom-up" besagt, dass die einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft sehr detailliert (jeweils etwa 600 Variablen für jeden der 59 Sektoren) modelliert und die gesamtwirtschaftlichen Variablen durch Aggregation im Modellzusammenhang gebildet werden. "Vollständige Integration" steht für eine komplexe und simultane Modellierung der interindustriellen Lieferverflechtung sowie der Entstehung und Verteilung der Einkommen, der Umverteilungstätigkeit des Staates und der Einkommensverwendung der privaten Haushalte.
Nein, die weltwirtschaftliche Entwicklung sowie die Beziehungen Deutschlands mit der Weltwirtschaft werden durch das Modell GINFORS erklärt. Im Zentrum des Modells steht das bilaterale Handelsmodell. Für 25 Gütergruppen und für den Handel mit Dienstleistungen stehen bilaterale Handelsmatrizen für die OECD-Länder und weitere zehn wichtige Handelspartner der OECD zur Verfügung. Über diesen Handelszusammenhang werden den Ländern sowohl Mengen als auch Preise zugewiesen. Der ökonomische Kern eines Modells besteht aus dem Makromodell (MM) und dem Input-Output-Modell (IOM). Während Makromodelle für alle Länder von GINFORS vorliegen, sind Input-Output-Modelle nur für 25 Länder verfügbar. Die Volkswirtschaften der übrigen Länder werden allein durch ein Makromodell abgebildet.
Projiziert wird das Erwerbspersonenangebot mit dem erlernten Beruf sowohl im Neuangebot als auch im Erwerbspersonenbestand und zwar für vier Qualifikationsstufen und 54 Berufsfelder.
Auf der Angebotsseite wurden zwei unterschiedliche Projektionssysteme genutzt, um aufzeigen zu können, wie Modelle auf die Veränderungen von Einflussfaktoren reagieren können. Im Sinne der Modellvielfalt wird zum einen mit einem Übergangsmodell und zum anderen mit einem Kohorten¬modell projiziert. Damit können die methodischen Unsicherheiten dargestellt und zugleich Ansätze für eine Validierung der Ergebnisse geboten werden.
Das BIBB-DEMOS-Modell ermittelt das Arbeitsangebot unter Berücksichtigung mehrerer in sich verschränkter Prozesse. Zunächst wird in Abhängigkeit der erreichten formalen Qualifikation und der künftigen Bevölkerungsentwicklung - getrennt nach Frauen und Männern - und die Erwerbsbeteiligung geschätzt. Auf Basis dieser Informationen findet die Wahl des erlernten Berufs statt. Sie ist schließlich das Ergebnis einer geschlechts-, qualifikations- und altersspezifischen Verteilung.
Die Arbeitsangebotsprojektionen des FIT basieren auf mehreren Übergangsmodellen, nach denen beginnend mit einer Ausgangspopulation künftige Erwerbspersonenbestände über Zu- und Abgänge modelliert werden. Im Projektionszeitraum wird das Neuangebot weitestgehend an die Eckwerte der Vorausberechnung der Schüler- und Absolventen der und die Vorausberechnung der Studienanfänger der KMK aus dem Jahr 2009 angepasst und berücksichtigt somit auch die Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien und daraus resultierende Doppeljahrgänge studienberechtigter Absolventen. Bei dieser Voraus-berechnung der Studienanfängerzahlen handelt es sich um eine Status-quo Prognose mit konstant gehaltener Studienanfängerquote. Die Anzahl der Studienanfänger steigt damit wegen der steigenden Anzahl an Absolventen des Sekundarbereichs II mit einer Hochschulzugangsberechtigung und spiegelt sich entsprechend in einem steigenden Neuangebot an Erwerbspersonen mit einem akademischen Abschluss wider. Die künftige Qualifikationsstruktur der Erwerbspersonen wird aber auch zunehmend durch die aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Personen bestimmt.
WS schreibt - basierend auf Werte bis 2005 - die langfristige Arbeitsmarktentwicklung fort, während FIT durch die Nutzung von Prognosen aus dem Jahr 2009 eher den aktuellen Rand betont und damit z.B. im akademischen Bereich die steigende Akademikerquote nachzeichnet, die sich am Bolognaziel orientiert.
12. koordinierte Bevölkerungsvorausschätzung, Variante 1W1 mit einer leicht steigenden Lebenserwartung, einem positiven Zuwanderungssaldo von jährlich 100.000 Personen und konstanten Geburtenraten.
Anzumerken ist, dass zum einen ein Zuwanderungssaldo von 100.000 Personen schon seit einigen Jahren nicht mehr erreicht wird. Im Gegenteil: für 2008 wurde nach Bereinigungen der Melderegister ein Saldo von -56 Tsd. Personen festgestellt. Zum anderen verbirgt sich hinter diesem Zuwanderungssaldo, dass derzeit rund 680.000 Personen zuziehen und über 640.000 Personen fortziehen.
Berücksichtigt man ferner, dass der überwiegende Teil dieser Migrationsbewegungen Ausländer im erwerbsfähigen Alter sind, so sind rund 1 Mio. Personen aus der Erwerbsbevölkerung von diesen Wanderungen betroffen. In 10 Jahren sind dies rund 5. Mio. Personen und damit rund 1/8 der Erwerbstätigen, die potentiell Deutschland verlassen und in ähnlicher Größenordnung nach Deutschland kommen. Zeitverzögert erscheinen sie dann zwar im Mikrozensus und können damit zukünftig mit in die Projektionen einbezogen werden. Über ihre Qualifikationen gibt es bislang jedoch keine Kenntnisse.2 Sie werden daher wie die autochtone Bevölkerung in den Projektionen behandelt.
Steigende Erwerbsquoten für Frauen, längere Lebensartzeit insb. durch höheres Verrentungsalter oder kürzere Ausbildungszeiten und damit Erhöhung der Lebensarbeitszeit?
Die Stille Reserve wurde noch nicht berücksichtigt.
Das Erwerbspersonenpotential wurde noch nicht berücksichtigt.
Die Qualifikationsstufen sind entsprechend der ISCED-Klassifikation vorgenommen worden, damit eine Vergleichbarkeit mit internationalen Projektionsmodellen möglich ist. Vorerst wurden nur nach vier Gruppen von Abschlüssen differenziert, die zahlenmäßig und hinsichtlich der Bildungsgänge am Bedeutensten sind.
In der ersten Stufe wurde für die aktuelle Projektion eine Differenzierung nach diesen vier Qualifikationsstufen vorgenommen, da sie für den Arbeitsmarkt die relevanten Qualifikationsstufen darstellen. Gerade im Bereich der Beruflich-Nicht-Qualifizierten wäre eine weitere Differenzierung sinnvoll gewesen. Dies ist für die nächste Runde angedacht.
Doch Personen mit HZB haben eine weitaus bessere Chancen als ohne allgemeinbildenden Abschluss. Siehe hierzu auch Datenreport zum Berufsbildungsbericht, Abschnitt A 8 http://datenreport.bibb.de/
Personen in Ausbildung werden als Erwerbstätige gezählt und einem ausgeübten Beruf zugerechnet, wobei sie keinem erlernten Beruf sondern der Kategorie "Ausbildung" zugerechnet werden.
Die Abgrenzung erfolgt über die Clusterung von Tätigkeitsmerkmalen der Erwerbstätigen sowie in zweiter Priorität der Branchenschwerpunkt. Sie weisen eine hohe Intrahomogenität und eine hoher Interheterogenität auf.
Die Berufsfelder sind über die Tätigkeitsmerkmale gebildet worden. Somit sind die Berufsfelder auch Tätigkeitscluster.
Bislang ist dies nicht in de Projektionen thematisiert worden, sondern ist Teil anderer Untersuchungen. Zukünftig kann auf der Grundlage langer Zeitreihen, die dann auch für die Projektionen zur Verfügung stehen, solche Berufsveränderungen mit in die Analysen eingebaut werden. Zu weiteren Informationen siehe Ergebnisse zur BIBB-BAuA-Erwerbstätigenbefragung http://www.bibb.de/de/wlk21738.htm
Gerade der erlernte Beruf bietet die Möglichkeit den Beitrag des Bildungssystems für die Qualifikation der Bevölkerung und zugleich die berufsbezogenen Qualifikationen darzustellen. Nur der erlernte Beruf in Relation zum ausgeübten Beruf sagt etwas über die berufliche Flexibilität aus.
Bislang kann nur der höchste berufliche Abschluss erfasst werden. Vorherige Abschlüsse und Qualifikationen werden somit nicht in die Berechnungen einbezogen.
Dies drückt die Flexibilitätsmatrix aus. Sie beschreibt die Möglichkeiten einen anderen als den erlernten Beruf auszuüben. Diese berufliche Flexibilität kann natürlich die unterschiedlichsten Gründe haben. Die Benennung des eigenen ausgeübten Berufs übernimmt sowohl die Stellenbezeichnung als auch die Tätigkeitsmerkmale des ausgeübten Berufs. Wenn ein Mathematiker als Bankkaufmann arbeitet, dann sind letztlich die Qualifikationen eines Bankkaufmanns gefragt und nicht zwangsläufig die eines Mathematikers. Es ist nachvollziehbar, dass gerade häufig die MINT-Qualifikationen in anderen Bereichen stark nachgefragt werden. Aber wenn dort andere Berufsbezeichnungen mit entsprechenden Ausbildungsberufen oder Fachrichtungen einschlägig sind, dann ist die Besetzung eines solchen ausgeübten Berufs mit einem anderen erlernten Beruf nicht eine Notwendigkeit sondern ein Ausdruck von Flexibilität.
Dies ist an sich keine neue Erkenntnis aber in die Projektion geht diese Matrix für alle Berufsfelder mit ein. Die Flexibilität ist sicherlich für Berufe mit einer standesrechtlichen Ordnung und restriktiven Zugangsvoraussetzungen kleiner als bei Berufen die eher einfache Tätigkeiten umfassen, die nicht berufsrechtlich geregelt sind.
Die Flexibilitätsmatrix, die die empirisch messbaren Austauschprozesse zwischen erlernten Beruf und ausgeübten Beruf darstellt, beschreibt diese ausschließlich. Gründe für einen Wechsel werden nicht genannt. Ausgehend von dieser Flexibilitätsmatrix ist aber eine Vielzahl von weitergehenden Analysen eröffnet, die sich hier jetzt anschließen werden.
Bislang kann die Matrix nur seit dem Jahr 2005 berechnet werden. MI der sich ausbildenden Zeitreihe können auch Reaktionen auf sich verändernde Arbeitsmarktsituationen dargestellt werden.
Berufswechsel sind zunächst für die vorliegenden Analysen neutral. Tatsächlich gibt es Berufswechsel, die einen Vorteil für den Erwerbstätigen haben und solche, die zwangsweise und mit eher negativen Folgen für den Erwerbstätigen haben. Dies ist aber ein Forschungsfeld, das auf diesen aufbauen kann.
Wir gehen nicht davon aus, dass das Ergebnis auch tatsächlich so eintreten wird. Zwar zeigen die einzelnen Projektionen - jeweils für sich alleine genommen - realistische Entwicklungspfade auf, allerdings gibt es bislang noch keine Interaktion zwischen diesen Projektionen, so dass für einzelne Arbeitsmarktsegmente die Gegenüberstellung der Projektionen unrealistische Ergebnisse liefert, weil beispielsweise der projizierte realisierte Bedarf an Arbeitskräften höher ist als das projizierte Angebot an Arbeitskräften.
Projektionen sind weder faktische Ziele noch unabwendbar, sondern ein Brennglas für das, was sich zurzeit als am wahrscheinlichsten abzeichnet. Und wenn eine wissenschaftlich fundierte und gewissenhaft erstellte Prognose nicht eintritt, dann war sie deshalb nicht schlecht, denn sie kann Orientierungen gegeben und / oder Verhaltensänderungen provoziert haben. Und wenn sie solche Verhaltensänderungen provoziert hat, dann hat sie nicht nur ihren Sinn erfüllt, sondern natürlich auch ihre eigenen Projektionsgrundlagen verändert. Daher ist in der Regel eine Validierung von Projektionsergebnisse kaum möglich. Bei allen Projektionen gilt, dass diese die Entwicklung der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft fortschreiben. Was wird voraussichtlich sein, wenn die Zukunft sich so entwickelt, wie die längere Vergangenheit sich bis heute entwickelt hat, einbezogen das, was wir bereits über die Zukunft begründet zu wissen glauben.
Projektionen sind nichts mehr als eine Beschreibung dessen, was eintreten würde, wenn sich an den bisherigen Trends nichts änderte.
Dies geschieht unter einer Reihe von Annahmen z.B. zum Wirtschaftswachstum, zur Bevölkerungsentwicklung, zu den Erwerbsquoten etc. Ändert sich ein Parameter, so verändert sich zwangsläufig auch das Ergebnis.
Eine besondere Gefahr wird bei Arbeitsmarktprojektionen in der möglichen Erzeugung von "self-fulfilling prophecies" gesehen, z.B. in Form von sog. Schweinezyklen. Beispiele für solche zyklischen Arbeitsmärkte in Deutschland sind der Ingenieurberuf oder auch der Lehrerberuf. Eine Ursache für solche Entwicklungen ist das verzögerte Handeln der Arbeitskräfteanbieter. Diese orientieren sich bei der Planung ihres Angebots an den Chancen der Vor- und der aktuellen Periode. Aber warum orientieren sie sich nicht an der nahen Zukunft? Weil es diese Informationen in Deutschland nicht gibt. Differenzierte Informationen über die Arbeitsmarktentwicklungen sind in der Regel 1 0 Jahre alt (aktuell: Pallas Berufe im Spiegel der Statistik 2006). Die fehlende Transparenz der Märkte verursacht also diese Entwicklung. Begegnen kann man aber diesem Effekt durch mehr zeitnahe und regelmäßig aktualisierte Informationsbereitstellung, was sowohl die aktuelle Entwicklung als insbesondere auch die zukünftige Entwicklung betrifft. Gerade die regelmäßige Aktualisierung ist das wirksamste Mittel gegen den vermeintlichen Schweinezyklus, der auch ohne Projektionen bereits in der Vergangenheit aufgetreten ist.
In dem man sie regelmäßig wiederholt und die Veränderungen mit in die Analysen aufnimmt.
Nein, eine solche Entwicklung ist nicht möglich. Zu jedem Zeitpunkt kann es zu Anpassungsprozesse kommen, die dieses Missverhältnis ausgleichen.
1 Vertiefend hierzu: BACHEM und KORTE (1979).
2 Es besteht die Möglichkeit, dass Zuwanderer und Auswanderer nicht dieselben Qualifikationen aufweisen wie die in Deutschland lebenden Erwerbstätigen, jedoch stehen für eine Analyse dieses Themas keine aussagekräftigen Daten zur Verfügung. So konzentriert sich ein Großteil der Studien zu deutschen Auswanderern auf die höher Qualifizierten (einen Überblick über diese Studien gibt PROGNOS (2007:11ff.)).
Letzte Änderung: 16.07.2010