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Internationale Kooperation und Beratung

Das Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem BIBB ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Immer mehr in- und ausländische Institutionen und Organisationen wollen auf das BIBB-Know-how in der internationalen Berufsbildung zurückgreifen und mit dem BIBB in Forschungsprojekten, Entwicklungs- und Beratungsvorhaben kooperieren.

Qualifizierte Fachkräfte bilden die wichtigste Grundlage für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung eines Landes. Berufliche Bildung trägt zu verbesserter Beschäftigungsfähigkeit bei und ist ein wichtiger Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Immer mehr Länder reformieren ihre Berufsbildungssysteme im Hinblick auf diese beiden Ziele.

Das BIBB berät Partnerländer bei der Modernisierung ihrer Berufsbildungssysteme. Die BIBB-Systemberatung setzt an den nationalen berufsbildungspolitischen Strukturen an, ist ausgerichtet auf zukünftige bildungspolitische Ziele und Strategien und bietet damit Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung und Modernisierung der beruflichen Bildung.

 

Hintergrund

Im Berufsbildungsgesetz (§ 90/3) sind die Aufgaben des BIBB in der internationalen Zusammenarbeit festgeschrieben: "Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat. nach Weisung des zuständigen Bundesministeriums. an der internationalen Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung mitzuwirken."

Ferner definiert das BIBB in seinem Leitbild: "Wir kooperieren mit internationalen Partnern und bieten Dienstleistungen weltweit an. Wir beraten internationale Partner bei der Entwicklung und Modernisierung der Berufsbildung. Wir initiieren und pflegen internationale Netzwerke. Damit fördern wir auch die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Berufsbildungssystems und tragen zur Gestaltung des europäischen Bildungsraumes bei."

In den strategischen Institutszielen heißt es hierzu: "die europäischen und internationalen Bezüge in der Arbeit des BIBB verstärken" und in den Arbeitsbereichszielen für 2010: "die internationalen Bezüge in der Arbeit des BIBB stärken. die Systemberatung in der internationalen Berufsbildung konzeptionell und strukturell verstetigen."

 

Internationale Zusammenarbeit und Systemberatung

In seiner international ausgerichteten Arbeit unterscheidet das BIBB zwei Aktionslinien: :

  • Internationale Zusammenarbeit: Die internationale Zusammenarbeit ist jede Form von Interaktion und fachlicher Austausch, zum Beispiel in Form von Vorträgen, Workshops, Seminaren, Expertentreffen, Betreuung von Besuchergruppen und Gastwissenschaftlern. Im Vordergrund der Zusammenarbeit stehen der Erfahrungs- und der Informationsaustausch zu aktuellen Fragen und Problemstellungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
  • Systemberatung: Die Systemberatung zielt auf Veränderungen im Berufsbildungssystem, insbesondere den Aufbau von Kompetenzzentren, Reform von entsprechenden Rechtsverordnungen/Prüfungsordnungen oder die Entwicklung von Standards im Partnerland.  Dabei geht es primär um die Genese von passgenauen Konzepten und Strategien, die die landesspezifischen Besonderheiten und Bedürfnisse berücksichtigen. Systemberatung durch das BIBB wird durch Forschung fundiert und flankiert. In diesem Zusammenhang beteiligt sich das BIBB auch als Partner in Konsortien an europäischen Ausschreibungen.

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Eine historische Zusammenschau der Beratungsaktivitäten

Erst seit 1994 ist internationale Berufsbildungszusammenarbeit gesetzlicher Auftrag des BIBB. Nach BerBiFG vom 12.01.1994 sollte das BIBB nach Weisung des zuständigen Bundesministeriums an der internationalen Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung mitwirken, ein Auftrag, der im Berufsbildungsgesetz von 2005 (BBiG §90 Abs.3 Ziff.1) erneut festgeschrieben wurde. Eine vor 40 Jahren eher visionäre Aufgabe ist damit seit 16 Jahren zu einer Herausforderung internationaler Profilschärfung des BIBB geworden. Angesichts der hohen politischen Bedeutung, die der internationalen Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung zukommt, galt es dazu - in Übereinstimmung mit dem BMBF - die internationalen Aktivitäten des BIBB strategisch auszurichten, internationale und interkulturelle Kompetenzen im BIBB auf- und auszubauen, Entwicklungsmethoden und -instrumentarien für die internationale Berufsbildungsberatung zielgerichtet weiterzuentwickeln und deutsche Berufsbildung prononcierter international zu vermarkten.

 

Die Anfänge in den frühen 90er Jahren

Anfang der 1990er Jahre nahmen die Staaten Mittel- und Osteuropas mit dem Übergang zu Demokratie und marktwirtschaftlichen Strukturen auch den Umbau ihrer Berufsbildungssysteme in Angriff. Deutschland leistete im Rahmen des TRANSFORM-Programms der Bundesregierung dabei wirksame Hilfe. Das damalige Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW) übertrug dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) Ende 1992 die Aufgabe, elf Staaten Mittel- und Osteuropas bei der Reform ihrer Berufsbildungssysteme zu unterstützen, und zwar: Belarus, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, die Slowakische Republik, die Tschechische Republik, die Ukraine und Ungarn.

Im Mittelpunkt der Beratung stand der Dialog auf politisch-administrativer Ebene. Beraten wurden politische Entscheidungsträger und Vertreter relevanter wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Gruppen beim Auf- und Ausbau gesetzlicher sowie institutioneller Rahmenbedingungen für eine moderne Berufsbildung und  bei der Entwicklung beruflicher Standards. Mit erheblichen finanziellen Mitteln wurden zudem Projekte/Modellvorhaben gefördert, die vor allem eine Leitfunktion für die Weiterbildung von Lehrpersonal innehatten. Ferner konnten Synergien durch die Zusammenarbeit verschiedener Projekte über die Landesgrenzen hinweg geschaffen werden (z. B. Zusammenarbeit von Modellprojekten in Tschechien, der Slowakischen Republik und Polen).

Großer Wert wurde darauf gelegt in die Zusammenarbeit und Projektförderung die nationalen Berufsbildungsinstitute einzubeziehen. Die Berufsbildungsinstitute haben die Innovationen begleitet und, wo immer möglich, deren breiten Transfer in die Praxis befördert. Ferner wurden die Beratungsaktivitäten durch einen intensiven Informations- und  Erfahrungsaustausch zwischen der deutschen Seite und den Partnerstaaten flankiert. Im Ergebnis wurden innerhalb weniger Jahre rund 70 Projekte und Beratungsmaßnahmen durchgeführt und mehr als 100 Berufe, neue Fächer oder Bausteine für die Ausbildung, besonders in kaufmännischen und Handwerksberufen neu entwickelt oder modernisiert.

 

Aufbau und Ausbau in den späten 90ern

Das vom BIBB von 1994 bis 2002 durchgeführte Beratungsprojekt in der Türkei zielte auf die Entwicklung und Einführung von nationalen Berufsstandards, Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren. Orientiert an der Nachfrage des Arbeitsmarkts wurden 250 Berufsstandards auf bis zu drei Anforderungsniveaus entwickelt sowie entsprechende Verfahren und Strukturen zur praktischen und theoretischen Prüfung und Zertifizierung von Arbeitskräften auf der Grundlage dieser Standards konzipiert.
Das Projekt wurde von der Weltbank über einen Kredit an das türkische Arbeitsministerium und die Arbeitsverwaltung gefördert. Es war - als eine Komponente - eingebunden in das übergreifende Weltbankprojekt "Employment and Training", das auf eine engere Abstimmung zwischen Arbeitsmarkt und beruflicher Aus- und Weiterbildung zielte und neben der hier beschriebenen Komponente auch Maßnahmen zur Verbesserung der Berufsberatung und -vorbereitung, der Arbeitsvermittlung und der Arbeitsmarkforschung beinhaltete.

Unmittelbares Ziel des BIBB Beratungsprojekts war es, durch die Einführung eines gesellschaftlich konsensfähigen Systems von Berufsstandards und darauf bezogener Prüfungs- und Zertifizierungsverfahren zu mehr Transparenz zwischen angebotenen und nachgefragten Qualifikationen beizutragen. Die im Rahmen des Projekts in enger Zusammenarbeit mit Vertretern der Wirtschaft entwickelten Berufsstandards beinhalteten neben einer aktualisierten Berufsbezeichnung als Kern eine detaillierte Beschreibung der bei der Ausübung des Berufs relevanten Tätigkeitsbereiche ("duties") und zugeordneten Tätigkeiten ("tasks"). Darüber hinaus wurde eine Einordnung des Berufs in die internationale Standardklassifikation der ILO und in die vom CEDEFOP für die EU erarbeiteten Berufsanforderungsprofile vorgenommen.

Im Rahmen der Projektdurchführung hatte das BIBB nicht nur eine Beratungsfunktion gegenüber den türkischen Vertretern aus Staat, Wirtschaft und Arbeitnehmervertretern inne, sondern ihm oblag auch die volle sachliche und personelle Projektverantwortung. Zur Implementierung des Projekts beschäftigte das BIBB seinerzeit dreizehn örtliche Fachkräfte im Rahmen eines BIBB-Verbindungsbüros in Ankara sowie ca. 30 Moderatoren zur landesweiten Durchführung der ca. 750 Workshops zur Entwicklung der Standards und der Prüfungseinheiten.

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Letzte Änderung: 05.06.2012


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