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Beratung

Viele Länder stehen vor der Aufgabe, ihre Bildungssysteme zu reformieren, um sowohl den Bedarf der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften als auch den Bedarf der Bevölkerung an beschäftigungsrelevanter Qualifizierung zu decken. Modernisierungen im Bildungssystem haben sich jedoch überwiegend auf den Ausbau von allgemeinbildenden und akademischen Bildungsgängen konzentriert.

Die Weiterentwicklung beruflicher Bildungsgänge und -abschlüsse wurde dagegen vernachlässigt und macht berufliche Bildung deshalb für junge Menschen wenig attraktiv. Bereits heute und erst recht in den kommenden Jahren wird sich daher in vielen Wirtschaftsbereichen der Mangel an beruflich qualifizierten Fachkräften verschärfen. Darüber hinaus ist berufliche Bildung in der Mehrzahl der Länder schulisch organisiert und bereitet die Absolventen nur unzureichend auf die Anforderungen des Arbeitslebens vor.

Angesichts dieser Mängel gewinnen praxis- und arbeitsorientierte Formen beruflicher Bildung, die für die deutsche Berufsbildung charakteristisch sind, auch für andere Länder an Attraktivität. Wesentliche Beratungsleistungen des BIBB zielen daher darauf ab, die Angebote der Berufsbildung in den jeweiligen Ländern enger auf den Bedarf des Arbeitsmarktes und der Betriebe auszurichten, beschäftigungsrelevanter zu gestalten, die Durchlässigkeit in- und zwischen den Bildungsbereichen und zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem zu erhöhen und darüber berufliche Bildung für die Absolventen attraktiver zu machen. Zugleich stellt das BIBB auch seine konzeptionelle Expertise für die Entwicklung sektoraler und nationaler Qualifikationsrahmen in anderen Ländern zur Verfügung. 

Schwerpunkte der Beratung

Auf- und Ausbau nationaler Infrastrukturen für Forschung und Entwicklung

Hilfestellungen bei der Systementwicklung und der Erfolg von Beratungsleistungen hängen unter anderem davon ab, inwieweit die Institutionen und Akteure in den
Partnerländern in der Lage sind, Veränderungen voranzutreiben und diese durch gezielte Maßnahmen der Organisationsentwicklung (Capacity Building) zu unterlegen.
Mit seinen weitreichenden Erfahrungen in der Weiterentwicklung von Strukturen der beruflichen Bildung unterstützt das Bundesinstitut andere Länder vor allem beim Auf- und Ausbau nationaler beruflicher Entwicklungs- und Forschungsinstitute sowie bei der effizienten Gestaltung ihrer Aufbau- und Ablauforganisationen.

Dabei geht es vor allem darum, die Bedeutung von Forschung und Entwicklung für die Vorbereitung, Unterstützung und Umsetzung politischer Entscheidungen zu stärken, durch qualitativ hochwertige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten Innovationen in der beruflichen Bildung zu fördern sowie zur Nachhaltigkeit von angestrebten Veränderungen und entwicklungspolitischen Maßnahmen beizutragen. Institutionen für die Steuerung beruflicher Bildung in den entsprechenden Partnerländern werden daher durch fachliche Expertise des BIBB beim Aufbau einer Berufsbildungsforschungsinfrastruktur unterstützt, die Beiträge für eine "evidenzbasierte" Politikberatung leistet soll. Dazu ist vor allem die empirische Berufsbildungsforschung zu verstärken und in ihren Methoden und Instrumenten bedarfsgerecht auf die Erfassung wichtiger Einflussgrößen an der Schnittstelle von Bildung- und Arbeitsmarkt auszurichten. Des weiteren könnte Forschung einen wichtigen Beitrag bei der Begleitung von Pilotvorhaben, bei Kosten-Nutzen-Analysen sowie dem Auf- und Ausbau funktionierender Informations- und Dokumentationssystemen  in den jeweiligen Ländern leisten.

 

Definitionen

  • Berufliche Handlungskompetenz umfasst die Dimensionen Fachkompetenz, Personalkompetenz und Sozialkompetenz.
  • Berufliche Handlungsfähigkeit bedeutet die Beherrschung der für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten

 

Früherkennung und Entwicklung beruflicher Standards

Wachsenden Handlungsbedarf artikulieren viele Länder, wenn es darum geht, das Angebot beruflicher Qualifizierungsmaßnahmen stärker an den Erfordernissen
des Arbeitsmarktes zu orientieren. Der Mangel an verlässlichen Instrumenten und Informationen für systematische Arbeitsmarkt- und Bedarfsanalysen wird in
vielen Ländern durch das Unvermögen der überwiegenden Mehrheit der Unternehmen, ihren Fachkräftebedarf frühzeitig zu bestimmen, verschärft. Auch fehlen
Informationen über jene wirtschaftlichen Wachstumsfelder und -branchen, auf die berufliche Qualifizierungsangebote künftig auszurichten sind. Vermehrter Beratungsbedarf wurde daher auf dem Gebiet der Qualifikationsforschung formuliert. Die vom BIBB entwickelten Instrumente und Verfahren der Früherkennung waren hilfreich, um vergleichbare Methoden für eigene Analysen und Prognosen zu nutzen. Die Begleitung dieses Prozesses verspricht Informationen darüber, wie die Instrumente zur Früherkennung von Qualifikationen an unterschiedliche Rahmenbedingungen angepasst und für die spezifischen Erfordernisse einzelner Länder nutzbar gemacht werden können.

Noch mangelt es in vielen Ländern an einem einheitlichen System beruflicher Standards, an denen sich die Ausbildungsprogramme orientieren und nach denen erworbeneKompetenzen geprüft und zertifiziert werden können. Die Entwicklung eines nationalen Standardisierungs-, Prüfungs- und Zertifizierungssystems, in Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren, insbesondere der Wirtschaft, bildet daher einen Kernpunkt der Berufsbildungsreform in zahlreichen Ländern, letztlich auch mit dem Ziel der Qualitätssicherung und internationalen Anschlussfähigkeit der nationalen Berufsbildungssysteme. Das BIBB hat seine Expertise auf diesem Gebiet eingebracht und zugleich Wege für die curriculare und abschlussbezogene Gestaltung von Berufsbildungsgängen aufgezeigt.

 

Ökologie und Nachhaltigkeit


Mehr und mehr Gewicht wird auch auf die Behandlung ökologischer Themen gelegt. Denn die Umweltverträglichkeit von Produkten und Produktionsabläufen kristallisiert sich zu einem  wichtigen Standortfaktor heraus. Die Vernetzung von beruflicher Bildung und nachhaltiger Entwicklung ist jedoch in vielen Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern weitgehend Neuland und auch in den Industriestaaten vielfach erst ansatzweise umgesetzt. Nachgefragt werden beim BIBB vor allem Konzepte und praktische Beispiele, die bereits bei Auszubildenden, aber auch bei Fachkräften Handlungskompetenz für nachhaltiges Wirtschaften fördern. Ebenso dringend ist die Nachfrage nach Ausbildungs- und Unterrichtsmaterialien, die auf die Praxis zugeschnitten sind und zugleich Lehrenden und Ausbildenden die Möglichkeit geben, sich mit dem Thema hinreichend vertraut zu machen.

 

Professionalisierung des Personals in der beruflichen Bildung


In vielen der zu beratenden Länder haben sich bisher kaum Strukturen einer systematischen Aus- und Weiterbildung von Lehrern für berufliche Schulen etablieren können. Die Einweisung von Ausbildern im Betrieb erfolgt in der Regel nur informell und wenig reflektiert. Die Qualifikationsdefizite betreffen die Bereiche der fachtheoretischen Ausbildung und berufspraktischen Erfahrung ebenso wie das verfügbare erziehungswissenschaftliche und fachdidaktische Wissen. Entsprechend gering ist meist der soziale Status der Lehrberufe.Die Aus- und Weiterbildung von Lehr- und Ausbildungspersonal gehört damit ebenfalls zu den wichtigen Aufgabenfeldern im Rahmen des Ausbaus der institutionellen Kapazität von Partnerorganisationen. Das konzeptionelle Angebot des BIBB auf dem Gebiet der Ausbilderförderung bietet eine umfangreiche Grundlage für die Planung von Programmen und Trainingsmaßnahmen, die eine systematische Verflechtung von fachwissenschaftlichen und praktischen sowie didaktischen und unterrichtspraktischen Übungen vorsehen und die zum Teil auch als Online-Angebote anderen Ländern zur Verfügung gestellt werden können. Ebenso bietet das BIBB mit www,foraus.de eine Plattform für den Erfahrungsaustausch von Lehrern und betrieblichen Trainern an, die zu Zwecken der Weiterbildung auch in anderen Ländern eingerichtet werden kann. Vermehrte Angebote sind allerdings auch für das Bildungsmanagement (Bildungsplaner, Schul- und Bildungsstättenleiter sowie Curriculumentwickler) zu entwickeln und Institutionen im jeweiligen Land auszubauen, die mit der Durchführung dieser Maßnahmen befasst sind. Hier liegt ein zukünftiges Handlungsfeld der Berufsbildungszusammenarbeit, das im Rahmen bestehender Netzwerke noch gezielter anzugehen ist.

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Beratungsangebot

Das BIBB berät bei der Reform von Berufsbildungssystemen in den folgenden Bereichen:

  • Modernisierung des rechtlichen Rahmens
  • Gestaltung von Finanzierungsmodellen 
  • Entwicklung von Konzepten zur Qualifizierung des Bildungspersonals
  • (Weiter-)Entwicklung von nationalen Qualifikationsrahmen
  • Modernisierung von Berufs-, Ausbildungs- und Prüfungsstandards und Prüfungsverfahren
  • Gestaltung der Aus- und Weiterbildungsformen:
    • Lernortkooperation zwischen Schule, Betrieb und anderen Ausbildungsorten
    • Kurzzeit- und Langzeitangebote
    • neue Lehr- und Lernmethoden
  • Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien sowie (digitalen) Medien
  • Auf- und Ausbau der Berufsbildungsforschung 
  • Organisationsentwicklung, die Aufbau und Ablauforganisation umfasst, für Institutionen der beruflichen Bildung, u.a.

    • Staatliche Berufsbildungsinstitutionen
    • Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen der beruflichen Bildung 
    •  Ausschüsse/Beiräte
  • Aufbau und Modernisierung von für die berufliche Bildung relevanten 
    • Informations- und Wissensmanagementsystemen 
    • Kommunikationsplattformen
    • Instrumentarien zur Früherkennung von Qualifikationsentwicklungen

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Prinzipien erfolgreicher Beratung

  • Bestreben, alle relevanten Akteure an den Beratungsinitiativen zu beteiligen; Förderung der Zusammenarbeit von Staat, Wirtschaft und Nicht-Regierungsorganisationen (Partizipation). 
  • Orientierung am Bedarf der Partner. Förderung der Entwicklung von Berufsbildungssystemen und der Orientierung von Aus- und Fortbildung am Bedarf des Arbeitsmarktes (Nachfrageorientierung).
  • Berücksichtigung der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - ökologisch, ökonomisch und sozial.
  • Einbeziehung des Genderaspekts im gesamten Beratungsprozess und Förderung der Gleichberechtigung der Geschlechter.

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Letzte Änderung: 15.12.2010


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Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
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