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Berufsbildung Osteuropa (TRANSFORM)

Mitgestaltung, Umsetzung und Evaluation des BMBF-Förderprogramms "Berufsbildung Osteuropa" (TRANSFORM)

Vorhabensprecherin: Gabriela Höhns

Ursprünge

Am 1. September 1992 übertrug das damalige Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft, jetzt Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Rahmen des Beratungsprogramms TRANSFORM der Bundesregierung als Weisungsaufgabe die Durchführung, Begleitung und Auswertung von Maßnamen auf dem Gebiet der beruflichen Bildung in den Staaten Mittel- und Osteuropas.

Förderphilosophie

Die Förderphilosophie, die das BIBB daraufhin erarbeitete, folgte einem ganzheitlichen Ansatz. Als oberste Leitlinie galt das Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe". Um dies zu erreichen, orientierte man sich stark am Bedarf des jeweiligen Partnerlandes und verknüpfte die Beratung bei der Transformation des Bildungssystems mit der Förderung von beispielhaften Modellprojekten, mit Informationen über das deutsche Bildungssystem und mit der Errichtung von Netzwerken, um einen Ergebnistransfer zu sichern. Folgende Anforderungen stellte das BIBB an die im Rahmen des TRANSFORM-Programms geförderten Projekte:

nachfrageorientiert (der Bedarf wird vom Partnerland formuliert)  ganzheitlich (die Problemlösung bezieht alle wesentlichen Elemente ein)  modellhaft (die Systemerneuerung soll sich im Modellprojekt widerspiegeln)  institutionell (gefördert wurden grundsätzlich nur Einrichtungen, keine Einzelpersonen)  vernetzt, integrativ (Projekte wurden ressortübergreifend miteinander verbunden)  nachhaltig (Projekte sollen über das Förderende hinaus sich selbst tragen und wirksam bleiben)   transferierbar (regional, national, international)
Auf diese Weise waren die verschiedenen Projekte und Maßnahmen in den Reformprozess des Landes oder - im Falle großer Flächenstaaten - einzelner Regionen eingebunden und trugen zur Stabilisierung begonnener Reformentwicklungen bei.

Im Sinne der Förderphilosophie suchte das BIBB die enge Zusammenarbeit mit anderen programmbeteiligten Akteuren in der Bundesrepublik (Vernetzung mit Aktivitäten von CDG, SEQUA, Verein Handwerker und Handwerkerinnen am Europäischen Haus; gtz, Beratungsunternehmen, Stiftungen u. a.). Ferner realisierte das BIBB vielfältige Abstimmungen sowie die gezielte gegenseitige Informierung mit solchen inter- bzw. supranationalen Institutionen, die sich ebenfalls in der Unterstützung der Berufsbildungsreformen in Mittel- und Osteuropa engagieren (vor allem Europäische Stiftung für Berufsbildung - ETF - in Turin, weiterhin, CEDEFOP, UNEVOC, teils auch Berufsbildungsinstitute in EU-Staaten). Dadurch sind leistungsfähige Netzwerke entstanden, die für ähnliche Aufgaben genutzt werden können.

Ziele

Eine Übertragung des kompletten dualen Systems auf eines der Partnerländer wurde von Anbeginn als unrealistisch abgelehnt, allein schon in Anbetracht der Tatsache, dass dort zwar im Umbruch befindliche, aber doch bestimmten Traditionen verhaftete Bildungssysteme vorgefunden wurden. Die Bestimmung der zu übertragenden Elemente des dualen Systems erfolgte in enger Abstimmung mit den Partnerländern und dem von dort geäußerten Reformbedarf. Die Berufsbildungsberatung auf der Makroebene, bei der Systementwicklung, beim Aufbau von Berufsbildungsinstituten oder bei der Ausarbeitung oder Überarbeitung von Listen nationaler Berufsklassifikationen/Verzeichnisse der Ausbildungsberufe wurde jeweils begleitet und untermauert von Modellprojekten, in denen die Beratung in der Praxis umgesetzt wurde.

Näheres zu den Modellprojekten finden Sie, nach Ländern geordnet, unter "Staaten im Förderprogramm".

Schwerpunkte

Inhaltlich zielte die Berufsbildungsberatung des BIBB darauf ab, die Entwicklung handlungs- und praxisorientierter Formen der Aus- und Weiterbildung und neuer beruflicher Qualifikationsprofile zu unterstützen. Unternehmen, Kammern und Verbände beteiligten sich - teils erstmals in der Geschichte des jeweiligen Landes - an der Gestaltung der Berufsbildung, indem sie zunehmend aktiv Einfluss auf die Bestimmung mittel- und längerfristiger Qualifikationsanforderungen (Kompetenzprofile) in ihrer Branche nahmen. Somit wurde gefördert, dass Wirtschaft und Berufsbildung auf ihrem Reformweg den notwendigen ständigen Dialog intensivierten. Die Beratung berücksichtigte zugleich, dass Gewerkschaften in Mittel- und Osteuropa künftig stärker eine gleichberechtigte Rolle als Sozialpartner in der Berufsbildung spielen sollen.Impulse für den Aufbau mittelständischer Strukturen wurden dadurch gegeben, dass zum Beispiel Absolventen beruflicher Aus- und Fortbildungsgänge (oder Umschulung) gezielt qualifiziert wurden, um selbst kleine Unternehmen oder Handwerksbetriebe zu gründen und Arbeitgeber zu werden.

In sektoraler Hinsicht lag der Schwerpunkt sowohl auf Projekten zur Entwicklung bzw. Modernisierung kaufmännisch-verwaltender Berufe als auch auf Projekten im gewerblich-technischen Sektor und im Handwerk, wo zugleich eine Integration moderner und umweltfreundlicher Technik in die Berufsbildung angestrebt wurde.

Neben inhaltlichen Prioritäten und sektoralen Schwerpunkten waren für einige Flächenstaaten, nämlich Russland, Polen und die Ukraine, regionale Schwerpunkte ("Schwerpunktregionen") festgelegt. Diese galten auch für die Ansiedlung von Berufsbildungsprojekten. Durch den Aufbau länderübergreifender Kooperationsnetze wurden zudem Voraussetzungen für einen breiten Transfer von Ergebnissen geschaffen. Neben der Ost-West-Zusammenarbeit konnten Impulse für die (Wieder-)Belebung der Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Staaten Osteuropas und für die Nutzung von Synergieeffekten gegeben werden, was angesichts knapper Fördermittel von großer Bedeutung war.

Partner

Von Anfang an waren auf der Seite der Partnerländer jene Institutionen in die Zusammenarbeit eingebunden, die auf der Makroebene für die Berufsbildung verantwortlich sind: die Bildungsministerien und die in den meisten MOE-Ländern existierenden Berufsbildungsinstitute. Gemeinsam mit ihnen wurden die Arbeitsschwerpunkte festgelegt und die modellhaften Berufsbildungsprojekte konzipiert. Sie bestimmten die Auswahl der Einrichtungen, wo die Projekte angesiedelt wurden, und bereiteten das Arbeitsfeld vor. Auch sorgten sie für die Einbindung von Betrieben als Praxispartner. Die Ministerien bzw. Institute begleiteten die Modellprojekte durch Forschung und koordinierten Projektnetzwerke der zu beteiligenden Institutionen. Mit ihrer Unterstützung wurde auch eine landesweite Verbreitung von Projektergebnissen angestrebt und in vielen Fällen, besonders in den flächenmäßig kleineren Staaten, auch erreicht. In mehreren Projekten gelang sogar eine Ergebnisverbreitung über die Staatsgrenzen hinaus und die Schaffung transnationaler Netzwerke.

Bilanz

Mit insgesamt rd. 44,2 Mio. DM wurden von 1993 bis 2001 elf Staaten im Förderprogramm unterstützt: Belarus, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Russische Föderation, Slowakische Republik, Tschechische Republik, Ungarn und die Ukraine. Gemessen am Umfang der eingesetzten Fördermittel, lag der besondere Schwerpunkt auf der Russischen Föderation, der Ukraine und Polen.

 

Dank außerordentlich geringem Verwaltungsaufwand seitens des BIBB kam der größte Teil der Fördermittel unmittelbar der Projektarbeit in den Partnerländern zugute.

Die Beratungsprojekte des BIBB in der Russischen Föderation wurden zum Abschluss in einer Broschüre exemplarisch dokumentiert.  Diese ist zu bestellen über:

Bundesinstitut für Berufsbildung
AB 1.3
53043 Bonn
Bestell-Nr. 09.058 (deutsch)
Bestell-Nr. 09.059 (russisch)

Nachhaltigkeit

Zahlreiche Projekte wurden bereits während der Laufzeit des Programms begleitend von Externen evaluiert und erhielten in der Regel gute Bewertungen. Die Nachhaltigkeit ausgewählter TRANSFORM-Projekte wird gegenwärtig in einem Forschungsprojekt des BIBB analysiert, um die Erfahrungen aus der Beratungsarbeit für künftige Beratungen nutzbar zu machen: "Weiterentwicklung von Instrumenten für Berufsbildungsberatung im Ausland auf der Grundlage einer Nachhaltigkeitsanalyse von TRANSFORM-Projekten".

Letzte Änderung: 05.09.2008

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Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

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