Die praktische Berufsorientierung: ein Element der BMBF-Bildungsketten
Die Idee des Berufsorientierungsprogramms und der Bildungsketten ist, dass die verschiedenen Maßnahmen der Berufsorientierung aufeinander aufbauen bzw. miteinander verzahnt sind. Die Potenzialanalyse ist das erste Glied dieser Kette, deren Ergebnisse in die weiteren Maßnahmen und Unterstützungsangebote im Rahmen der Berufsorientierung einfließen sollen. Deswegen ist es wichtig, dass Eltern, Schulen und andere beteiligte Institutionen in den Prozess mit einbezogen werden. Außerdem sind Potenzialanalyse und Berufsorientierung konzeptionell miteinander zu verbinden. Die damit verbundene Vorstellung ist z.B., dass die Entscheidung über die Berufsfelder im Rahmen der Werkstatttage bewusster und den Neigungen und Kompetenzen der jungen Menschen entsprechend erfolgen kann.
Im Rahmen der Werkstatttage haben die Jugendlichen die Gelegenheit, für zwei Wochen bzw. 80 Stunden in einer Berufsbildungsstätte unter Anleitung erfahrener AusbilderInnen praktische Erfahrungen in mindestens drei Berufsfeldern zu machen. Berufsbildungsstätten verfügen über die erforderlichen Werkstatteinrichtungen und die Erfahrungen in der beruflichen Erstausbildung. Durch die räumliche und inhaltliche Distanz zur alltäglichen Schulrealität haben Jugendliche auch hier die Chance, neue Talente zu entdecken und neue Seiten von sich zu zeigen. Die Rückmeldungen aus der Pilotphase zeigen, dass Jugendliche durch praktisches Tun Selbstvertrauen und Stolz auf die eigene Leistung entwickeln. Das gewonnene Selbstverständnis ermutigt sie zu vermehrten Anstrengungen und weckt die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Wenn es außerdem gelingt, den Anwendungsbezug schulischer Lerninhalte erlebbar zu machen, hat dies erfahrungsgemäß auch positiven Einfluss auf die schulischen Leistungen. Die Jungen und Mädchen lernen beim "Selbermachen" die Realität unterschiedlicher Berufe kennen und können dabei prüfen, ob die Tätigkeit ihren Neigungen entspricht. Dies hilft dabei, die spätere Berufswahl bewusst und überlegt zu treffen. Das selbst bestimmte Berufsziel wird mit größerem Ernst verfolgt. Die Aussicht einen Ausbildungsplatz zu bekommen und die Ausbildung erfolgreich abzuschließen, steigt.
Die Berufsorientierung schließt mit einer Zertifizierung ab, die Schülern wie potenziellen Lehrherren als Entscheidungshilfe für die Berufswahl bzw. die Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis dienen soll. Dabei ist schulische Beteiligung wichtig und erwünscht: Die Teilnahme der Lehrerinnen und Lehrer an der Berufsorientierung wird von den Jungen und Mädchen als persönliche Wertschätzung empfunden und gewürdigt. Eine enge Verzahnung mit der Schule fördert zudem die nachhaltige Wirkung von Potenzialanalyse und Berufsorientierung.
nsbesondere die Durchführung einer Potenzialanalyse in der 7. Klasse, also mit jungen Menschen im Alter zwischen 12 und 15, ist in dieser Form noch relativ neu. Einige Landesinitiativen können bereits auf erste Erfahrungen zurück schauen. Aus diesem Grund wird die Potenzialanalyse in der ersten Phase des nun verstetigten Berufsorientierungsprogramms intensiv durch das BIBB begleitet und evaluiert, um auf dieser Grundlage die Verfahren und Qualitätsstandards kontinuierlich weiterzuentwickeln.