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Modellversuch QUESAP (IGF)

Wie lässt sich die Entwicklung der Qualität von Ausbildungsprozessen in betriebliche Routinen einbringen?

Erfahrungen bei der Implementierung von Qualitätsbausteinen mit Hilfe des Handbuches "Die praktische Altenpflegeausbildung" im Modellprojekt QUESAP des IGF e.V.

Themenzentrierte Workshops als Methode des erfahrungsbasierten Lernens auf Ebene der Betriebe

Auszubildende im betrieblichen Alltag zu begleiten und ihnen praxisnah berufliche Kompetenzen zu vermitteln erfordert Strategien und Methoden, die sich nicht aus der eigenen beruflichen Praxis erschließen. Hier ist berufspädagogisches Know-How gefordert. Damit die praktische Ausbildung erfolgreich gelingen kann wurde im Rahmen des Projektes Servicenetzwerk Altenpflegeausbildung1 ein Handbuch für Pflegeeinrichtungen zur Ausgestaltung der praktischen Ausbildung erarbeitet2. Die Erprobung der dort beschriebenen Qualitätsbausteine zur Konzeption, Planung Ausgestaltung und Beurteilung von Ausbildungsprozessen ist Kernstück des Modellprojektes QUESAP.

Der Erprobungsphase im Verlauf eines Ausbildungsjahres ist eine Serie von eintägigen Workshops für die Praxispartner vorangestellt. Diese werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IGF e.V. gemeinsam konzipiert und von den Standortbetreuungen mit den Praxispartnern durchgeführt. Zu Beginn der Serie wurde in Auftaktworkshops ein gemeinsames Ausbildungsverständnis erarbeitet, bei dem die Entwicklung der beruflichen Handlungskompetenz der Auszubildenden als zentrales Ziel der praktischen Ausbildung im Betrieb formuliert wurde. Ebenfalls thematisiert und diskutiert wurden mit Hilfe von Leitfragen "Stellschrauben" der Qualitätsentwicklung und -sicherung aus Sicht der Praktiker. Als Ergebnis dieser Diskussionen lässt sich aus Sicht der Kooperationspartner ein pragmatisches Verständnis von Qualität ausmachen.
 
Exemplarische Antworten auf die Kartenabfrage "Was soll am Ende des Projektes besser sein als bisher?" spiegeln dies wieder:

  • die Förderung des selbstständigen Lernens bei den Auszubildenden
  • klare Vorgaben und Lernaufträge
  • als Praxisanleitung Lernsituationen erkennen und schaffen können
  • gute einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit zwischen stationärer Pflegeeinrichtung, ambulanten Pflegedienst und Altenpflegeschule mit Transparenz für alle Ebenen
  • selbständiges Denken und Handeln der Auszubildenden
  • ein klares Ausbildungskonzept in der Einrichtung
  • praktikable Instrumente zum effektiven und fachlich kompetenten Handeln
  • verbesserte Praxisanleiter-Weiterbildung

An diese Auftaktworkshops schließen sich im Verlauf der ersten Phase des Modellprojektes (November 2010 bis ca. September 2011) fünf Workshops pro Standort zu den Qualitätsbausteinen

  • Ausbildungskonzep

  • Lernortkooperation

  • Ausbildungsplan

  • Berufspädagogische Methoden und

  • Beurteilung von Lernerfolgen

an.

Diese thematischen Schwerpunkte sind dem Handbuch "Die praktische Altenpflegeausbildung" entnommen, ihre Inhalte sollen im Verlauf der zweiten Projektphase in Form von betriebsspezifisch entwickelten bzw. angepassten Instrumenten zur Qualitätsverbesserung der praktischen Ausbildung in den beteiligten Pflegeeinrichtungen umgesetzt werden. Teilnehmende an den Workshops sind ausbildende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Führungskräfte der Betriebe, Leitungen und Lehrkräfte der Altenpflegeschulen und Fachseminare und Auszubildende selbst. Damit werden alle an der Ausbildung beteiligten Partner gleichermaßen in den Informationsfluss und in anschließende Veränderungsprozesse aktiv eingebunden. Die Workshops werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IGF e.V., den Standortbetreuungen, moderiert und dokumentiert.

Der Ablauf der Workshops wurde weitestgehend standardisiert, was ein gewisses Maß an Vertrautheit und Routine erzeugt und die Aufmerksamkeit der Moderation und der Teilnehmenden auf die jeweils wechselnden Inhalte lenkt, die aufeinander aufbauen. Nach einem thematischen Input durch die Standortbetreuung werden die Inhalte des Inputs in funktions-übergreifenden Kleingruppen bearbeitet. Dies ermöglicht die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven und Rollen der Akteure der Ausbildung. Mit Hilfe von konkreten Arbeitsaufträgen und unter Verwendung von Arbeitshilfen aus dem Handbuch der praktischen Altenpflegeausbildung z.B. zur Bearbeitung von Bausteinen eines Ausbildungskonzeptes, zur Erarbeitung eines Strukturrasters für betriebliche und individuell auf einzelne Auszubildende angepasste Ausbildungspläne oder auch zur Entwicklung von Lernsituationen für die praktische Ausbildung werden die einzelnen Themen vertieft.

Mit diesen themenzentrierten Workshops werden mehrere Zielstellungen verfolgt:
Im Vordergrund steht neben der Vermittlung von Hintergrundwissen zum jeweiligen Qualitätsbaustein die praktische Umsetzung und der Austausch von Erfahrungen. Es soll bei den Teilnehmenden ein "Gespür" dafür entstehen, wie die konkrete Umsetzung im betrieblichen Alltag gelingen kann und welche Rahmenbedingungen hierfür eventuell noch geschaffen oder angepasst werden müssen. Die Arbeitsergebnisse werden von den Teilnehmenden im Plenum präsentiert und im Anschluss diskutiert. Es besteht die Möglichkeit für Rückfragen zum betriebsspezifischen Einsatz bzw. der Einbindung oder auch Veränderung von bereits vorhandenen Instrumenten. Durch dieses erfahrungsbasierte Lernen wird nach unseren Erfahrungen die notwendige Veränderungsbereitschaft erzeugt, um Neues tatsächlich in bisherige Strukturen einzubringen oder diese zu verändern ggf. erst zu schaffen. Damit ist bereits das allen Fortbildungsveranstaltungen immanente Problem des Transfers von Inhalten in die berufliche Praxis angesprochen. Damit dieses Ziel des Transfers der Qualitätsbausteine in die jeweilige betriebliche Ausbildungskultur bereits durch die Workshops initiiert wird und im weiteren Projektverlauf gelingen kann, werden am Ende eines Workshops eine oder mehrere Transferaufgaben sozusagen als Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben. Durch die Aufgabenstellung werden die Teilnehmenden aufgefordert, die Inhalte und Ergebnisse des Workshops in das Kollegium ihres Betriebes einzubringen und die anschließende Erprobungsphase der Qualitätsbausteine beispielsweise durch die Entwicklung von betriebsinternen Arbeitspaketen oder Umsetzungsplänen (wer macht was und bis wann) vorzubereiten. Die Erfahrungen mit der Bearbeitung der Transferaufgaben werden im Folgeworkshop zu Beginn besprochen. Eventuell bereits entstandene Produkte (z.B. Arbeitspläne) werden auf der projektinternen Website eingestellt.

Letztlich zielen die Workshops darauf ab, Qualitätsverbesserung bereits im Stadium der Planung und Konzeption von betriebsspezifischen Maßnahmen ansatzweise erlebbar zu machen. Die im Workshop bearbeiteten Qualitätsbausteine sollen vor dem Hintergrund bisheriger Ausbildungserfahrungen reflektiert werden, um schließlich nachhaltig bei den kooperierenden Pflegeeinrichtungen und ausbildenden Schulen verankert werden zu können.
Die thematischen Workshops für Praxispartner der IGF e.V. werden durch einen, ausschließlich für Auszubildende der beteiligten Betriebe konzipierten, ergänzt. Thematisiert werden hier Fragen der Gesundheitsförderung im Verlauf der Ausbildung und der Einsatz eines Lerntagebuches. Dieses ist von den Auszubildenden im Verlauf der Erprobungsphase fortlaufend täglich in den praktischen Ausbildungsabschnitten zu führen und dient sowohl dem Ziel der Dokumentation als auch der Eigenreflexion des Ausbildungsprozesses. Dieser Workshop findet an allen sechs Standorten des Modellprojektes nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres statt. Hierzu liegen bisher noch keine Erfahrungen vor. Ende August waren bis auf das Thema "Beurteilung von Lernerfolgen" alle Workshops durchgeführt.

Evaluation der Workshops

Um die Arbeitsprozesse der Workshops zu reflektieren und zu dokumentieren sowie den Nutzen ihrer Inhalte zu evaluieren kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz.
Kernstück ist eine Befragung der Teilnehmenden eines jeden Workshops mit Hilfe von standardisierten Feedbackbögen. Mit dieser Nachbefragung werden systematisch Informationen über

  • den Bekanntheitsgrad, didaktischen Wert und Anregungsgehalt der vermittelten Inhalte,

  • den potenziellen Nutzen der Inhalte für die Ausbildungsarbeit in den Pflegeeinrichtungen und

  • die Bedeutung der Inhalte für die eigene berufspädagogische Weiterbildung als auch generell für ein solches Bildungsangebot

gewonnen.

Es kommen drei unterschiedliche Feedbackbögen zum Einsatz (je einer für Pflegeeinrichtungen, für Altenpflegeschulen/Fachseminare und für Auszubildenden), da im Modell-projekt QUESAP die Perspektive aller an der Ausbildung beteiligten Personen mit einbezogen wird. Die Fragen sind für jede Zielgruppe entsprechend formuliert.
Die Ergebnisse der Nachbefragung werden im Verlauf des Modellprojektes an verschiedenen Stellen einfließen. Sie liefern wertvolle Informationen für die inhaltliche Ergebnissicherung im Rahmen des Modellprojektes. Hierzu werden auf Basis einer Bestandserhebung von bereits existierenden Instrumenten der Qualitätsentwicklung und -sicherung, der Einschätzung des Nutzens der in den Workshops bearbeiteten Qualitätsbausteine für die Verbesserung der betrieblichen Ausbildung und der Analyse der Erfahrung in der Erprobungsphase zentrale Aussagen über Veränderungsprozesse in den beteiligten Betrieben und ihrer Auswirkungen auf die Qualität der Ausbildungsprozesse ermöglicht. Die Ergebnisse der Nachbefragung ge-ben auch wichtige Anhaltspunkte im Rahmen der Analyse und Entwicklung von Vorschlägen für eine Anpassung von berufspädagogischen Qualifizierungsangeboten durch das IGF e.V. und sie liefern erstmals im Zusammenhang mit der Qualitätsentwicklung und -sicherung der betrieblichen Ausbildung Anhaltspunkte für die Perspektive der Auszubildenden.

Die Auswertung erfolgt sowohl gesamt über alle Modellregionen als auch differenziert nach Standorten. Damit lassen sich einerseits die Ergebnisse in Bezug auf die Gesamtheit aller am Projekt beteiligten Kooperationspartner interpretieren. Andererseits erlaubt eine differenzierte Auswertung einen genaueren Blick auf die Gegebenheiten und Entwicklungen am jeweiligen Standort.

Vorläufige Ergebnisse

Da die Workshop Serie noch nicht abgeschlossen ist, liegt derzeit noch keine abschließende Auswertung der Feedbackbögen vor. Dennoch erlaubt eine erste Durchsicht der Bögen bereits Aussagen zum Nutzen der Workshops als Instrument, Qualitätsentwicklung der Ausbildung in betriebliche Routinen zu implementieren.
Auffallend häufig wird angegeben, dass neues Wissen zum jeweiligen Thema erworben wurde. Ob die Informationen und Arbeitsergebnisse geeignet sind um die Inhalte weiter vertiefen zu können wird differenzierter beantwortet. Dies ist für einige Teilnehmenden auch öfter "eher" oder "teils/teils" der Fall. Gleiches gilt für die Antworten auf die Frage, ob die Informationen praxisnahe Impulse für die Ausbildung im eigenen Betrieb gegeben haben.

Die Antworten auf die Fragen zum Nutzen der Inhalte des jeweiligen Workshops für die Ausbildungsarbeit des Betriebes werden überwiegend positiv beantwortet. Sie können nach Einschätzung der Teilnehmenden in hohem Maße dazu beitragen, die Motivation für die Ausbildungsarbeit im eigenen Betrieb zu erhöhen, die Effizienz der Ausbildung zu verbessern und die Nachvollziehbarkeit der Ausbildungsprozesse für alle Beteiligten zu erhöhen.
Die Qualitätsbausteine werden als grundlegend für berufspädagogische Weiterbildungsangebote für Praxisanleitungen (Ausbildende Fachkräfte in Pflegeeinrichtungen) beurteilt und nicht selten besteht bei den Teilnehmenden ein Bedarf an vertiefender Qualifizierung zum jeweiligen Thema.
In den offenen Antworten auf die Frage, was am jeweiligen Workshop besonders gut gefallen habe, wird auffällig häufig die Diskussion und der Austausch in den Arbeitsgruppen und die Einbeziehung aller an der Ausbildung beteiligten Personen hervorgehoben.
Der Erfahrungsaustausch zu den Transferaufgaben zeigt, dass Veränderungsprozesse von den Praxispartnern bereits auf den Weg gebracht wurden. Manche Betriebe haben bereits mit der Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes begonnen oder Arbeitsgruppen zur Entwicklung von Instrumenten gegründet. Diese sind zum Teil auch betriebsübergreifend aufgestellt, um eine parallele Entwicklung neuer Strukturen bei allen Betrieben eines Trägers zu ermöglichen. Zeit- und Arbeitspläne wurden für die Erprobungsphase festgelegt oder auch neue Strukturen der Lernortkooperation verabredet. Dazu zählt beispielsweise die verbindliche Weitergabe curricularer Inhalte der ausbildenden Schulen an die Betriebe.

Fazit

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt des Modellprojektes können wir auf der Basis der hier geschilderten Vorgehensweisen bei der Vermittlung der Qualitätsbausteine und der bisherigen Ergebnisse der Evaluation der konkreten Inhalte der einzelnen Workshops konstatieren, dass sich die Themen des Handbuches "Die praktische Altenpflegeausbildung" und die dort angebotenen Arbeitshilfen zur eigenständigen Entwicklung der Qualität in der betrieblichen Ausbildungspraxis sehr gut eignen. Diese Einschätzung wird durch Aussagen der Teilnehmenden in Form einer Blitzlichtrunde als Abschluss eines jeden Workshops durchaus geteilt. Häufig wird in diesen Runden festgestellt, dass wieder konkrete Anregungen für die Umsetzung in die eigene betriebliche Praxis mitgenommen werden und Nachdenkprozesse in Gang gekommen sind. Trotz der kompakten Vermittlung der Inhalte werden konkrete Wege zur betrieblichen Implementierung aufgezeigt, so dass die Sorge vor zuviel neuer Arbeit letztlich unbegründet bleibt.

1 Projektdurchführung: INBAS GmbH (Offenbach), Institut für Gerontologische Forschung e. V. (Berlin), INBAS Sozialforschung GmbH (Frankfurt/Main), im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, gefördert mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds
2 Knoch, T./Pachmann, B. u.a. (2010): Die praktische Altenpflegeausbildung. Ein Handbuch des Servicenetzwer-kes Altenpflegeausbildung für ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen. Hg: BMFSFJ, Berlin

Letzte Änderung: 21.11.2012


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