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Modellversuche

Interview mit Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des BIBB

Frage: Sie haben im Mai die Leitung des Bundesinstituts für Berufsbildung übernommen. Welche Akzente möchten Sie setzen?

Prof. Esser: Die berufliche Bildung und insbesondere das duale Ausbildungssystem stehen angesichts gleichzeitig auftretender großer Herausforderungen vor einer Bewährungsprobe. Vor dem Hintergrund von demografischem Wandel, Fachkräftemangel und  lebensbegleitendem Lernen - um nur einige Stichworte zu  nennen - wird es darauf ankommen, dass das duale Ausbildungssystem sich weiter entwickelt  und dabei auf seine vielfältigen Stärken setzt, um sich auch künftig im Wettbewerb mit anderen Bildungsgängen zu behaupten. Eines meiner vorrangigsten Ziele ist es, der beruflichen Bildung zu mehr Gleichwertigkeit, Anerkennung und Durchlässigkeit zu verhelfen. Letztlich müssen wir allen Jugendlichen, egal, wo und wie er oder sie in die Ausbildung einsteigt, den Weg bis zur höchsten Qualifikationsstufe ebnen.

Frage: Modellversuche haben eine lange Tradition bei der Modernisierung der Berufsbildung. Doch sind sie noch geeignet,  für  die heutigen Herausforderungen in der beruflichen Bildung innovative Lösungen zu entwickeln?

Prof. Esser: Nach einer längeren Bewilligungspause wurde im letzten Jahr die Förderung der Modellversuche durch das Bundesbildungsministerium wieder aufgenommen: nicht wegen ihrer  Tradition, sondern weil sie ein modernes Instrument sind, das in einer zunehmend komplexen Bildungswelt Orientierung schafft.  Das Zusammenwirken politischer, praktischer und wissenschaftlicher Akteure  ermöglicht uns, Entwicklungspotenziale aufzuspüren, zu nutzen und Perspektiven aufzuzeigen. Und genau dies leisten Modellversuche - sie sind in der Praxis angesiedelt, dabei wissenschaftlich basiert und evaluiert und in ständiger Rückkopplung mit den Entscheidungs- und Leistungsträgern auf der Mikro-, Meso- und Makro-Ebene. Und nicht zuletzt findet auch die Perspektive der jungen Menschen - um die es letztendlich immer in der beruflichen Bildung  geht - ihren Platz.
 
Frage: Trotzdem hat sich auch bei den Modellversuchen einiges geändert .

Prof. Esser: Die Grundidee ist geblieben, konzeptionell wurden die Modellversuche aber modernisiert. Vor dem Hintergrund der Mega-Themen in der Berufsbildung wurden inhaltliche Schwerpunkte definiert - Qualität, Heterogenität und Nachhaltigkeit - und entsprechende Förderrichtlinien entwickelt. Wir setzen verstärkt auf Verbund-Projekte und verlangen regionale und Branchen-Anbindung der einzelnen Projekte, auch mit dem Ziel, nachhaltig Entwicklungen in Gang setzen zu können. Die wissenschaftliche Begleitung gemeinsam mit der fachlichen Betreuung im BIBB zielt stärker als zuvor darauf ab, übergreifende Ergebnisse der Modellversuche zu extrapolieren und für den Transfer in Wissenschaft, Praxis und Politik aufzubereiten.
 
Frage: Wie wird es mit den Modellversuchen weitergehen?

Prof. Esser: Ich bin jetzt erst mal gespannt, welche Ergebnisse die laufenden Vorhaben erzielen werden. Da wir die richtigen Themen anpacken und viele gute Projekte mit starken Akteuren vor Ort haben, bin ich sehr optimistisch. Es wird sich zeigen, dass wir Modellversuche auch weiterhin zur Innovationsförderung und für praxisbasierte Forschung in der beruflichen Bildung brauchen. Gleichzeitig müssen wir dafür offen sein, das Instrument "Modellversuche" weiterzuentwickeln.

Letzte Änderung: 01.09.2011


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