Kolumbien lernt vom deutschen dualen System
Diana Cáceres-Reebs
Kolumbien möchte sein Berufsbildungssystem reformieren und dieses stärker auf die Bedarfe des Arbeitsmarktes ausrichten. Dafür möchte es vom deutschen dualen System lernen und eigene Handlungsansätze entwickeln.
Im Rahmen der bestehenden Kooperationsvereinbarung zwischen dem kolumbianischen Ausbildungsdienst SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje) und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) fanden vom 26.- 28. September 2011 ein Informationsaustausch und Planungsworkshop von beiden Instituten in Bonn statt. Die achtköpfige kolumbianische Delegation bestand aus der Vizedirektorin und Leitungsmitgliedern des SENA, dem Präsidenten des nationalen KMU-Verbandes (ACOPI), dem Präsidenten des nationalen Bauernverbandes (ANUC), sowie Vertretern des nationalen Handelsverbandes FENALCO.

Das BIBB heißt die kolumbianischen Gäste herzlich willkommen.
Vom BIBB: Prof. Dr. Reinhold Weiß, Michael Wiechert, Georg Hanf, Hans-Joachim Kissling, Diana Cáceres-Reebs. Von der kolumbianischen Delegation: Gloria Inés Acevedo (Vize-Direktorin des SENA), Leitungsmitglieder des SENA, Präsident des nationalen KMU-Verbandes (ACOPI), Präsident des nationalen Bauernverbandes (ANUC), sowie Vertreter des nationalen Handelsverbandes FENALCO.
Das BIBB informierte die ausländischen Gäste über das duale Ausbildungssystem in Deutschland einschließlich der Aufgaben aller beteiligten Akteure und vermittelte ein Bild zur praktischen Umsetzung durch den Besuch verschiedener Einrichtungen. Mit dem BIBB besuchte die kolumbianische Delegation das Metall- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Koblenz, das Berufskolleg Bonn-Duisdorf sowie das überbetriebliche Ausbildungszentrum der Bauindustrie NRW in Kerpen.

Berufskolleg Bonn-Duisdorf: Berufsschüler/innen der Fachrichtung Agrarwirtschaft

Überbetriebliches Ausbildungszentrum der Bauindustrie NRW in Kerpen: Auszubildende (Bauberufe)
Zum Besuch der Handwerkskammer Koblenz sagte ein Delegationsmitglied: "Ich hätte nie gedacht, dass eine Kammer so wichtig für das Berufsbildungssystem sein kann. Wir sollten gerade über eine Beratungs- und Prüfungsfunktion auch für unsere kolumbianischen Kammern nachdenken."

Kolumbianische Delegation besucht das Metall- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Koblenz

Überbetriebliches Ausbildungszentrum der Bauindustrie NRW in Kerpen
Der Planungsworkshop wurde von BIBB und SENA als großer Erfolg gewertet. So konnten die Kooperationsfelder zwischen beiden Instituten konkretisiert werden.
Die beim Planungsworkshop angesprochenen Themen "Berufe im landwirtschaftlichen Bereich und Bauberufe", "Europäischer und Deutscher Qualifikationsrahmen (EQF/DQF)" sowie "Forschung, Wissensmanagement und Informationssysteme im Berufsbildungsbereich" werden in der Zusammenarbeit eine wichtige Rolle spielen. Ein Kooperationsfeld soll die Qualitätssicherung und die Entwicklung von Berufs-, Ausbildungs- und Prüfungsstandards sein.
Als nächster Schritt soll zu folgenden Arbeitsfeldern ein Expertenworkshop in Kolumbien stattfinden:
- Entwicklung und Modernisierung von "Berufs-, Ausbildungs- und Prüfungsstandards sowie Prüfungsverfahren" als Beitrag zur Qualitätssicherung in der Berufsbildung sowie
- Aufbau der "Forschung und des Wissensmanagements im Berufsbildungssystem".
Hierbei lauten die zentralen Fragen: Wie entwickeln sich Berufe? Welche Kompetenzen nehmen an Bedeutung zu? Wie können zukünftige Qualifikationsbedarfe und Fachkräftemangel ermittelt werden? Wie können Prognosen genutzt werden? Wie werden Standards konzipiert, umgesetzt und bewertet?
Insbesondere das Thema "Forschung und Wissensmanagement" liegt dem kolumbianischen Partnerinstitut am Herzen. So sagte die Delegationsleiterin: "wissenschaftliche Analysen zur Nachfrage nach Ausbildungsberufen aus der Sicht der Betriebe gibt es bei uns nicht. Dies könnte sich jetzt mit Hilfe des BIBB ändern".





