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29/ 2003
Bonn, 07.08.2003

 

Wie lernt man "Unternehmer/in"?

BIBB fragt nach Beitrag der Berufsbildung zu unternehmerischer Selbstständigkeit

Die Fähigkeit zu unternehmerischem Denken und Handeln sollte bereits während der Berufsausbildung gefördert werden - unabhängig davon, ob Auszubildende eine eigene Existenzgründung im Auge haben oder nicht. Voraussetzung ist, dass das Thema "Selbstständigkeit" generell Eingang findet in die berufliche Ausbildung, damit Jugendliche das "Selbst-ständig-machen" als mögliche Berufsperspektive erkennen können. Erforderlich sind dafür eine veränderte Gewichtung von betriebswirtschaftlichen und berufsübergreifenden Ausbildungsinhalten sowie praxisnahe Inhalte und Vermittlungsmethoden (z.B. Aufgaben zur Existenzgründung, Gesprächsrunden mit Selbstständigen, Projektarbeiten), die die Selbstständigkeit der Auszubildenden anregen und unterstützen.

Diese Auffassung vertreten mehrheitlich Unternehmerinnen und Unternehmer aus den Wirtschaftsbereichen Einzelhandel und Tourismus, die im Rahmen eines Forschungsprojekts des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) u.a. nach ihrer Auffassung über die Rolle der Berufsbildung zur Vorbereitung unternehmerischer Selbstständigkeit befragt wurden01.

Die Unternehmer/innen sprechen sich außerdem dafür aus,

  • Zusatzqualifikationen für leistungsstarke Jugendliche im Rahmen der Berufsausbildung anzubieten, die Raum für die Erprobung von Unternehmensführungs-Qualifikationen eröffnen und Gelegenheit bieten, erste Erfahrungen als Unternehmer/in zu sammeln;
  • die Gründung oder Übernahme eines Unternehmens, d.h. die unmittelbare Qualifizierung zum/zur Unternehmer/in, nicht als Ziel der Berufsausbildung sondern als spezielle Aufgabe der beruflichen Fortbildung anzusehen.

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Unternehmensbefragung sowie weiterer Untersuchungsergebnisse im Rahmen des Forschungsprojekts (Ergebnisse aus der Analyse von Qualifizierungsmaßnahmen für Existenzgründer/innen sowie aus der Literaturanalyse zur Gründungsforschung) hat das BIBB erste konzeptionelle Überlegungen zur Integration unternehmerischer Qualifikationen in die Berufsbildung entwickelt. Vorgeschlagen wird, ein entsprechendes Angebot nach Berufsausbildung, Zusatzqualifikation, Aufstiegsfortbildung und ergänzende Maßnahmen zu differenzieren. 

In der Berufsausbildung sollte

  • die Förderung und Einübung von unternehmerischem Denken und Handeln erfolgen. Durch den Einsatz z.B. in einer Junioren- oder Schülerfirma oder auch durch die zeitlich befristete Führung einer speziellen Abteilung des Ausbildungsbetriebes könnten die Auszubildenden lernen, Fachaufgaben selbstständig und eigenverantwortlich zu bearbeiten und wirtschaftliche Verantwortung zu übernehmen;
  • die Gründung eines Unternehmens als berufliche Perspektive zur abhängigen Beschäftigung thematisiert werden. Dabei sollten die Chancen, Risiken und Voraussetzungen unternehmerischer Selbstständigkeit aufgezeigt werden;
  • die spezielle Unternehmer/innen-Perspektive gerade bei den betriebswirtschaftlichen Ausbildungsinhalten ausdrückliche Berücksichtigung finden. Dies gilt insbesondere für kaufmännische Ausbildungsberufe, in denen die betrieblichen Geschäfts- und Leistungsprozesse unter kaufmännischen Aspekten im Mittelpunkt stehen;
  • leistungsstarken Auszubildenden als Zusatzqualifikation freiwillige Qualifikationsbausteine wie z.B. die Erstellung eines Businessplans angeboten werden.

In der beruflichen Fortbildung sollte auf den in der Ausbildung erworbenen Qualifikationen aufgebaut und Unternehmensführung-, Gründungs- und Übernahme-Know-how vermittelt werden.

Um die Integration des Themas "unternehmerische Selbstständigkeit" in der Berufsausbildung voranzubringen und zu festigen, schlägt das BIBB vor, Modelle und Konzepte zur Förderung von Unternehmerqualifikationen z.B. durch Modellversuche zu erproben oder auch ein Programm zur Entwicklung von Qualifizierungskonzepten zur unternehmerischen Selbstständigkeit in der Berufsausbildung aufzulegen. Das Potenzial an motivierten und fähigen Unternehmern/innen, die z.B. in der Lage sind, Ich-AGs zu gründen oder auch ins Franchising-Geschäft einzusteigen, kann so frühzeitig erschlossen und qualifiziert werden.


Weitere Informationen zu den Projektergebnissen:

  • Petra Garnjost, Hannelore Paulini-Schlottau, "Förderung von Unternehmerqualifikationen in der Be-rufsbildung", Beitrag in der Zeitschrift des BIBB "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis" (BWP) Nr. 2/2003; zum Preis von € 7,60 zu beziehen beim W. Bertelsmann Verlag GmbH & Co. KG, Postfach 10 06 33, 33506 Bielefeld, Tel. 0521/911 01-11, Fax: 0521/911 01-19, E-Mail: service@wbv.de
  • Kurzfassung des Abschlussberichts zum Forschungsprojekt "Beitrag der kaufmännischen Berufsbildung zur unternehmerischen Selbstständigkeit" im Internet unter www.bibb.de/de/5817.htm
  • Persönliche Auskünfte erteilen im BIBB Anita Krieger (E-Mail: krieger@bibb.de) und Hannelore Paulini-Schlottau (E-Mail: paulini@bibb.de)

Fußnoten

1.  Im Rahmen des Forschungsprojekts "Beitrag der kaufmännischen Berufsbildung zur unternehmerischen Selbst-ständigkeit" wurden 635 Fragebögen ausgewertet. Die Mehrheit (70%) der befragen Unternehmer/innen führen relativ kleine Unternehmen (bis zu 10 Beschäftigten); ihr durchschnittliches Alter liegt bei 45 Jahren. Drei Vier-tel waren vor der Gründung abhängig beschäftigt und haben 11-13 Jahre Berufserfahrung sammeln können. Jeder zweite befragte Betrieb stellt einen Ausbildungsplatz zur Verfügung, jeder dritte sogar zwei und mehr.

Letzte Änderung: 07.11.2006


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Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Der Präsident
Robert-Schuman-Platz 3
53175 Bonn
http://www.bibb.de

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