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Die Lernprozessbegleitung als Instrument der Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk

Die Bestandsaufnahme zur Ausbildungsqualität in den Partnerbetrieben des ML-Ques Modellversuchs zeigte verschiedene Bereiche auf, in denen Instrumente zur Stärkung und Sicherung von Ausbildungsqualität ansetzen können. Diese Problembereiche wurden gezielt aufgegriffen, und führten zur (Weiter-)Entwicklung unterschiedlicher Instrumente, die in den Partnerbetrieben bereits ansatzweise vorhanden sind und im weiteren Verlauf des Modellversuches zu einem Gesamtsystem zusammengeführt werden sollen.

Die einzelnen Instrumente lassen sich in drei Instrumentengruppen einteilen:

. Instrumentengruppe I: Lernprozessbegleitung
. Instrumentengruppe II: Strukturierung und Organisation der betrieblichen Ausbildung
. Instrumentengruppe III: Stärkung der Kommunikation über Ausbildungsprozesse im Betrieb.

Im Folgenden wird auf die Instrumentengruppe der Lernprozessbegleitung näher eingegangen.
Ausschlaggebend für die Implementierung der Lernprozessbegleitung sind spezifische Elemente, die sich aus der Ausbildungssituation im Maler- und Lackiererhandwerk in Hamburg ergeben. So findet die betriebliche Ausbildung im Maler- und Lackiererhandwerk überwiegend im Rahmen realer Kundenaufträge auf der Baustelle statt. Sie wird in der Regel von den ausbildenden Fachkräften nebenamtlich übernommen, diese besitzen nur in seltenen Fällen eine pädagogische Ausbildung und sind in der Regel nicht über curricularen Anforderungen in der Ausbildung informiert. Die Ausbildungsverantwortlichen (Meister/innen, Geschäftsführer/innen oder Inhaber/innen) übernehmen im Rahmen der Ausbildung eine planende und überwachende Funktion, da sie in der Regel nicht ständig auf den Baustellen anwesend sind. Sie besitzen damit sie eine Distanz zu den eigentlichen Ausbildungsprozessen kennen aber die curricularen Hintergründe der Ausbildung und haben den besten Überblick über den Fortschritt des Ausbildungsprozesses aus organisatorischer Perspektive.

Aus diesem Umstand ergeben sich eine Rollenteilung und ein betriebliches Ausbildungs-(sub)system, welches in seiner Struktur bereits Ähnlichkeiten und Anknüpfungspunkte zu entwickelten Konzepten der Lernprozessbegleitung bietet. Denn in diesen Konzepten gibt es in der Regel Fachberater, die nahe an konkreten Arbeitsprozessen sind und Lernprozessbegleiter, die stärker auf den Lernprozess und dessen Organisation achten.
Die Einführung der Lernprozessbegleitung soll die Ausbildungsverantwortlichen stärker in die konkreten Ausbildungsprozesse einbinden, um die Ausbildung aus pädagogischer und organisatorischer Perspektive bewusster und gezielter zu steuern.

Darüber hinaus werden die Ausbildungsprozesse werden als eigenständige Leistungsprozesse im Betrieb definiert. Sie werden dadurch nicht mehr als "Nebenprodukt" von Arbeits- und Geschäftsprozessen (Ausbildung en passent") betrachtet. Auf diese Weise soll die systematische Berücksichtigung und organisatorische Steuerung der Ausbildungsinhalte und  prozesse durch die Ausbildungsverantwortlichen verbessert werden. Die Einführung von Reflexionsgesprächen im Rahmen der Lernprozessbegleitung ist in diesem Prozess ein zentrales Element. Denn durch die Notwendigkeit, diese Gespräche vor- und nachzubereiten sowie zu dokumentieren, entfalten sie eine organisatorische Wirkung.

Gleichzeitig soll durch die Einführung von Reflexionsgesprächen das selbst gesteuerte und erfahrungsbezogene Lernen verstärkt gefördert werden. Ausgangspunkt hierfür sind die betrieblichen Arbeits- und deren Teilprozesse, die im Rahmen der Reflexionsgespräche diskursiv aufgearbeitet werden (vgl. Abb. 1).
Diese Form der reflexiven Aufarbeitung ermöglicht es, das in den Arbeitsprozessen erworbene Erfahrungswissen zu thematisieren, aufzuarbeiten, kommunikativ zu verifizieren und damit in den formalen Bildungsprozess zu integrieren.

Darüber hinaus wird die Verbindung von Theorie- und Erfahrungswissen durch die reflexive Durchdringung des Erfahrungswissens gefördert. Die Anbindung an tatsächlich durch- und erlebte Arbeitsprozesse sichert gleichzeitig die Relevanz des Wissens, im Sinne von Selbstrelevanz für die Lernenden, ab. Neben inhaltlichen Aspekten sind die individuellen Lernwege und Lernmethoden der Auszubildenden Gegenstand der Reflexionsgespräche. Damit soll die Selbstlernkompetenz bei den Auszubildenden nachhaltig gefördert werden. Gleichzeitig werden die Lernprozessbegleiter zur Reflexion ihres eigenen Lernverständnisses angeregt.

Letzte Änderung: 12.03.2012


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