Die Interaktionsanalyse als Instrument der Qualitätsentwicklung im Modellversuch AusbildungsMEISTER
Nadine Böttcher
Um die Akzeptanz und Nachhaltigkeit entwickelter Instrumente abzusichern, müssen diese an den tatsächlichen Gegebenheiten ansetzen. Basis dafür ist eine Analyse des im jeweiligen Betrieb ablaufenden Ausbildungsprozesses. Kernelement desselben ist die Interaktion zwischen der ausbildenden Fachkraft und dem Auszubildenden. Die Interaktionsanalyse ist Basis für die weitere individuelle Unterstützung zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und dient dazu, best practice Beispiele zu generieren.
Im Modellversuch AusbildungsMEISTER ist die Interaktionsanalyse Grundlage für die weitere individuelle Unterstützung zur Verbesserung der Ausbildungsqualität. Sie dient auch dazu, best practice Beispiele zu generieren.
Als interaktionsrelevante Prozesse in der Ausbildung wurden im Modellversuch AusbildungsMEISTER folgende Kernprozesse identifiziert:
. Betriebliche Einarbeitung
. Ausbildung nach dem betrieblichen Ausbildungsplan
. Prüfungsvorbereitung
. Reflexion der Prüfungsleistung
Betriebliche Einarbeitung wird im Modellversuch als Einführung in die organisatorischen und formalen Abläufe im Betrieb definiert. Sie ist Bestandteil der Ausbildung und adressiert in erster Linie den organisatorischen Rahmen der fachlichen Ausbildung. Je nach Betrieb variiert die Länge der Einarbeitungsphase und wird unterschiedlich gestaltet (Einführungstag/ -woche).
Die Ausbildung nach dem betrieblichen Ausbildungsplan umfasst die Anforderungen nach den Ausbildungsordnungen für das jeweilige Berufsbild, zugeschnitten auf die betrieblichen Gegebenheiten. Die Prüfungsvorbereitung im Betrieb betrifft das Bearbeiten von prüfungsrelevanten Lernaufgaben und die Möglichkeit für die Prüfungsanwärter/innen, praktisch mit Begleitung durch den Ausbildenden zu üben.
Die gemeinsame Reflexion der Prüfungsleistung wird im Modellversuch als wichtiger Bestandteil des Ausbildungsprozesses gesehen, in dem Lehrender und Lernender ihre Leistungen bewerten können und so Verbesserungspotentiale zur Qualitätsentwicklung des betrieblichen Ausbildungsprozesses erschließen. Es wird untersucht, inwiefern diese Reflexion bereits gegeben ist und in welcher Form sie durchgeführt wird.
Die Interaktionsanalyse wird in der Tradition der Aktionsforschung (BORTZ/ DÖRING 2006: 341ff.) als halbstandardisierte teilnehmende Beobachtung (ebd, 270) angelegt. Im Modellversuch wird angenommen, dass im Sinne eines dialogischen Erkenntnisgewinns im Rahmen ablaufender Prozesse Offenheit und Flexibilität eine wesentliche Voraussetzung darstellen.
Die folgenden aufmerksamkeitsstrukturierenden Leitfragen dienen dem Beobachtenden bei der Erfassung von Interaktionen:
. Welche der Kommunikationsstrukturen sind in der Ausbildung gegeben (Anlässe, Formen, Atmosphäre, Störungen)?
. Welche Methoden kommen durch den Ausbildenden zum Einsatz?
. Welche interaktionsfördernden und -hemmenden Faktoren treten auf?
Die Interaktionsanalyse kann in drei Phasen strukturiert werden:
. Einführungsgespräch
. Feldbeobachtung
. Reflexionsgespräch
Im Einführungsgespräch gibt der Forschende einen Einblick in die Methode der Feldbeobachtung. Im Dialog werden Verständnisfragen dazu geklärt. In Form eines qualitativen Gruppen- oder Einzelinterviews (mit Auszubildenden, Unternehmer/innen, Mitarbeiter/innen) werden erste Informationen zum Ausbildungsgeschehen vor Ort gesammelt. Das Einführungsgespräch dient auch dazu, Berührungsängste mit der Methode abzubauen und als Forschender einen Einstieg in das Feld zu finden.
Daran anschließend findet eine Feldbeobachtung statt, in der der Forschende nicht mehr in das Geschehen eingreift. Er führt als passiver Teilnehmer ein stichwortartiges Beobachtungsprotokoll und orientiert sich dazu an den aufmerksamkeitsstrukturierenden Leitfragen. Je nach betrieblicher Situation variiert die Länge der Beobachtung. Sie ist im Vorfeld angelegt auf mindestens einen halben Tag vor Ort im Betrieb.
Direkt im Anschluss an die Feldbeobachtung führt der Forschende mit den beteiligten Akteuren ein Reflexionsgespräch. Dieses dient dazu, Verständnisfragen aus der Beobachtung zu klären und relevante Aspekte durch Nachfragen zu vertiefen. Dabei stellt der Forschende offene Fragen, die vor allem das wie und warum der beobachteten Interaktionen betreffen. Im Dialog werden in diesem Schritt die Untersuchungsteilnehmer/innen an einer ersten Auswertung und Interpretation der Ergebnisse beteiligt1.
Zur Auswertung der Interaktionsanalyse erstellt der Forschende eine kurze Fallbeschreibung (vgl. BORTZ/ DÖRING 2006: 329) und ergänzt hinsichtlich der aufmerksamkeitsstrukturierenden Leitfragen seine Notizen zu den Beobachtungen in Form eines Gedächtnisprotokolls. Die Auswertung der Daten erfolgt in Form einer qualitativen Inhaltsanalyse der Fallbeschreibungen und Beobachtungsprotokolle. Dabei wird ein grobes Interpretationsschema, angelehnt an die Leitfragen, im Zuge der Auswertung induktiv ergänzt (vgl. BORTZ/ DÖRING 2006: 330).
Aufgrund der betrieblichen Voraussetzungen und Bereitschaft zur Öffnung des betrieblichen Alltags für die Forschenden ist eine Validierung des gewonnenen Materials durch mehrere unabhängige Beobachter nicht realisierbar. Bei der Auswertung des Materials sind deshalb eine konsensuelle Validierung innerhalb des Projektteams sowie die dialogische Validierung gemeinsam mit den betrieblichen Akteuren notwendig (vgl. BORTZ/ DÖRING 2006: 328).
Literatur:
BORTZ/ DÖRING (2006): Zu methodischen Grundfragen der Aktionsforschung
1 (vgl. zu methodischen Grundsätzen der Aktionsforschung BORTZ/ DÖRING 2006: 342)





