Hermann-Schmidt-Preis 2012
Wettbewerbsthema: Attraktivität der dualen Berufsausbildung für leistungsstarke Jugendliche
Deutschland geht der Nachwuchs aus: Die Schulabgängerzahlen gehen zurück, und bundesweit hat inzwischen mehr als ein Drittel der rund 470.000 ausbildenden Betriebe Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsstellen. Noch gravierender sind die Probleme bei den Betrieben im Osten Deutschlands (rund 48 %) und im Handwerk (rund 44 %).
Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit weniger als 20 Beschäftigten sowie für Betriebe in bestimmten Regionen und Branchen wird es immer schwieriger, Nachwuchs für die Fach- und Führungskräfteausbildung zu gewinnen. Dies gilt insbesondere für leistungsbereite und leistungsstarke Jugendliche, die unter mehreren Ausbildungsalternativen wählen können. Der anhaltende Trend zur Höherqualifizierung verschärft die Rekrutierungsprobleme der Betriebe. Denn durch die wachsende Zahl von Abiturienten und Hochschulabsolventen droht die duale Berufsausbildung ins Abseits zu geraten.
Wie reagieren die Unternehmen auf diese Herausforderungen? Welche Aktivitäten, Konzepte und Instrumente haben sie entwickelt, um sich im wachsenden Konkurrenzkampf um die besten Köpfe zu behaupten und ihren Fach- sowie Führungskräftebedarf zu sichern? Welche Karrierewege durch Qualifizierungs- und Beschäftigungsperspektiven eröffnen sie den Auszubildenden nach Abschluss der Ausbildung?
Ziel des zum 16. Mal verliehenen Hermann-Schmidt-Preises war es, Projekte und Initiativen auszuzeichnen, die Modelle zur Nachwuchssicherung durch duale Berufsausbildung erfolgreich entwickelt und nachweislich umgesetzt haben.
Der Verein "Innovative Berufsbildung e. V." hat sich zum Ziel gesetzt, mit dem jährlich von ihm verliehenen Hermann-Schmidt-Preis auf innovative Ansätze in der Berufsbildungspraxis aufmerksam zu machen, diese zu fördern und als gute Beispiele zur Nachahmung zu empfehlen. Die Preisverleihung fand anlässlich der 9. Fachtagung des W. Bertelsmann Verlages (wbv) am 24. Oktober 2012 in Bielefeld statt.
Gruppenfoto aller Preisträger 2012

Quelle: BIBB/ES
Preisträger im Wettbewerb um den Hermann-Schmidt-Preis 2012
Aus den zum Wettbewerb eingereichten Initiativen gingen als Sieger hervor:
Hermann-Schmidt-Preisträger 2012 (2.000 Euro): "Perspektive bieten - Leistung honorieren - Aufmerksamkeit erzeugen: Das Ausbildungskonzept von Malzers Backstube", Gelsenkirchen
Das prämierte Projekt aus dem Bäckerhandwerk stellt eine ausgezeichnete Basis dar, um jungen Leuten unabhängig vom formalen Schulabschluss eine Entwicklungsperspektive zu bieten und Talente langfristig an das Unternehmen zu binden. Dabei setzt der Betrieb auf ein besonders attraktives Ausbildungsmarketing, das unter anderem moderne Rekrutierungsstrategien, eine Vielzahl von Ausbildungsberufen, verkürzte Ausbildungszeiten, eine beispielhafte Feedback-Kultur, Zusatzqualifikationen, Sonder- und Leistungsprämien sowie eine Unterstützung bei der Aufstiegsfortbildung oder beim Nachholen von Schulabschlüssen umfasst. Die Jury bescheinigt der engagierten, systematischen und außergewöhnlichen Initiative Modellcharakter, der über die Branche hinaus ausstrahlt.
Kontakt: Andrea van Dillen, Malzers Backstube, Ulrichstraße 13, 45891 Gelsenkirchen,
Tel.: 0209 / 9 70 74-0, Internet: www.malzers.de
Hermann-Schmidt-Preisträger 2012 (2.000 Euro): "Zusatzqualifikationen Kaufmann/Kauffrau für internationale Geschäftstätigkeit und IHK-Fachkraft Im- und Export", Berufsbildende Schulen am Museumsdorf, Cloppenburg

Quelle: BIBB/ES
v.l.n.r.: W. Arndt Bertelsmann / Manfred Kremer / Frank Mayer / Günter Lübke / Maria Ruf / Kai von Oesen / Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser
Durch die beiden Zusatzqualifikationen wird leistungsstarken Berufsschülern und -schülerinnen die Möglichkeit geboten, neben ihrer regulären kaufmännischen Ausbildung zusätzliche Kompetenzen zu erwerben, die die jungen Leute auf dem Arbeitsmarkt besonders interessant machen. Denn weltweit agierende Betriebe benötigen zunehmend
Beschäftigte, die internationale Geschäftsprozesse gestalten können. Das Projekt vermittelt zusätzliche fachliche, technische und fremdsprachliche Kompetenzen, die durch ein mindestens dreiwöchiges Auslandspraktikum vertieft werden. Die Jury würdigt insbesondere den hohen und zeitnahen Verwertungsaspekt der zusätzlich erworbenen
Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt.
Kontakt: Kai von Oesen, Berufsbildende Schulen am Museumsdorf, Museumstraße 14-16, 49661 Cloppenburg,
Tel.: 04471 / 9222-0, E-Mail: international@bbsam.de, Internet: www.bbsam.de
Sonderpreis (1.000 Euro): "SWITCH - Verkürzte Berufsausbildung für Studienabbrecher", Stadt Aachen, Fachbereich Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten
Ziel des ausgezeichneten Projekts ist es, das Potenzial von Studienabbrechern besser auszuschöpfen und die in der Region Aachen ansässigen Betriebe, insbesondere in der IT-Branche, mit dem dringend benötigten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu versorgen. Getragen von einem umfassenden Netzwerk in der Region bietet SWITCH Studienabbrechern einen alternativen beruflichen Werdegang mit einer auf 18 Monate verkürzten dualen Berufsausbildung zum/zur Fachinformatiker/-in beziehungsweise zum/zur Industriekaufmann/-frau an. Nach Auffassung der Jury setzt SWITCH an einer wichtigen bildungspolitischen Schnittstelle an, da das Projekt Studienabbrechern eine zweite Chance eröffnet, beruflich Fuß zu fassen und doch noch zu einem qualifizierten Berufsabschluss zu gelangen.
Kontakt: Ulrike Fehsenfeld, Stadt Aachen, Fachbereich Wirtschaftsförderung/Europäische Angelegenheiten, Johannes-Paul-II-Str. 1, 52058 Aachen,
Tel.: 0241 / 432 7657, E-Mail: switch@mail.aachen.de, Internet: www.aachen.de/switch
Sonderpreis (1.000 Euro): "Abi & Auto", Kfz-Innung München-Oberbayern

Quelle: BIBB/ES
v.l.n.r.: W. Arndt Bertelsmann / Manfred Kremer / Hans Medele / / Johannes Lock / Oswald Kurr / Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser
Mit dem ausgezeichneten Projekt soll geeigneter Fach- und Führungskräftenachwuchs für das Kfz-Handwerk rekrutiert werden. Ziel ist es, eine attraktive Alternative zu einem Hochschulstudium zu bieten und Abiturienten innerhalb einer verkürzten Zeitspanne zur Meisterprüfung zu führen. Bereits während der zweieinhalbjährigen Ausbildungszeit zum Kfz-Mechatroniker werden im Rahmen von Zusatzqualifikationen Teile der Meisterqualifikation vermittelt. Innerhalb der folgenden sechs Monate wird die Prüfung zum Kfz-Servicetechniker abgelegt, anschließend kann der Meistertitel erworben werden. Die Jury würdigt das Projekt als attraktives berufliches Karriereangebot für junge Leute im Kfz-Handwerk, mit dem auch das zunehmende Problem der fehlenden Betriebsnachfolgen abgemildert werden kann.
Kontakt: Johannes Lock, Kfz-Innung München-Oberbayern, Gärtnerstr. 90, 80992 München,
Tel.: 089 / 143 62-143, Internet: www.abi-und-auto.de
Infos zum Verein und Chronologie der bisher verliehenen Preise







