Elektromobilität: Die aktuellen Projekte im BIBB
Barbara-Christine Schild
Das BIBB stellt das Zukunftsthema "Elektromobilität" in den Mittelpunkt vieler Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie Modellversuche. Die Aktivitäten rund um die "Elektromobilität" beziehen sich auf die Qualifikationen in den handwerklichen Kfz- und Elektroberufen, im Baugewerbe und den industriellen Elektroberufen. Thematisiert werden auch die Anforderungen an Experten für Windkraftanlagen und bei Erneuerbare Energien. Aus den vielfältigen aktuellen und zukünftigen Studien und Analysen wird das BIBB Handlungsempfehlungen für die Berufsbildungspolitik entwickeln.
Erklärtes Ziel der Bundesregierung im "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" ist es, dass im Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zugelassen sind und Deutschland zu einem Job- und Wirtschaftsmotor für Elektroautos wird. Um diese Ziele erreichen zu können, müssen sowohl im Fahrzeugbau wie auch in den Bereichen Energiegewinnung, Energiespeicherung und Energiebereitstellung sowie beim Ausbau einer intelligenten Netzstruktur neue Wege gegangen werden. Gut ausgebildete Fachkräfte sind dabei der Schlüssel zum Erfolg.
"QuEle" - Studie zu eMob-bezogenen Qualifizierungsangeboten im Kfz-Sektor
Wenngleich Elektro- und Hybridfahrzeuge noch nicht täglich in den Kfz-Werkstätten zu warten und zu reparieren sind, ist dennoch bereits jetzt ein bedeutendes Schulungsangebot zur Elektromobilität im Kfz-Sektor entstanden. Den Status quo dieser Qualifizierungsinitiativen zu analysieren, ist das Anliegen der im Auftrag des BIBB durchgeführten Studie "QuEle".
Zentrales Ergebnis der Untersuchung ist es, dass die erforderliche Qualifizierung derzeit dem Markt überlassen wird, anstatt die notwendigen Qualifizierungsinhalte entlang von Arbeitsprozessen systematisch zu identifizieren und sie dann in die Erstausbildung bzw. in die Fort- und Weiterbildung zu integrieren. Im Wesentlichen stellen die derzeit durchgeführten Schulungen die Arbeitssicherheit beim Umgang mit der Hochvolttechnik sicher. Die Nachfrage nach solchen Angeboten ist hoch, weil niemand den Anschluss an die neuen Technologien verpassen will.
In den Bereichen Fahrzeugentwicklung und Produktion haben die Fahrzeughersteller bereits tragfähige Qualifizierungskonzepte entwickelt. Diese sind allerdings nicht für den Kfz-Service geeignet, weil die Facharbeit in Kfz-Werkstätten ganz andere Anforderungen stellt. Für das Kfz-Handwerk sind Qualifikationsbedarfe somit erst noch genauer zu ermitteln, denn hier müssen Qualifizierungskonzepte eine service- und reparaturspezifische Ausrichtung erfahren.
QuEle
"Diffusion von neuen Technologien - Veränderungen von Arbeitsaufgaben und Qualifikationsanforderungen im produzierenden Gewerbe"
Das Forschungsvorhaben des BIBB geht der Frage nach, welchen Beitrag das Berufsbildungssystem leisten kann, um den Prozess der Diffusion neuer Technologien in die Produktion aktiv zu unterstützen. Im Besonderen soll geklärt werden, wie Veränderungen der Qualifikationsbedarfe durch technische Innovationen frühzeitig erkannt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Berufsbildungssystem systematisch bewertet werden können.
Der Bereich der Elektromobilität wird im Rahmen von Fallbeispielen zur Wertschöpfungskette Batterietechnik, zu Leichtbau und zu Smart Grid im Themenfeld Energiewende berücksichtigt.
Diffusion von neuen Technologien
"QUALERGY 2020" - Europäische Bauinitiative
Das BIBB ist Partner eines vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) geführten nationalen Konsortiums zur Umsetzung eines von der EU-Kommission geförderten Programms. Ziel der Initiative ist es, alle nationalen Kräfte zu bündeln, um die Anzahl qualifizierter Fachkräfte im Bau- und Ausbaugewerbe bis 2020 zu steigern. Sie konzentriert sich insbesondere auf die Fort- und Weiterbildung von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen des Bau- und Ausbauhandwerks nach deren ursprünglicher Ausbildung ("blue-collar-workers").
Dazu werden in einer ersten Projektstufe 2011 bis 2013 sowohl nationale Plattformen aufgebaut, in der alle Akteure für die Bereiche Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zusammengeschlossen sind als auch Qualifizierungs-Roadmaps bis 2020 erarbeitet, in denen entsprechende Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote für die genannten Bereiche aufgezeigt werden sollen.
Das Projekt konzentriert sich insbesondere auf die Aspekte der Nachhaltigkeit, die Steigerung der individuellen Handlungsfähigkeit der betroffenen Fachkräfte sowie die Berücksichtigung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen wie Umwelt- und Klimaschutz und eine effiziente Ressourcenverwendung.
Qualergy 2020
"Berufsfeldanalyse zu industriellen Elektroberufen als Voruntersuchung zur Bildung einer möglichen Berufsgruppe"
Die industriellen Elektroberufe sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten (1997/98, 2003 und 2008) neu geordnet worden. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Komplexität, Breite und Tiefe der Berufsprofile.
Ziel des Projektes ist, einen Vorschlag für eine neue Berufsgruppe der Elektroberufe vorzulegen. Das Thema Elektromobilität spielt dabei eine besondere Rolle.
Berufsfeldanalyse zu industriellen Elektroberufen
Modellversuchsprogramm: Berufliche Bildung für Nachhaltige Entwicklung
Das BIBB fördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) vier Verbundprojekte (3 Jahre Laufzeit) und zwei Einzelprojekte (2 Jahre Laufzeit) aus den Branchen Metall/Elektro mit den Schwerpunkten erneuerbare Energien, Bauen und Wohnen, Chemie sowie Ernährung und nimmt damit Bezug auf die UN-Dekade "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung" (2005 - 2014).
Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung
Das Themenfeld Elektromobilität wird insbesondere in den Modellversuchen "BEE MOBIL" und "OFFSHORE-KOMPETENZEN" fokussiert.
Nachhaltige Entwicklung
a)"BEE MOBIL" - Bildung im Handwerk in den Zukunftsmärkten Elektromobilität und Erneuerbare Energien
Zentrales Ziel des Projekts ist es, in der Metropolregion Rhein-Neckar zu untersuchen, welche Anforde-rungen der Ausbau von Elektromobilität und Erneuerbaren Energien (und deren Zusammenspiel) an die berufliche Aus- und Weiterbildung im Handwerk stellen und ein Konzept für die strategische Neustrukturierung der Qualifizierungsangebote zu entwickeln. Außerdem sollen die Zugangsvoraussetzungen für kleinere Betriebe zu diesen Angeboten verbessert sowie die Attraktivität für leistungsstärkere Jugendliche erhöht werden. Weiteres Ziel ist es, dass kleine und mittlere Unternehmen den Umbau der Energieversorgung kompetent mitgestalten und von den sich ergebenden Chancen profitieren.
BEE-Mobil
b)"OFFSHORE KOMPETENZ"
Das Institut Technik und Bildung (ITB) an der Universität Bremen analysiert die Kompetenzen und den Qualifikationsbedarf von Fachexperten bei Errichtung, Inbetriebnahme und Service von Offshore-Windenergieanlagen und entwickelt, basierend auf den Arbeitsprozessen, mit den Projektpartnern (BBS Cuxhaven, pm|c) regionale Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. Dabei werden internationale Standards in Bezug auf die Errichtung von Offshore-Anlagen, das Expertenwissen, die Dimensionen der Nachhaltigkeit sowie ein Bezugsrahmen für die Festlegung von Qualifikationsstandards und deren Einordnung in einen Europäischen Qualifikationsrahmen berücksichtigt.
Offshore-Kompetenz
"Modernisierung der Berufsausbildung zum/zur Kfz-Mechatroniker/-in unter Berücksichtigung der Integration zweier Berufe"
Der technologische Wandel beeinflusst nicht nur die Entwicklung und Produktion von Kraftfahrzeugen. Auch Kfz-Betriebe werden verstärkt mit neuen elektronischen Systemen, alternativen Antriebskonzepten und modernen Werkstoffen konfrontiert. Die daraus resultierenden Anforderungen des Berufsbildes bestehen z. B. in Änderungen im Service- und Wartungsumfang, neuen Reparatur- und Diagnosemethoden, veränderten Vorgaben der Schadstoffreduzierung, der Einführung neuer Antriebsarten wie z. B. Hybrid- und Elektrofahrzeuge, der Anwendung der Hochvolttechnologie, der Verwendung neuer Leichtbauwerkstoffe und neuen Karosseriereparaturmethoden.
Mit der Neuordnung der Berufsausbildung zum/zur Kfz-Mechatroniker/in wird diesen veränderten Rah-menbedingungen entsprochen und zugleich der zweijährige Ausbildungsberuf Kfz-Servicemechaniker/in sowie der Ausbildungsberuf Mechaniker/-in für Karosserieinstandhaltungstechnik in das neue Berufsbild integriert.
Berufsausbildung zum/zur Kfz-Mechatroniker/-in
Förderung von Überbetrieblichen Bildungsstätten (ÜBS) zur Sicherung der Qualität der beruflichen Bildung im Hinblick auf neue Qualifizierungsbedarfe
Aus dem Haushalt des BMBF fördert das BIBB die Modernisierung, Erweiterung und Ausstattung von Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) mit dem Ziel, die Ausbildungsfähigkeit kleinerer und mittlerer Betriebe (KMU) herzustellen bzw. zu verbessern. Aufgrund ihrer Spezialisierung sind nicht alle KMU in der Lage, alle geforderten Ausbildungsinhalte am Arbeitsplatz zu vermitteln. Durch die ergänzenden Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der ÜBS wird ein flächendeckendes Angebot betrieblicher Aus- und Weiterbildung unter Berücksichtigung aktueller technologischer und pädagogischer Erkenntnisse gewährleistet. Damit werden zugleich Voraussetzungen geschaffen, dass auch bisher nicht ausbildende Betriebe dringend benötigte zusätzliche Ausbildungsplätze bereitstellen.
Insbesondere das Netzwerk der ÜBS und Kompetenzzentren ist in besonderer Weise geeignet, die für das vielschichtige Themenfeld Elektromobilität - auch Berufe übergreifend - notwendigen Entwicklungs- und Koordinierungsmaßnahmen zur Qualifizierung breiter Personenkreise zu leisten. Das BMBF beabsichtigt für diese Aufgabe ab 2013 Mittel bereitzustellen.
Überbetriebliche Bildungsstätten





