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BIBB verstärkt Berufsbildungszusammenarbeit mit Südamerika

BIBB-Präsident Esser : "Wir bringen unsere guten Erfahrungen mit dem dualen System in engere internationale Kooperationen ein."

Foto: Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser am Podium
BIBB-Präsident Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser

Die Intensivierung der Zusammenarbeit im Bereich der beruflichen Bildung war ein Schwerpunkt der Südamerikareise nach Chile, Kolumbien und Brasilien, an der BIBB-Präsident Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser in der Zeit vom 29. September bis zum 5. Oktober als Mitglied einer Regierungsdelegation unter Leitung von  Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan teilgenommen hat. Im Mittelpunkt standen jeweils die beiderseitigen Erfahrungen bei der Gestaltung und Finanzierung der beruflichen Bildung. Als Ehrenredner einer Berufsbildungskonferenz in Chile betonte Esser die Bereitschaft des BIBB, die guten Erfahrungen mit dem dualen System in Deutschland in die bilateralen Kooperationen einzubringen, damit den Herausforderungen des Fachkräftemangels in Lateinamerika begegnet werden kann.

Pressemitteilung des BMBF vom 28.09.2012

Auf seiner Reise in die drei lateinamerikanischen Länder begrüßte BIBB-Präsident Esser die von seinen Kooperationspartnern bereits eingeleiteten Reformbemühungen im Bildungssektor und ermutigte sie, das Lernen im Arbeitsprozess stärker zu fördern: "Nach unseren Erfahrungen ist die Kombination von Lernen in der realen Arbeitssituation und schulischem Lernen die beste Form zur Entwicklung von beruflicher Handlungskompetenz".
Das BIBB ist im November 2011 eine Kooperationsvereinbarung mit dem chilenischen Bildungsministerium MINEDUC eingegangen, in dessen Rahmen Lösungsansätze zur Reform des chilenischen Berufsbildungssystems entwickelt werden sollen. Die Vereinbarung sieht neben einem regelmäßigen Informationsaustausch auch die Durchführung gemeinsamer Workshops für Expertinnen und Experten der beruflichen Bildung vor. Inhaltliche Schwerpunkte der deutsch-chilenischen Berufsbildungskooperation sind die Professionalisierung des betrieblichen Berufsbildungspersonals sowie die Entwicklung von Berufs-, Ausbildungs- und Prüfungsstandards für Berufe, die für den Bergbausektor relevant sind.
In Kolumbien und Brasilien war ebenso der Bereich der Berufsbildung Gegenstand der Gespräche. Anlässlich des Besuches vom BIBB-Präsident Esser sind am 3. Oktober 2012 die kolumbianischen Ministerien für Bildung (MEN) und Arbeit (MinTrab) der Kooperationsvereinbarung beigetreten, welche das BIBB bereits seit April 2011 mit dem nationalen Dienst Kolumbiens für Berufsbildung SENA (Servicio Nacional de Aprendizaje) unterhält. In Kolumbien berät das BIBB seinen Kooperationspartner beim Aufbau eines nationalen Forschungszentrums für Berufsbildung.
In Brasilien wurde am 5. Oktober ein Memorandum of Understanding zwischen dem BMBF und dem brasilianischen Bildungsministerium über Kooperation in der beruflichen Bildung unterzeichnet. Zudem besteht zwischen dem BIBB und dem nationalen Dienst für industrielle Berufsbildung SENAI (Serviço Nacional de Aprendizagem Industrial) seit 1998 eine Kooperationsvereinbarung.

 

BIBB-Präsident Esser bei der Berufsbildungskonferenz "ENEDUC" in Santiago de Chile

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser hat im Rahmen seiner Reise am 2. Oktober 2012 auf der VIII. Berufsbildungskonferenz  "ENEDUC Educación & Empresa" (Bildung & Unternehmen) des chilenischen Industrieverbandes SOFOFA in Santiago de Chile das deutsche System der dualen Berufsausbildung präsentiert und für eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft in der Berufsbildung in Chile geworben. "Deutschland verfügt über eine lange Tradition und Erfahrung im Bereich der Berufsbildung. Diese möchten wir mit unseren Partnern in Lateinamerika teilen".

An der Berufsbildungskonferenz "ENEDUC", die von Bundesbildungsministerin Schavan gemeinsam mit ihrem Amtskollegen Harald Beyer, der chilenischen Arbeitsministerin Evelyn Matthei und dem Präsidenten des Industrieverbands SOFOFA, Andrés Concha, eröffnet wurde, nahmen rund 400 Bildungs- und Wirtschaftsvertreter teil.

Foto: Teilnehmer der Konferenz
v.l.n.r.:  Andrés Concha, Präsident des nationalen Industrieverbands Chiles (SOFOFA); Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung; Evelyn Matthei, chilenische Arbeitsministerin; Harald Beyer, chilenischer Bildungsminister


In den kommenden acht Jahren sollen in Chile durch den Staat und den privaten Sektor ca. 67 Milliarden US$ in den Bergbausektor investiert werden. Daraus ergibt sich ein großer Mehrbedarf an qualifizierten Fachkräften auf diesem Gebiet sowohl bei Akademikern und Wissenschaftlern als auch auf der Ebene der beruflichen Bildung. Tausende von Fachleuten werden in den kommen Jahren den Unternehmen fehlen.

BIBB-Präsident Esser erklärte in seiner Rede, dass auch in Deutschland der Fachkräftemangel eine große Herausforderung darstellt. "Bis 2020 werden uns etwa eine Million dringend benötigte Nachwuchsfachkräfte weniger zur Verfügung stehen". Angesichts dieser Entwicklung müssten Betriebe auch in Deutschland in einen verstärkten Wettbewerb um geeignete Bewerber/-innen treten.

"Unternehmen denken ökonomisch" betonte der BIBB-Präsident und fügte während seiner Rede hinzu, dass Ausbildung für deutsche Unternehmen eine "rentable Investition" ist: "Auszubildende sind für die Unternehmen potenzielle künftige Mitarbeiter".  Auch in Fragen der Qualitätssicherung würdigte Esser die Bedeutung der zuständigen Stellen in Deutschland, wie z.B. der Industrie- und Handelskammern oder der Handwerkskammern. Sie überwachen die Durchführung der Ausbildung im Betrieb, fördern sie durch Beratung der Auszubildenden und Ausbildenden und koordinieren die Arbeit der Prüfungsausschüsse. Zudem, so der BIBB-Präsident weiter, "arbeiten die Mitglieder der Prüfungskommissionen ehrenamtlich", eine Situation, die in Chile unbekannt ist.

Der Präsident des Industrieverbands SOFOFA, Andrés Concha, hob den Stellenwert hervor, den die Entwicklung des Humankapitals, die Produktivität sowie die Qualität in der Bildung und Beschäftigung in Chile haben. Dies zeige sich, so Concha, u.a. auch durch "die hochrangige Besetzung der geladenen Konferenzredner". Die durchschnittliche Produktivität einer Fachkraft in Chile beträgt heute etwa ein Drittel derjenigen einer deutschen Fachkraft. Um diese Situation zu verbessern, so Concha, sollen Maßnahmen in Aus- und Weiterbildung intensiver gefördert werden. Gerade junge Menschen, die in Chile mit einer Berufsbildung beginnen, wünschen sich eine engere Verbindung mit der realen Arbeitswelt, erklärte der chilenische Bildungsminister Beyer. Daher sei heute das Ziel der chilenischen Regierung stärker als bisher, das Berufsbildungssystem zu fördern und sich dabei an dem deutschen Vorbild der dualen Ausbildung zu orientieren.

Aufgrund der hohen Attraktivität des deutschen Berufsbildungssystems wird das BIBB weltweit für Beratungsleistungen angefragt. Zurzeit unterhält das BIBB rund 30 Kooperationsvereinbarungen mit Institutionen weltweit, um Reformprozesse in den dortigen Berufsbildungssystemen zu unterstützen. Partnerländer des BIBB in Lateinamerika sind Chile, Kolumbien, Brasilien und Mexiko.

Weitere Informationen zur Berufsbildungskonferenz ENEDUC finden Sie auf Spanisch unter:  http://web.sofofa.cl/Noticias/importancia-del-capital-humano-fue-abordado-en-eneduc-2012/ sowie zu den internationalen Beratungsdienstleistungen des BIBB unter www.bibb.de/international

Ansprechpartnerin im BIBB:
Diana Cáceres-Reebs

Letzte Änderung: 19.03.2013


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Herausgeber: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
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