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Berufliche Chancen und Entwicklung von jungen Leuten

Befragung von jungen Leuten, die ihre Lehre beendet haben

- Eine Untersuchung des BIBB im Auftrag des BMBF -

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das BIBB gebeten, eine bundesweite Untersuchung zu den beruflichen Chancen und der beruflichen Entwicklung von jungen Leuten durchzuführen, die gerade die Lehre beendet haben.  Mit der Studie soll herausgefunden werden, wie Ausbildungsabsolventen der Sommerprüfung 1999 und der Winterprüfung 2000 der Einstieg in das Arbeitsleben gelungen ist. Nun liegen die ersten Ergebnisse vor.

Arbeitslosigkeit unmittelbar nach abgeschlossener Lehre

1999 meldeten sich in Deutschland rund 115.400 Absolventen nach erfolgreich abgeschlossener dualer Ausbildung arbeitslos. Demnach sind 1999 in Deutschland rund 24% der erfolgreichen Prüfungsabsolventen zunächst einmal arbeitslos geworden. In den neuen Ländern liegt die Quote mit rund 38% fast doppelt so hoch wie in den alten Ländern mit 20%. Damit haben die Arbeitslosenzugänge unmittelbar aus dualer Ausbildung in den alten Bundesländern nach einer zwischenzeitlichen Phase der Zunahme wieder einen ähnlichen Stand wie 1995 erreicht. In den neuen Ländern ist in diesem Zeitraum eine deutliche Zunahme zu verzeichnen: hier lag 1995 der Anteil junger Fachkräfte, die aus betrieblicher Ausbildung unmittelbar in die Arbeitslosigkeit einmündeten, noch bei 30%. 1999 erreicht er 38%. Damit haben sich die Chancen junger Fachkräfte unmittelbar im Anschluss an die Ausbildung in eine Berufstätigkeit einzumünden, im Vergleich zu 1995 in den alten Bundesländern stabilisiert, in Ostdeutschland jedoch verschlechtert (vgl. hierzu auch die Übersicht 1).
Zu betonen ist allerdings, dass es sich bei den oben genannten Anteilen um Momentaufnahmen unmittelbar nach der Lehre handelt. Den meisten Jugendlichen, die nach abgeschlossener Berufsausbildung erst einmal arbeitslos sind, gelingt es recht schnell, die Arbeitslosigkeit wieder zu beenden - sei es durch die Aufnahme einer Arbeit, durch einen weiteren Schulbesuch oder den Beginn des Wehr- oder Zivildienstes.

 

Warum wird eine weitere Studie über den Verbleib von Jugendlichen nach der Ausbildung durchgeführt?

War früher eine unbefristete Übernahme in den Betrieb nach abgeschlossener Ausbildung die Regel, so hat sich das Spektrum der Möglichkeiten an der "zweiten Schwelle" in den letzten Jahren verbreitert. Neben befristeten Verträgen für angehende Fachkräfte bieten Betriebe auch Teilzeitverträge an, um einem möglichst großen Anteil ihrer Auszubildenden nach Abschluss der Ausbildung eine Tätigkeit als Fachkraft zu ermöglichen. Zwar werden auch heute noch mehr als die Hälfte aller Ausbildungsabsolventen übernommen, doch gibt es inzwischen einen größeren Teil von Jugendlichen, die ihren Betrieb freiwillig oder unfreiwillig verlassen.

Wie gut sich die eigene Perspektive nach Beendigung der Ausbildung darstellt, ist regional unterschiedlich und hängt auch von einer Reihe weiterer Faktoren ab, z.B. davon, ob die Ausbildung betrieblich oder außerbetrieblich stattgefunden hat.

Um diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen und damit die Informationslage zum Verbleib von Absolventen und Absolventinnen des dualen Systems zu verbessern sowie die beruflichen Integrationschancen junger Fachkräfte aufzuzeigen, führt das Bundesinstitut für Berufsbildung zur Zeit im Auftrag des Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Untersuchung zum "Verbleib junger Fachkräfte an der zweiten Schwelle" durch. 

 

Wie wird die Studie durchgeführt?

Im einzelnen fanden bisher folgende Untersuchungsschritte statt:

Schriftliche Befragung von Ausbildungsabsolventen der Sommerprüfung 1999 im Winter 1999/2000
Schriftliche Wiederholungsbefragung bei den Ausbildungsabsolventen der Sommerprüfung 1999 ein Jahr nach Abschluss der Ausbildung im Winter 2000/2001.
Schriftliche Befragung von Ausbildungsabsolventen der Winterprüfung 2000 im Winter 2000/2001.

 

Bisherige Ergebnisse der Studie

Zur Zeit liegen aussagekräftige Zwischenergebnisse für Teilnehmer der Sommerprüfung 1999 vor, die im November 1999 befragt wurden. Übersicht 2  zeigt die Struktur der untersuchten Stichprobe. Es handelt sich um Absolventen aus 16 stark besetzten Berufsbereichen, die ihre Prüfung erfolgreich bestanden haben, und überwiegend aus kaufmännischen Berufen stammen.

Neun von zehn jungen Fachkräften haben geplant, im Anschluss an ihre Ausbildung eine Beschäftigung aufzunehmen. Ein Angebot zur unbefristeten Übernahme wurde auch in neun von zehn Fällen angenommen - eine befristete Übernahme in 87% der Fälle akzeptiert.

Von betrieblich ausgebildeten Fachkräften haben über 70% der Befragten ein Übernahmeangebot erhalten. Diese Zahl schwankt je nach Berufsgruppe zwischen 52% und 94%. Dabei sind über 30% der Übernahmeangebote zeitlich befristet und über 40% unbefristet. Deutliche Unterschiede zeigen sich hier zwischen den einzelnen Berufsgruppen. Knapp die Hälfte der Groß- und Außenhandelskaufleute sowie der Einzelhandelskaufleute, aber nur jeder dritte Industriekaufmann erhält das Angebot einer unbefristeten Übernahme (vgl. hierzu auch die Übersicht 3). In der Mehrheit der 16 Berufsgruppen überwiegen  - wenn in manchen Berufsgruppen auch nur knapp -   die unbefristeten Angebote als Fachkraft. Industriekaufleute und Techniker/technische Sonderkräfte berichten hingegen häufiger von einer befristeten als einer unbefristeten Übernahme.

Weichenstellend für die weitere berufliche Entwicklung sind sehr oft die Geschehnisse in den ersten Monaten nach Beendigung der Lehre. In dieser Zeit verringert sich der Arbeitslosenanteil; die Anteile der Fachkräfte, die sich erneut in Aus- oder Weiterbildung befinden, steigen. Auch die Anteile derer, die als Fachkraft arbeiten, nehmen in den ersten Monaten nach Beendigung der Lehre zu, sofern nicht der Beginn der Wehr- oder Zivildienstzeit oder die Aufnahme eines Studiums dem entgegenwirken. Zum Befragungszeitpunkt, d.h. im Durchschnitt fünf Monate nach Ausbildungsabschluss, arbeiten zwischen zwei Drittel und drei Viertel der betrieblich ausgebildeten Kaufleute sowie der Fachkräfte aus den Freien Berufen im erlernten Beruf; etwas darunter liegt der Anteil in den sonstigen Berufen. Der Arbeitslosenanteil liegt zu diesem Zeitpunkt zwischen 5% und 17%. Im kaufmännischen Bereich geht der Anteil der Arbeitslosen in den ersten fünf Monaten von 23% auf 11% zurück (Einzelhandelskaufleute: von 21% auf 12%).

 

Betriebliche versus außerbetriebliche Ausbildung

Die Chance, ein Übernahme- oder Vermittlungsangebot zu erhalten, ist bei betrieblicher Ausbildung erheblich größer als bei außerbetrieblicher Ausbildung. Von den außerbetrieblich in kaufmännischen Berufen ausgebildeten Absolventen und Absolventinnen berichten nur 32%, ein Übernahmeangebot ihres Praktikumbetriebes oder ein Vermittlungsangebot erhalten zu haben: 11% mit unbefristetem Vertrag und weitere 17% mit befristetem Vertrag als Fachkraft. Dagegen erhalten von den betrieblich ausgebildeten Fachkräften im kaufmännischen Bereich je nach Beruf zwischen 34% und 48% ein unbefristetes und weitere 11% bis 48% ein befristetes Übernahmeangebot im erlernten Beruf.
Trotz größerer Anstrengungen bei den eigenen Bewerbungsaktivitäten gelingt es außerbetrieblich ausgebildeten jungen Fachkräften zunächst vergleichsweise selten, eine Beschäftigung als Fachkraft zu finden. Daher sind unmittelbar nach Ende der Ausbildung zwischen 60% bis 83% der betrieblich ausgebildeten Absolventinnen und Absolventen in kaufmännischen Berufen im erlernten Beruf beschäftigt, aber nur 18% der außerbetrieblich Ausgebildeten.

Außerbetrieblich Ausgebildete münden zu 68% bei den kaufmännischen und 55% bei den sonstigen Berufen in die Arbeitslosigkeit ein. Bei den betrieblich ausgebildeten Kaufleuten liegt die Spannbreite der Einmündung in die Arbeitslosigkeit hingegen nur zwischen 7% und 22%; bei den sonstigen Berufen zwischen 17% und 25%.

Neben der Frage einer betrieblichen bzw. außerbetrieblichen Ausbildung gibt es allerdings noch andere Faktoren, die einen Einfluss auf die Chancen von jungen Absolventen am Arbeitsmarkt haben. So spielen der Wohnsitz und die damit verbundenen regionalen Beschäftigungsmöglichkeiten, aber auch individuelle Leistungsvoraussetzungen (Schulabschluss und Durchschnittsnote) und persönliche Zielvorstellungen eine deutliche Rolle. Betriebliche und außerbetriebliche Ausbildungsabsolventen unterscheiden sich zum Teil in diesen Aspekten. Daher wurde berechnet, ob und wie stark sich der Zusammenhang zwischen der Ausbildungsart (außerbetrieblich, betrieblich) und der weiteren beruflichen Entwicklung verringert, wenn der intervenierende Einfluss von Variablen wie Geschlecht, schulische Vorbildung, Note in der Abschlussprüfung und berufliche Ziele herausgefiltert wird. Dabei wurde in einer Variante der Ausbildungsberuf als weitere intervenierende Einflussgröße ebenfalls herausgefiltert, in einer anderen Variante nicht. In beiden Fällen zeigte sich, dass der Zusammenhang zwischen der Ausbildungsform und der beruflichen Entwicklung an der zweiten Schwelle deutlich kleiner wird (vgl. hierzu auch die Übersicht 4). Mit anderen Worten: Der negative Einfluss einer außerbetrieblichen Ausbildung auf die Entwicklungschancen zum Ende der Lehre hat nur zum Teil mit der Ausbildungsform selbst zu tun; zu anderen Teilen hat er mit anderen Faktoren wie eine ungünstigere schulische Vorbildung der außerbetrieblichen Auszubildenden zu tun oder auch mit der Tatsache, dass außerbetriebliche Ausbildung gehäuft dort stattfindet, wo die Beschäftigungschancen auf dem Arbeitsmarkt ohnehin weniger günstig sind.

 

Jugendarbeitslosigkeit im europäischen Vergleich

Ein duales Berufsbildungssystem, bei dem die Betriebe die Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, gilt grundsätzlich als das beste Mittel für eine Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit. Dies bestätigt ein Vergleich mit den europäischen Ländern, in denen Jugendliche ihren Beruf überwiegend in Schulen erlernen (vgl. hierzu auch die graphische Übersicht). So betrug im Jahr 2000 die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen unter 25 Jahren:

  • 12,1 % in Großbritannien,
  • 20,6 % in Frankreich,
  • 31,5 % in Italien und
  • 25,5 % in Spanien.

In Deutschland lag die Jugendarbeitslosigkeit dagegen bei 8,5 %.

In kleineren Ländern mit zum Teil ähnlichen Ausbildungsformen wie in Deutschland lag der Anteil der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren niedriger. Das gilt für:

  • Österreich (6,3 %),
  • Luxemburg (6,4 %),
  • Dänemark (6,7 %) und die
  • Niederlande (5,3 %).

Es stimmt, dass das duale System ein wichtiger Faktor für die niedrige Quote in Deutschland ist. Aber es gibt auch rein statistische Gründe. Die Arbeitslosenquote ist der Anteil der Arbeitslosen an der Gesamtzahl aller Erwerbspersonen der unter 25-jährigen. Der statistische Vorteil für Deutschland ist nun: Wir dürfen in den Nenner auch alle Jugendlichen hineinschreiben, die sich gerade in einer Lehre befinden. Denn Auszubildende werden hierzulande als Erwerbspersonen gezählt. Das drückt den Anteil der Arbeitslosen nach unten. In europäischen Ländern mit überwiegend schulischer Berufsausbildung bleiben dagegen die Jugendlichen, die sich gerade qualifizieren, weitgehend unberücksichtigt. Damit fallen hier auch die Quoten der Arbeitslosen höher aus.

 

 

Ansprechpartner

  • Dr. Mona Granato, Tel.: 0228/107-1227
  • Dr. Joachim Gerd Ulrich, Tel.: 0228/107-1122

Letzte Änderung: 03.11.2006

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