1. "Wissen steckt in den Köpfen" - Vorüberlegungen
Wissenstransfer umfasst mehr als den Austausch von Informationen. Wissen entsteht durch Erkenntnisgewinn oder durch Kombination von Informationen mit vorhandenem Wissen. Wissen ist komplex und an Personen gebunden. Der bewusste und systematische Umgang mit der Ressource Wissen in einer Organisation und einer forschungsbezogenen Community wird in der heutigen Wissensgesellschaft zunehmend zur strategischen Aufgabe, um dem Einzelnen Orientierung in der Informationsflut zu ermöglichen.
Hierbei sind insbesondere drei Aspekte von Bedeutung, die zugleich auch integrale Bestandteile eines Wissensmanagements sind:
1.) Wissen systematisieren
Eine strukturierte Wissensdokumentation nach vereinheitlichten Kriterien kann über die Gestaltung sogenannter "Wissenslandkarten" als einer möglichen Form der Visualisierung von Wissensbeständen erfolgen. Relevante Wissensfelder und -träger werden identifiziert und das aktuelle Wissen sowie die jeweiligen Wissensträger durch die Einbindung in eine einheitliche Struktur über graphische Verzeichnisse transparent und zugänglich gemacht. Hierdurch wird gleichzeitig ein zielorientierter Wissenstransfer ermöglicht.
2.) Wissen kommunizieren und aktualisieren
Praktisches Wissensmanagement ist ein fortlaufender Prozess, in welchem Wissen permanent zusammengeführt und aktualisiert wird mit dem Ziel einer besseren Nutzungsmöglichkeit des vorhandenen Wissens im Sinne einer Mehrwertschaffung. Wissensmanagement kann nur funktionieren, wenn die Wissensträger mitarbeiten, z.B. bei der Erstellung der Wissenslandkarte. Der permanente Wissensfortschritt erzeugt die Anforderung an eine Wissenslandkarte, dass sie einerseits Orientierungsstruktur bietet (Wissen systematisieren) und zugleich so flexibel ist, dass sie inhaltliche Erweiterungen und Ergänzungen ermöglicht, also dynamisch ist.
3.) Nutzerorientierte Aufbereitung von Wissen
Von der Information zum Wissen gelangt der Einzelne erst dann, wenn vorhandene Informationen auch nutzbar und sinnvoll verfügbar gemacht werden. Diese Nutzerfreundlichkeit geht mit Kriterien wie beispielsweise Übersichtlichkeit, Nachvollziehbarkeit, Verständlichkeit des zur Verfügung gestellten Wissens und Einfachheit in der Anwendung einher. Einen besonderen Stellenwert nimmt hier auch ein möglichst optimales Zusammenspiel von Mensch -der Einzelne als Träger relevanten Wissens-, Organisation -optimale Gestaltung von Rahmenbedingungen- sowie Infrastruktur -effiziente und nutzerfreundliche Unterstützung von wissensbasierten Prozessen- einher. Die Internet-Technologie bietet eine mögliche Plattform für Wissensmanagementsysteme.
Beim Wissenstransfer werden unterschiedliche Prozesse (Wissen gewinnen, Wissen austauschen und Wissen reflektieren) miteinander kombiniert. Dies geschieht auch in einer Diskussion, einem Fachgespräch oder einem Workshop. Die Schwierigkeit besteht darin, Wissen zu entpersonalisieren, so dass eine nachhaltige Nutzung möglich wird. Das Wissen soll unabhängig vom Menschen, der es schafft und nutzt, verfügbar werden. Am oben dargelegten Beispiel wird bereits deutlich, dass dies nie vollständig gelingen kann. Implizites Wissen wie Einsichten, Intuition oder Wertvorstellungen lassen sich nur schwer in statische Modelle fassen. Hier ist ein prozessorientiertes Vorgehen unter direkter Einbeziehung der jeweiligen Expertinnen und Experten erforderlich, um eine gewisse Abstraktion zu erreichen.