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Seite drucken Seite empfehlen Seite vorlesen L³ - Lebenslanges Lernen - Weiterbildung als Grundbedürfnis

Wolfgang Gerteis     und Michael Härtel  

Ein Konsortium unter der Führung des CEC Karlsruhe, Forschungszentrum der SAP AG, führt im Rahmen des vom BMBF ins Leben gerufenen Leitprojektthemenfeldes "Nutzung des weltweit verfügbaren Wissens für Aus- und Weiterbildung und Innovationsprozesse" das Projekt "L3 Lebenslanges Lernen - Weiterbildung als Grundbedürfnis" durch.

Zum revolutionierenden Einfluss des Informationsmediums heißt es in der Projektbeschreibung u.a.: "Vor dem Hintergrund, dass anwendbares Wissen immer schneller veraltet und Berufsbilder sich ständig wandeln, möchte das Konsortium aktiv einen Beitrag leisten, erlernte Fähigkeiten und Kenntnisse fortlaufend zu aktualisieren." Mit diesem Projekt, dessen Plattform und Werkzeuge auf der Internet-Technologie basieren, soll eine technische und organisatorische Infrastruktur geschaffen werden, die es ermöglicht, unabhängig von eigener Bildung und sozialem Stand eigenes Wissen kontinuierlich auf den neuesten Stand zu bringen.

Die Bedeutung der beruflichen Weiterbildung wächst

Berufserfahrung wird nicht mehr nur an "Berufsjahren" gemessen, sondern immer mehr an der Kompetenz, wobei Kenntnisse im Umgang mit modernster IT eine entscheidende Rolle spielen. Hinzu kommt, dass junge Beschäftigte mit einem hohen Ausbildungsstand bei der Nutzung von IT auf den Arbeitsmarkt drängen. Seit einigen Jahren schon ist die gesellschaftlich und wirtschaftlich brisante Entwicklung zu beobachten, dass Mitarbeiter mit vielen Berufsjahren schlechter qualifiziert sind als jüngere Arbeitsuchende. Hierzu trägt auch bei, dass Berufsbilder, die durch die klassische Industriegesellschaft geprägt wurden, zunehmend in den Hintergrund treten oder ganz verschwinden. Die Betroffenen - Unternehmen und Gewerkschaften, aber auch die Arbeitnehmer selbst - müssen sich dieser Herausforderung stellen.

Informationstechnologie in der beruflichen Weiterbildung

Erzeugt auf der einen Seite der Einzug von IT erheblichen Druck auf den Arbeitsmarkt,so ist es nur recht und billig, sich der IT zu bedienen, um dem entgegenzuwirken: Mit dem Einsatz von computergestützten, multimedialen Lernumgebungen auf der Basis von Hochgeschwindigkeitsnetzen lässt sich die Quantität und Qualität der Ausbildung erheblich steigern. Und dies ist ein wesentliches Ziel des Projektes L3, dessen technische Leitung bei SAP AG liegt. Gegenwärtig ist Tele-Learning jedoch kein Massenangebot, sondern ein Nischenmarkt, da insbesondere ein allgemeines Servicekonzept und eine ganzheitliche Service-Infrastruktur fehlen. Die heutigen Protagonisten von Tele-Learning (z.B. Deutsche Telekom AG) sind nicht die heutigen und wahrscheinlich auch nicht die zukünftigen Weiterbildungseinrichtungen. Stattdessen sollten sich etablierte Weiterbildungseinrichtungen, wie beispielsweise die Berufsförderungswerke, neuer Techniken bedienen, um ihr jetziges Angebot zu ergänzen. Weiterbildungseinrichtungen sind jedoch meist keine potenten Investoren, andererseits muss der Zugang zu und die Nutzung von innovativen Technologien in der Weiterbildung gerade bei ihnen ansetzen. Ihr Bildungsangebot muss durch eine sorgfältige Abstimmung der Einrichtungen untereinander, durch die gemeinsame Nutzung der vorhandenen Ressourcen und durch eine institutionsübergreifende Kooperation erweitert werden.

Vision: Weiterbildung als Grundbedürfnis

Daraus resultiert die Vision von L3: die Schaffung einer organisatorischen und technischen Infrastruktur zur lebenslangen Weiterbildung, die von allen Bürgern zur beruflichen Weiterbildung genutzt werden kann. Hierzu sieht der Ansatz des Leitprojektes L3 die soziale Integration aller direkt  und indirekt am Bildungsprozess Beteiligten (z.B. Lehrende, Lernende, Lernberater, Fachexperten, Didaktiker, Kursersteller, Techniker) als auch die technische Integration (z.B. Dienste, didaktische Methoden, neue Medien, Internet, Kommunikationsnetze, global verfügbare Informationspools, wie etwa Medienarchive) in ein ganzheitliches, multimediales Servicekonzept für Bildung vor. Dabei wird ein evolutionärer Prozess angestrebt, der etablierte und effektive Formen des Lernens durch neue Formen ergänzt, die mit Hilfe moderner IT möglich werden (virtuelle Lerngruppen, Remote Tutoring,Tele-Learning, flexible Kursgestaltung). Lernerzentrierte Lernumgebungen, deren Kristallisationspunkt durch die Anbindung an eine moderne Serviceinfrastruktur erreicht wird, gewährleisten sowohl die technische als auch die soziale Integration. In der geplanten Infrastruktur stellen Servicezentren ein Online-Kursangebot zur Weiterbildung bereit; Lernzentren sind für die Lernenden betreute Zugangspunkte zu diesem Weiterbildungsangebot. In der vollen Ausbaustufe wird das Angebot auch von zu Hause oder vom Arbeitsplatz aus wahrgenommen werden können, was aus technischer Sicht jedoch einen qualitativ hochwertigeren Netzwerkzugang für Privathaushalte voraussetzt, als dies bislang üblich ist. Die hierfür erforderlichen Netzwerktechnologien (Dienstgütenprotokolle, XDSL) befinden sich jedoch gerade erst im Versuchsstadium für den flächendeckenden Einsatz.

Bundesweiter Pilot

Im Rahmen des Projektes wird ein Pilot für diese Infrastruktur realisiert: Die Xlink Internet Service GmbH baut in Karlsruhe ein Servicezentrum auf, an das zunächst 9 Lernzentren angeschlossen sind. Die bundesweit verteilten Lernzentren werden von etablierten Weiterbildungseinrichtungen betrieben, z. B. vom Berufsförderungszentrum des CJD Maximiliansau, von den Berufsförderungswerken Dortmund, Oberhausen und Dresden, dem Technologie Centrum Chemnitz, der Hochschule Mittweida (FH) oder der Freien Akademie in Bonn. Die für den Lernbetrieb und die Infrastruktur erforderlichen Softwarekomponenten werden neben dem CEC Karlsruhe und Xlink von der Firma TECMATH, der GMD in Darmstadt sowie von den Universitäten Dresden, Mannheim und Karlsruhe entwickelt. Die Lernzentren werden eine didaktische, wirtschaftliche und technische Evaluierung der Infrastruktur vornehmen, wobei Selbstlernphasen im Lernzentrum zu einem integralen Bestandteil des regulären Kursbetriebes der Weiterbildungseinrichtungen werden sollen. Die didaktisch-wissenschaftlichen Konzepte hierfür werden von der Universität Bielefeld beigesteuert. Neben den technologischen und didaktischen Fragestellungen befasst sich das Projekt  intensiv mit der Entwicklung und Erprobung (privat-)wirtschaftlich tragfähiger Geschäftsmodelle zwischen den am Weiterbildungsbetrieb beteiligten Parteien. Dies soll mittelfristig den tragfähigen Betrieb der Infrastruktur gewährleisten und längerfristig das Grundbedürfnis einer lebenslangen Weiterbildung für den Einzelnen und für die Unternehmen befriedigen.

Letzte Änderung: 25.05.2004


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