Mittelfristige Nachfragevorausschätzung
Das BIBB erstellt in unregelmäßigen Jahresabständen Mittel- und Langfristprognosen zur Entwicklung des Nachfragepotenzials unter den Jugendlichen nach dualer Berufsausbildung. Die letzte Schätzung wurde Ende 2008/Anfang 2009 durchgeführt und bezog sich auf den Zeitraum bis 2020.
Basis der Vorausschätzungen sind die Vorausberechnungen der Kultusministerkonferenz zu den künftigen Abgängern und Absolventen aus den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen sowie Schätzungen zur Zahl künftiger "Altbewerber", also zur Zahl derjenigen ausbildungsplatzinteressierten Jugendlichen, welche die Schule bereits vor längerer Zeit verlassen haben und ihr Interesse an einer Berufsausbildung bei der Arbeitsverwaltung (Arbeitsagenturen, ARGEn, zugelassenen kommunalen Trägern) bekundet haben. Die Zeitreihen zu den Schulabgänger- und Schulabsolventenzahlen werden mit je nach Absolventengruppen unterschiedlichen Nachfragequoten verbunden und erlauben auf diesem Wege eine Vorausschätzung des künftigen Nachfragepotenzials.
Wie die Ergebnisse zeigen, wird der demografische Einbruch die Sicherstellung des Fachkräftenachwuchses in Deutschland stark beeinträchtigen. Das Nachfragepotenzial nach dualer Ausbildung schrumpft bereits heute, und diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Zwar wird die Zahl der studienberechtigten Abiturienten noch bis 2016 zunehmen und aufgrund doppelter Abiturientenjahrgänge in einigen Ländern temporär nach oben schnellen. Doch ist das Interesse der Abiturienten an betrieblicher Berufsausbildung im dualen System zu gering, um die stark sinkende Nachfrage nichtstudienberechtigter Schulabgänger und -absolventen bundesweit kompensieren zu können.
Der demografische Verfall ist in Ostdeutschland heute schon sehr stark zu spüren. Dort haben sich innerhalb nur weniger Jahre die Jahrgangsstärken der Jugendlichen halbiert, und bereits im Jahr 2011 wird dieser Prozess abgeschlossen sein. Zu einer grundlegenden Umkehr wird es absehbar nicht mehr kommen. Angesichts eines nur marginalen Anstiegs bis Mitte der 2010er-Jahre werden die Schulentlassenenzahlen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau stagnieren. Zwar sind neben den Schulentlassenen aus den allgemeinbildenden Schulen auch Abgänger und Absolventen aus beruflichen Schulen oft an einer Berufsausbildung interessiert, darüber hinaus auch Jugendliche, die die Schule bereits seit längerer Zeit verlassen haben (so genannte "Altbewerber"). Doch sinkt das Nachfragepotential in diesen Gruppen nicht weniger dramatisch, und es kann deshalb den drohenden Nachwuchsmangel nicht verhindern.
In Westdeutschland verteilt sich der quantitative Rückgang bei den nichtstudienberechtigten Abgängern und Absolventen aus den allgemeinbildenden Schulen gleichmäßiger auf die kommenden 12 Jahre. Da das Nachfragepotenzial der Schulentlassenen aus den beruflichen Schulen und das der "Altbewerber" ebenfalls zurückgehen, verengt sich auch hier der Markt sehr deutlich. Die Veränderungen verlaufen jedoch nicht ganz so rasch wie in Ostdeutschland, so dass den Betrieben etwas mehr Zeit bleibt, sich an den zunehmenden Mangel an Jugendlichen anzupassen. Allerdings geraten die Betriebe auch von der anderen Seite unter Druck: Denn die Zahl der Personen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wird in den kommenden Jahren stark zunehmen. Der Ersatzbedarf der Betriebe wird steigen, kann aber durch die Jugendlichen immer weniger gedeckt werden.
Stand der Information: Oktober 2010





Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen und Fachkräftebedarf der Wirtschaft