CVTS 2 - Zusatzerhebung
Nationale Ergänzungserhebung zur zweiten europäischen Weiterbildungserhebung (CVTS-II Zusatzerhebung)
Die Zusatzerhebung zur zweiten europäischen Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung wurde zwischen November 2000 und Februar 2001 durch das Bundesinstitut für Berufsbildung mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als telefonische Befragung von 474 weiterbildenden Unternehmen durchgeführt, die bereits an der europäischen Befragung teilgenommen hatten.
Themen der Zusatzerhebung waren die Auswirkungen der Globalisierung und des strukturellen Wandels auf die betrieblichen Rekrutierungs- und Qualifizierungsstrategien, die Einstellung der Unternehmen zum lebenslangen Lernen, eine inhaltliche Beschreibung der Weiterbildungsangebote jenseits der Kurse und Seminare, die Reaktion der Unternehmen auf Vorschläge der Bildungspolitik zur stärkeren Betonung der Eigenverantwortung der Bildungsteilnehmer für ihre Qualifizierung, Fragen der Kosten und Finanzierung der betrieblichen Weiterbildung aus der Sicht der Unternehmen sowie Fragen nach einer stärkeren Integration von Arbeitslosen in betriebliche Qualifizierungsprozesse.
Die wichtigsten Ergebnisse der Zusatzerhebung sind:
- Wichtigste Reaktionsform der Unternehmen bei einer Betroffenheit durch die Folgen der Globalisierung ist das Angebot von Maßnahmen der betrieblichen Weiterbildung (92 % der betroffenen Unternehmen). Dies gilt unabhängig davon, ob die Auswirkungen der Globalisierung positiv (z.B. Produktinnovation) oder eher negativ (z.B. Kostendruck) sind. Auch bei einer Verringerung des Mitarbeiterstammes ergeben sich durch die Arbeitsverdichtung höhere Anforderungen für die Restbelegschaft. Allerdings sind von diesen Anforderungserhöhungen die un- und angelernten Mitarbeiter zumeist ausgenommen.
- Die deutschen Unternehmen sind sich der Herausforderung des lebenslangen Lernens sehr wohl bewusst. Sie sind bereit, ihren Beitrag zur Realisierung des Konzeptes des lebenslangen Lernens zu leisten, suchen jedoch in der Mehrheit (53 %) einen Kompromiss zwischen den betriebsspezifischen Interessen und den Ansprüchen des Konzeptes. In der Mehrheit sind sich die Unternehmen darüber im Klaren, dass die Umsetzung des Konzeptes für die Beschäftigten immer häufiger auch eine Mehrfachbelastung (Arbeit, Familie und Lernen) mit sich bringt (85 % der Unternehmen).
- Bei den Unternehmen, die Maßnahmen der betrieblichen Weiterbildung anbieten, hat sich das Angebotsspektrum der "anderen" Formen der Weiterbildung noch erweitert (mit Ausnahme des selbstgesteuerten Lernens mit Medien). Allerdings zögert eine wachsende Zahl von Unternehmen, alle Lernprozesse jenseits der klassischen Weiterbildung der betrieblichen Weiterbildung zuzuordnen. Lernen am Arbeitsplatz bewegt sich in einem Kontinuum zwischen "lernträchtigem Arbeiten" und systematisch gestaltetem Lernen durch Arbeit.
- Eine überraschend große Zahl von Unternehmen (67 %) befürwortet Bestrebungen, den Mitarbeitern auch solche Kompetenzen zu zertifizieren, die sie arbeitsintegriert, z.B. durch Berufserfahrung, erreicht haben. In Deutschland gibt es einige Ansätze in diese Richtung (z.B. die Externenprüfung im Rahmen des dualen Systems). Im Vergleich zu anderen Mitgliedsstaaten der EU besteht hier jedoch noch ein erheblicher Nachholbedarf.
- Im Bewusstsein der deutschen Unternehmen spielen die indirekten Kosten keine oder nur eine sehr begrenzte Rolle. Insbesondere die Personalausfallkosten sind selten ein Element der betrieblichen Kalkulation der Weiterbildungskosten. Aus diesem Grund ist die Nutzung der Freizeit für die betriebliche Weiterbildung nur unter bestimmten Rahmenbedingungen eine relevante Option. Sie beschränkt sich entweder auf bestimmte Angebote oder auf bestimmte Teilgruppen der Beschäftigten. Für einen erheblichen Teil der (zumeist) kurzen Angebote erwarten die Unternehmen eine Verlagerung der Arbeit in die Freizeit.





Betriebliche Weiterbildung in Deutschland und Europa